
Der Bau einer Biegevorrichtung für Rohre
"Hallo, ich stehe vor dem Bau einer Haube für einen alten Segler.
Wie biege ich 2 bzw. 3mm Messingrohr?"
Aus dieser Frage im Forum entstand die folgende Anleitung zum Bau einer
Vorrichtung zum Biegen von Rohren:
Das Prinzip
Ein Messingrohr mit den vorgegebenen Wandstärken muss beim Biegen gestützt
werden. Dies ist von innen oder von außen möglich. Von innen geht das allerdings sehr schlecht, da sich nur extrem
feiner Sand noch einfüllen und verdichten lässt. Ausgießen oder Füllen
mit niedrig schmelzenden Metallen hat den Nachteil, dass man nicht immer
alles wieder sauber heraus bekommt.
Also bleibt nur das Stützen von außen. Jeder kann sich vorstellen, dass
ein Rohr, welches in einem Klotz steckt, in den ein Loch mit dem Rohrdurchmesser
gebohrt wurde, sich beim Biegen innerhalb des Klotzes nicht verformt,
sondern nur der Teil, der sich außerhalb des stützenden Klotzes befindet.
Wenn die Länge des Klotzes sehr viel kleiner als das Rohr ist, wird das
Rohr immer noch genau an der Stelle des Klotzes gestützt. Jedes Rohrbiegegerät
geht diesen Weg. Das Rohr liegt beim Beginn des Biegens an einer Scheibe
mit einer Nut, die genau den halben Querschnitt des Rohres hat. Von der
anderen Seite wird jetzt eine Rolle mit der gleichen Nut dagegen gepresst.
Folglich ist das Rohr an einer Stelle komplett umfasst und gestützt. Wenn
jetzt die äußere Rolle über der inneren Rolle abrollt, so wird das Rohr
um die innere Rolle gebogen, dabei aber immer gestützt.
Die Rahmenbedingungen
2,5cm bis 5cm Biegeradius (zur Sicherheit machen wir daraus 15 bis 60mm).
- Es geht auch noch etwas enger und natürlich auch weiter, aber man
muss ja irgendwo anfangen. Das Wesentliche ist nur, dass man für jeden
Biegeradius eine passende Innenrolle braucht.
3mm Rohr
3mm Rundmeißel
- Kaufen oder selbst fertigen (kaufen kann man bei DEUSS, Katalog-Seite 37 (Preis-seh-und-stöhn).
Der Meißel muss passen, sonst wird das Rohr so rund wie der Meißel,
das Selbermachen wird weiter unten erläutert.
Im Anhang gibt es eine Materialliste, passend zu WILMS, benötigt werden an Werkzeugen Feile,
Bohrer, Gewindeschneider, Schrauben und Kleinkram.
Die Anfertigung des Rundmeißels
Vor der Frage nach der Anfertigung des Drehmeißels stand ich auch vor
einiger Zeit. Es galt, eine Rundbiegemaschine für Ringe aus 3 mm Edelstahlrohr
mit einem Ringdurchmessern von ca. 50 mm zu entwerfen. Als erstes wurde
natürlich erst mal geschaut, wo man etwas abkupfern kann. Im Ansatz fündig
wurde ich bei:
Frank Arbeiter: Besseres Drehen und Fräsen (NV-Verlag)
4.2.5. Radiendrehmeißel für
konkave Radien Bei Radiendrehmeißeln der nachfolgend beschriebenen Art
gibt es keine Beschränkungen hinsichtlich der Radiengröße. In der HSS
- Ausführung ist allerdings nur eine Größe bis R <= 3 sinnvoll. Ein
Stück rundes HSS- oder HM - Material wird unter Einhaltung eines Freiwinkels
an einen runden Schaft hartgelötet. Im Falle des HSS - Materials muss
man aber schon sehr gut hartlöten können - andernfalls wird die Schneide
weich. Als Lot muss Silberlot L-Ag40Cd und ein geeignetes Flussmittel
Verwendung finden. Das Erhitzen auf die Arbeitstemperatur von 610°C und
das Löten muss spätestens nach 60s abgeschlossen sein. Eine geschickte
Wärmeführung, bei der zuerst das Schaftmaterial erwärmt wird, ist ebenfalls
Voraussetzung für ein Gelingen, d. h. kein nennenswerter Härteverlust.
Im Falle des HM - Materials kann das gleiche Lot nur bei sehr hoch kobalthaltigen
HM - Sorten eingesetzt werden. Bei anderen Sorten muss ein Speziallot
für Hartmetalle verwendet werden. Zu bedenken ist aber, dass die Möglichkeit
vorhanden sein muss, die HM - Schneide zu schleifen. (HM – Hartmetall)
Wenn man jedoch die vielen
Wenn und Aber liest, kommt einem sofort in den Sinn, dass es auch anders
gehen müsste. Da wir unsere Biegerollen aus Alu oder Messing machen, sind
die Zerspannungskräfte nicht so hoch. Vielleicht geht ja auch ein Klemmhalter.
Der Grundgedanke mit dem Drehling gefiel mir schon mal. Die 3mm HSS-Stähle
sind preiswert zu bekommen. Der Halter aus ST37k ist kein unüberwindliches
Problem, auch wenn man keine Fräse hat. Man kann und darf gerne bei mir
anfragen, vielleicht habe ich ja Zeit und ich bin käuflich - zumindest
wenn es um die Herstellung der Grundform geht.
Mein Entwurf sieht so aus: Der Halter fixiert formschlüssig den Drehling.
Mit einem Gewindestift kann die Schneidkantenhöhe exakt eingestellt werden
und ein zweiter Gewindestift übernimmt die Sicherung gegen Verdrehen und
Verlieren. Da der Halter keine großen Kräfte aufnehmen kann, sollte der
3mm Halbrund mit einen Spitzmeißel vorgearbeitet werden. Da der Keilwinkel
0° beträgt, bewegen wir uns im Bereich des Schabens.
Die Profilverzerrung bei dem gewähltem Freiwinkel von 8° beträgt mal gerade
14/1000mm. Ich denke, die Ungenauigkeiten im Rohr gehen in dieser Toleranz
auf.
Hier die Übersichtszeichnung:

