Pump up the volume, babe!Bertram Radelow, MFG Davos / Schweiz |
Fahrlässig leicht gebautModerne preisgünstige Segler wie GIGASPEED, SPIDER-X und andere werden mit leichten Kevlar-/Aramid-Halbschalenrümpfen ausgeliefert. Mit ihren geraden Nähten sehen sie toll aus und sind schön leicht:
Aber nach zwei Bergsommern mit insgesamt wenigstens fünf Rumpfbrüchen bei fünf verschiedenen Seglern von mir und Kollegen, immer an der gleichen Stelle, nämlich eine Handbreit hinter der Fläche, bei eher harmlosen Landungen sehe ich das inzwischen etwas kritischer: Eine einzelne Lage Kevlar/Aramid ist zu hart. Beim gemeinsamen Fliegen haben elastische GfK-Rümpfe ganz andere Landungen überlebt. Die beiden Schalen überlappen sich auch nicht, sondern werden nur durch ein dünnes GfK-Band zusammengehalten:
Die Untersuchung der Brüche zeigte, dass dieses Band im hinteren
Rumpfbereich öfters verrutscht ist, sodass die Überlappung teilweise
nur noch 2mm oder sogar weniger beträgt. Wir behandeln einige Problemzonen: Risse im Bereich der vorderen Rumpföffnungen.Meist harzt der Hersteller (oder der Pilot) in gutem Glauben ein paar Rovings ein, die in den Testberichten auch immer wieder lobend erwähnt werden. Bei mir sind sie „gerne“ durchgerissen. Das einzige Mittel gegen diese Risse ist die von der Fläche her bekannte D-Box. Wir müssen also das Rumpfboot mit einem horizontalen Brett in eine D-Box umbauen, was den Einbau von Empfänger und Servos wenig beeinträchtigt, den vorne liegenden Akku aber dann doch sehr. Dieser Akkubereich bekommt deshalb quasi eine Sohle, entweder als ovales Brett, das an den Boden geharzt wird oder in Form von zwei oder mehr Lagen kräftigem Gewebe. Im Folgenden sei die „Davosisierung“ eines GIGASPEED 1,5 Q gezeigt.
Die einzubauenden Komponenten müssen sehr sorgfältig eingepasst werden– die Servos haben nur einen Millimeter Luft am Servohebel:
Der vordere Rumpfbereich wird innen sehr sorgfältig mit grobem Schleifpapier aufgeraut (Kevlar ist zum Glück extrem schleiffest).
Das hintere Servobrett wird einschließlich der eingebauten Servos(!) mittels Sekundenkleber fixiert (Platzkontrolle); anschließend werden die Servos ausgebaut, wozu hier erst einmal die Hebel abmontiert werden müssen. Die Verstärkungsmatten werden zurechtgeschnitten und bereitgelegt:
Hier ist es schwarzes 163er Glas für die Rumpfauskleidung und weißes 49er für die Abdeckung der Brettchen. Sie liegen auf dem Foto in etwa neben den Zielgebieten. Juli-Einheizer und Parkflieger verstärken zunächst nur den Rumpf von innen mit dickem Glas und dünnflüssigem Laminierharz und lassen alles aushärten:
Highscorer geben sich den Kick und setzen sofort das vordere Brett ein -
- und laminieren die dünnen Matten gleich mit dazu:
Adrenalin ist garantiert. Keine Angst, das wird schon wieder:
LeitwerksverstärkungDie lackierte Schaumwaffel, die beim 150er GIGASPEED als V-Leitwerk mitgeliefert wird, ist sowohl unklebbar als auch nicht gerade stabil, um es einmal höflich zu sagen. Irgendwann muss man sich entscheiden, ob man einen SAL-Flieger oder ein Spaßgerät haben will. Mit ein paar GfK-Streifen werden die Dämpfungsflossen im Schritt verstärkt:
Eine passend dreieckig geschliffene Kieferleiste stabilisiert das V von oben:
Wegen des außerordentlich geringen Platzes unter der Tragfläche wurden die Flossenanlenkungen vorne mit Z-Kröpfungen an den Servos eingehängt und hinten trimmbar an den Flossen befestigt.
