Das EPP Modell Sky Hunter

Otto Jakob

Ich war auf der Suche nach einem robusten, gebrauchten EPP-Fun-Flyer (wie der ZOOM 4D von Hacker) für das Flugtraining mit meiner zehnjährigen Tochter. Die Suchfunktion bei ebay mit „EPP“ erbrachte u.a. den folgenden Treffer:

Unverwüstlich: EPP- Kampfbomber „Sky Hunter“ für 39€ + Porto.

Hier wurde ein zweimotoriger kleiner Schwanzloser aus EPP mit NiMh-Akku, Ladegerät und Fernsteuerung zu einem sensationellen Preis angeboten.

Die Sache machte mich neugierig. Mir stellten sich sogleich einige Fragen:
Wer kauft so was? Macht das wirklich Sinn? Kann man auf diesem Weg Anhänger des Modellfliegens gewinnen? Ist so was für die Jugendarbeit geeignet? Hat der Anfänger damit ein Erfolgserlebnis, das Lust auf „Mehr“ macht? Was können die Chinesen heute für ca. 20€ (der Händler will ja auch noch etwas verdienen) liefern? Der Materialpreis für das von mir konzipierte Freiflugmodell „Möwe“ liegt immerhin bei 15 €!

Also habe ich den Flieger per Sofortkauf bestellt, im Voraus bezahlt und sehr schnell erhalten. Die Auftragsabwicklung des ebay Powersellers „container outlet“ verdient höchstes Lob. Nach dem Eingang des Geldes erhält man per Mail die Nachricht, dass das Modell verschickt wurde. Ein Tag später lag der vorbildlich verpackte Flieger bei mir auf der Werkbank. Die Verpackung kann später für den sicheren Transport der kompletten Ausrüstung verwendet werden. Das ist sehr schön gelöst!

Der kleine dreizellige Akku wurde mit meinem Ultra Duo in drei Zyklen formiert. Nach Einlegen von sechs Standard-AA-Zellen in den Sender stand dem Vorflugcheck nichts mehr im Wege.

Die Motoren laufen einwandfrei, also schnell auf den Flugplatz zum Probestart. Das Modell hat außer den beiden kleinen E-Motoren keine weiteren beweglichen Teile. Die Steuerung erfolgt nur über die Drehzahländerung der Motoren im Tip-Tip-Mode! Der Sender hat nur Schaltfunktionen:

Mit der hohen Drehzahl steigt das Modell, mit der geringeren Drehzahl hält der SkyHunter etwa die Höhe. Das hängt natürlich vom Ladezustand des Akkus ab. Gegen Ende der Flugzeit muss man Vollgas geben, um die Höhe zu halten.

Mit dem rechten Knüppel wird die Drehzahl der beiden Motoren geändert, so dass über das geänderte Drehmoment ein Gieren entsteht, das zum Kurvenflug führt.

Im Gleitflug, also linker Knüppel in der Mitte, erfolgt auf ein Richtungskommando ein Anlaufen der Motoren in der sinnrichtigen Weise. Es gibt keine Trimmung.

Mein SkyHunter fliegt im Kraftflug immer eine leichte Rechtskurve. Ich vermute, diese leichte Asymmetrie wurde vom Hersteller ganz bewusst eingebaut, da somit ein Wegfliegen des Geräts mit hoher Wahrscheinlichkeit verhindert wird. Im Gleitflug fliegt das Modell ziemlich gut geradeaus, was exakte Landungen ermöglicht.

Man kann den Flieger mit einfachen Mitteln trimmen, indem man am kurvenäußeren Flügel z.B. einen Streifen Klebeband anklebt. Ich bin wieder davon abgegangen, da nach kurzer Eingewöhnungszeit diese Eigenart gar nicht mehr stört.

Um es vorweg zu nehmen, die Erfinder haben die Steuerung, die nicht trivial ist, perfekt abgestimmt. Da steckt viel Knoff-Hoff drin!
Diese Steuerung über die zwei Knüppelschalter ist für einen gestandenen RC-Piloten sehr gewöhnungsbedürftig. Die Funktion ist mit den Tip-Tip Anlagen der 60er Jahre vergleichbar, die heute im Zeitalter der Computersender natürlich nur noch wenige kennen.

