WM-Vorbericht Deutsche Nationalmannschaft F5D Pylon

Hartmut Siegmann

Eine Reise durch unendliche Weiten...

Es gibt eine inzwischen langjährige Tradition im Elektroflugsport: In den Fachzeitschriften Aufwind, Modell und elektroModell kann man im Anschluss an die Weltmeisterschaft eine sehr ausführliche Berichterstattung lesen. Insoweit ist nichts Neues zu vermelden, daran wird sich auch bei dieser WM nichts ändern. Das ist ein guter Grund, an dieser Stelle nicht weiterzulesen, denn diese Berichte sind wirklich gut, sachlich und fundiert geschrieben.

Genau das ist allerdings der Punkt, an der die Sache anfängt, interessant zu werden: Sachlichkeit hat immer etwas mit Abstand, mit Distanz zu tun. Was wäre denn, wenn wir Dich, ja genau Dich lieber Leser, hier an dieser Stelle jeden Tag aufs Neue mit auf eine kleine Reise durch unser kleines Paralleluniversum, den Elektroflug-Hochleistungssport mitnehmen würden? Na, das klingt doch zumindest ein wenig verlockend, oder? Also virtueller Anhalter, schnall´ Dich an, jetzt geht es auf eine Reise durch unsere Galaxis!

Die Elektroflug Weltmeisterschaft findet vom 06.-15. August 2004 in York/Großbritannien statt, ein Mausklick auf diesen Link vor dem 07. August bringt also keine neuen Erkenntnisse!

 

Der Dauerlutscher: Das Wetter

Die klassische Frage nach Wind & Wetter wird sicherlich jeden Tag ein Thema sein. Wieviel Wind weht aus welcher Richtung und regnet es gerade? Unser Tipp: Im Zweifelsfall wird es very British sein, also Regen und Wind. Alles andere wäre in diesem Sommer wirklich erstaunlich, ohne dem Sommer 2004 an sich nahe treten zu wollen. Er hat lediglich die Pflicht, die durch den 2003er Sommer geschockten Wetter-Statistiker zu beruhigen. Die Leute mit Kassandra-Komplex werden natürlich Rotz und Wasser heulen, dieses Jahr ist wieder nichts mit Klimakatastrophe. Letztes Jahr konnten sie noch eine mitteleuropäische Sahel-Zone binnen weniger Jahre, wenn nicht gar Monate heraufbeschwören, nun glaubt ihnen das niemand mehr. Kassandra-Komplex eben. Dafür können sie nun endlich ihre Bücher zum Thema "Regenwald in Mitteleuropa" und "Kalte Sommer - liegt Europa bald wieder unter dem ewigen Eis?" veröffentlichen. Ich beackere schonmal den Garten, sicherlich wird es ziemlich bald wieder ein Permafrostboden werden. Stiefmütterchen mit einem Presslufthammer pflanzen zu müssen wirkt etwas uncool.

Zum Abschluss der Wetter-Thematik hier noch das aktuelle Satellitenbild vom britischen Wetterdienst (3h). Falls da irgendetwas Grünes rund um York zu erkennen sein sollte, besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass wir gerade nicht im Regen stehen.

Quelle: www.weather.co.uk

Stand der WM-Vorbereitungen


Bild 3: Dirk Belting beim Zusammen-stellen der Akkupacks. Welche Sorte das ist, wird nicht verraten, aber Insider werden die grüne Farbe sicher richtig deuten. Man beachte die bewährte Kapazitätsmesstation für Akkus hinten rechts, siehe Bild 4.

