Die Goldenen Zeiten sind vorbei…
„Model Hobby“ in Prag

Darius Mahmoudi

Ich war 1999 zur „Model Hobby“ in Prag. Damals mutete mich diese Messe eher wie ein hiesiger Flohmarkt an. Zwar waren auch seinerzeit schon alle namhaften Hersteller wie zum Beispiel JR Models, Reichard, Valenta Model oder Gerasis dabei, aber viel interessanter waren die vielen kleinen Hersteller, die zum Teil zu exzellenten Preisen Holzmodelle, Zubehör oder auch schon die ersten „Schaumwaffeln“ angeboten haben.
Mit dieser Vorstellung im Kopf bin ich in diesem Jahr wieder nach Prag gefahren, um mir entweder ein schnuckeliges Modell zu kaufen und/oder nach neuen Perlen zu suchen.

Zunächst ist mir aufgefallen, dass man mittlerweile superschnell nach Prag fahren kann. Durch die neue Umgehung bei Pilsen dauerte die Fahrt von München bis zur Messe in Prag am Sonntag grade mal 4 Stunden. Auch die Park- und Eingangsprozeduren hatten die Tschechen voll im Griff, so dass wir Ruck Zuck in der Halle 2 standen. Direkt am Eingang hatte Gerasis seinen Stand, aber viel kleiner und unspektakulärer als früher. Naja… dachte ich mir und begann zu stöbern.

Nach einigen Runden stellte ich fest, dass die Professionalität Einzug gehalten hatte. Die Stände waren alle sehr gekonnt gestaltet und ausgestattet. Die Verkäufer sprachen größtenteils Englisch oder Deutsch. Auch Kyosho war vertreten. Insgesamt erinnerte mich die Messe schon eher an die in Stuttgart oder Sinsheim. Obwohl es immer nur noch diese eine Halle ist. Hinzugekommen ist ein netter Indoor-Flugbereich.

Komplett geändert hat sich die Zusammensetzung der Aussteller. Zwar sind die meisten „großen“ Firmen immer noch da (JR Models hat gefehlt), aber diese Firmen verkaufen hier jetzt nichts mehr. Man kann dort (ähnlich wie bei Graupner in Stuttgart oder Dortmund) nur die Neuheiten bewundern. Bei den kleineren Firmen dominierten Schaum, Lipoly und Außenläufer das Geschehen. Fast alle ausgestellten Modelle, Motoren oder das sonstige Zubehör kennt man hierzulande schon, wenn man öfter auf den Webseiten von Versandhändlern wie Lenger, Bichler, Hepf, Staufenbiel oder Lindinger stöbert. Wirklich Neues habe ich kaum gesehen.

Was die Motoren angeht, habe ich erst gar nicht versucht, Details oder die technischen Daten zu verstehen. Auffällig war aber, dass das Segment „fetter Außenläufer“ mit „einer Schaufel Lipolys“ für F3A von mehreren Herstellern bedient wird. Gleichzeitig werden die Motoren immer kleiner, leichter und es scheint, als würden wir bald im Büro fliegen können.

Bemerkenswert finde ich die neuen AXIs 5320 und 5330. Diese Motoren zielen nicht nur auf die F3A-Klasse, sondern dürften auch die E-Schleppfreunde unter uns erfreuen. Immerhin können diese Motoren Luftschrauben bis 22“ antreiben… da ist mein 60cm³-Schlepper auch nicht leistungsfähiger. Wie mir Herr Pfeiffer mitgeteilt hat, können die Motoren ab sofort vom Importeur Hepf bezogen werden.

Bei der Elektronik ist fast nur Importware zu sehen, primär sind es die selben Sachen, wie bei uns. Lediglich die Steller von MGM oder JETI sind natürlich nicht importiert.

Das Zubehör-Segment gibt etwas mehr her. Da gibt es günstige Varianten der allseits bekannten Schleppkupplungen oder auch mal ein günstiges Vollgummirad. Spannend fand ich auch die hochwertigen Spinner für größere Modelle der Firma Topmodel. Ebenfalls von Topmodel kommt eine Reihe neuer Pilotenköpfe aus Schaum (Styro). Sie sind sehr hübsch, leicht und zudem handbemalt. Als Highlight im Zubehörbereich sehe ich die Instrumentenpanels der Firma PROPAGTEAM. Sie sind fertig zusammengebaut und sehen TOP aus. Ich habe noch nie eine derartige Auswahl gesehen. Und sie sind schon fertig zusammengebaut, sogar für verschiedene Flugzeuge. Aber auch Einzelteile sind zu bekommen. Ich habe gleich mal das Set „Historic Glider“ plus Steuerknüppel und Gurtschnallen im Maßstab 1:4 mitgenommen. Natürlich in zwei Ausführungen, da im Winter der Bau meiner Ka7 ansteht. Derzeit werden die Teile in den Maßstäben 1:5, 1:4 und 1:3 angeboten. Auch bei uns kann man diese Perlen bekommen und zwar bei Scale Specials.

