Grumman F9F – PANTHER von RBCkits

Sascha Trinks

Hier nun ein Baubericht zur RBC-Panther. Bereits im Winter 2003/2004 habe ich dieses Modell gebaut:

Leider erfolgte der vierte Start bei starkem Seitenwind mit zu wenig Gummispannung – das sehr große Seitenruder tat sofort seine Pflicht und drückte die Panther noch am Gummi hängend in eine halbe Rolle mit brutalem Aufschlag. Nun ja, ich war eben Impeller-Neuling – zumindest diesen Fehler mache ich jetzt nicht noch einmal. Geflogen ist Nr. 1 mit WeMoTec-Midi-Fan an Mega 22/20/3 und 18 Zellen Sanyo 1600 4/5 SC.

Da die Flugeigenschaften und vor allem das Flugbild dieses wunderschönen Modells wirklich genial waren, musste dieser Bausatz ein zweites Mal her. Vorab einige Bemerkungen zum Bausatz: Die CNC-Frästeile sind durchweg von guter Qualität, das verwendete Balsaholz leicht und gut gewachsen, die Sperrholzteile ausgezeichnet. Lediglich drei Mängel konnte ich feststellen:

  1. Einige dickere Balsateile sind nicht durchgefräst – hier hilft kurzes Nachschneiden mit dem Cutter.
     
  2. Der Lufteinlauf, nach Plan aus einer beiliegenden Pappe geschnitten, treibt einem beim Einbau nicht nur Schweißtropfen sondern auch die Zornesröte ins Gesicht. Die Grundidee von RBC ist bestimmt nicht schlecht, die Umsetzung bringt jedoch auch relativ erfahrene Modellbauer wie mich an den Rand des Wahnsinns. Hier würde das Beilegen eines Tiefziehteils klare Vorteile bringen – und bei einem Bausatz-Preis von 149 € wohl auch gerechtfertigt erscheinen. Immerhin bekommt man für dieses Geld heute qualitativ hochwertige ARF-Flieger.
     
  3. Die mitgelieferten Tiefziehteile (4 halbe Tipptanks und die Kabinenhaube mit Rumpfübergang) waren in beiden Bausätzen von schlechter Qualität. Die Haube hatte am unteren Rand zuviel Hitze abbekommen und war verzogen. Von den 4 Tipptank-Hälften ist immer eine ca. 1cm zu klein. Hier scheint die Tiefziehform nicht zu stimmen. Es sei aber angemerkt, dass mir der Lieferant (WeMoTec) sofortigen Austausch angeboten hat, dieses Angebot wurde von mir aber nicht in Anspruch angenommen, da sich die Tipptanks spachteln lassen und ich mit der Kabinenhaube anderes im Sinn hatte.

Nach den Erfahrungen mit Nr. 1 wollte ich bei Nr. 2 Änderungen vornehmen. Auf diese Änderungen werde ich hier vorwiegend eingehen, da ich hoffe, sie könnten anderen Holzwürmern zum Vorteil gereichen. Prinzipiell ist der Aufbau sehr durchdacht. Der beigelegte Plan ist hervorragend, die Bildbeschreibung zwar hilfreich, aber etwas knapp geraten, die englische Bauanleitung lag bei Nr. 2 nicht bei. Eine deutsche Bauanleitung ist nicht verfügbar. Da ich mich bis zum Abitur mit Französisch gequält habe, musste bei Nr. 1 das Wörterbuch daneben gelegt werden, bei Nr. 2 konnte ich auf die Anleitung verzichten.

Der Aufbau des Rumpfgerüstes geht eigentlich wie die Geschichte mit den LEGO-Bausteinen:

Abweichend vom Bauplan habe ich den flächeaufnehmenden Hauptspant aus 2mm Sperrholz rundherum zusätzlich mit Kohlerovings verstärkt. Zum Zeitpunkt der Konstruktion dieses Modells war diese Auslegung sicherlich den damals vorkommenden Antriebs- und Flugkräften entsprechend dimensioniert. Im Zeitalter von Lipos und Brushless erschien mir das nicht mehr ausreichend.

Den Lufteinlauf habe ich kurz vor dem anstehenden Besuch beim Psychiater zur Aggressionsbewältigung am Hauptspant mit einem Zentimeter Überstand zweigeteilt. Diesen dann ordentlich mit Sekundenkleber (wie übrigens alle Verklebungen außer der Beplankung) verklebt. So war’s machbar. Weiterhin wurde die Pappe auf der Innenseite gemäß Bauanleitung vor dem Einbau mit Lack aus der Sprühdose imprägniert.

