Von der Bitmap zum Vektor (Teil 1)

Ein Tutorial mit Corel Draw

Eckart Müller

Seite 3

SCHNITTMENGE heißt die „Zauberfunktion“!

Dazu verlängern wir das innerhalb des Bogens liegende Rechteck soweit nach links und rechts, bis sich alle Eckpunkte außerhalb des Bogens befinden. Dieses Ziel erreichen wir mit einer Aktion, also nicht erst links und dann rechts ziehen, das wären zwei Aktionen.

Das Rechteck auswählen (Linksklick, acht Markierungsquadrate sichtbar), mittleres Markierungsquadrat der rechten oder linken Seite erfassen (Cursor wird Fadenkreuz) und nun mit gedrückter linker Maustaste und gedrückter SHIFT-Taste ziehen. Wie schön, das Rechteck wächst gleichzeitig nach links und rechts. Liegen alle Ecken der Rechtecks außerhalb des Bogens, ist es gut. Ob sie dabei eines der außerhalb befindlichen Rechtecke berühren oder gar überlappen ist ohne Bedeutung. Sieht es jetzt so aus? Gut!


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Oben in der Menü-Leiste „Anordnen“ anklicken. Im sich öffnenden Menü „Schnittmenge...“ anklicken.


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Es erscheint dieses Popup-Fenster:


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Dort im Kästchen vor „Andere Objekte“ ein Häkchen eintragen (mit links anklicken). Dann den Bogen auswählen (acht Markierungsquadrate). Jetzt ist der vorher inaktive Schriftzug auf dem Button „Schnittmenge mit...“ deutlich sichtbar geworden.



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Nun klicken wir mit links auf den Button „Schnittmenge mit...“. Der Cursor wird zu einem dicken Pfeil.



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Mit der Spitze dieses dicken Cursorpfeils klicken wir nun irgendwo auf die Kontur des Rechtecks. Wenn nun alles mit rechten Dingen zugegangen ist, sollte zweierlei passiert sein: Dem Rechteck sind die Bereiche, die sich außerhalb des Bogens befanden, abgeschnitten worden.



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Die Rechteckkontur hat die Farbe von rot nach schwarz gewechselt, weil sich das Rechteck nun auf der Ebene des Bogens befindet (Ebenenfarbe schwarz). Auslösendes Moment für diese Änderung ist die Tatsache, dass der Pfeil im Ebenen-Rollup die Ebene Bogen zur aktiven Ebene erklärt hat.

Da das weiße Rechteck (ist eigentlich kein Rechteck mehr) innerhalb des Bogens nicht bis zur Kontur des Bogens reichen soll, müssen wir die Breite des Rechtecks, das keins mehr ist, etwas reduzieren. Dazu nehmen wir das Werkzeug oder Hilfsmittel FORM der Werkzeug- oder Hilfsmittelleiste oder drücken F10, was auch zum Ziel führt.


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Wir ziehen einen Rahmen um die beiden rechten Knoten des Rechtecks, damit sind sie ausgewählt (erkennbar an ihrer schwarzen Füllung).



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Wir vergewissern uns, dass die FANG-Funktion (Bild) noch aktiviert ist und schieben die beiden Knoten (Eckpunkte) um ein uns passend erscheinendes Stück nach links von der Kontur des Bogens weg. Die gleichen Aktionen führen wir an der linken Seite des Rechtecks aus, das danach etwa so aussehen sollte.


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Halt! Bevor irgendein Protest losbricht.
Sicherlich hätte das auch mit der „Ich-schiebe-beide-Enden-gleichzeitig“-Funktion erzielt werden können. Da gibt es nur einen kleinen, in bestimmten Fällen aber unangenehm lästigen Unterschied. Mit der gerade beschriebenen Funktion bleibt die seitliche Kontur des Rechtecks, das keins mehr ist, immer parallel zur Kontur des Bogens an dieser Stelle. Wird zu Testzwecken mal die „Ich-schiebe-beide-Enden-gleichzeitig“-Funktion ausprobiert, lässt sich deutlich erkennen, besonders dann, wenn das Rechteck, nein, ich wiederhole mich jetzt nicht , fast bis zur Mitte zusammengeschoben wird, dass die schrägen Seiten nicht mehr parallel mit den entsprechenden Stellen der Bogenkontur verlaufen. Im vorliegenden Fall ist das belanglos, es wäre kein sichtbarer Unterschied festzustellen. Aber es gibt Situationen, da ist diese Eigenart extrem störend. Auf diese Weise habe ich nun beide Möglichkeiten „unter’s Volk“ gebracht.

