Von der Bitmap zum Vektor (Teil 1)

Ein Tutorial mit Corel Draw

Eckart Müller

Die folgende Anfrage im -FORUM gab den Anstoß:

Hallo,
wie aus der Überschrift hervorgeht, bin ich auf der Suche nach einer Anleitung wie man eine Vorlage mittels CorelDRAW digitalisiert.
Ich habe dies seither mit Turbocad gemacht aber diese Dateien kann ich nicht für das Magazin zur Verfügung stellen da hier cdr gefragt ist.
Bild als Beispiel:


Bild 0

Beste Grüße...

Eine Antwort auf diese Anfrage:

... importierst du in Corel TRACE. Mit der Vektorisierungsfunktion kannst du dann eine Vektorgraphik raus machen.

Mit dieser knappen Auskunft konnte ich mich nicht anfreunden, da sie meinen Erfahrungen mit Corel TRACE zuwider lief und bei dem Empfänger nur Frust und Enttäuschung verursacht hätte.

In diesem Fall kann ich von Corel TRACE nur abraten. Das Resultat ist auf den ersten Blick zwar überraschend, genau betrachtet aber unbrauchbar. Die erforderlichen Korrekturen, um ein brauchbares Ergebnis zu erhalten, machen letztlich mehr Arbeit als die manuelle Anfertigung einer Vektorzeichnung nach der Bitmap-Vorlage.

Beispiel: Die unbearbeitete Bitmap-Vorlage ergibt mittels Corel TRACE diese Darstellung:


Bild a

Das sieht schon von Weitem betrachtet nicht überzeugend aus. Wählt man bei Corel DRAW die Anzeigeart 'Umriss', wird die gesamte Unzulänglichkeit dieser automatischen Bearbeitung überdeutlich:


Bild b

Vergeblich ist ebenfalls der Versuch, das Endergebnis durch Umwandlung der Vorlage in ein schwarz/weiß-Bild zu verbessern:

Vektorisierungsergebnis:


Bild c

Noch augenfälliger werden die Fehler in der 'Umriss'-Darstellung:


Bild d

Auf diese Art und Weise lassen sich also m. E. keine brauchbaren Zeichnungen erstellen. Will man eine wirklich einwandfreie Grafik z. B. als Basis für einen Schneidplotter, kommt man um eine manuell erstellte Zeichnung nicht herum. Es sei denn, man ist mit den oben gezeigten krummen Körperkanten zufrieden. Aber wer ist das schon...?

Vor dem Hintergrund der gerade gemachten Erfahrung greife ich lieber auf die althergebrachte Methode des Durchpausens zurück. Allerdings heute nicht mehr mit Transparentpapier und spitzem Bleistift sondern zeitgemäß mit einem geeigneten Zeichenprogramm. Da gibt es sicher einige, um nicht zu sagen viele, aber meine bescheidenen Erfahrungen beschränken sich in diesem Fall auf Corel DRAW 7. Mit diesem Zeichenprogramm erreiche ich das, was ich mir vorstelle, schon recht gut.

Wie ich dabei vorgehe, möchte ich für Interessierte am Beispiel des oben vorgelegten ASW-Schriftzuges zeigen. (Die folgende Beschreibung und die Screenshots basieren auf Corel DRAW 7. Bei anderen Versionen kann es Abweichungen geben!)

Klickt man mit der rechten Maustaste auf die Bitmap (Bild 0), öffnet sich dieses Menü:


Bild 1

So speichert man die Bitmap als Vorlage für die Zeichnung, die man nun mit Hilfe von Corel DRAW (CD) anfertigen kann.
Das bedeutet, in CD wird eine „Grafik 1“ begonnen.


Bild 2

Mit der Tastenkombination Strg+F3 öffnet man das Ebenen-Rollup. Klickt man hier oben rechts auf den Pfeil, öffnet sich ein Menü, in dem uns nur der Eintrag „Neu“ interessiert. Wird „Neu“ angeklickt, wird in die Liste eine weiter Ebene eingefügt. Es ist zweckmäßig, die Ebenen 1 und 2 umzutaufen, z. B. „Vorlage“ für die Bitmap und „Vektor“ für die zu erstellende Zeichnung.


Bild 3

Auf diesem Ebenen-Rollup sind nun mehrere Symbole. AUGE, durch Anklicken dieses Symbols wird die Sichtbarkeit dieser Ebene ein- und ausgeschaltet. DRUCKER, damit wird die Druckbarkeit der Ebene ein- und ausgeschaltet. STIFT, damit wird diese Ebene für’s Zeichnen freigegeben oder gesperrt. Die folgende Spalte für die Mehrfachebene beachten wir jetzt nicht. Schließlich ist noch die Spalte mit dem Pfeil zu berücksichtigen. Stellen wir den Pfeil durch Anklicken immer vor die Ebene, die wir gerade bearbeiten wollen, wird es keine Probleme geben.
Soll die Ebene umbenannt werden, gibt es mindestens zwei Wege. Entweder die vorhandene Bezeichnung zweimal mit links anklicken


Bild 4

oder im Menü, dass sich nach Klick auf den Pfeil rechts oben öffnet und mit dem wir vorhin die neue Ebenen erzeugt haben, den Eintrag „Umbenennen“ auswählen und den neuen Namen eintragen.