Zudem habe ich im Rumpf insgesamt 12 Trinkröhrchen verlegt. Somit ist es nach der Fertigstellung möglich, sämtliche Kabel einzuziehen. Im unteren Loch des Akkufaches treten diese aus. Die Öffnung an der Rückwand des Akkufaches ermöglicht durch zwei in den Innenseiten des Lufteinlaufes mündenden 16 mm Röhrchen aus dem Aquariumzubehör die Luftabsaugung zur Kühlung von Akku und Regler. Hier sieht man einigermaßen die ankommenden Trinkhalme und den unten verlaufenden Kohleroving:

Die Beplankung des Rumpfes erfolgte nicht mit den beigelegten Streifen aus 2mm Balsaholz. Der Rippenabstand am Rumpf ist sehr groß. Nach dem abschließenden Rundschleifen der Beplankung bleibt stellenweise nur noch 1mm Balsa stehen. Dies macht den Rumpf schon beim normalen Anfassen sehr druckempfindlich. Dies habe ich bei Panther Nr. 1 trotz GfK-Beschichtung festgestellt. Deshalb wurden bei Nr. 2 3mm-Balsastreifen geschnitten, mit der Blumensprühflasche der Freundin befeuchtet und dann mit Ponal Holzleim und hunderten von Stecknadeln befestigt.

Der beiliegende Haken für den Bungee-Abschuss aus 2mm Sperrholz wurde nicht verwendet. Zum Abschuss mag er taugen, aber ich traue ihm einfach mehrere Landungen nicht zu. Ersatz bildet ein 6mm Sperrholz, zwischen die beiden unteren Gurte nach Spant 2 geklebt. Nach Fertigstellung des Modells mittig gebohrt und ein 6mm Alurohr habe ich dort mit leicht nach hinten gestelltem Winkel eingeklebt.
Die Beplankung des Flächenüberganges erfolgte mit dem original vorgesehenen 1,5mm Balsa.
Nach der kompletten Beplankung wird der Rumpf grob rund vorgeschliffen.

Dann folgt das Tuning des mitgelieferten Tiefziehteils der Rumpfnase. Schließlich muss die abgesaugte Luft irgendwo herkommen. Die Original-Panther hatte an der Unterseite der Rumpfspitze 4 Kanonen-Mündungen.

Ich hatte das Glück, im Pima-Air-Museum, Phoenix/Arizona, meinen Zeigefinger an der Fotokamera etliche Filme vollknipsen zu lassen. Die Schwielen sind heute verheilt. Auch die 40°C im Schatten sind fast vergessen.

Vier Löcher war mir etwas zuviel. Also habe ich aus 10mm Röhrchen (ebenfalls aus dem Aquariumbedarf) 3 Kanonenmündungen gebastelt, mit Epoxi eingeklebt und danach die Löcher geöffnet:

Die Spanten F1 und F2 wurden natürlich kreisrund geöffnet, um das Lüftchen in den Akkuraum zu lassen. Das klingt jetzt vielleicht alles etwas spaßig, ist aber absolut notwendig und ausreichend. Der selbst gelötete Akku 6S3P aus 1600er LiIO-Bechern taugt nach einem 8 Minuten-Flug bei Sauwetter nicht mal zum Händewärmen.

Der Aufbau des Seitenleitwerkes erfolgt nach Plan:

Und nun zur nächsten Besonderheit. Wie schon erwähnt, taugte das Tiefziehteil Kabinenhaube nicht viel und wie man an Panther Nr. 1 sieht, ist der Rumpfübergang keine Schönheit. Also habe ich aus 5mm Balsa Rippen nachgeschnitten und aufgeklebt:

Von dem Tiefziehteil wurde nur die eigentliche Haube ausgeschnitten. Nach Beplankung des fehlenden Rumpfstückes wurde die Haube aufgelegt, der Umriss angezeichnet und die Beplankung wieder aufgeschnitten.

Die Haube erhielt später einen Boden aus 2mm Balsa und wurde spartanisch mit Pilot, Sitz und Cockpit ausgerüstet. Die Öffnung reicht immer noch, selbst für Monsterakkus.