F5D und F5B Weltmeisterschaft
Bereits in der aktuellen Aufwind (4/2004 S.45) ist ein wenig über die Vorbereitungen unseres F5D-Teams und natürlich auch des F5B-Teams zu lesen. Die Weltmeisterschaft in beiden Klassen wird traditionell gemeinsam am gleichen Ort ausgetragen. Wie das wohl gehen mag, bei den Frequenzen und so weiter? Die Sache ist ganz einfach: Wenn ein F5B Modell in den Luftraum des Pylonkurses eindringt, stürzt es ab, falls die Frequenz dieselbe sein sollte. Damit ist das Problem der Kanaldoppelbelegung sehr einfach geregelt, die darwinschen Ansätze kommen zum Tragen und doppelt verwendete Frequenzen werden naturgemäß diesen Ausleseprozess nicht überleben. Oder doch nicht?

Notizen zu Glaubensfragen
Versuchen wir es mit einem anderen Erklärungsansatz: Die Pylonpiloten fliegen ungerade Frequenzen, die F5Bler die geraden. So kann auf ein- und demselben Flugfeld paralleler Flugbetrieb stattfinden, ohne dass einer den anderen stört. Klingt doch schon ganz vernünftig - oder? Derzeit kaufen wir alle verfügbaren ungeraden Kanäle im Bereich 75-79 auf, denn die höheren Frequenzen haben sich aufgrund des Doppler-Effektes beim Pylon als sicherer erwiesen. Natürlich auch wieder Quatsch, deswegen an dieser Stelle ein Hinweis: Die Berichte hier erfordern ein gewisses Mitdenken und kritische Distanz, denn nicht alles, was hier steht und stehen wird, entspricht irgendwelchen Realitäten oder ist bierernst gemeint. Wenn wir schon beim Thema Bier sind: In York gibt es die "York Brewery" (was für ein einfallsreicher Name) und falls wir die Zeit an einem wettbewerbsmäßig neutralisierten Regentag finden sollten, werden wir dem Laden sicherlich einen Besuch abstatten. Und auch das gehört zum WM-Tagebuch, ganz abgesehen von den Katastrophen und Tragödien, die sich auf dem Flugfeld zutragen werden.


Bild 4: Man fragte sich lange Zeit, wo der Duracell-Bär geblieben ist. Und hier ist er! Mit diesem Bär wird die Kapazität der Flugakkus im Dauer-betrieb gemessen. Ein guter Akku erzielt etwa 52,3h Betriebszeit.

Mensch Meier!
Wir arbeiten parallel an zwei Standorten an der Tagesberichterstattung für diese WM: In York und mit redaktioneller Unterstützung from good old Germany. Die Aufgabe an der Heimatfront wird Christoph Meier, unser Webmaster von F5D.org übernehmen und er ist auch vernünftig per Email erreichbar, falls es irgendwelche intimen Fragen geben sollte, die besser nicht öffentlich gestellt werden.

Zum Thema intime Fragen sei die intimste bereits beantwortet: unser Team trägt selbstverständlich ausschließlich die RC-Network Shorts! Es ist erwiesenermaßen die schnellste Unterhose aller Zeiten und sie wird definitiv den kleinen, aber feinen Unterschied in der Rundenzeit ausmachen. Bei uns wird rein gar nichts dem Zufall überlassen!

Ein kurzer Rückblick: Sieger und Verlierer
Bevor wir nun einen näheren Blick auf die letzten Tage der Vorbereitung unserer Piloten werfen, ist es sicherlich nicht uninteressant, kurz die letzten Weltmeisterschaften Revue passieren zu lassen. Immerhin ist dieses bereits die 6. Weltmeisterschaft in F5D! Seit Wangaratta/Australien 1994 gab es schon einige Weltmeister, aber wer ist nun der beste Pilot aller Zeiten? Wer hat die meisten Punkte, was ist die niedrigste je geflogene Rundenzeit?

Download
F5D WM

Der offizielle FAI Weltrekord für die beste Rundenzeit liegt immer noch bei 66,3 Sekunden, aufgestellt auf der letzten WM in Winterthur/Schweiz 2002 vom amtierenden Weltmeister Robert Wimmer. Bereits im letzten Jahr und insbesondere in der laufenden Saison wurde diese Zeit bereits mehrfach unterboten, so dass sicherlich mit einer neuen Rekordzeit auf dieser WM zu rechnen ist. Robert fliegt leider nicht mit, die Wildcard des amtierenden Weltmeisters wird ungenutzt bleiben. Auf den letzten Weltmeisterschaften sind deswegen stets 4 Piloten aus Deutschland angetreten.

