RCN-Jugendcup 2004

Ralf Kohnen
Bilder von Eckart Müller, Claus Eckert und Ralf Kohnen

          

Der 4. RCN-Jugendcup wurde in diesem Jahr zum ersten Mal außerhalb von NRW durchgeführt.
Und dies kam so: Nachdem der Verein, der diesen Wettbewerb eigentlich durchführen wollte, kurzfristig abgesagt hatte, musste schnell für Ersatz gesorgt werden. Zum Glück habe ich in meinem Bekanntenkreis einige Leute, auf die ich mich blind verlassen kann. So genügte ein Anruf bei meinem Jet-Team-Mitglied Robert Sedlmeier

und nach einer Vorstandssitzung seines Vereins, der Hochstätter Modellflugfreunde e.V., war es beschlossen: Der RCN-Jugendcup 2004 startet in Bayern!

Für Dennis und mich bedeutete dies erst einmal, dass wir uns am Freitag, den 30. Jul. 2004, über die Autobahn Richtung Süden kämpfen mussten. Und es war wirklich ein Kampf; jede Menge Staus wollten umfahren werden und wir lernten die Vorteile eines Navigationssystems so richtig zu schätzen.
Als wir dann am Freitagnachmittag endlich auf dem Modellflugplatz in Rott am Inn, Ortsteil Dobl, angekommen sind, war schon jede Menge los. Die Hochstätter hatten die großen Zelte von ihrem Flugtag, der eine Woche vorher buchstäblich ins Wasser gefallen war, einfach stehen lassen und haben kurzerhand zwei große Zelte der Pfadfinder zusätzlich aufgeschlagen.

Wer wollte, konnte auch sein eigenes Zelt in der Nähe aufbauen.

Der kleine (aber feine) Flugplatz der Hochstätter ist nicht einfach zu befliegen, das erkennt man auf den ersten Blick. Aber Jugendliche beeindruckt so etwas ja nicht; es wurde geflogen auf „Teufel komm raus“! Nach dem Abendessen und dem ersten Kennenlernen ging es dann mit Beleuchtung oder auch einfach mit Knicklichtern bewaffnet zum Nachtfliegen. Auch ein absoluter Profi zeigte sein Können. Robert Sedlmeier hatte Robert Sixt (auch er ist Mitglied in diesem Verein) um eine Nachtflugvorführung gebeten. Und wer den Robert kennt, der weiß, dass er sich nicht zweimal bitten lässt! Er zeigte mit seinem ThreeDee von Musik untermalten Kunstflug der Extraklasse - bei absoluter Dunkelheit. Nur der Vollmond und die beleuchteten Rotorblätter erhellten die Szene. Tosender Beifall war der Lohn für diese gelungene Vorführung und Robert sagte zu, uns auch am Samstag zu besuchen. Diesmal dann mit seinem turbinengetriebenen NH 90.

Pünktlich um 10:00 Uhr startete am Samstagmorgen der Wettbewerb.

Die Elektroflieger waren als Erste an der Reihe. Und ich kann euch sagen, nicht nur ich war von den Leistungen beeindruckt. Die beiden Punktrichter


Arno Wetzel und Dennis Schulte-Renger,

waren genau so begeistert und sparten nicht mit hohen Wertungen. Ich möchte beiden an dieser Stelle einmal ein besonderes Lob aussprechen: Zum Einen harrten sie trotz der unbarmherzigen Hitze in der prallen Sonne aus. Zum Anderen haben sie anlässlich dieses Wettbewerbs ihr Debüt als Punktrichter gegeben und lagen dennoch mit ihren Beurteilungen bei der Gesamtabrechnung nur 4 Punkte auseinander. Das soll ihnen erst mal einer nachmachen!

Zurück zum Elektroflugwettbewerb. In dieser Klasse starteten 11 Teilnehmer.
Als Aufgaben, die zu erfüllen waren, standen diesmal ein Überflug, eine liegende Acht, ein Zeitfliegen und eine abschließende Ziellandung auf den Wertungsbögen. Nach dem ersten Durchgang hatte sich Michael Hogger an die Spitze gesetzt, gefolgt von Korbinian Maier, Cornelia Schelshorn und Bernhard Maier, die beide punktgleich auf Platz 3 lagen.

In diesem Durchgang gab es nur eine Außenlandung und wenn man das nicht gerade einfach zu befliegende Gelände betrachtet, so beweist dies den hohen Leistungsstandard der Jugendlichen.
Es wurde gleich anschließend der 2. Durchgang in dieser Klasse geflogen und die Erwartungen wuchsen.
Die sehr guten Leistungen aus dem ersten Durchgang wurden von den Erstplatzierten im 2. Durchgang bestätigt und so lag das Spitzenquartett in den Punkterängen sehr nah beieinander.

Claus Eckert verstand seine Aufgabe. Er hat den Jugendlichen die Figuren angesagt

und das Publikum durch sachkundige und witzige Kommentare bei Laune gehalten.

