Einfach riesig: Aspach 2004!

Dennis Schulte-Renger, Sebastian Scheinig und Hartmut Siegmann


Das 14. Elektromeeting in Aspach 2004 war mindestens so riesig, wie Stefan Singer (links) und Peter Kienzle (rechts) zusammen! 7000 Zuschauer, 179 Piloten und 243 Modelle an einem Wochenende im schwäbischen Aspach - Wahnsinn!!!

14. Elektroflugmeeting Aspach 2004

Am dritten Septemberwochenende ist nicht nur der Oktoberfeststart, sondern auch die Zeit, in der viele tausend Elektrofluginteressierte nach Aspach pilgern, dem Mekka der Elektroflieger. Zum 14. Mal trug die MFG Aspach e.V. das größte Elektroflugmeeting in Europa aus. Der Flugplatz, rund 30km nordöstlich von Stuttgart, platzte fast aus allen Nähten, denn schon am Freitag reisten viele Piloten mit dem Wohnmobil an. Der Wetterbericht hatte gutes Wetter vorausgesagt und so kam es dann auch: stahlblauer Himmel, leichter Wind und viel Sonne! Ideale Vorraussetzungen für einen tollen Flugtag. Das besondere an Aspach ist der außergewöhnlich enge Kontakt zwischen Piloten und Zuschauern. Daher gibt es nicht nur viel zu sehen, sondern auch die Möglichkeit, viel zu diskutieren! Die Gerüchteküche hatte vermeldet, dass es wieder einige Sensationen geben würde, nur welche waren das?


Beim Grillanzünden sind Elektroflugmodelle ein überaus nützliches, wie auch geruchsneutrales Hilfsmittel. Wer will schon, dass die Bratwurst nachher nach Sprit schmeckt? Da sieht man mal wieder: Elektroflieger haben mehr vom Leben!

Freitagnachmittag: Dennis in Aspach
Als ich am Freitagnachmittag gegen 14 Uhr am Flugplatz in Aspach ankam, traute ich meinen Augen kaum. Irgendwie werden es von Jahr zu Jahr mehr Wohnwagen und Zelte, die dort schon am Freitag aufgeschlagen werden. Bei dem Wetter, welches sich am Freitag von seiner schönsten Seite zeigte, musste man aber auch nicht lange überlegen. Natürlich waren auch schon die ersten Flieger in der Luft zu sehen. Also ging ich auf Begrüßungsrunde. Da sah ich auch schon die ersten bekannten Gesichter. Zum Teil Moderatoren des RC-Network-Teams, aber auch einige User, hatten ihren Weg schon am Freitag ins Schwabenländle gefunden.

Geflogen wurde natürlich schon, was da Zeug hält. Allen voran die Kontronik-Connection rund um unseren „Motor-Mike“. Dabei passierten auch etwas eigenartige Dinge: Wenn zwei Twin-Jets in der Luft sind, einer runterfällt und beide Piloten das eine verbliebene Modell weiter steuern - nunja. Mike nahm die anschließenden Kommentare der lieben Kollegen grinsend zur Kenntnis: „War doch fast wie meiner!“. Nachdem der Grill von Mike standesgemäß mit einem Elektroflieger angeworfen wurde, ließen wir diesen schönen Tag ausklingen und freuten uns natürlich auf das, was da morgen kommen würde.

 

Der Tag zwischen Frühaufstehern und Langschläfern: Samstag

Sebastian, der Frühaufsteher
Als ich am Samstag um 8 Uhr morgens mit meinem Smart auftauchte, konnte ich schon nicht mehr auf die Campingseite des Parkplatzes, so voll war es schon! Dennis, der Warmduscher, pennt ja unten im Hotel in Aspach. Ich hätte ihn gerne geweckt, z.B. mit einem eiskalten Eimer Wasser oder ähnlichen Späßen. Schade eigentlich, so kann er ungestört ausschlafen. Früh morgens, zwischen 5 und halb 6 musste ich in München los, ist ja doch eine kleine Strecke entfernt. Ob ich nächstes Jahr schon am Freitag da sein sollte? Sieht fast so aus, steht alles mit Wohnwagen und Zelten voll. Aha, da hinten wäre noch was frei, also los. Und tatsächlich fand sich dann ein Plätzchen, wo ich parken konnte. Prima - und was nun? Erst mal tief durchatmen, angekommen.

