Von der Bitmap zum Vektor (Teil 1)

Ein Tutorial mit Corel Draw

Eckart Müller

Seite 2

Doch dieser unbefriedigende Umstand wird sich gleich ändern. Dazu muss die Auswahl der Knotenpunkte zunächst aufgehoben werden. Dies ist am einfachsten mit der Taste ESC zu erledigen. Dann mit dem Cursor einen Knoten mit der linken Maustaste auswählen. Nun wird sichtbar, dass es sich um Kurven handelt. Erkennbar an den „Steuerelementen“, die von den Knoten ausgehen.


Bild 23

Bringe ich den „Form“-Cursor an eine Linie, erscheint unten rechts eine Schlangenlinie. Das signalisiert, dass jetzt, nach Druck auf die linke Maustaste, die Linie gezogen werden kann. Damit kann recht zügig die Gerade in eine Kurve verändert werden, die der Vorlage entspricht.


Bild 24

Solange die linke Maustaste gedrückt bleibt, wird die Ausgangskurve (Gerade) als auch das „Ziehergebnis“ (neue Kurve) angezeigt. Erst wenn die Taste losgelassen wird, verschwindet die Ausgangskurve (Gerade).


Bild 25

Nach diesem Schema verfahren wir nun auch mit den restlichen drei geraden Kurven. Das Ergebnis sollte so etwa aussehen. Zur besseren Sichtbarkeit habe ich Kontur etwas dicker dargestellt.


Bild 26

Es ist zwar nett, passt aber noch nicht so 100%ig. Jetzt ist etwas Detailarbeit erforderlich. Ein Klick auf den linken Knoten lässt die Steuerelemente erscheinen.


Bild 27-1

Wie man an dem angeklickten Knoten erkennt, bilden die Steuerelemente keine gerade Linie. Deshalb weist die Kurve an dieser Stelle einen Knick auf. Das wird noch etwas deutlicher, wenn man die Sichtbarkeit der Vorlage ausschaltet, also im Ebenen-Rollup das AUGE anklickt.


Bild 27-2

Dieser Knick ist einfach zu entfernen. Knoten markieren, wenn das nicht schon geschehen ist, und dann oben „Geglättet“ auswählen.


Bild 27-3


Ergebnis:


Bild 27-4

Bei dem Knoten rechts daneben gehen wir ebenso vor.

Da es nun an einigen Stellen überhaupt noch nicht passen will, fügt man einen zusätzlichen Knoten ein, indem man mit links an der kritischen Position auf die Kurve klickt,


Bild 28-1

den Cursor nicht bewegt und so an identischer Stelle anschließend mit rechts klicken kann, um in dem sich öffnenden Menü den Eintrag "Hinzufügen" auszuwählen.


Bild 28-2

Der Linksklick erzeugt einen weiteren Knoten, der mit dem Rechtsklick der Kurve hinzugefügt wird. Der Knoten führt dazu, dass sich die Kurve an dieser Stelle nicht mehr bewegt, sofern nicht der Knoten selbst verschoben wird.


Bild 28-3

So kann die Kontur sehr genau an der Vorlage ausgerichtet werden. Obwohl es sehr verführerisch ist, die Kontur mit vielen Knoten zu „besetzen“, möchte ich doch davor warnen. Je mehr Knoten auf einem Umriss vorkommen, um so schwieriger wird es, mit wenig Aufwand einen glatten Kurvenverlauf zu erhalten. Mit nur einem zusätzlichen Knoten habe ich eine Form erzielt, die meinen Ansprüchen durchaus genügt.


Bild 29

Inzwischen sind mir zwei Dinge aufgefallen, die ich noch erwähnen muss.
Einerseits die Tatsache, dass die Kurve natürlich auch mittels der Steuerelemente der Knoten verändert werden kann. Also nicht nur durch direktes Ziehen an der Kurve selbst.
Andererseits habe ich zu Beginn vergessen, die Vorlage horizontal auszurichten. Das ist aber nicht weiter tragisch, den Mangel beheben wir gleich. Dazu ziehen wir aus dem horizontalen Lineal eine Hilfslinie, um eine waagerechte Referenzlinie zu haben.
Bitte beachten: AUGE und STIFT im Ebenen-Rollup vor der Ebene „Hilfslinien“ müssen sichtbar sein. Ist das nicht der Fall, kann zwar eine Hilfslinie aus dem Lineal gezogen werden. Jedoch wird sie bei inaktivem AUGE in dem Moment unsichtbar, wenn der linke Mausknopf losgelassen wird. Ist dagegen der STIFT nicht aktiv, kann zwar auch eine Hilfslinie aus dem Lineal gezogen werden. Es ist danach aber nicht möglich, sie zu verschieben. Da wir aber die Hilfslinie sowohl sehen als auch verschieben wollen, müssen die beiden oben erwähnten Symbole im Ebenen-Rollup aktiv sein!