Traditionen und andere schlechte Angewohnheiten
Deutschland hat traditionell die stärkste Nationalmannschaft, die inzwischen auf 5 Teamweltmeisterschaften und 5 Einzeltitel in Folge zurückblicken kann. In Deutschland ist die weltweit aktivste und stärkste Pylonszene, so dass bis zuletzt Platz 1-4 fest in deutscher Hand lagen. Böse Zungen sprechen von einem Abonnement auf diese Plätze, aber auch das will erstmal erflogen werden!

Wer die Flugaufgabe bei F5D nicht so genau kennt, der kann hier einen kurzen Blick riskieren, dem Rest sei gesagt: So ein Dreieckskurs ist kein Spaß! Die Reaktionszeiten sind extrem gering, ein Formel 1-Rennen ist im Vergleich wie ein Blick ins Aquarium. Bei Kurvengeschindigkeiten von 270km/h und Kurvenbeschleunigungen von über 30G sind Menschen fehl am Platz. So etwas können nur unbemannte Maschinen!


Bild 5: Der F5D Pylonkurs. Eine Runde auf diesem Kurs dauert knapp 6,5 Sekunden, der aktuelle Weltrekord für 10 Runden liegt bei 66,3 Sekunden.


Jens Bartels
Modell: Avionic D-99, Nyamuk
Motor: Hacker B40 F5D FAI/6
Regler: Yeti Master 70 Pylon
Akku: 10x Sanyo 1950FAUP
Prop: CAM SpeedProp 4,7x4,7
Servos: Simprop SES 170 BB
Sender: Graupner/JR mc-22
Empf.: Graupner/JR smc-14
Empf-Akku: 4x Sanyo N-50AAA
Gewicht: 831g (Avionic D)
Lader: schulze isl 8-963g cham
Dirk Belting
Modell: Avionic D-99
Motor: Hacker B40 F5D FAI/6
Regler: Yeti Master 99
Akku: 10x Sanyo 1950FAUP
Prop: CAM SpeedProp 4,7x4,7
Servos: Graupner C 2081
Sender: Graupner/JR mc-22
Empf.: Graupner/JR smc-14
Empf-Akku: 4x Sanyo N-50AAA
Gewicht: 838g
Lader: schulze isl 8-963g cham

Markus Wanner
Modell: Tokoloschi, ariane P5
Motor: Hacker B40 F5D FAI/5
Regler: Yeti Master 99
Akku: 7x GP3000
Prop: CAM SpeedProp 4,7x4,7
Servos: Graupner C 2081
Sender: Graupner/JR mc-24
Empf.: Graupner/JR mc-12
Empf-Akku: 4x Sanyo N-50AAA
Gewicht: 820g (Tokoloschi)
Lader: schulze isl 8-963g cham

Keine Zeit für Späße!
Beim Pylon kann man nicht wie Jenson Button neulich in Hockenheim rundenlang das Visier auf der Geraden festhalten, selbst wenn man wollte. Ein Pylonpilot hätte für diesen Spaß gerade einmal 1,80s Zeit. Nein, kein Irrtum! Einskommaacht S E K U N D E N geht es geradeaus und in nur 0,85s wird die 180° Wende am Spitzpylon (Pylon #1) geflogen. Deswegen dauern die Rennen auch nur 65-70 Sekunden, weil sonst mindestens der Pilot wahnsinnig würde, vom Helfer ganz zu schweigen.