Bild 5

Um die Vorlage für den Schriftzug auf die Ebene „Vorlage“ zu bekommen, muss man zunächst den Pfeil in der fünften Spalte vor die „Vorlage“-Ebene bringen. Dann oben links in der Menüleiste auf „Datei“ klicken und im sich öffnenden Menü „Importieren“ auswählen (Alternative: Strg+I). Jetzt die gewünschte Datei auswählen und durch Doppelklick importieren oder erst markieren und dann „Importieren“ wählen.



Bild 6

Damit ist das Bild des Schriftzuges auf die Ebene „Vorlage“ importiert worden und erscheint auf dem „Blatt“.


Bild 7

Ob das wirklich so wie erhofft geklappt hat, kann leicht festgestellt werden. In der Mitte am unteren Bildrand sollte jetzt das hier zu lesen sein:


Bild 8

Eine weitere Kontrollmöglichkeit bietet das Ebenen-Rollup. Wird hier das AUGE vor der Ebene „Vorlage“ durch Anklicken ausgeschaltet, muss der Schriftzug auf dem Blatt verschwinden. Für Manchen wird das bis hierhin recht trivial und selbstverständlich gewesen sein. Aber diejenigen mögen bitte Nachsicht üben mit denen, für die Corel DRAW noch nicht so übersichtlich und selbstverständlich ist.

Bevor wir weitermachen noch ein wichtiger Hinweis. Es kommt gelegentlich vor (jedenfalls auf meinem PC), dass sich CD spontan verabschiedet. Deshalb ist es empfehlenswert, unter EXTRAS, Optionen, Registerblatt ‚Erweitert’ die automatische Sicherungskopie auf eine geeignete Zeitspanne einzustellen.


Bild 9

Zum ersten Strich!

Ziel ist es zunächst, den leicht verzerrten „Halbmond“ mit möglichst wenig Aufwand zu erstellen. Dabei gibt es selbstverständlich mehrere Möglichkeiten. Ich will versuchen zumindest zwei davon zu beschreiben. Welche dann letztlich favorisiert wird, bleibt jedem selbst überlassen.

Vom Import der Vorlage sieht das Ebenen-Rollup noch so aus:


Bild 10

Damit wir nicht auf der „Vorlage“ zeichnen, sondern auf der Ebene „Zeichnung“, muss die Ebene „Zeichnung“ zur aktiven Ebene gemacht werden. Dazu wird lediglich der Pfeil durch einen Linksklick vor die Ebene „Zeichnung“ gesetzt.



Bild 11

Weil die Vorlage noch etwas klein und verloren auf dem Blatt erscheint,



Bild 14

werden wir den uns jetzt interessierenden Teil auf eine optimale Größe bringen. Aus der Werkzeug-Leiste wählen wir die Lupenfunktion,


Bild 13

ziehen mit gedrückter linken Maustaste um den verzerrten Halbmond ein Rechteck auf,


Bild 12

und vergrößern damit den eingerahmten Teil auf die Bildschirmgröße.


Bild 15

Links aus der Werkzeug-Leiste wählen wir die Funktion „Bezier“...


Bild 16

(schneller geht’s mit der Taste F5)

...und erzeugen damit bei jedem Mausklick (links) einen „Knoten“. Für die grobe Form genügen dabei sechs Knoten (Eckpunkte).


Bild 17

Nachdem der letzte (6.) Knoten positioniert ist, ergibt sich noch kein geschlossener Kurvenzug. Die geschlossene Kurve ist aber wichtig, da nur geschlossenen Kurven eine Füllung zugewiesen werden kann. Diese Aufgabe nimmt uns aber CD ab, mit dieser Funktion:


Bild 18

Im Augenblick sind noch alle Strecken zwischen den Knoten gerade Linien. Wir brauchen aber schöne glatte Kurven. Deshalb wählen wir aus der Werkzeug-Leiste die Funktion „Form“ (oder mit F10).


Bild 19

Mit dem neuen Pfeil klicken wir irgendwo auf den roten Umriss.


Bild 20


Das macht die Knotenpunkte sichtbar.

Anschließend wird um alle Knoten ein Rahmen aufgezogen. Damit werden alle Knoten ausgewählt.


Bild 21-1

Das wird durch die Veränderung der Knotendarstellung sichtbar.


Bild 21-2

Nun mit dem Cursor auf einen Knoten weisen und mit der rechten Maustaste klicken. Es öffnet sich dieses Menü:


Bild 22

Hier „in Kurve“ auswählen. Damit sind alle Geraden in Kurven umgewandelt worden. Das ist zunächst noch nicht sichtbar.

Stand: 17.03.2005