Die Flächen wurden wiederum strikt nach Plan gebaut. Bei deren Verklebung am Rumpf ist unbedingt mittels geeigneter EWD-Waage darauf zu achten, dass die EWD beider Flächen(!!!) zum Höhenruder 0° beträgt. Leichte Verzüge beim Rumpfbau sind hier noch korrigierbar und mit Balsaspachtel, der am ganzen Modell gute Dienste leistete, verschwinden unschöne Flächenübergänge.

Großes Augenmerk legte ich auf das Höhenruder. Diverse Berichte (auch hier im Forum) zeugen von einer Neigung zum Flattern. Wohl aus diesem Grund hat RBCkits innerhalb des Zeitraumes von Panther 1 zu Panther 2 das Höhenruder von 5 auf 6mm verstärkt. Aber mal ehrlich: An der Ursache des Flatterns ändert das gar nix. Ich fertigte ein Höhenleitwerk aus 8mm Balsa, welches ich symmetrisch schliff. Zusätzlich erhielt das Höhenleitwerk und das Höhenruder (hier als Verbinder ausgelegt) eine Verstärkung aus einem 5mm Kohlerohr. Dazu schnitt ich einfach den passenden Ausschnitt, klebte das Rohr mit Ponal hinein und verspachtelte den Ausschnitt wieder mit Balsa-Spachtel. Die Wirkung des ganzen Aufwandes: Heute habe ich selbst nach einem Stechflug aus 200m Höhe mit tiefem Überflug null Flattererscheinung. Und glaubt mir bitte: Diese dicke Kiste mit einer Aerodynamik, die rein optisch einer Schrankwand gleicht, wird wirklich sauschnell !!

Die Oberfläche wurde mit Graupner-Porenfüller behandelt:

Danach wurde 12g–Seidenpapier mit einer Mischung aus Tapetenkleister und Ponal aufgebracht. Das geht, außer an den stark sphärisch gewölbten Stellen, überraschend einfach. An der Rumpfnase werden deshalb dünnere Streifen überlappend aufgeklebt. Der Rumpfboden erhielt zwei 50g–Lagen GfK. Und dann kommt meine Lieblingsarbeit: Spachteln (mit Sprühspachtel aus der Dose), schleifen, spachteln, schleifen, spachteln ...... Mann, wie ich das hasse!

Es bleibt an dieser Stelle festzuhalten: Ein kompletter GfK-Überzug ist schwerer, zwar haltbarer, aber eigentlich nicht notwendig. Bei mir haben sich an der Papierbespannung nach dem dritten Flug an zwei Stellen Haarrisse gebildet. Nach Verstärkung dieser Stellen von innen hatte ich bis heute trotz einer wirklich harten Landung und zuweilen harter Flugmanöver keinerlei Probleme.

Das Finish wurde mit 2K-Lack und den beigelegten Abziehbildern erstellt:

Ausgerüstet wurde sie diesmal mit dem oben genannten 6S3P-Bechern. Der Akku wiegt 870g, hat 4800mAh und ist noch ziemlich robust. Dazu kamen ein geöffneter Kontronik FUN 600/17 (zutscht in dieser Konfiguration 44A), ein Master 77 O-Flight, ein 4-zelliger 750mAh Akku in der AAA Größe, zwei 9g–Servos in den Flächen und ein 13mm-Metallgetriebeservo am Höhenruder, alles über Kugelköpfe und 2mm Kohlefaserstangen angelenkt. Ich habe einen Schub von 1600g gemessen. Das Fliegen ist nicht mehr als „scale“ zu bezeichnen. Der stationäre Steigwinkel beträgt etwa 45°. Die Flugzeit ist selbst bei vielen und langen Vollgasphasen nicht kürzer als 7 Minuten. Danach zeigt mir der Schweiß an den Händen, dass ich landen sollte. Das Flugbild dieses wunderschönen Modells begeistert nicht nur mich.
Aktuell beschäftige ich mich mit der Alternative (manche nennen es Blödheit) der Aufrüstung auf 7S3P, da die Zellen derzeit offensichtlich in der derzeitigen Konfiguration nicht halb soviel Arbeitstemperatur bekommen wie ich). Dies ergibt bei ca. 55A etwa 2000g Schub.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass sich der doch recht aufwendige Bau dieses Jets wirklich lohnt. Spätestens, wenn dem Piloten bei Flugtagen nach der Landung von unbekannten Leuten auf die Schulter geklopft und ein Bier spendiert wird, merkt man, dass man da wohl etwas nicht alltägliches durch die Luft bewegt.

 

Stand: 17.05.2005