Schritt 1
Ausgangspunkt ist ein ST37k Flachstahl mit ca. 120x25x10mm. Dieses Material
ist bei WILMS preiswert zu bekommen, wenn man keine günstigere Quelle
hat. Der Baustahl lässt sich noch ganz gut feilen und sägen.

Als Erstes wird sauber abgelängt und die Sägekanten werden gesäubert
und entgratet. Auf einer Seite, als kleine Handübung, die Schnittfläche
in alle Richtungen winklig überfeilen, um eine Bezugsfläche zu bekommen.
Dann das Teil entfetten und auf 400er Papier abziehen. Als erstes den
8°-Keil anzeichnen.
Tip 1:
Wenn die Malerei mit der Anreißfarbe nicht
klappt oder keine zur Hand ist, einen EDDING 5000 nehmen - die Großen
mit dem ganz dicken Strich - geht sehr gut, ist fast in jedem Supermarkt
zu bekommen und färbt gut ein. Ich bevorzuge schwarz.
Den Keil an allen Seiten auszeichnen und dann die Eckpunkte und Linien
mit Körnerschlägen ganz vorsichtig markieren. Bei den Linien ist der Abstand
der Körnerschläge nicht so wichtig, sondern die genaue Lage auf der Linie.
Wenn man gut angerissen hat, so ist mit einem kleinen, spitzen Körner
die Linie zu ertasten und die Spitzen des Körners genau in die Linie zu
stellen.
Tip 2
Einen kleinen, feinen Körner kann man sich
gut aus einem abgebrochenen Gewindebohrer machen. Und selbst wenn man
keinen abbricht, lohnt sich der Kauf eines M3-Bohrers und der Umschliff
auf eine kegelige Spitze mit ca. 80°. Wie man eine schöne Spitze schleift
wisst ihr. -- Ja, Ja - den Gewindebohrer in den Stiftschleifer spannen,
den Schleifbock anwerfen und den Stiftschleifer mit kleiner Drehzahl drehen
lassen. Jetzt den Gewindebohrer vorsichtig unter dem gewünschtem Winkel
an die Scheibe halten. Kühlen nicht vergessen! Zum Schluss noch das Vierkantende
des Gewindebohrers gerade schleifen und schon ist der Microkörner für
die Kontrollkörnungen fertig.
Anschließend wird der Keil sauber ausgearbeitet. Alle Ankörnungen sind
nur noch zur Hälfte zu sehen und die Fläche des Winkels ist schön eben.
Ich weiß - wenn man es nicht jeden Tag macht, ist es eine Herausforderung.
Aber wir wären nicht hier, wenn wir Herausforderungen nicht annehmen würden.
Wenn der erste Keil gar nicht gelingen will, ruhig noch mal versuchen.
Bis jetzt ist nur etwas Arbeitszeit und für 0,5 Euro Material verbraucht
worden. Deshalb das Stück Flachstahl erst nach Fertigstellung des Winkels
abschneiden.

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