Unser Team, Frauen und Linksverkehr
Wer sich unsere Nationalmannschaft in aller Ausführlichkeit anschauen möchte, folgt bitte diesem Link. Deswegen ersparen wir euch und uns an dieser Stelle eine nähere Vorstellung der Nationalmannschaft an sich, nicht aber die des gesamten Teams. Wer gehört eigentlich noch dazu, abgesehen von den WM-Piloten? Ladies first: Patricia, Sandra und Claudia sorgen nicht nur für eine nette Atmosphäre, sondern sie werden uns auch durch das fahren, was man gemeinhin als Linksverkehr bezeichnet. Ätzende Kommentare ersparen wir uns an dieser Stelle, denn das Fahren im Linksverkehr ist nur so lange spaßig, bis zufällig kein Auto in der Nähe ist. Gedankenverloren, in eine interessante Diskussion über die F5D Modelle für die nächste Saison vertieft, biegt man rechts ab. Nach ein paar Minuten wundert man sich, dass die Briten ihre Schilder entgegen der Fahrtrichtung aufstellen. Das war einem bisher noch gar nicht aufgefallen, aber in einem fremden Land lernt man ja ständig dazu. Naja, sie essen das, was andere zu Mittag essen, zum Frühstück, insofern ergibt das schon irgendwie einen Sinn. Und nach längerem Nachdenken fällt einem sogar ein Vorteil ein: Wenn man auf ein Blitzgerät zufährt, kann man im Rückspiegel schnell noch nachsehen, wie schnell man eigentlich gerade fahren darf. Das ist wirklich sportlich fair von den Briten! So weit die positiven Aspekte verkehrt herum aufgestellter Verkehrsschilder, den Rest darf sich jeder selbst ausmalen. Deswegen Frauenpower ans Steuer!

Wer ist sonst noch dabei? David Dzida wird den offenen F5D Wettbewerb bestreiten und ist ansonsten als Helfer mit von der Partie. Als Ersatzpilot (4. Platz DM2003) kommt er hoffentlich nicht zum Einsatz, denn das hieße, dass einem der anderen drei Piloten etwas zugestoßen wäre - was wir nicht hoffen wollen! Christian und Niklas, die beiden Jungs von Klaus Brettner, unserem Team Manager werden ebenfalls als Helfer mitwirken. Niklas war auch schon bei der WM 2002 in der Schweiz dabei und hat damit bereits WM-Erfahrung. Zuguterletzt bleibt noch der Schmierfink übrig, der diese Zeilen hier zum Besten gibt (also ich) und natürlich Christoph, der uns via Internet aus der Heimat unterstützt. Das ist also das komplette Team!

Wir fahren gen Engelland!
Dieses ist der endültig letzte Bericht vor der Abfahrt auf die Insel. Wir freuen uns schon auf angebratenen Schinken, Würstchen, Pilze, Bohnen, Tomaten, Spiegeleier und dazu in Butter geschwenkten Toast zum Frühstück. Was es wohl zum Mittag gibt? Wir werden es berichten. Freunde, die Ansage ist klar: Die Rückreise wird nur mit 6 WM-Titeln im Gepäck angetreten! Und die US-Boys werden es wieder nicht verhindern können, so viel ist mal sicher, Rache für Ullrich muss sein. Stellt sich nur noch die Frage, ob der Generator auf der Fähre das "Pushen" der Akkus während der Fahrt packt? Falls die Lichter ausgehen sollten: Wir waren es nicht! Die anschließende Weiterfahrt als letzte Galeere der Nordsee wird sicher ein besonderer Spaß. Also auf sie mit Gebrüll: Fly Low, Go Fast, Turn Left!
Hartmut Siegmann
www.F5D.org

 

Linksammlung

 

Editorial: Randnotizen ohne Sinn und Verstand


Bild 9: Dieses Foto stammt aus einer Studie zur Untersuchung des Einflusses einer Familienpackung Akkus auf den Geisteszustand eines Akku-Junkies. Wie man sieht, waren die Auswirkungen so verheerend, dass das Experiment vorzeitig abgebrochen werden musste. Keine Akkus mehr für Belting!