Bei den Flugzeugen fallen einem sofort die Unmengen an Depron-, EPP- und Styro-Fliegern ins Auge. Wirklich neu waren z.B. die EPP Modelle von CEMECH.

Das sind recht simple Voll-EPP-Flieger, die einem Original nachempfunden wurden. Sicher, es gibt Schöneres, aber wenn man die Knautscheigenschaften von EPP bedenkt und sich dann einen Anfänger vorstellt, ist die Idee nicht schlecht, zumal man mit 1,5m Spannweite schon ein richtiges Modell in der Hand hält. Verkauft wurden diese Modelle für 65€ je Stück.

Die Hersteller haben Ihre Produktionstechniken deutlich verbessert. So sind die meisten Depronflieger in der Form geschäumt oder gedrückt und meistens schon fix und fertig lackiert. Damit wirken z.B. die Warbirds von ALFA MODEL richtig erwachsen.

Ich habe mir einen schicken Segler von FORMOPLAST mitgenommen und bin von der Ausführung echt begeistert. Mit 144g wird das sicher ein Spaß im Micro E-Schlepp.

Bei den „ausgewachsenen“ Modellen sind mir drei Firmen aufgefallen: Reichard, Valenta und Topmodel.

Reichard hat einige Varianten im Bereich EPP vorgestellt, die dann so nette Namen wie Bambi, Look oder Marad haben. Samt und sonders kleine, leichte EPPs als Segler oder Elektro. Beeindruckend ist aber die neue Grob G103C Twin III Acro mit 3,6m Spannweite. Das dürfte auch ein schöner Segler für den Hang oder den F-Schlepp sein.

Bei Topmodel gibt es einen sehr interessanten Hochdecker im Stile einer Piper namens „Miss Morava“ mit 2,4m Spannweite, angesteckten Flächen und einer TOP Verarbeitung. Die sollte man sich bei der Anschaffung eines neuen Schleppers mal genauer ansehen. Zumal Topmodel einen Preis von ca. 550€ angegeben hat. Bleibt abzuwarten, wann das Modell bei uns auftaucht und was es kosten wird.
Eine neue CAP 222 in F3A-Größe steht ebenso bei den Neuheiten von Topmodel, wie ein Ventus 2CX mit 4,5m (Fahrwerk und Schleppkupplung bereits installiert).

Valenta schickt gleich fünf neue Modelle ins Rennen. Zunächst ist da ein kleiner, klassischer HLG mit 1,5m und zwei gesteuerten Achsen. Er hört auf den Namen „Baby Fly“. Der „Albatros“ spannt 1,4m und dürfte in das Segment „scalelike Slowfly“ fallen.

Wegen eines besonderen Kundenwunsches baut Valenta jetzt seine beliebte L-213 A im Maßstab 1:3. Das ergibt 4,6m Spannweite und einen fulminanten Rumpf. Abhängig von den Flugeigenschaften könnte die große L-213 A eine schöne Abwechslung zu FOX, SWIFT und Co. sein.

Einen Mittelklasseallrounder haben wir mit der 3m-Ausgabe einer B 4 vor uns. Diesen Typ gibt es ja schon in allen erdenklichen Größen, allerdings ist das die erste Voll-GfK B 4 die ich kenne.

Verfallen bin ich aber der neuen SB 9 von Valenta. 4,5m mit einer traumhaften Streckung und durch die markante Nase auch schön auffällig.

Das HQW 2,5/12 lässt gute Allroundeigenschaften erwarten. Ich würde mich nicht wundern, wenn meine ASW 20 bald Gesellschaft in meinem Keller bekommt. Selbstredend werdet Ihr dann als Erste lesen, wie sich das Modell in der Luft bewährt.

Außerdem wurden einige Detailverbesserungen realisiert. So gibt es den „Dragonfly“ jetzt in einer PRO Version mit verstärktem CfK-Holm und Pendelleitwerk, die Modelle „Strom“, „Sharp Wind“ und „Dragonfly“ haben mittlerweile ein Pendelkreuzleitwerk.

Aufgefallen ist mir insgesamt, dass außer Valenta kein klassischer F3J-, F3B-, oder F3F-Hersteller anwesend war. All’ die tollen Modelle, die man von Wettbewerben oder aus Zeitschriften kennt, waren nicht zu sehen.

Wenn man das Angebot betrachtet und vor allem auch die angegebenen Preise beobachtet, fällt es einem schon schwer, einen echten Vorteil dieser Messe im Vergleich zu den deutschen Veranstaltungen á la Sinsheim, Stuttgart, Friedrichshafen oder Dortmund zu sehen. Wir sind in Deutschland so gut mit Infos und Lieferfähigkeit versorgt, dass es wenig Sinn macht, die Zeit und das Geld für eine Fahrt nach Prag zu investieren. Klar, es mag sein, dass man das eine oder andere Schnäppchen dort machen kann, aber sicher ist….

…die Goldenen Zeiten sind vorbei.

 

Stand: 30.11.2004