In der nun folgenden Klasse der Segelflieger starteten 9 Teilnehmer. Da die Ausschreibung recht großzügig ausgelegt wurde, hatten auch die Piloten mit Elektroantrieb die Möglichkeit, in dieser Klasse zu starten, wobei der Motor nur als Aufstiegshilfe genutzt werden durfte. Es entwickelte sich ein spannender Durchgang, bei dem es auf eine gute Einteilung ankam, denn neben der Ziellandung wurde auch die geflogene Zeit bewertet. Der Teilnehmer legte vor dem Start fest, ob er 90s oder 120s ohne Antriebskraft mit anschließender Ziellandung fliegen wollte. Diese Zeit wurde als Ausgangspunkt für die Wertung notiert und die Über- oder Unterschreitung der geflogenen Zeit wurde von diesem Wert abgezogen.

Auch in dieser Klasse demonstrierte das Teilnehmerfeld seine Leistungsfähigkeit. Im ersten Durchgang gab es nur eine Außenlandung. Wie wichtig ein guter Ansager beim Fliegen ist, zeigte sich bei der Zeit/Ziellandung. Drei Teilnehmer haben es dank seiner Hilfe geschafft, auf die Sekunde genau zu landen und der beste Teilnehmer lag nur 12 cm vom Landestrich entfernt.

Kurz nach dem Mittagessen erhielt ich den Anruf von Eckart Müller, der mit seiner gecharterten DA40TDI von Aachen aus nach Vogtareuth geflogen war. Dort holte ich ihn am Flugplatz ab und habe dadurch leider die Vorführung von Robert Sixt mit seinem turbinengetriebenen NH 90 verpasst. Ich habe Robert nur ganz kurz gesehen und konnte ihm noch viel Spaß wünschen, denn er war schon wieder auf dem Weg zu einem Flugtag. Spitzenleute sind eben sehr begehrt! Danke noch einmal an dich, Robert, wir sehen uns bestimmt bald wieder! Eckart löste dann kurzfristig Arno bei seiner Arbeit als Punktrichter ab. Wie man sieht, von RCN kommt niemand nur aus Spaß zu so einer Veranstaltung.

Im 2. Durchgang landete zwar keiner mehr auf die Sekunde genau, aber 4 Teilnehmer verfehlten dieses Ziel bloß um 1s. Und Michael Hogger schaffte es, sein Modell genau auf die Ziellinie abzulegen, mit nur 1s Zeitüberschreitung. 1000 Landepunkte und lediglich 10 Strafpunkte für den Zeitfehler. Genial!

In der als Motorflug bezeichneten Kunstflugklasse konnten auch elektrisch betriebene Modelle eingesetzt werden und mit 13 Startern in dieser Klasse hatte sich ein recht großes Teilnehmerfeld gefunden, um sich zu messen.

Dies bedeutete Schwerstarbeit für die Punktrichter Dennis Schulte-Renger und Arno Wetzel. Bei praller Sonne und um die 30°C im Schatten harrten sie aus, um die Figuren zu bewerten. Keine leichte Aufgabe, denn unter diesen Bedingungen muss man sich schon sehr konzentrieren. Sie haben Ihren Job aber so professionell gemacht, das sie bei der Endabrechnung (alle Punkte zusammengenommen) nur 4 Punkte Differenz hatten. Auch in dieser Klasse zeichneten sich schnell die Favoriten ab und der Tag ging leider viel zu schnell zu Ende.

Nach einem vorzüglichen Abendessen (Spaghetti Bolognese) wurde dann noch bis spät in die Nacht mit dafür präparierten Modellen geflogen. Wobei sich Günter noch etwas Besonderes einfallen gelassen hat: Die Pilotenprüfung!

Die Pilotenprüfung bestand aus drei Themenbereichen: Dem Theorieteil, der Funksprechprüfung und der praktischen Aufgabe.

Zuerst wurden vier Gruppen gebildet. Diese setzten sich dann im Karree zusammen und Günter begann mit der Theorieprüfung. Er hielt ein DIN-A4-Blatt mit einer farbigen Dreiseitenansicht von einem Flugzeug hoch. Wer dieses Flugzeug als erster erkannte, erhielt einen Punkt. Zur Ehrenrettung des RCN-Modi-Teams konnte ich auch einen Punkt erhaschen.

Die Funksprechprüfung war dann unser Spezialgebiet. Die Bänke wurden zu einem Kreuz aufgestellt und die Teams nahmen rittlings auf ihnen Platz. Jedes Team bestimmte einen Sprecher und einen Schreiber. Der Sprecher nahm auf der einen Seite Platz und musste nun über eine Entfernung von ca. 3m seinem Team aus einem Buch vorlesen und der Schreiber, der auf gegenüber liegenden Bank saß, hatte das Gehörte zu notieren. Die besondere „Gemeinheit“: Alle Teams mussten dies gleichzeitig tun, ein ganz schönes Durcheinander! Wir konnten diese Aufgabe mit Bravour meistern, da wir eine klare Aufgabenteilung vereinbart hatten.