Der Vergleich Hilfslinie – Vorlage zeigt die zu korrigierende Abweichung (die beiden kleinen grünen Pfeile beim „L“).

Um die Vorlage zu drehen, ist es erforderlich auf dem Ebenen-Rollup den STIFT vor der „Vorlage“ zu aktivieren, sonst kann an der Vorlage nichts verändert werden. Danach zweimal auf den Schriftzug klicken. Nach dem ersten Linksklick erscheinen 8 kleine schwarze Quadrate, an jeder Ecke eines und je eines in der Mitte der vier Seiten. Nach dem zweiten Linksklick gibt es an den Ecken die Symbole für die Rotation, in den Mitten der Seiten die Symbole für die Scherung der Darstellung und in der Mitte der Fläche wird der Rotationsmittelpunkt angezeigt.


Bild 30

Es empfiehlt sich, den Rotationsmittelpunkt ganz nach links zu schieben.


Bild 32

Würde der Mittelpunkt an der augenblicklichen Stelle bleiben, könnte nur schlecht beurteilt werden, wann die Drehung ausreicht. Deshalb den Cursor auf den Mittelpunkt setzen und ihn mit gedrückter linker Maustaste verschieben. Eine zusätzliche Hilfe ist dabei die „Fangfunktion“ der Hilfslinie. Aktiviert wird sie hier:


Bild 31

Damit „klebt“ der Mittelpunkt quasi an der Hilfslinie und kann vorzugsweise nur horizontal verschoben werden. Kleine vertikale Abweichungen von der Hilfslinie sind nicht möglich, nur größere Abstände.

Nun wird ein weit außen liegender Rotationspfeil mit dem Cursor und gedrückter linker Maustaste „gepackt“ und die Vorlage soweit gedreht, bis sie parallel zur horizontalen Hilfslinie liegt. Vor solchen Aktionen zur Sicherheit den STIFT der Hilfslinie im Ebenen-Rollup deaktivieren, damit nicht versehentlich die Hilfslinie verschoben wird. So sollte das schließlich aussehen:


Bild 33

Leider stimmt nun auch nicht mehr die Lage des oben gezeichneten Bogens (verzerrter Halbmond) mit der Vorlage überein. Er muss also ebenfalls gedreht werden. Wie das geht ist ja nun hinlänglich bekannt. Noch ein Tipp: Den Rotationsmittelpunkt des Bogens dabei an die gleiche Stelle legen wie bei der Vorlage! Und nicht vergessen, den STIFT vor der Vorlage im Ebenen-Rollup zu deaktivieren, damit nicht versehentlich statt des Bogens die Vorlage gedreht wird...

Eine Alternative:
Für beide Ebenen (Vorlage und Zeichnung) den STIFT aktivieren, nur für Ebene Zeichnung das AUGE aktivieren. Also ist die Vorlage nicht sichtbar, aber bearbeitbar. Daher ist jetzt nur der Bogen sichtbar (weil er sich auf der Ebene Zeichnung befindet). Den Bogen auswählen durch Linksklick (acht schwarze Quadrate erscheinen). Den Cursor in das Ebenen-Rollup bringen. Nun rechte Maustaste drücken. Es erscheint ein Menü, das neben anderen auch den Eintrag „Verschieben nach...“ enthält.
Damit sind die Vorbereitungen für das Zeichnen des Schriftzuges erledigt.

Zwischenzeitlich habe ich die Ebene „Zeichnung“ umgetauft in „Bogen“ und eine weitere Ebene „AS“ hinzugefügt.


Bild 34

Begründung: Gelegentlich ist es vorteilhaft, nicht benötigte Einzelheiten „verschwinden“ zu lassen, wenn es z.B. an der Übersichtlichkeit einer größeren Zeichnung mangelt. Bei diesem relativ einfachen Schriftzug ist es eigentlich nicht zu erwarten. Aber man weiß vorher nie zu 100%, wie sich ein Projekt entwickelt und es ist kein Fehler, grundsätzlich so zu verfahren. Viel schwieriger würde es, in einem fortgeschrittenen Stadium eine „Entflechtung“ zu bewerkstelligen, weil man vor lauter Linien den Durch- und Überblick verloren hat. Das soll kein Dogma sein, es ist nur meine Methode, die ich mir im Laufe der Zeit zu eigen gemacht habe.

