SB-9 von Valenta
Kann denn Streckung Sünde sein?

Darius Mahmoudi

Kürzlich las ich in einen Fred (Engl. Thread ) über das Thema „Was ist Streckung?“ … Lange habe ich darüber nachgedacht, wie man Streckung am besten beschreibt… Tja, seht Euch mal die Bilder der SB-9 hier im Bericht an: Das ist Streckung


Schon 1969, als die SB-9 auf den Markt kam, war sie eine echte Schönheit.

Schon lange bin ich von Segelflugzeugen wie dem Nimbus, der ASH 25 oder natürlich der Eta begeistert. Nur, irgendwie hat mir immer die fehlende Handlichkeit zu schaffen gemacht. Entweder war das Modell im normalen Maßstab und hatte dadurch „Steckerlflügel“ oder es hatte Großmodellabmessungen und war gleich mit bis 6-7m Spannweite dabei. Beide „Extremfälle“ gefielen mir absolut nicht. Und dann, ja dann sah ich die SB-9 von Valenta in Prag auf der Modellbaumesse. Mann, ist das ein Modell und mit dem Maßstab von 1:5 genau richtig. Einerseits mit 1,52m Rumpflänge handlich, andererseits mit 4,5m Spannweite ausgewachsen genug, um auch etwas weiter entfernt nach Aufwinden suchen zu können. OK, das ausgestellte Exemplar war gelb und damit so gar nicht original, aber laut Herrn Valenta würde er sie selbstverständlich auch in weiß anbieten.

Derart infiziert bin ich erstmal nach Hause gefahren und habe brav an meiner Ka7 weitergebaut. Als ich dann den Bericht über die Messe geschrieben habe, stachen mir wieder die Bilder der SB-9 ins Auge. Naja, ein paar Telefonate hin und her und ich habe mir die SB-9 bestellt. Bald danach konnte ich einen Riesenkarton durch meine Tür schleifen. Ihr könnt Euch vorstellen, dass meine Familie diesem Mordspaket im Wohnzimmer etwas reserviert gegenüberstand…


Lieferzustand, direkt nach dem Auspacken.

Nun gut, mit der Ka7 war es erstmal vorbei, ich inspizierte den Baukasteninhalt. Soweit erstmal nichts Neues. Ich hatte ja schon so manches Modell von Valenta gebaut und wurde auch diesmal nicht enttäuscht. Besonders gefreut hat mich, dass die Kleinteile ein besseres Niveau erreicht haben als zuletzt beim Storm. So sind die Kugelgelenke und deren Pfannen guter Standard, genauso wie die restlichen Kleinteile. Interessant sind die beigelegten Sub-D Stecker, dazu aber später mehr.


Die beiliegenden Kleinteile.

Gewichte ausgebaut

Das Gewicht der einzelnen Komponenten ist durchaus in Ordnung, obwohl mir die Flächen etwas schwer vorkommen. Das dürfte aber wohl ein Tribut an die schlanken Flügel und deren Stabilität sein und außerdem bin ich von den F3J-Daten sicherlich etwas verwöhnt. Die Flugerprobung wird es zeigen.

Bei den Querrudern und den Wölbklappen haben wir es mit sehr langen Exemplaren zu tun. Beim ersten Test ist die eine oder andere Klappe auch noch etwas schwergängig, mal sehen, wie sich das beim Bauen darstellt.


Hier der etwas übergroße Schriftzug, und ein guter Blick auf den perfekt sitzenden Haubenrahmen

Beim genauen Betrachten des Rumpfes fiel mir auf, dass er nur auf einer Seite eine Beschriftung hat und dabei die Typbezeichnung sehr groß vorne angebracht ist. Ob das scale ist, weiß ich nicht. Ich finde es etwas klotzig und halt leider einseitig. Kleine witzige Nebensächlichkeit: Meiner Tochter ist aufgefallen, dass die Kennung dieselbe ist, wie auf meiner ASW 20 und der kleinen L 213 (beide ebenfalls von Valenta). Hier wird offensichtlich nach dem Baukastensystem gearbeitet.