Dennis, der Langschläfer
Zuerst ein verschämter Blick aus dem Fenster: Blau, der Himmel natürlich, nicht der Pilot. Danach tiefes Durchatmen, alle Sinne testen, ob sie noch da sind. Das Wetter meint es mehr als gut mit uns. Die warmen Sonnenstrahlen und ein Hauch von einem Wind ließen schon gestern Freude aufkommen, der Tag heute wird mindestens so gut. Man munkelt, der eine oder andere hätte sich sogar schon einen Sonnenbrand geholt. Also schnell aufgestanden und angezogen. Der Weg zum Platz ist sehr kurz, wenige Minuten später war ich da. Jetzt erst mal Flugplatz inspizieren, viele Hände schütteln. Als ich in den Vorbereitungsraum schaute, sah ich, dass der schon ziemlich voll war. Wir suchten für unsere Modellen eine Ecke, um diese dort abzulegen. Vorne am Senderzelt war unverständlicherweise noch etwas frei, also gleich dahin. Mit der Zeit lernt man kurze Wege schätzen! Kaum hatte ich aufgebaut, kam schon die Durchsage, dass in 5 Minuten Pilotenbriefing wäre.


Das Pilotenbriefing. Stahlblauer Himmel und der Windsack wedelt über den Köpfen der Piloten in der sanften morgendlichen Brise hin und her. Kaiserwetter!

Morgens halb Zehn in Deutschland


Einweisung in die "Besonderheiten" von Aspach: Links steht Philipp Gardemin, rechts Ludwig Retzbach.


Eine der „Besonderheiten“ von Aspach, der Steinbruch: Für manche ist es nur ein kleine Besonderheit, für andere der fieseste Abgrund der Welt. Ein gefräßiges Loch, das jedes Jahr seine Opfer fordert. Letztes Jahr war es eine schöne Airbus "Beluga". Wen wird es dieses Jahr erwischen?


F5B Vize-Weltmeister Guntmar Rüb im Gespräch mit Heinz Keller, dem Motorenpapst und Urvater des Elektroflugs.


Die "Arado 555" im Landeanflug mit ausgefahrenem Fahrwerk. Der Flieger hing wie ein Riesendrachen in der Luft, die Fluggeschwindigkeit ist sehr niedrig. Ein Strömungsabriss schien gänzlich ausgeschlossen zu sein.


Die "Fokker Dr I" von Franz Schmid im Maßstab 1:2 war ein beeindruckendes Meisterwerk aus Holz, ebenso wie seine Großmodelle die Jahre zuvor.


Michael Beck mit seiner SR-71 "Blackbird", die aus den Diskussionen im RCN-Forum bereits bekannt war. Das Modell hat er nicht vorgeflogen, aber dank einer Analyse der Erstflug-Videos vor Ort konnten vielversprechende Lösungsansätze erarbeitet werden. Der weitere Verlauf dieses interessanten Projekts kann im RCN-Forum verfolgt werden!

Nein kein Frühstückchen, sondern Pilotenbriefing auf dem Flugfeld vor dem Senderzelt. Philipp Gardemin, Ludwig Retzbach und Ralf Heinisch haben alle Anwesenden begrüßt und für die Aspachneulinge die Besonderheiten des Flugplatzes erklärt. „Besonderheiten“ klingt für die Uneingeweihten so harmlos und unverdächtig. Insider wissen aber Bescheid und das eine oder andere nervöse Zucken verrät eine gewisse Anspannung: Die Wörter "Steinbruch" und "Maisfeld" beschreiben technisch gesehen die Besonderheiten, der Reiz aber liegt erst in deren Kombination!

Es wird garantiert auch in diesem Jahr wieder ein Modell erwischen, vermutlich ein jungfräuliches Modell beim Erstflug. Unsichere Blicke gehen nach rechts und links in die Runde: Welchen Piloten wird es dieses Jahr treffen? Jeder weiß, dass es einen treffen wird, nur eins ist sicher: Man selbst ist dagegen gefeit, es trifft immer einen anderen. Die zweite „Besonderheit“ ist nicht weniger gefräßig, sieht harmlos aus und wiegt den Piloten in einer trügerischen Sicherheit: Das Maisfeld vor der Startbahn!