Sieht das Ebenen-Rollup so aus, wie in Bild 34 dargestellt, sagt dies, die Vorlage ist sichtbar, nicht bearbeitbar; der Bogen ist nicht sichtbar, nicht bearbeitbar; AS ist sichtbar, bearbeitbar und die aktive Ebene (horizontaler Pfeil davor). Gedruckt werden könnte z.Z. nur die Ebene AS (Druckersymbol).

Wir ziehen mit der Vergrößerungsfunktion (Lupe) ein Rechteck um die beiden Buchstaben A und S, einschließlich des dicken horizontalen Strichs.
Damit ist der jetzt interessierende Teil des Logos auf Bildschirmgröße gebracht.


Bild 35

Zur Übung und weil es der Klarheit dient, stellen wir die Anzeige mal auf „Umriss“


Bild 37

Die Vorlage wird grau, die Linien, die wir nun zeichnen, werden nur noch ein Pixel breit, egal welche Liniendicke eingestellt ist und die Linienfarbe wird in der Umrissdarstellung von der Ebenenfarbe diktiert. Das ist im Normalfall die Farbe Schwarz, erkennbar am kleinen schwarzen Rechteck ganz rechts im Ebenen-Rollup. Zur Demonstration und weil’s mir besser gefällt, wählen wir für die Ebenenfarbe mal die Farbe ROT.


Bild 36

Eine weitere Eigenschaft des Ebenen-Rollups: Klickt man mit der linken Maustaste auf den Ebenennamen, hier also AS, wird der Name markiert (dunkelblau unterlegt). Nur der so ausgewählten Ebene kann eine andere Ebenenfarbe zugewiesen werden. Der Status der übrigen Symbole ist dabei ohne Bedeutung. Auch unsichtbaren und nicht bearbeitbaren Ebenen kann also eine andere Ebenenfarbe zugewiesen werden. Die Ebenenfarben im Umriss-Modus haben den Vorteil, dass man an Hand der Farben erkennt, welcher Ebene ein Zeichnungselement zugeordnet ist.

In der Umriss-Darstellung sieht unsere Vorlage also jetzt so aus (Bild 37), sollte sie zumindest, wenn bisher alles programmgemäß verlaufen ist.

Wir drücken die Taste F6, wählen damit das Rechteck-Werkzeug und ziehen um den dicken horizontalen Strich ein Rechteck auf. Ist die Fang-Funktion noch aktiviert, wird es uns nicht gelingen in der augenblicklichen Größe der Bildschirmdarstellung das Rechteck an die Abmessungen des Strichs in der Vorlage anzunähern. Bei dem Versuch klappt das Rechteck zu einem horizontalen Strich zusammen.

Abhilfe: Fang-Funktion abschalten (s. Bild 31) oder größere Darstellung (mittels Lupe) wählen.

Der Bereich der Fang-Funktion ist konstant, unabhängig von der gerade gewählten Ausschnittvergrößerung bzw. Bildschirmdarstellung. Ist der Fangbereich auf 5mm ober- und unterhalb der Hilfslinie festgelegt, kann z.B. in der 1:1-Darstellung kein Objekt schmaler als 5mm gemacht werden, ohne von der Fang-Funktion auf einen Strich reduziert zu werden (wie gerade in unserem Beispiel geschehen). Vergrößern wir hingegen das Bild soweit, dass meinetwegen die Höhe unseres Rechtecks in etwa der Bildschirmhöhe nahe kommt, lässt sich das Rechteck wiederum bis auf knapp 5mm schmal machen. Welcher Abmessung das im Maßstab 1:1 entspricht, kann hier abgelesen werden.


Bild 38

Es sind ganze 0,034mm(!!). Das zweite „m“ ist auch da, wird aber im zu kleinen Fenster nicht angezeigt. Man kann die Anzeige aber verschieben, dann wird auch das zweite „m“ sichtbar.

Bei dieser Übung unbedingt beachten, dieses „Schloss“ zu öffnen. Sonst wird das Rechteck nämlich nicht nur in senkrechter Richtung flacher, sondern auch in seiner horizontalen Ausdehnung kleiner, was jedoch hier und jetzt unerwünscht ist.


