Von der Bitmap zum Vektor (Teil 1)

Ein Tutorial mit Corel Draw

Eckart Müller

Seite 4

Dazu drücken wir bei ausgewähltem „A“ (acht Markierungsquadrate) die Tastenkombination Strg+K, womit wir die Kombination aufgehoben haben. Taste ESC drücken, um die Auswahl aufzuheben (acht Markierungsquadrate verschwinden). Nun kann das kleine innere Parallelogramm ausgewählt werden. Taste F10 wählt das FORM-Werkzeug, mit dem wir den scharfen Ecken zu Leibe rücken werden.

Wir erzeugen an den beiden oberen Ecken je zwei zusätzliche Knoten. Ein Rechtsklick fügt mit der Spitze des FORM-Werkzeugs an der Stelle auf der Kontur einen Knoten ein und öffnet gleichzeitig das Popup-Menü, in dem wir den Eintrag „Hinzufügen“ mit Linksklick auswählen.


Bild 77


Bild 78

Die Knoten in den Ecken werden nun entfernt (anklicken und „Entf“-Taste).


Bild 79

Bei gedrückter „Shift“-Taste wählen wir diese beiden Knoten aus.


Bild 80

In der Menüleiste klicken wir auf den Eintrag „In Kurve“. Wir wollen nun nicht lange rumprobieren, bis wir eine schöne, glatte Kurve erzielt haben. Mit dem FORM-Werkzeug ziehen wir einen Rahmen um die oberen vier restlichen Knoten, damit wählen wir sie aus. Nach dem Linksklick auf den Button „Geglättet“ wird aus dem eckigen Verlauf eine geglättete Kontur.


Bild 81

Nun wieder beide Elemente des „A“ kombinieren (Strg+L). Wenn wir schließlich den Zipfel, der sich oben rechts am „A“ befindet angeformt haben, sind wir mit dem Buchstaben fast fertig. Man kann nun darüber streiten, ob der Zipfel mehr eckig oder doch eher rund gestaltet ist. Das ist aus der Vorlage nicht eindeutig zu erkennen. Machen wir’s halt rund-eckig. Dazu fügen wir nach der oben beschriebenen Methode einen weiteren Knoten ein. Dann ziehen wir die beiden oben rechts liegenden Knoten bis zum Beginn des Zipfels und verringern den Krümmungsradius der Kurve an dieser Stelle noch etwas. Das Ergebnis könnte so aussehen.


Bild 82

Wir füllen nun das „A“ mit Schwarz und entfernen einen eventuell vorhandenen Umriss. Blenden wir die Hilfslinien samt Vorlage aus und lassen den Bogen sichtbar werden, dann müsste unser „Kunstwerk“ mittlerweile so oder zumindest so ähnlich aussehen.


Bild 83

Ähnlich wie wir das „A“ gezeichnet haben, könnte man auch beim „S“ vorgehen. Dann brauchte ich eigentlich kein Wort mehr darüber zu verlieren, weil ich der Überzeugung bin, beim „A“ fast alles mit hinreichender Ausführlichkeit beschrieben und erläutert zu haben.

Allerdings lasse ich mir dennoch nicht die Gelegenheit entgehen, am „S“ einige Alternativen zu demonstrieren.

Einschub:

Da habe ich nun schon wieder was unterschlagen, was die Arbeit durchaus erleichtern und beschleunigen kann. Es ist zweckmäßig, sich eine Hilfsmittel-Ebene anzulegen. Da können Grundelemente, „Kleinteile“ und anderer Einzelheiten der gerade bearbeiteten Zeichnung abgelegt und bei Bedarf auf die einzelnen Ebenen kopiert werden. Jetzt könnte ich z. B. das Parallelogramm gut gebrauchen, das Bestandteil des „A“ geworden ist. Daraus könnte mit minimalem Aufwand die Basisfläche für das „S“ erzeugt werden. So muss ich jetzt über Rechteck, Scherung und Ecken abrunden die Grundfigur neu zeichnen.
Einschub Ende!