So, nun kommt noch was Schönes: VERSCHMELZEN oder „aus viel mach’ weniger“ oder...
Rechts und links vom Bogen liegen zwei einsame Rechtecke. Wie die Vorlage zeigt, kann man diese durchaus als zum Bogen gehörend ansehen. Dann sollte das auch bei unserem Schriftzug oder Logo so sein. Insbesondere wenn man es als Vorlage für einen Schneidplotter verwenden will, sollte sich eine geschlossene Kontur ergeben, da andernfalls der Schneidplotter so seine Probleme bekommen könnte.
Dazu stellen wir die Länge des linken Rechtecks so ein, das es links außen mit der Vorlage übereinstimmt und geringfügig, aber mit beiden Ecken, in die Fläche des Bogens hineinragt. Es darf nicht bis in die Fläche der vorhin erzeugten weißen Form reichen.


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So bitte nicht!

Wenn der Steg zu schmal ist, um beide Eckpunkte innerhalb zu platzieren, ohne die weiße Form zu tangieren, dann muss das Rechteck seiner Rechteckeigenschaft beraubt werden. Nur dann lassen sich die Eckpunkte unabhängig voneinander bewegen. Dazu das Rechteck auswählen und hier oben „in Kurven umwandeln“ anwenden.


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Danach können mit dem FORM-Werkzeug die Knoten des Rechtecks einzeln verschoben werden. Damit nun kein Missgeschick passiert, also z.B. der Knoten unbeabsichtigt in senkrechter Richtung verschoben wird, kann man entweder während des Verschiebens die Taste „Strg“ bzw „Ctrl“ drücken, dann ist die allererste Knotenbewegung die Vorzugsrichtung oder man bewegt den Knoten mittels der Cursortasten. Dazu muss der Knoten natürlich auch vorher erst ausgewählt werden.


Einschub:

Bei Corel DRAW ist fast alles einstellbar und den persönlichen Vorlieben und Gewohnheiten anpassbar. Die Schrittweite, um die sich ein Objekt mit Hilfe der Cursortasten verschieben lässt, kann z. B. hier eingestellt werden. Mit Strg+j öffnet man das OPTIONEN-Menü:


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Auf der Registerkarte „Allgemein“ lässt sich in dem markierten Bereich die Schrittweite für zwei Modi einstellen: Taste „Strg“ nicht gedrückt (rot) oder gedrückt (grün) , wenn mit den Cursortasten die Knoten oder ganze Objekte bewegt bzw. verschoben werden sollen. Als günstige Kombination haben sich die Werte 0,1 und 100 erwiesen. Damit lassen sich aber nicht alle Situationen abdecken. Gelegentlich muss man daher auf Strg+j zurückgreifen, um passendere Schrittweiten einzustellen. Vielleicht auch gleich prüfen, ob „Millimeter“ eingestellt sind (blau).

Einschub Ende!

Es sollte nun kein Problem mehr sein, die Rechtecke so anzupassen. Wenn das rechte Rechteck innerhalb des Buchstabens „A“ endet, ist das ok. Andernfalls etwas nachhelfen...


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In der Menü-Leiste „Anordnen“ -> VERSCHMELZEN auswählen. Im Popup-Menü braucht kein Häkchen gesetzt zu werden. Mit welchem Objekt man nun beginnt ist beliebig. Nehmen wir das linke Rechteck, das ja jetzt auch keins mehr ist, und wählen es aus. Gleichzeitig wird die Schrift „Verschmelzen mit...“ im Popup-Menü dunkel. Nun diesen Button anklicken, es erscheint der von der SCHNITTMENGE bekannte dicke Pfeil. Mit diesem dicken Pfeil nun den Bogen an seiner Kontur anklicken, den Bogen deshalb, weil er sich mit dem linken Rechteck überlappt. Nur was sich an mindestens einer Stelle überdeckt, kann verschmolzen werden. Nach dem Anklicken der Kontur des Bogens wird aus den beiden Objekten Rechteck und Bogen ein einziges Objekt mit einer durchgehenden Kontur. Genauso wie beschrieben, gehen wir nun bei dem rechten Rechteck und dem neuen Objekt vor. Ein Objekt von beiden auswählen (möglicherweise ist das Objekt von der vorhergehenden Aktion noch ausgewählt, dann kann unmittelbar danach gleich „Verschmelzen mit...“ angeklickt werden und das zweite Objekt verschmolzen werden), „Verschmelzen mit...“ anklicken und dann das zweite Objekt anklicken und damit verschmelzen.


