Herzschrittmacher und Modellbau

Michael Tannheimer

In Deutschland werden im Jahr 80.000 Herzschrittmacher implantiert, eine effektive und preiswerte Therapie. Herzschrittmacher bestehen im wesentlichen aus einer Batterie, etwas Elektronik und einer oder zwei Elektroden, die in das Herz gelegt werden.

Der Schrittmacher kann durch seine Umwelt gestört werden, indem er Signale, die er im Herzen wahrnehmen muss, mit „Störungen“ von außen verwechselt und dann Unfug treibt.
Dabei filtert die Elektronik sehr sicher hochfrequente Störungen heraus.
Problematisch bleibt es mit Signalen, die in dem Bereich liegen, wie sie durch das menschliche Herz entstehen: alles zwischen 30 und 300 Schlägen pro Minute.

Dazu gehören auch: Diebstahlsicherungen, Elektrozäune und Rasenmäher.

Was passiert schlimmstenfalls? Der Schrittmacher beendet seine Arbeit so lange, wie er von außen die Stör-Signale wahrnimmt. Er nimmt an, das Herz schlägt von selbst und wartet. Nach Ende der Störung nimmt er seinen Betrieb wieder normal auf.
Schlimmstenfalls fällt der Schrittmacher-Träger um und wird bewusstlos, bis ihn jemand aus dem Störfeld zieht und der Schrittmacher sein Herz wieder stimuliert.
„Umfallen“ wird dann besonders schlimm, wenn man beim Heckenschneiden von einer 3m hohen Leiter fällt, vom Sitzrasenmäher kippt oder mit einer defekten Flex alleine in der Garage liegt.

Jeder Patient erhält daher eine „Patientenbroschüre“, in der Verhaltensregeln für das normale Leben beschrieben werden. Falls die verloren wurde, kann man bei den deutschen Niederlassungen der Herstellerfirmen eine neue bekommen, das machen die gerne!!!!

In Kurzform klingt das dann in etwa so: Handy, Fön, Rasierer kein Problem, Abstand aber von starken Magnetfeldern, keine Elektroschweißgeräte, Vorsicht bei Bohrmaschinen, nicht über den Automotor beugen etc.

Aber was könnte speziell beim Modellbau den Herzschrittmacher „stören“?

Vorab; die Fernsteuerung stört sicher nicht, weil die Frequenz viel zu hoch ist.

Elektrisches Werkzeug sollte normalerweise keinen Ärger machen. Allerdings würde ich nicht einsam im Keller neues Werkzeug zum ersten Mal in Betrieb nehmen. Es genügt, wenn jemand anwesend ist, der das Ding abschaltet. Elektroschweißen ist tabu und flexen würde ich grundsätzlich auch nicht.

Magnete vom Speed600 Motor sollten nicht in die unmittelbare Nähe des Schrittmachers gebracht werden, normaler Arbeitsabstand reicht aber aus ( wie beim Rasierapparat auch). Man kann man mit einem „Magnettest“ die Funktion des Herzschrittmachers prüfen, der dann eine Testsequenz abspielt, die man auf dem EKG analysieren kann.

Zündungen von großen 4-Takt-Motoren würde ich auch meien, zumindest nicht näher als 1m ran, wenn die Kiste läuft.

Elektrozäune bitte meiden, 1m Abstand, nicht allein überschreiten, oder wenn es denn unbedingt sein muss, dann aber wirklich zügig, damit die Störung nur kurz wirken kann.

Zusammenfassung: Schrittmacherträger können ohne große Einschränkungen ihrem Hobby weiter frönen. Als Vorstandsmitglied würde ich den Kollegen vom Rasenmähdienst befreien, und grundsätzlich sollte man bei neuen Werkzeugen oder neuen elektronischen Geräten bei der ersten in Betriebnahme nicht alleine sein.

Links zur allgemeinen Information:

www.herzschrittmacher.info

http://de.wikipedia.org/wiki/Herzschrittmacher

Thema im Forum:

Fliegen mit Herzschrittmacher?

 

Stand: 13.03.2005