Schalldämpferbau für 4-Takt Glühzünder

Thomas Kurze (Mooney)

Schalldämpferbau für 4-Takt Glühzünder,
oder: Wie gibt man Konservendosen ein zweites Leben?

(Bildbericht, hier exemplarisch dargestellt am Rohbau einer Siai Marchetti SF 260)

Einleitung

Manchmal ergibt es sich, dass das vorhandene Schalldämpfersystem nicht mit den gegebenen Maßen am Modell in Einklang zu bringen ist. Manchmal leidet auch schlicht die Optik.

Dann heißt es, wie so oft: Bekannte Schalldämpferbauer kontaktieren oder mal eben selber machen.
Ich hatte mich für die 2. Möglichkeit entschieden, da eigene Freizeit bekanntlich nichts kostet.

Ausgangspunkt meiner Überlegungen war ein liegend eingebauter 91er 4-Takter mit dem Auslass nach unten.
Dadurch ergibt sich unter der Motorhaube auf der zylinderabgewandten Seite ein recht grosser Leerraum.
Hier passt also prächtig ein Schalldämpfer hin! Um die bestmögliche Schalldämpfung zu erreichen, sollte es ein 3-Kammersystem werden. Entsprechend dem Original sollten aber auch die Auspuffrohre links und rechts unter dem Rumpf nicht nur herausschauen, sondern auch funktionstüchtig sein.

Um Arbeit zu sparen, sah ich mich also nach einem passenden Schalldämpferkörper um. Spraydosen sind untauglich, da meistens aus Aluminium. Also Konservendosen aus Weissblech. Lässt sich leicht bearbeiten und gut hartlöten.

Beim wöchentlichen Einkauf im Supermarkt unserer Wa(h)l (welch Wortspiel ), folgte ich brav meiner Frau durch die Gänge (das mach ich sonst nie, bin immer beim Spielzeug oder bei den Zeitschriften), auf der Suche nach den passenden Dosen.
Dann sah ich sie. Die kleinsten Kondensmilchdosen, die es gibt.
Zack eingepackt, zu Hause Maß genommen, Enttäuschung, nämlich 5mm zu lang, die Motorhaube passte nicht mehr.
Aber der Durchmesser war genau der, den ich suchte. Also noch mal in die Einkaufsmeile und wieder durch die Gänge gestreift. Endlich was passendes gefunden - die kleinen Dosen, die mit Tomatenmark gefüllt sind.

 

Nun kann der Bau des Schalldämpfers losgehen.

Was braucht man an Material?

  • 2 Konservendosen,
  • etwas Karosserieblech oder Messingblech,
  • Eisenrohr 10x0,5mm oder 10x1,0mm,
  • Wellschlauch,
  • passenden Auslasskrümmer mit Überwurfmutter.
Was braucht man an Werkzeug?

  • Säge, Feile, Cuttermesser, Blechschere, Dorn, Drahtbürste, Schleifpapier und die Utensilien zum Hartlöten,
  • gutes Augenmaß und Zeit.
  • Das Lieblingsgetränk sollte auch in erreichbarer Nähe sein.


1. Herstellung des Schalldämpfers

Die Dosen werden jeweils an einem Deckel mit dem Dorn gelocht.
Dann wird das Tomatenmark unter Wasser herausgespült.
Die Dosen werden entlackt und metallisch blank geschmirgelt
Ein kleines Loch wird in eine Dose gedrückt. Hier kann später beim Löten die heisse Luft entweichen.
Aus dem Blech werden Halterungen geschnitten und angepasst.
Dann wird alles hartgelötet und das Flussmittel wieder entfernt.


Die gelochten Dosen, es können ruhig noch mehr Löcher mit dem Dorn hinein gedrückt werden.


So werden später die Dosen aneinander gelötet. Die gelochten Deckel zueinander. Dadurch ergibt sich ein 3-Kammer-System.


Anpassen der Schalldämpferlaschen


Provisorisch wird alles fixiert, um zu prüfen, ob die Motorhaube noch passt.


Metallisch blanke Teile, fertig zum Hartlöten


Nach dem Löten


Flussmittel entfernt


Probeanbau. Passt!


2. Herstellung des Auspuffkrümmers und Schalldämpfereinlasses

Der eigentliche Schalldämpfereinlass besteht aus quer gelochtem Rohr 10x1mm. Das Rohr wird am anderen Ende durch plattdrücken verschlossen.
Nun wird an passender Stelle ein Loch in die Dose gedrückt und langsam aufgeweitet, bis das Rohr hineingesteckt werden kann.
Auf der anderen Seite vorsichtig mit dem Cuttermesser das Dosenblech schlitzen. Den Schlitz so aufweiten, bis das zugedrückte Ende des Rohres durchpasst. Verlöten und fertig.
Der Schalldämpferauslass an der anderen Konservendose wird entsprechend hergestellt.

Anpassen und verlöten von Auspuffkrümmer, Wellschlauch usw, hängt jeweils vom Einbaufall ab.

Einzelteile: Auspuffkrümmer, Wellschlauch, Reduzierstücke und Schalldämpfereinlassrohr


Alles miteinander verlötet.


So sieht das montiert aus.


Hier ist gut die verlötete Durchsteckung des Einlassrohres zu sehen.


Hier mal aus anderer Blickrichtung.

Stand: 18.02.2005