Zeichnen wir also zunächst die Grundfigur des „S“ auf die gleiche Art und Weise wie das beim „A“ bereits beschrieben worden ist. Außerdem führen wir für den oberen „Freiraum“ des „S“ zwei zusätzliche Hilfslinien ein.
Zwischen diesen Hilfslinien platzieren wir ein Rechteck, dessen Ecken so verrundet werden, das es dem „Freiraum“ des „S“ entspricht. Es soll deutlich länger als der eigentliche „Freiraum“ sein. Mittels Scherung wird die endgültige Form erreicht. Für mehr Klarheit habe ich im Bild 84 die Vorlage entfernt.


Bild 84

An der rot markierten Stelle scheint das „S“ ebenfalls eine abgerundete Ecke zu haben, jedenfalls interpretiere ich die Vorlage dahingehend. Um diese Rundung dort anzubringen, möchte ich exemplarisch eine Methode zeigen, die im vorliegenden Fall zwar etwas aufwändig erscheint (und das zweifellos auch ist), aber eine weiter Möglichkeit zeigt, die Fähigkeiten von Corel DRAW zu nutzen.

Wir zeichnen ein Rechteck, dass die obere rechte Ecke des „S“ großräumig überdeckt.


Bild 85

Unter ANORDNEN markieren wir „Zuschneiden“. Dann wählen wir die Grundform des „S“ aus (acht Markierungsquadrate), machen einen Linksklick auf „Zuschneiden“ im Popup-Menü und klicken mit dem dicken Pfeil auf die Kontur des gerade oben auf der Ecke des „S“ platzierten Rechtecks.
Mit dieser Aktion ist genau die Eckenkontur des „S“ aus dem Rechteck „ausgestanzt“ worden.


Bild 86

Verschieben wir dieses formgebende Rechteck jetzt so, dass es genau auf die abzurundende Ecke des „S“ passt. Für die präzise Positionierung in den Umriss-Modus wechseln, eine hohe Vergrößerung einstellen und so eine exakte Überdeckung einstellen.


Bild 87

Im Popup-Menü nun „Verschmelzen“ mit Linksklick auswählen. Das zugeschnittene Rechteck markieren (acht Markierungsquadrate), auf den Button „Verschmelzen“ klicken und mit dem dicken Pfeil das schmale Rechteck anklicken und mit dem Rechteck verschmelzen.


Bild 88

Mit der so erzeugten neuen Form wird die Grundfigur des „S“ nun zugeschnitten. Im Popup-Menü wieder „Zuschneiden“ aktivieren (ist das Häkchen vor „Andere Objekte“ noch da?), die neu geschaffene Form anklicken (acht Markierungsquadrate), auf den Button „Zuschneiden“ klicken und mit dem dicken Pfeil auf die Kontur der Grundfigur des „S“ klicken. Damit ist die Aussparung aus dem „S“ geschnitten worden. Und weil das Häkchen vor „Andere Objekte“ aktiviert war, ist auch die Zuschneideform noch vorhanden (andernfalls wäre sie nämlich verschwunden).


Bild 89

Hier oben geben wir den Wert 180 ein und drehen damit die Zuschneideform um 180°. Mit etwas Schieben legen wir sie so, dass wir aus dem „S“ die zweite Aussparung passgenau ausschneiden können.


Bild 90

Die Zuschneideform können wir nun löschen, sie wird nicht mehr gebraucht. Übrig bleibt das fast fertige „S“.


Bild 91

Mit der schon bekannten SCHNITTMENGE „klauen“ wir uns vom „A“ den Zipfel oben rechts und „pappen“ ihn mittels VERSCHMELZEN an das „S“.