Vorwort zum Editorial
In der guten alten Zeit gab es in der FMT gelegentlich die kleine, aber feine "Editorial" Ecke von Michael Šip. Dort schrieb er seine Gedanken zum Thema Modellflug, Redakteur-Dasein und so weiter nieder. Das war sicher irgend ein langer Abend nach dem Redaktionsschluss, bei einem guten Glas Wein, an dem er sich ganz in Ruhe seine Gedanken machte. So jedenfalls habe ich mir das immer vorgestellt. Ehrlich gesagt habe ich es immer sehr gerne gelesen und deswegen ist dieses "Editorial" vielleicht so etwas wie eine kleine Remineszenz an diese Zeit.

Manchmal bleiben beim Schreiben der Berichte Versatzstücke übrig, die niemand gebrauchen kann. Löschen wäre in jedem Fall sinnvoll, so ein sinnloses Zeug, was niemand braucht. Ein Tastendruck und weg! Aber irgendwie ist es auch schade drum, denn es ist dann endgültig verloren. Deswegen werden Textfragmente, die in den Tagesberichten nichts verloren haben, hier im Editorial zu finden sein. So wie heute. Der Vorbericht hat einige Nebenschauplätze eröffnet, die man vertiefen könnte, aber die letztlich einfach als Fragment übrig geblieben sind. Aber Bitte: Wer das hier liest, ist selber schuld! Keine Gewähr für rein gar nichts. Meine kleine, gemeine, hinterhältige und unaufgeräumte Kommentarecke ist unfair, ungerecht und unausgeglichen - virtuelles Unkraut, das wächst und gedeiht. Der Vorbericht ist nun endlich abgeschlossen, das Vorwort zum Editorial auch, jetzt geht es über zum gemütlichen Teil.

Betriebsbereitschaft
Nun, ich habe mich entsprechend vorbereitet: Das Weinglas steht vor mir auf dem Tisch, ein 2003er Merlot Bouchard Aîné & Fils steht ebenfalls bereit. Merlot ist sowas wie das Unkraut unter den Weinen, wild und urwüchsig. Wenn sich nur der Flaschenöffner finden lassen würde? Hm, eine Spax-Schraube tut es eigentlich auch. Nicht ganz stilecht, aber für einen Modellbauer allemal akzeptabel. Wo würden wir heute ohne die Spax-Schraube sein? Ich wage es mir kaum vorzustellen. Wahrscheinlich wären wir noch Höhlenmenschen mit einer Keule, aber ohne Akkuschrauber. Einen entscheidenden Vorteil hätte die Keule allerdings: sie ist immer betriebsbereit! Wäre ja auch etwas unangenehm, wenn ein Bär vor einem steht und man nicht weiß, ob die Keule gerade aufgeladen ist: "Schatz, hast Du nicht gestern die Keule ans Ladegerät gehängt?" "Nein, ich dachte Du..." Das dürften ziemlich genau die letzten Worte dieses Pärchens mit der wiederaufladbaren Keule gewesen sein. Gut, dass unser Leben nicht von wiederaufladbaren Akkuschraubern abhängt.

*Quieejieetsch - plopp!* Während der Wein durch den Flaschenhals gluggert und genüsslich ins Glas perlt, frage ich mich unwillkürlich: Gibt es eigentlich britischen Wein? Ist Wein und Großbritannien ein Widerspruch?