Fernsteuerungsfrequenz und Reichweite

Die Fernsteuerung arbeitet auf 27MHz. Die Reichweite ist ausreichend und weit höher als die Sichtbarkeit. Ich musste das ungewollt erleben, als ich von einem aufkommenden Gewitter überrascht wurde und der Sky Hunter vom Wind abgetrieben wurde. Der Flieger landete etwa 500m vom Startpunkt entfernt und war bis zum Schluss steuerbar.

Der Empfänger verfügt über ein sehr interessantes und cleveres Signalerkennungsverfahren, so eine Art Failsafe „für Arme“. Bei unzureichender Signalstärke fangen beide Motoren an, rhythmisch zu pumpen. Diese Drehzahlschwankungen kann man gut hören, wenn kein anderes Modell in der Luft ist. Testen kann man diese Funktion, indem man die Senderantenne einschiebt. Der Sky Hunter stürzt nicht ab, sondern landet relativ sanft. Super gelöst!

Ladegerät

Der dreizellige Akku mit einer Kapazität von 180mAh kann mit dem Ladegerät im Sender aufgeladen werden. Ich habe diese Möglichkeit, die für Leute ohne Ladegerät perfekt ist, nur zu Testzwecken benutzt. Ich lade den Flugakku mit dem Ultra-Duo 12V-Lader. Da die Mignon Batterien (6 Stck. im Sender) inzwischen sehr günstig in diversen Supermärkten angeboten werden, sind die Kosten für die geplante Lösung überschaubar. Ob das System auch mit Akkus im Sender (Reichweite, Aufladung Flugakku) funktioniert, habe ich nicht ausprobiert.

Tips und Tricks

Es ist verständlich, dass ein Geradeausflug nur möglich ist, wenn beide Motoren den gleichen Schub liefern. Hier ist ein Drehzahlmesser sehr hilfreich. Im Prinzip kann man mit einem weiträumigen Kurvenflug sehr gut leben. Es ist für den Anfänger sogar ganz nützlich, da das Modell nicht wegfliegt.

Wenn der Kurvenflug stört, sollte man zuerst den Gleitflug überprüfen. Das funktioniert sogar ohne Akku. Gerade, mit leichtem Schwung geworfen, gleitet der Sky Hunter ein paar Meter weit. Die Flugweite ist nicht so berauschend, was aber keine Rolle spielt. Das Material ist sehr gut und ein Verzug ist im Prinzip höchst unwahrscheinlich, da die Verpackung perfekt gemacht ist.

Fliegen

Das Fluggerät ist sehr leicht und die Motorleistung ist auf Dauerflug eingestellt. Das Modell kann allerdings nur bei Windstille oder ganz leichtem Wind geflogen werden, da der Sky Hunter nur eine sehr geringe Fluggeschwindigkeit hat.
Kein Fluggerät kann sinnvoll bei einer Windgeschwindigkeit betrieben werden, die höher als seine Eigengeschwindigkeit ist.

Start des Sky Hunter

Die Starts gelingen in beiden Gasstellungen. Wenn der Akku schon etwas entladen ist, muss man Vollgas geben.

Kurvenflug: Im Prinzip kann man den Sky Hunter ohne zu Steuern erst mal in zwei, drei Kurven Höhe gewinnen lassen. Der erfahrene Modellflieger wird sofort in den Geradeausflug übergehen und gegen den Wind steigen.

Ideal sind kleine kurze Korrekturen. Wenn man längere Zeit den rechten Knüppel zur Seite schiebt, geht der Sky Hunter in eine Steilspirale. Aber selbst diese rüde Behandlung schadet dem kleinen Flieger nicht.

Landung in die Hand

Diese Methode, die bei den HLGs üblich ist, gelingt mit einiger Übung sehr gut. Man fliegt mit Motorkraft auf sich zu und stellt die Motoren ab. Wenn man die richtige Höhe erreicht hat, schaltet man auf die niedrige Drehzahl und korrigiert auf den letzten paar Metern die Richtung. Das Fangen des Sky Hunter ist relativ sicher möglich, da die Luftschrauben ziemlich genau in der Mitte des Flügels sitzen und somit genügend Platz für den „Zugriff“ zur Verfügung steht.

Ersatzluftschrauben, Fahrwerk

Zum Lieferumfang gehören zwei Ersatzluftschrauben und ein 4-rädriges Fahrwerk. Auf das Fahrwerk habe ich verzichtet und die Ersatzluftschrauben sind noch in der Tüte, weil die Propeller durch die geschickte Anordnung im Flügel sehr gut geschützt sind.