Beim praktischen Teil haben wir dann allerdings kläglich versagt…..
Es galt, aus zur Verfügung gestellten Materialien ein flugfähiges Luftfahrtzeug zu konstruieren. Unser Problem war: Wir hatten einen Ingenieur im Team. Und unser Fehler war: Wir haben auf ihn gehört! Nun, sei´s drum, der letzte Platz war uns sicher! Die jugendlichen, unverdorbenen Geister haben sehr schöne Konstruktionen hervorgebracht und die alte Regel „Was wie ein Flugzeug aussieht, das fliegt auch!“ bewahrheitete sich mal wieder.

Am Sonntag wurde es nach dem Frühstück dann ernst. Während die Teilnehmer noch um Punkte kämpften, stellten wir schon mal die Pokale auf,

die vom DMFV gesponsort worden waren. Und als dann auch noch die von vielen namhaften Firmen gespendeten Sachpreise

aufgebaut wurden, bekamen nicht nur die Teilnehmer immer größere Augen und ich glaube, der Eine oder Andere wurde auch mächtig nervös. Nur so lässt es sich nämlich erklären, dass plötzlich so mancher der hoch gehandelten Favoriten im 3. Durchgang patzte, z.B. in der Elektroklasse gab es vier unerwartete Außenlandungen.

So haben sich die Platzierungen noch einmal verschoben und das Rechenzentrum rund um Robert und Günter Sedlmeier hatte alle Hände voll zu tun.

Nach dem Mittagessen haben Robert und Günter ihre Turbinentrainer startklar gemacht und wollten starten. Da stellt Günter an seiner Maschine fest, dass ein Seitenruderservo nicht mehr genau neutralisiert und deshalb sind beide zurück in die Startbox gerollt. Nach einer kurzen Analyse stand fest, dass das Servo defekt war (vermutlich das Poti) und Günter nicht startet. Dies ist aktiv vorgelebtes Sicherheitsbewusstsein! Danke Günter! Robert ist dann alleine gestartet und hat den jugendlichen Teilnehmern die Leistungsfähigkeit eines Turbinenantriebes demonstriert.

Danach folgte die Siegerehrung. Die wurde diesmal sehr lang, denn neben den Pokalen sollten ja auch die Sachpreise verteilt werden. Und bei der Menge, die da zur Verfügung stand, dauerte das halt.
Zuerst bekam jeder Teilnehmer ein Modell der Firma Avira, zusammen mit einem Los. Dann wurden die Platzierungen bekanntgegeben.
Für mich waren alle Sieger!

Die drei Erstplatzierten jeder Klasse wurden mit einem Pokal geehrt und dann ging es an die Verlosung der Sachpreise.

Nicht nur den Jugendlichen lief angesichts der tollen Preise das Wasser im Mund zusammen, auch so mancher Erwachsene hätte wohl gerne einen der hochwertigen Preise mit nach Hause genommen.
Ob es nun Bausätze, Zubehör, bürstenlose Motoren oder Drehzahlsteller waren, alle Sponsoren haben sich hier von ihrer besten Seite gezeigt.

Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei den Firmen bedanken, die uns bei diesem schönen Wettbewerb so großzügig unterstützt und damit maßgeblich zu dem überaus positiven Bild dieser Veranstaltung beigetragen haben.

1. Fa. ACT
2. Fa. Avira
3. Fa. Graupner
4. Fa. Höllein
5. Fa. Kontronik
6. Fa. Modellbauchaos
7. Fa. Multiplex
8. Fa. Robbe
9. Volker Cseke (Geldspende)
10. Engelbert Hanisch (Geldspende)
11. Claus Eckert (Sachspende)
12. Deutscher Modell Flieger Verband DMFV

Auch möchte ich nicht versäumen, mich bei allen Helfern zu bedanken. Die Hochstätter Modellflugfreunde haben sich von ihrer besten Seite gezeigt. Ein riesiges Danke an Regina und Melli, die Damen aus der Küche.

Dank gebührt auch dem Schlepppilot, der die Modelle der Teilnehmer mit seinem BIG LIFT sicher auf Ausgangshöhe brachte.

Und Dank an alle Helfer aus den Reihen von RC-Network, die vor Ort waren und gezeigt haben, dass wir nicht nur ein virtueller Verein sind, sondern auch real in der Lage sind, solche Wettbewerbe vorzüglich zu organisieren und zu begleiten.

Und nun wissen alle, die diesmal nicht dabei waren: Ihr habt einen tollen Event verpasst!

Ich habe viele neue Gesichter kennen gelernt und bin sicher, von den Teilnehmern den Einen oder Anderen irgendwann einmal wieder auf dem Treppchen ganz oben zu sehen. Wer weiß, vielleicht war heuer schon der angehende Weltmeister F3A, F3J oder F4J dabei!?


Eckarts Abschiedsblick von oben

Stand: 16.08.2004