Bild 39

Wenn es schließlich so aussieht (Bild 40) ist es für den Augenblick in Ordnung:


Bild 40

Hier wird deutlich, wie hilfreich es ist, die einzelnen Zeichnungen auf separaten Ebenen auszuführen. In der Umrissdarstellung sind nur fünf der acht kleinen Quadrat erkennbar, weil sie dort im Bereich der Vorlage im gleichen Grau wie die Vorlage selbst dargestellt werden und daher verschwinden. Schalte ich im Ebenen-Rollup die Anzeige der Vorlage probehalber aus, sind wieder alle acht Quadrate zu erkennen.


Bild 41

In der „Normalansicht“ passiert das nicht, da hier die SW so angelegt ist, dass die Quadrate zum Hintergrund invers dargestellt werden.


Bild 42

Also was machen wir jetzt? Hm, ja wir brauchen fünf Stücke unseres schmalen Rechtecks, das letztlich der horizontale Strich zum A und S werden soll. Fünf Stücke deshalb, weil sich ein Teil links vom Bogen befindet, ein Teil innerhalb des Bogens, ein weiteres Teilstück zwischen Bogen und A, das vierte Stück zwischen A und S und das fünft Stück am S rechts unten.
Wie man zu diesen fünf Stücken kommt, bleibt jedem selbst überlassen. Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Ich beschreibe hier nur eine Methode.

Ich schiebe z.B. das Rechteck auf die Länge des linken Teilstücks zusammen, indem ich das mittlere schwarze Quadrat auf der rechten Seite des Rechtecks mit links anklicke und mit festgehaltener Maustaste bis zur beabsichtigten Breite nach links schiebe.


Bild 43

Ein weiteres, gleich hohes Rechteck wird benötigt. Das erledigen wir mit nur einem(!) Tastendruck. Voraussetzung: Die acht schwarzen Markierungsquadrate zeigen an, dass das Rechteck noch ausgewählt ist. Dann genügt ein Druck auf die „+“-Taste des Nummernblocks und schon haben wir eine Kopie des Rechtecks erzeugt. Nichts zu sehen, außer einem kurzen Flackern? Klar, die Kopie liegt jetzt genau an der gleichen Stelle wie das Original. Aber wir werden gleich den Durchblick haben. Die Markierungsquadrate sind noch zu sehen. Gut, wenn nicht, dann die Kontur des Rechtecks mit Linksklick anklicken. Nun packen wir das linke mittlere Markierungsquadrat (hat sich der Pfeil-Cursor in ein Fadenkreuz verwandelt, ist diese Aktion möglich) und schieben mit gedrückter (in dem Augenblick verschwinden die Markierungsquadrate) linker Maustaste den Rand bis zum rechten Ende des weißen Rechtecks der Vorlage. Während dieser Manipulation mutiert das Fadenkreuz zu einem kleinen rechts-links-Pfeil und das Rechteck wird nur mit einer dünnen gestrichelten Linie dargestellt.


Bild 44

Nochmal zur Erinnerung. So kann man vorgehen. Es gibt weitere Möglichkeiten, die manchem vielleicht naheligender erscheinen. Wenn das Ergebnis letztlich so aussieht, ist der Weg dorthin von untergeordneter Bedeutung.


Bild 45


Bild 46

Etwas Feinarbeit wartet. Die linke Seite des zweiten Rechtecks soll dem Umriss des Bogens angepasst werden. Dazu den Bogen sichtbar machen (AUGE im Ebenen-Rollup), Vorlage unsichtbar machen, wenn sie stört. Bildschirmdarstellung in den Umriss-Modus schalten (Bild 35). Das sollte jetzt so aussehen:


Bild 47

Wir vergrößern (mit der Lupe) den Bereich, mit dem wir uns jetzt befassen wollen...


Bild 48

...und verschieben zunächst die rechte Seite des ersten Rechtecks so weit, bis sie außerhalb des Bogens liegt.


Bild 49

Es gibt da eine etwas umständlichere Methode (Kontur per Hand anpassen) und ein leicht automatisiertes Verfahren, dass sich der Möglichkeiten bedient, die Corel DRAW für solche und ähnliche Aufgaben anbietet. Dieser Ablauf muss aber etwas näher erläutert werden. Auf geht’s...

Stand: 17.03.2005