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So weit, so gut. Ganz am Ziel mit diesem Abschnitt sind wir noch nicht. Das „Warum?“ wird gleich demonstriert. Dazu wechseln wir die Bildschirmdarstellung vom Umriss- in den Normalmodus. Wählen den Bogen aus (acht Markierungsquadrate), füllen den Bogen mit Schwarz (Linksklick in der Palette auf Schwarz) und entfernen noch die Umrisslinie (Rechtsklick auf das Kästchen mit dem Diagonalkreuz oberhalb der Palette).


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Wir stellen fest: Der Strich innerhalb des Bogens ist nicht sichtbar. Der aufmerksame Zeichner wird nun einwenden, das dies ja nicht so sehr überraschend ist, da wir den Strich ja noch nicht mit einer Füllung versehen haben. Das ist vollkommen richtig. Wir könnten dem Strich die Füllung Weiß zuweisen und hätten damit scheinbar alles erledigt. Nicht ganz! Was passiert, wenn wir diesem Bogen samt Strich einen andersfarbigen Hintergrund hinterlegen? Der Strich bleibt weiß, statt die Hintergrundfarbe durchzulassen. Na ja, wir könnten jetzt dem Strich auch die Hintergrundfarbe zuweisen und gut wär’s. Aber ist das ein befriedigender Zustand, bei jedem Hintergrundwechsel auch noch beim Strich und womöglich noch bei weiteren, ähnlichen Zeichnungselementen immer wieder nachträglich die Füllung anpassen zu müssen? Klares Nein!

Besser ist es so: Wir wechseln der Einfachheit halber wieder in die Umriss-Anzeige. Den Strich auswählen (Linksklick), die Shift-Taste gedrückt halten und jetzt zusätzlich den Bogen auswählen (noch mal Linksklick). Damit sind beide Objekte ausgewählt (acht Markierungsquadrate). Nun die Tasten Strg+L drücken oder „Kombinieren“ anklicken (Linksklick).


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Ist eine Änderung zu erkennen? Nein! Dann wechseln wir mal vom Umriss in die Normalansicht. Und siehe da, jetzt ist der Strich im Bogen zu sehen. Toll! ;) Er verhält sich nun quasi wie eine Loch, eine Öffnung oder ein Durchbruch. Änderungen des Hintergrunds erscheinen ohne unser Zutun auch im Bereich des Strichs! Probeweise können wir dem Gebilde mal eine andersfarbige Kontur zuordnen, aber bitte nicht in Weiß. Es wird nicht nur Außen ein Umriss erscheinen sondern auch im Bereich des Strichs. Das war nur zur Demonstration gedacht, bitte Kontur wieder entfernen (Rechtsklick auf’s Diagonalkreuzkästchen, Bild 64).
So sollte jetzt unser Bogen einschließlich der Striche aussehen:


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Einschub:

Falls die Einstellung nicht schon vorhanden ist, auf OPTIONEN -> Anzeige. Das Kästchen vor dem Eintrag „Erweiterte Ansicht beim Bearbeiten aktivieren“ mit einem Häkchen versehen. Danach verwendet Corel DRAW das 2X-Oversampling zur Darstellung der bestmöglichen Ansichtqualität!


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Ab sofort gibt es in dem Pulldown-Menü einen weiteren Eintrag.


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Ach ja, und noch was. Wenn mal Unklarheit darüber besteht, ob einem Objekt eine Kontur in der Füllfarbe zugewiesen worden ist (erkennt man ja nicht, weil gleichfarbig) oder ob es keine Konturlinie hat, hilft unten rechts die Auskunft weiter (aber nur, wenn das fragliche Objekt ausgewählt ist (acht Markierungsquadrate)).


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Einschub Ende!

Jetzt aber zu den beiden Buchstaben „A“ und „S“. Sonst werden wir ja hier nie fertig!
Dazu den Bogen samt seiner Striche ausschalten und die Vorlage einschalten, damit meine ich unsichtbar bzw. sichtbar machen (im Ebenen-Rollup), sowie den Umriss-Modus aktivieren.

Gedanklich zerlegen wir das „A“ in vier Teilflächen. Rechts und links zwei Parallelogramme sowie in der Mitte und oben je ein Rechteck.