Bild 92


Bild 93


Bild 94

Da wir gerade beim Verschmelzen sind, können wir damit gleich fortfahren. Nachdem wir das kleine, flache Rechteck unten rechts noch etwas verjüngt haben, verschmelzen wir es mit dem „S“. Das Rechteck zwischen „A“ und „S“ verschmelzen wir ebenfalls erst mit dem „S“ und das Ganze dann mit dem „A“. Die Füllfarbe ist Schwarz und der Umriss wird entfernt. Sollte dem „A“ die Mitte fehlen, muss sie noch mit der übrigen Kontur kombiniert werden (deshalb besser erst füllen und dann, wenn die Mitte sichtbar ist, die Kontur entfernen). Nun schalten wir den Bogen auf „sichtbar“ und verschmelzen ihn mit dem „AS“. Damit haben wir quasi eine Hälfte des Logos in vektorieller Form vorliegen.


Bild 95

Am Beispiel des „W“ werde ich ein weiteres Verfahren exemplarisch zeigen und den Rest jedem selbst überlassen, da es dann nicht mehr um andere Methoden der Gestaltung geht sondern lediglich um die Anwendung dessen, was ich bisher beschrieben habe.

Prinzipiell kann das „W“ ebenso wie z.B. das „A“ in Parallelogramme zerlegt werden. Gehen wir also so vor, wie beim „A“ bereits vorgeführt, erhalten wir nach den gleichen Operationen insgesamt vier Parallelogramme, von denen jeweils zwei kongruent sind. Die Buchstaben und Zahlen „W20L“ scheinen etwas kleiner als das „AS“ zu sein, deshalb habe ich eine weitere Hilfslinie eingeführt. Wen die zahlreichen Hilfslinien stören, kann getrost alle, bis auf die Basislinie, löschen.


Bild 96

Wobei das inzwischen geschulte Auge des Betrachters sofort erkennt, dass auf die beiden ersten (linken) Parallelogramme bereits die Funktion VERSCHMELZEN angewandt worden ist. Der Rest wird ebenso „behandelt“. Damit erhalten wir die äußere Kontur des „W“. Nun könnten wir uns die Sache sehr einfach machen, indem wir dem Objekt die Umrisseigenschaft schwarz und 0,5mm zuweisen.


Bild 97

Das hätte aber einen schwerwiegenden Nachteil, wenn wir mal von den etwas stumpfen Spitzen (grün markiert) absehen. Sollte dieses „W“ von einem Schneidplotter ausgeschnitten werden, würden wir eine unschöne Überraschung erleben. Der Schneidplotter „sieht“ nämlich nur eine Umrisslinie als Schneidvorlage (schalten wir in den Umriss-Modus, sehen wir genau das, was dem Schneidplotter geboten wird). Wir dagegen möchten doch ein „W“, das von einer dicken Umrisslinie, also zwei Kanten umgeben ist. So einfach geht es also nicht, wenn wir eine universell verwendbare Vorlage erstellen wollen.

Aber keine Angst, nur ganz wenige Aktionen helfen uns aus dem Dilemma.

Löschen wir zuvor das „Muster ohne Wert“ und wenden uns wieder unserem ursprünglichen „W“ zu. Wir weisen ihm die Füllfarbe Schwarz zu und entfernen die Kontur.

Oben in der Menü-Leiste finden wir neben dem Eintrag „Anordnen“ den Menüpunkt „Effekte“. Den öffnen wir mit Linksklick und wählen nun „Kontur“. Ganz Eilige drücken Strg+F9 und haben sofort das Popup-Menü auf dem Bildschirm.


Bild 98

Darin wählen wir „Innen“, „Abstand“ = 0,5mm und „Schritte“ = 1. Wir klicken auf den Reiter mit dem Farbkreis und wählen hier irgendeine Füllung, nur nicht „weiß“.


Bild 99

Ist die Schrift auf dem Button „Zuweisen“ gut lesbar, klicken wir darauf und haben damit dem „W“ eine 0,5mm breiten Umriss zugewiesen. Ist die Schrift auf dem Button jedoch blass, ist das Objekt „W“ nicht ausgewählt. Dann erst Linksklick darauf, es erscheinen die altbekannten acht Markierungsquadrate. Jetzt „Zuweisen“!