Kommen wir zum Bau:

Generell hatte ich beim Bau dieses schönen Seglers keine glückliche Hand. Nicht dass ich etwas mordsmäßig verbaut hätte, aber immer wieder sind mir Kleinigkeiten passiert, die nicht sein müssen und so haben sich ein paar Punkte ergeben, auf die ich jeden Interessierten hinweisen möchte.

Der Rumpf:

Angefangen habe ich mit dem Anbringen der Leitwerksteile. Mit der Einstellung im Kopf „ ..man hat es ja schon öfter gemacht…“ habe ich einfach den Abschlussspant in die Seitenruderflosse eingeklebt. Damit war das Seitenruder auch schon dran und alles schien perfekt. Erst als ich das Höhenruder draufsetzte, stellte ich fest, dass kein Ausschlag nach oben möglich war. Schnell war klar, dass das Problem ein etwas zu weit oben sitzendes Seitenruder ist. Was zwei, drei Millimeter ausmachen können. Nachdem alles bereits bombenfest verklebt war, blieb mir nichts anderes übrig, als die oben am Seitenruder angeformte Schräge deutlich zu vergrößern. Man sieht es nicht sehr, aber ärgern tut’s einen schon. Nachdem das geschliffen war, ging alles bestens und das Höhenruderservo konnte in Schrumpfschlauch gepackt und in die Seitenruderflosse eingeharzt werden. Die Anlenkung des Höhenruders ist schon fix und fertig und in meinen Augen auch sehr gut gelöst.


Die Höhenruderanlenkung ist fertig eingebaut.

Eine kleine Hürde ist beim Aufrüsten der SB-9 zu nehmen. Man muss mit einem Schraubenzieher den Gabelkopf des Höhenruders in der Seitenflosse spreizen, um ihn einhängen zu können. Das geht ganz gut, nur ist es etwas fummelig und auf Dauer vielleicht nicht gut für den Gabelkopf. Bisher hatte ich aber noch keine bessere Idee.

Wie bei Valenta üblich, war ein Rohr im Rumpf eingeklebt, in dem das Servokabel des Höhenruders nach vorne verlegt werden konnte.


Direkt hinter der Flächenaufnahme hat der Rumpf eine Kevlar Einlage. Das nenne ich richtiger Einsatz von Material.

Dort angekommen, sollte es eigentlich in das sauber passende Servobrett geführt werden. Hätte ich das Brett so eingebaut, wie es geplant war, wäre es kaum möglich, einen Piloten in das Cockpit zu setzen. Nicht, dass ich jetzt ein echter Scaler wäre, aber irgendein Pilot vorne macht schon mehr her als die gähnende Leere in meiner ASW 20. Also habe ich kurzerhand das Brett geteilt und eine Hälfte nach vorne in die Spitze verbannt und die andere Hälfte hinten unter die Flächensteckung. Vorne befinden sich jetzt der Akku, ein Schalter und das Schleppkupplungsservo. Die Schleppkupplung habe ich wie immer vorne in der Spitze platziert und direkt dahinter, unten am Boden, habe ich Blei eingeklebt. Leider erfordert die kurze Nase eine größere Menge davon.


Die Nase ist eher kurz und gedrungen.

Der Empfänger und das Seitenruderservo sind nach hinten gewandert. Dazu musste ich nur den Bowdenzug des Seitenruders entsprechend kürzen, alles andere passte ohne weiteres.
Da ich vornehmlich per F-Schlepp oder am Hang fliege, habe ich weder ein Rad noch einen Hochstarthaken eingebaut.