Bevor wir diese Teilflächen einzeichnen, benötigen wir eine weitere Hilfslinie, die als obere Begrenzung der Lettern dient. Aus dem horizontalen Lineal ziehen wir eine Hilfslinie und positionieren sie so, dass sie die Oberkante der Buchstaben bildet. Falls die Hilfslinie zwar aus dem Lineal gezogen werden konnte, aber anschließend nicht mehr zu verschieben war oder gar gänzlich verschwunden ist, muss im Ebenen-Rollup die Einstellung vor dem Eintrag „Hilfslinie“ angepasst werden. Also AUGE (Sichtbarkeit) und STIFT (bearbeitbar) aktivieren oder, wie das so schön heißt, highlighten. :( Ist auch noch die FANG-Funktion aktiviert (Bild 31), können wir nun zunächst ein Rechteck aufziehen (F6 schaltet das Rechteck-Werkzeug ein), das so breit ist wie das linke oder rechte Parallelogramm des „A“ und das von der oberen bis zur unteren Hilfslinie reicht.


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Nach dem Aufziehen des Rechtecks drücken wir die Leer-Taste, das Rechteck-Werkzeug verschwindet und die acht Markierungsquadrate erscheinen. Nochmaliges drücken der Leer-Taste bringt wieder das Rechteck-Werkzeug auf den Bildschirm. So kann schnell zwischen dem aktuellen Werkzeug und dem Vorhergehenden umgeschaltet werden. Das Rechteck-Werkzeug brauchen wir aber im Augenblick nicht mehr. Es sollten die acht Markierungsquadrate sichtbar sein. Klicken wir nun mit Rechtsklick auf die Kontur des Rechtecks, werden die Rotations- und Scherungsmarkierungen sichtbar. Wir „greifen“ oben den rechts-links Pfeil und schieben ihn so weit nach rechts, bis das Rechteck der Form der Vorlage entspricht.


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Jetzt ist eine Entscheidung fällig: Soll das „A“ und die übrigen Lettern gerundete Ecken bekommen oder nicht? Ich habe mich aus Demonstrationsgründen für die Rundungen entschieden (runde Ecken, ist das nicht ein Widerspruch in sich?). Solange das Rechteck von CD als solches behandelt wird, kann oben mittels Slider der Grad der Abrundung gewählt werden.


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Alternativ kann der Rundungsradius im rechts daneben befindlichen Fenster numerisch eingegeben werden. Meist mache ich es so, dass ich erst per Slider eine mir genehme Größenordnung wähle und anschließend numerisch eine glatte Zahl eintippe, um gegebenenfalls später besser reproduzieren zu können.
Hier habe ich 25mm eingestellt.
Für den rechten Schenkel des „A“ brauchen wir ein identisches Rechteck. Dazu einfach die „+“-Taste des Nummernblocks drücken und schon haben wir eine Kopie der Rechtecks. Diese schieben wir bis zum rechten Schenkel das „A“.
Ein drittes Rechteck wird für den oberen horizontalen Strich des „A“ gebraucht. Da ist nun keine Scherung und keine Eckenrundung nötig.
Das vierte Rechteck bildet den Querstrich im „A“. So sollte schließlich unsere Rechteckanordnung in etwa aussehen.


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Aus den vier Einzelteilen soll nun ein Stück werden. Also verschmelzen wir die vier Teile zu einem Objekt (s. Bild 51 ff.). Zur Verdeutlichung habe ich vorübergehend die Vorlage wieder unsichtbar geschaltet.


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Da der Horizontalstrich meiner Meinung nach auf gleicher Höhe liegt und ebenso breit ist wie der untere Zwischenraum beim „S“, habe ich zwei weitere Hilfslinien eingeführt, um es bei der Gestaltung des „S“ etwas einfacher zu haben. Das „A“ sieht doch schon ganz gut aus. Wenn da nur nicht diese Problemzone wäre.


Bild 75

Gemäß Vorlage scheinen die oberen beiden Ecken ebenfalls abgerundet zu sein. Da es sich hier leider nicht um ein Rechteck im Sinne von CD handelt, kann die „Abrundungsautomatik“ nicht benutzt werden. Da ist wieder etwas Handarbeit nötig. Das behagt mir nicht. Deshalb werde ich beim „S“ besser planen und rationeller vorgehen. Jetzt ist die Lage nun mal so wie sie ist. Fummeln wir uns also zum Ergebnis.

Bild 76

Es will nicht gelingen, das Parallelogramm in der Mitte des „A“ alleine auszuwählen, um es zu bearbeiten. Jedesmal bei dem Versuch es anzuklicken, wird das gesamte „A“ ausgewählt. Das liegt daran, das es sich hier um eine Kombination handelt. Beweis: Wenn dem „A“ eine Füllfarbe zugewiesen wird, bleibt die „Öffnung“ frei, wie oben bei unserem Strich im Bogen. Ruhig mal testen...

Folglich müssen wir erst die Kombination aufheben, um das Parallelogramm bearbeiten zu können.

Stand: 17.03.2005