Akzeptanz bei Kindern

Ich habe einige Kinder, Buben und Mädchen im Alter von 8 bis 10 Jahren, den Sky Hunter fliegen lassen. Alle hatten einen riesigen Spaß und konnten den Sky Hunter sofort steuern. Jungs, die schon etwas Erfahrung im Lehrer-Schüler Betrieb sammeln konnten, haben auf Anhieb das Landefeld getroffen. Das Teil kommt gut an. Entscheidend ist, dass das Fluggerät sehr robust ist. Diese Eigenschaft ermutigt die Kinder, etwas Ungewohntes zu wagen und erspart ihnen die Frustration durch Schäden. Den Start des Modells habe ich immer übernommen, um die geringe Verletzungsgefahr durch die Propeller ganz auszuschließen.

Modifikationen

Ich habe versuchsweise eine Lipozelle anstelle des NiMH Akkus erprobt. Die Flugzeit steigt natürlich enorm an, da z.B. eine 720mAh Lipozelle genauso viel wiegt wie der beigelegte Akku. Optimal ist eine Lipozelle mit 340mAh, weil das Gewicht des Fluggeräts nochmals abnimmt. Da der Akku fast im Schwerpunkt untergebracht ist, stimmt auch mit einem leichteren Akku die Schwerpunktlage. Leider sind die Lipozellen aber sehr breit und passen nicht in das vorgesehene Akkufach. Hier bietet es sich an, die Lipozelle mit doppelseitigem Klebeband auf der Oberseite des Flügels zu befestigen und das Kabel durch ein kleines Loch in den Rumpf zu führen. Die Spannungslage des Lipos ist besser, was sich besonders bei langen Flugzeiten positiv auswirkt. Die Zusatzkosten durch Lipo und Ladegerät stehen im krassen Gegensatz zu dem low-cost Ansatz. Für 90% der Kunden ist das keine Lösung. Die Flugzeitverlängerung macht auch nicht wirklich Sinn. Besser ist es, sich einen zweiten Akku zu kaufen, wenn man Non-Stop fliegen will.

Eine noch extremere Modifikation habe ich durch den Einbau zweier Servos für Elevons und eines bürstenlosen Figao-Motors durchgeführt. Mit dieser Modifikation, die Zusatzkosten von ca. 200€ verursacht, hat man die Obergrenze des Tunings erreicht. Da ich die Komponenten schon zur Verfügung hatte, fiel die Entscheidung natürlich leicht. Empfehlen kann ich den Umbau jedoch nicht. Der Feigao begeistert zwar durch einen enormen Sound bei ca. 25 000 1/min und einer Leistung, die das Gerät fast senkrecht steigen lässt. Die EPP-Struktur ist diesen Belastungen allerdings nicht gewachsen und man muss mit unberechenbaren Flugeigenschaften rechnen, wenn man den Gasknüppel auf Vollgas stellt.

Billiger Chinaramsch oder was?

Die Chinesen kommen! Das Teil ist clever gemacht und funktioniert tadellos. Ein technisch total unbegabter Mensch kauft sich so was nicht. Alle anderen erwerben ein ferngesteuertes Flugmodell quasi „all inclusive“ für 39€+ Porto. Prinzipiell ist es ein Spaß für die ganze Familie zum Preis eines Kinobesuchs.
Der anspruchsvolle Modellflieger wird die mangelnde Penetration bei Wind und die eingeschränkte Manövrierfähigkeit (man kann nicht andrücken) bemängeln. Aber auch er wird seinen Spaß haben. Ich kann z.B. die Übung, in die Hand zu landen, wärmstens empfehlen.

Eine unendliche Lebensdauer der Motoren kann nicht erwartet werden. Der Akku verkraftet sicher mehr als 100 Ladungen. Wegen seiner geringen Masse ist das Modellchen wirklich sehr robust. Durch den Schutz der Luftschrauben und in Verbindung mit EPP kann das kleine Teil auch beim Absturz niemanden ernsthaft verletzten. Trotzdem sollte auch dieses Gerät nur im freien Gelände und am besten auf dem örtlichen Modellflugplatz erprobt werden. Ich kann mir vorstellen, dass ein Jugendlicher, der mit dem Sky Hunter erste Erfahrungen gesammelt hat, Lust auf Mehr bekommt. Und das wäre für unser schönes Hobby ein tolles Ergebnis.

 

Stand: 16.07.2005