Nachdem ich das soweit hatte, ging es an die Haube. Der Rahmen ist bei Valenta ja schon komplett vorgefertigt und passt perfekt auf den Rumpf. Valenta hat eine etwas eigenwillige Art, die Haube mit dem Rahmen zu verbinden, indem er nämlich die Haube in den Rahmen steckt und von innen her mit Kleber fixiert. Soweit, so gut, das geht schnell und sieht ansehnlich aus. Einen Scaler befriedigt es nicht, weil man eine nach innen gerichtete Kante erhält. Was soll’s, ich bin keiner Scalefanatiker und für mich ist die Qualität in Ordnung. Wenn, ja wenn, man hier alles richtig macht… zunächst ist auf der Haube leider kein Anriss, nach dem man sich richten könnte. Also hab ich den Rahmen in die Haube gelegt und die Kontur angezeichnet.


So wird die Haubengröße angezeichnet und ausgeschnitten.

Nach dem Ausschneiden kann man dann Schritt für Schritt auf die richtige Größe kommen. Aber Vorsicht! Ich habe einmal versucht, die Haube von unten hinein zu schieben und mir dabei sofort einige Kratzer eingefangen. Also bitte die Haube immer von oben einbringen. Glaubt mir, wenn sie von der Größer her passt, geht sie auch von oben rein! Ist das geschafft, kommt der nächste wichtige Punkt: Die Haube unbedingt nur verkleben, wenn der Rahmen auf dem Rumpf sitzt. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie das gehen soll und habe das einfach so erledigt. Das Ergebnis ist jetzt ein Rahmen, der nicht mehr sauber auf den Rumpf passt <hmmpf> Sehr ärgerlich, aber selber schuld.
Um meinen Piloten nicht ohne Instrumente reinsetzen zu müssen, habe ich mir ein kleines Brett aus 1mm Sperrholz gesägt und schwarz lackiert. Das Brett deckt genau den vorderen Kabinenbereich ab und hat als Zierde ein paar Wanitschek Instrumente erhalten. Ich finde, das sieht ganz gut aus und genügt meinen Anforderungen völlig.


Fehlt noch ein Pilot

Damit war der Rumpf soweit fertig und es fehlten nur noch die Anschlussstecker für die Flächenservos.

Die Fläche:

Der Ausbau der Fläche ist Routine. Mit einigen wenigen Handgriffen sind die Servos an ihrem Platz. Ich habe die beiliegenden Servorahmen nicht benutzt, da sie für Volz Servos gedacht sind. Ich habe diesmal 13mm Noname Servos ausprobiert.

Die Servoschachtabdeckungen sind nach außen geformt und ermöglichen den Einbau von etwas stärkeren Typen. Ich denke, dass man auch am Querruder noch 15mm-Typen einbauen kann. Für meine 13mm-Servos ist diese Ausbuchtung unnötig und ich würde mich freuen, wenn es alternativ flache Abdeckungen gäbe.


Die Auswölbung der Servoabdeckungen ist nicht notwendig

Bei der genaueren Betrachtung der Beweglichkeit der Ruder ist mir aufgefallen, dass durch das Spaltabdeckband die Teile leicht mechanisch aufeinander laufen. Um das zu reduzieren, habe ich ein Stück Schleifpapier dazwischen geklemmt und so lange geschliffen, bis die Ruder auch bei Maximalausschlag leichtgängig waren.


Mit etwas Schleifpapier lässt sich die Leichtgängigkeit deutlich verbessern.

Bei den Spaltabdeckungen ist der eine Flügel sehr sauber verarbeitet, die andere Abdeckung ist etwas schief abgeschnitten. Das ist optisch ärgerlich, die Funktion stört es aber nicht. Dort ist in meinen Augen bei der Endkontrolle nicht genau genug hingesehen worden. Mir wurde aber versichert, dass hier in Zukunft besser kontrolliert wird.