Wir haben nun ein „W“ erzeugt, dass scheinbar aus einem 0,5mm breiten Umriss und einer einfarbigen Füllung besteht. Wir wollen aber doch nur die Kontur des „W“, oder?

Klicken wir, nur probehalber, auf die Farbfüllung und drücken anschließend die Taste „Entf“. Oh Schreck, das komplette „W“ ist weg. Strg+z mach dieses Missgeschick gleich wieder rückgängig. Offenbar hängen Füllung und Kontur irgendwie zusammen. Stimmt! Ist nämlich das „W“ ausgewählt und öffnen wir das „Anordnen“-Menü, finden wir dort den Menüpunkt „Trennen“. Bitte anklicken!


Bild 100


Bild 101

Anschließend unbedingt noch „Gruppierung aufheben“ anklicken (oder den Befehl rechts daneben).

„Esc“-Taste drücken, um die Auswahl aufzuheben. Nun erneut die Farbfüllung auswählen und die„Entf“-Taste drücken. Zum Teufel, jetzt sehen wir schwarz. Die Farbfüllung ist zwar weg, aber damit auch unsere so mühsam erzeugte Kontur. Und nun? Kein Problem, es gibt doch die Funktion „Kombinieren“!

Also dazu die Füllung auswählen, „Shift“ gedrückt halten und die Kontur zusätzlich auswählen. Nun ist die Beschriftung des Buttons „Kombinieren“ schwarz und wir können die Kontur mit der Füllung kombinieren. Zwar wird danach die Kontur die Farbe der Füllung annehmen (deshalb habe ich oben empfohlen, keinesfalls die Farbe Weiß für die Füllung zu wählen, dann wäre jetzt nämlich nichts mehr zu sehen!), aber das ist bedeutungslos, da wir das mit einem schnellen Linksklick auf Schwarz in der Palette beheben können. Das wir nun wirklich endlich einzig und alleine eine breite Kontur haben und nichts, was nur danach aussieht, werden zwei Tests beweisen.

  • Eine Farbfläche hinter dem „W“ wird nur von der Kontur bzw. dem Umriss verdeckt.
  • Die Darstellung im Umriss-Modus zeigt ebenfalls die Konturen der dicken Umrisslinie (ein Schneidplotter würde das genauso interpretieren).


Bild 102

Damit bin ich am Ende meiner Ausführungen. Das Logo ist zwar noch nicht vollständig, aber eine weitere Beschreibung erübrigt sich m. E., da sie sich nur in der Wiederholung von bereits Gesagtem erschöpfen würde. Die drei restlichen Zeichen werden genauso gezeichnet wie das am Beispiel des „W“ beschrieben worden ist.
Es sind hier nur Techniken zur Sprache gekommen, die sich m. E. für die Beantwortung der Frage „Wie mache ich daraus mittels Corel DRAW eine Vektorgrafik?“ eignen. Corel DRAW bietet darüber hinaus natürlich noch sehr, sehr viel mehr...

Ich habe mich bemüht, die einzelnen Aktionen so ausführlich wie möglich zu beschreiben, damit auch derjenige, der sich bisher mit Corel DRAW nicht recht anfreunden konnte, zu einem Erfolgserlebnis kommen kann. Sollten mir trotz aller Sorgfalt dennoch irgendwo Fehler unterlaufen sein, so bitte ich um Nachsicht und um einen kurzen Hinweis. Sollte an irgendeiner Stelle etwas unklar oder nicht plausibel erscheinen, so bitte ich, im -FORUM entsprechende Fragen zu stellen, damit wir das gemeinsam klären können und somit alle davon profitieren.

Ich danke allen, die es bis hier hin ausgehalten haben!!

Zum Teil 2

Stand: 17.03.2005