Kommt man zu kurz zur Landung rein, geht es stumpf ab ins Maisfeld. Kommt man zu lang, betet man, dass der Flugakku noch für eine Runde und einen letzten Anflug reichen möge. Keine Sorge, es hat noch nie gereicht. Wenn man einmal in der vertrackten Situation ist, der Antrieb am leergelutschten Akku rumlullert, ist eh alles zu spät: Die Thermik greift unter die Flügel und trägt das Modell sicher in Richtung Steinbruch. Man wünscht sich einen Wurfanker, aber den hat man nicht eingebaut. Jetzt hilft nur noch eins: Haltung bewahren! Man gibt ebenso vehement wie sinnlos Vollgas und mit langsam rödelnden Motoren entgleitet das Modell sanft ins Nichts. Man hört danach nichts mehr, eine unheimliche Stille macht sich breit, bis das „Oooh“ der Zuschauer herüberschallt, weil auch die Letzten begriffen haben, dass das Modell unwiederbringlich verloren ist.

Kurz gesagt: Mit 179 Piloten und 243 Flugmodellen gibt es jede Menge potentielle Nahrung für die Besonderheiten in Aspach! Zugegeben, an dieser Stelle wird es etwas unübersichtlich und schwierig: Wo soll man beginnen, bei 243 unterschiedlichen Flugmodellen? Jedes Einzelne hat seinen besonderen Reiz und ist der ganze Stolz des jeweiligen Erbauers. Deswegen starten wir mit einem Panorama Rundblick über das Vorfeld, um ein paar erste Eindrücke zu sammeln.


Quicktime 473KB

Die Show kann beginnen!

Die Piloten sind gebrieft, wissen, wo die Gefahren lauern. Schon schallt die erste Durchsage über den Platz, die die erste Gruppe von Piloten ankündigt. Vom kleinsten Modell, einem umgebauten Spielzeugmodell von Conrad, über Impellerjets, elektrifizierten Großseglern, bis hin zur „Fokker Dr I“ im Maßstab 1:2, war alles in Aspach zu sehen. So konnte man den ganzen Tag über einen regen Erfahrungsaustausch beobachten. So unterschiedlich die Ansätze waren, so einzigartig war die jeweilige Realisierung. Viele Highlights sind auf den Bildern zu sehen, natürlich nicht alle. Leider kann man die einmalige Atmosphäre auf diesem Meeting nicht richtig in Bildern, geschweige denn in ein paar Zeilen einfangen.

Der Flug der „Fokker Dr I “ von Franz Schmid wurde ebenso mit Spannung erwartet, wie der Flug der großen „Arado 555“, die von einigen anderen Flugtagen bereits bekannt war. Man kann es kaum beschreiben! Diese großen Maschinen scheinen förmlich in der Luft zu stehen, an Lufthaken aufgehängt zu sein. So riesig wie der Auftrieb ist, so gering ist in Relation dazu die dafür notwendige Antriebsleitung. In diesen Großmodellen verschwinden Hektakomben an Material und Akkuzellen und doch sind es oft „nur“ wenige Kilowatt, die diese 20-25kg Riesen in die Lüfte erhebt. So beeindruckend die Größe dieser Modelle ist, so sehr fehlt es doch am „Durchzug“. Die Leistung besteht darin, dass solche großen Trümmer - wirkliche Riesenmodelle - fliegen und elektrisch in die Luft zu bekommen sind und in der Regel im Bodenstart. Wer hätte das noch vor wenigen Jahren erträumt, geschweige denn gedacht?

Die Aufgabe für die nächsten Jahre besteht darin, diese Modelle etwas vorbildgetreuer zu motorisieren, das heißt, mit mehr Durchzug auszustatten. Der Flugeindruck ist in jedem Fall majestätisch und die dahinter stehende Leistung an Mensch und Material ohne Worte. Dennoch sieht man hier deutlich die Grenzen des elektrischen Antriebs der jetzigen Generation, einfach weil die Motoren und insbesondere die Regler in diesem High-End Bereich derzeit an ihrer Grenze angelangt sind. Aber genau das ist ja Sinn und Zweck der Übung: Die Antriebstechnik an ihre Grenze voranzutreiben, um zu zeigen, was gerade noch geht. Und diese gewaltigen Großmodelle waren die geeignete Kategorie, um die Grenzen des aktuell Möglichen, Bezahlbaren und Zulässigen (!) gut zu studieren. Das 25kg-Limit scheint das eigentliche Problem zu sein. Diese Modelle müssen für ihre Größe einfach viel zu leicht sein. Es wird interessant sein, zu beobachten, wie sich die Entwicklung in diesem Bereich in den nächsten Jahren vollziehen wird. Nur eins ist sicher: Fliegen tun sie bereits!