Diese Spaltabdeckung könnte schöner erstellt sein

Nachdem alle Kabel sauber zur Flächenmitte geführt wurden, wollte ich den SUB-D Stecker installieren. Dazu habe ich den Ausschnitt im Rumpf entsprechend ausgearbeitet und wollte die Fläche entsprechend bearbeiten. Beim ersten Zusammenstecken stellte ich fest, dass ich den Stecker komplett in die Fläche einlassen und über irgendwelche Distanzbolzen festschrauben müsste. Hmmm, vielleicht könnte man das statt dessen auch im Rumpf machen…


Das müsste alles in der Fläche untergebracht werden

Mir war das aber zuviel Aufwand und ich verbannte die SUB-D Stecker kurzerhand in die Bastelkiste. Zum Einsatz kamen schlussendlich die guten alten grünen Multiplex-Stecker. Damit habe ich seit Jahren gute Erfahrungen gemacht und bei denen wusste ich, wie ich sie schnell und sicher einbaue.


So passt’s und stellt sicher Kontakt her

Ein Wort zur Flächensteckung. Diese ist, wie bei der ASW 20, aus einem 16mm-Alu-Kohle-Verbund. Das ist gut und leicht. Wenn man die SB-9 jetzt aber das erste Mal zusammensteckt, passt das alles nicht so recht. Erst durch Drehen der Steckung sitzt der Flügel plötzlich optimal am Rumpf. Nach genauerer Untersuchung stellte ich fest, dass im Flächenstab eine V-Form eingearbeitet ist. Für ein Modell dieser Größe finde ich das ungewöhnlich. Ich vermute aber, dass es ein Tribut an das doch ziemlich dünne Profil ist. Weiß man, wie es geht, stellt es kein Problem dar, lediglich beim Zusammenbau muss man entsprechend vorsichtig agieren, um nicht die Hilfssteckung oder den Elektroanschluss zu verklemmen. Ich habe mir eine kleine Markierung oben auf die Steckung gemacht. Damit sehe ich sofort, ob sie richtig steht.


Wenn die Steckung sauber sitzt ist der Übergang wunderbar.


Die Störklappen sind werksseitig perfekt eingebaut.


Der Holm ist aus Kohle und zusätzlich wurde noch eine Lage Kohlerovings eingebracht.

Einmessen, Auswiegen und Rudercheck

Valenta gibt als Schwerpunkt einen Bereich von 72mm bis 76mm an. Nachdem ich schon gewohnt bin, dass Modelle dieses Herstellers in der Regel eher zu viel als zu wenig EWD aufweisen, habe ich mal nachgemessen. Sehr gefreut hat mich dabei, dass die EWD-Waage ca. 0,7° anzeigte. Das sollte passen. Für die Einstellung des Schwerpunktes bei 75mm waren 350g Blei notwendig. Ich hoffe, bei der Flugerprobung dank der geringen EWD noch etwas Blei entfernen zu können. Aber im Moment erreiche ich ein Abfluggewicht von 4645g. Für ein Modell dieser Größe nicht zu viel, trotzdem dürfte klar sein, dass wir es hier nicht mit einem Thermikschleicher zu tun haben. Dagegen spricht einfach die Flächenbelastung von 68g/cm2, aber auch die geringe V-Form. Mit einer etwas flotteren Gangart sollte man der SB-9 aber schon eine sehr ordentliche Leistung entlocken können. Mehr dazu, wenn ich die Flugerprobung aufgenommen habe.

Die Ruderausschläge gibt Valenta in einer Dreiseitenansicht an und genau diese Werte habe ich auch eingestellt. Immer mit etwas Reserve über Dualrate, um beim Erstflug keine bösen Überraschungen zu erleben.


Das ist der von Valenta mitgelieferte Plan.

So, jetzt liegt sie da und ich warte auf gutes Wetter, einen Schlepppiloten und etwas Zeit, um den Erstflug machen zu können. Außerdem werde ich die SB-9 am Hahnenmoos dabei haben und dort sicher weitere Erkenntnisse sammeln können (hoffentlich nur gute ).


Fortsetzung folgt…

 

Stand: 05.07.2005
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