Kaffee und der "Haunted Walk of York"
Es wird sicher Tage geben, an denen ich es hassen werde, diese Tagesberichte zu schreiben. Wenn die Augenlider nach einem langen Tag bleischwer sind, aber dieser verdammte Tagesbericht noch wartet. Bis spät in die Nacht und manches Mal sicher bis früh in die Morgenstunden werde ich am Laptop sitzen, hunderte von Fotos durchsuchen und mich fragen, was ich da eigentlich gerade mache. Da hilft nur eine Sache und die in rauhen Mengen. Sicherheitshalber werde ich eine Familienpackung einpacken, Marke "Scheintot" versteht sich. Mit dem darin enthaltenen Coffein sollte sich problemlos ein mittelalterlicher Friedhof zu neuem Leben erwecken lassen. Der "Haunted Walk of York", eine berühmte Führung mit Geister- und Gutenachtgeschichten, die sich in den letzten 2000 Jahren in York und Umgebung zugetragen haben sollen, lädt zum Gruseln und natürlich Experimentieren ein. Vielleicht schaffen wir es ja, der Geschichte ein weiteres düsteres Kapitel hinzuzufügen?

Der Feudelplan
Wie ich so nebenbei mitbekommen habe, haben unsere Mädels schon einen Wisch- und Feudelplan geschrieben. Ein Glück, dass sie daran gedacht haben, ich hatte schon ernsthaft Sorge, wir würden während der 10 Tage im Dreck versinken, mon dieu! Manchmal haben Frauen was von Antimaterie. Jede Wette, für den Spruch muss ich leiden, 10 Tage Kloputzen ohne Bewährung. Mir bleibt nur die leise Hoffnung, dass unsere Pylon-Grazien dieses Editorial während der nächsten 3 Wochen nicht lesen werden.
Nein im Ernst: Es ist schon große Klasse, wie die Mädels unser Team und ihre Piloten unterstützen. Bei den Saisonwettbewerben machen sie die Auswertung, helfen rauchende Trümmer einzusammeln, wenn der Liebste es mit der Flughöhe mal wieder nicht so genau genommen hat. So ein Erdboden ist erstaunlich unnachgiebig - jedes Jahr aufs Neue. Danach braucht der etwas geknickte Herr Pilot eine Seelenmassage und wer könnte dafür besser geeignet sein...
Die Fliegerfrauen sind eine Bereicherung für unser Team und den Feudelplan ertragen wir mit derselben Fassung, wie die ersten Menschen die Sintflut. Beim Thema Sintflut kommt mir ein Gedanke: Wenn Gott eine Frau sein sollte, hat sie sicher auch einen Feudelplan. Irgendwann war es wieder so weit, sie war dran. Mitten beim Wischen, als sie sich gerade darüber aufregte, dass Petrus die Woche vorher mal wieder die Ecken nicht sauber gewischt hat (Männer!), stieß sie versehentlich gegen den Wischeimer, der daraufhin umgekippte. Noah, der alte Einfaltspinsel dachte natürlich, es handelt sich dabei um eine Sintflut! In Wirklichkeit war einfach nur mal wieder Putztag. So ist das Editorial: Hier werden Jahrtausende alte Mißverständnisse ein für allemal aufgeklärt!

Wir packen ein - und an!
Was sonst noch während der Vorbereitung los ist, wird nicht verraten, denn das fällt unter die Geheimhaltung. Dieser Online-Vorbericht ist nun endlich auch im Sack, aber die Tagesberichte müssen noch vorbereitet werden. Templates erstellen - für Hüter des deutschen Sprachgutes erstellen wir natürlich unter Vermeidung jedweder Aglizismen "Vorlagen" - damit das in York vor Ort auch mit der Tagesberichterstattung klappt. Aber York und Anglizismen - nunja. Bei dem Kauderwelsch da oben sind wir froh, wenn wir verstehen, wieviel Pfund der Kellner von uns haben will. Unser Weltempfänger in York wird aller Voraussicht nach die Gateway Internet Café-Bar sein. Was für ein sinniger Name, vermutlich gibt es keinen sinnigeren Namen für ein Internet-Café als "Gateway".
So, nun ist aber endgültig Schluss, auch mit dem Editiorial. Es gibt noch einiges zu tun und wir haben uns ja auch einiges vorgenommen. Also packen wir es an, auf zum letzten Gefecht!

PS: Der letzte macht das Licht aus!

Stand: 02.08.2004