Zu den Hitec-55 sei noch angemerkt: die Servohebel sind so flach, dass
die mit einer Z-Zange gebogene Kröpfungen zu viel Spiel haben; der
Stahldraht muss sorgfältig mit einer Spitzzange von Hand gekröpft
werden. Die Peitschenbrüche im vorderen Rumpfausleger.Ich habe „weiche“ GfK-Anfängersegler-Rümpfe bei schlimmen Landungen zittern sehen, die sie aber ohne Beschädigung weggesteckt haben. Dagegen sind dünne CfK-Rümpfe bei eher sanften Landungen zerbrochen. Die zwei halben Lagen AfK/CfK sind einerseits zu hart und andererseits zu wenig stabil. Voluminöse Rümpfe kann man von innen verstärken, aber einen 15mm Leitwerksträger, auf dessen Innenseite wahrscheinlich noch Reste von Trennmittel sind? Also verstärken wir von außen. Erste Versuche, die GfK-Matten mit Wickelband aus Polyethylen (Plastiktüten-Streifen) anzudrücken, waren erfolgversprechend. Eine Rumpfverstärkung mit der daraufhin gekauften professionellen schrumpfbaren Wickelfolie endete jedoch in einer Katastrophe: Die Folie war nicht elastisch (kein Problem, wir können ja schrumpfen...), das Bügeleisen erzeugte sehr stechende Dämpfe und der Föhn blies Luftblasen unter die Wicklung... Am einfachsten und preiswertesten ist es, eine Einkaufstüte in etwa 4cm breite Streifen zu schneiden. Auf das Harz und die Glasfasermatten kommt die unbedruckte Innenseite (wichtig!) – deswegen eignet sich ein i.d.R. beidseitig bedrucktes Absperrband auch nicht. Der Rumpf wird ab Tragflügelhinterkante intensiv angeraut:
Dann üben wir zunächst das Wickeln. Wenn man einen konischen Rumpf von hinten bewickelt, wird die Überlappung immer schmaler!
Deswegen arbeite ich mit zwei Streifen: Der Erste wird von hinten bis zur Mitte, der Zweite, mit neuem Winkel, von der Mitte bis nach vorne gewickelt. Wenn das faltenfreie Wickeln mit korrekter Überlappung sitzt, wird es ernst: Nacheinander werden zwei lange 49er-Glasmatten, etwa 3,5 mal so breit wie der Rumpf, oben mittig auf den teilweise beharzten Rumpf aufgesetzt und die beiden Seiten in Richtung Rumpfbauch anlaminiert (mit gummibehandschuhtem Finger). Beim anschließenden Wickeln der PE-Folie ist ein Helfer, der die Rumpfnase festhält und dreht, während man selber mit dem laokoonischen Band kämpft, hilfreich. Das Band muss mit deutlichem Zug aufgewickelt werden! Man lasse sich nicht von der entstehenden Harz-Schmiererei überraschen: Durch den Zug wird das Harz ausgepresst, was ein durchaus gewünschter gewichtsenkender Effekt ist.
Wenn man nach dem Aushärten das Band abwickelt, traut man seinen Augen kaum: Glänzende Oberfläche, und vom Glas ist nichts zu sehen!
Leider sind da noch die Stufen, die beim Abschleifen (erst eine gerade Feile, dann 320er und 640er) sichtbar werden:
Aber eine dünne (dünne!) Lage Klarlack rettet am Schluss alles.
Der so verstärkte GIGA 1,5m braucht nur 25g Blei in der Nase und
wiegt 475g – mein vorheriger Unverstärkter mit den gleichen
Komponenten wog 440g. AlternativeMan kann die Glasmatten auch „freihand“ um den Rumpf harzen, ohne sie anschließend mit einem Folienwickel anzupressen. Das Harz wird mit Hilfe eines Spachtels verteilt und mit dem Finger (Handschuhe) und ein wenig Brennspiritus versäubert. Nach dem Aushärten wird die Gf-Wicklung vorsichtig aber deutlich abgeschliffen, um gröbere Unebenheiten zu beseitigen, und danach noch dünn klar lackiert. Vorteile: Nachteile: Beispiel mit schwarzem Glas und blauem Flitter:
Erfahrungen
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Der verstärkte Rumpf verdient wirklich die Bezeichnung rock proof – Davos style Also beim nächsten Sturm: Kleines Träumerli aus Davos:
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Stand: 07.11.2004
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