Zwischen diesen im wahrsten Sinne des Wortes „großen“ Flugvorführungen startete das, was man gemeinhin für „normal“ und selbstverständlich hält: Extrem gut motorisierte Jets mit Impellerantrieb, die ihren großen Kollegen mit Modellturbinen inzwischen nur noch in der Größe nachstehen. Immer wieder beeindruckten schnelle Impellerjets mit unglaublichem Durchzug in der Steigphase und mit Überfluggeschwindigkeiten von bis zu 220km/h, wie Dietrich Meissner bei einigen Doppler-Effekt-Messungen feststellte. Die Modelle werden gerade im Bereich der Jets von Jahr zu Jahr größer und schwerer, wie man im Vergleich zu den Vorjahren von Aspach feststellen kann. Es ist absehbar nur eine Frage der Zeit, bis die Modelle mit Impellerantrieb denen mit „echter“ Turbine in nichts mehr nachstehen werden.

Aber auch die Hubschrauberfraktion kam dieses Jahr voll auf ihr Kosten: Andy Rummer, bekannt für seine atemberaubenden 3D-Flüge, hat gezeigt, was nicht möglich scheint. Die physikalischen Gesetze müssen noch erfunden werden, die diese Flugfiguren gestatten. Man fühlt sich wie ein Knüppel-Legastheniker, wenn man sowas sieht!

Neben den hervorragenden Flugvorführungen gab es auch noch anderes zu sehen. Im großen Zelt, sowie auch auf den Außenflächen stellten viele Hersteller und Händler ihre Modelle, Motoren und sonstiges Zubehör vor. Selbstverständlich konnte man auch direkt Baukästen usw. käuflich erwerben.

Keine Baldriantropfen

Nach Abschluss der Flugshow gegen 18 Uhr wurde dann aus Sicherheitsgründen das freie Fliegen nicht gestattet, so dass sich einige flugfreie Stunden ergaben. Ehrlich gesagt, sie war schön, diese Abendruhe. Aber schon nach wenigen Minuten fielen einige hyperaktive Knüppel-Akrobaten auf, die nervös am Flugfeld auf- und ab liefen. Irgendwie war das alles zu langweilig, so war das nicht geplant: War man dafür hunderte von Kilometern gefahren, um jetzt nicht zu fliegen? Der fahrige Blick, das unkontrollierte Zucken des Daumens waren typische Symptome eines klassischen Entzugs. Wann geht es weiter? Nachtflug um 22:00 Uhr. Weiß irgendwer, wie lange das noch hin ist? Mehr als ewig! Und Baldriantropfen waren am Platz nicht erhältlich. Also noch mal sicherheitshalber die Startbahn rauf- und runtergelaufen. Es half alles nichts, also ab zum Buffet im Festzelt!

Während die einen „buffetierten“, wie von der Camping-Fraktion abfällig geäußert wurde, machte sich unter den Campern Grillatmosphäre breit. Das Buffet im Festzelt wurde von einigen Reden begleitet. Danach wurde dann eine große Tombola aufgebaut, die viele Händler und Hersteller mit sehr ansehnlichen Preisen unterstützt hatten. Diese wurden unter den teilnehmenden Piloten verlost. Allerdings konnte nur der teilnehmen, der vorher seinen Anmeldebogen mit den Antriebsdaten seines Modells vollständig ausgefüllt hatte! Der Entwicklungsstand der heutigen Modelle ist unter anderem dieser akribischen, jahrelangen Datensammlung in Aspach zu verdanken, die stets den Stand der Technik dokumentierte, nur um im darauf folgenden Jahr von der nächsten Revolution auf den Kopf gestellt zu werden. Aber genau das ist der Geist von Aspach und er lebt mehr denn je!

Liebe Kinder aufgepasst, jetzt wird die Nacht zum Tag gemacht! Schlecht gereimt ist auch vergeigt oder so ähnlich, aber die verdammte Sperrstunde ist endlich zu Ende! 22:00 Uhr - jetzt geht es rund!

 

Stand: 26.09.2004