
Was ist Sekundenkleber
Sekundenkleber, auch unter den Namen Cyan(o)acrylat, super glue, etc.
bekannt, wird aus verschiedenen Acrylsäure-Estern hergestellt. Es
werden unterschiedliche Ausführungen angeboten (Cyanacrylat, Histoacryl,
Metacrylat etc.), außerdem verschiedene Viskositäten (dünn
bis dickflüssig).
Wie funktioniert Sekundenkleber
Die Acrylkleber sind im Prinzip Zweikomponentenkleber, wobei die zweite
Komponente jegliche Art von Feuchtigkeit ist. Wasser, Luftfeuchtigkeit,
Atem, Schweiß, etc. Unter dem Einfluss von Wasser als Aktivator
kommt es zu einer mehr oder weniger schnellen Auspolymerisation der kurzen
Acrylketten zu langen Ketten, welche sehr hart sind.
Sekundenkleber ist nicht temperatur- und feuchtigkeitsbeständig.
Durch Wasser gelöst, wird er abgebaut in Formaldehyd (giftig) und
Cyanoacetat.
Einsatzbereiche
Sekundenkleber ist für alle erdenklichen Arten von Verklebungen
geeignet. Mit Zusatzstoffen kann er Spalten füllen, neuere Produkte
haben eine gewisse Flexibilität/Elastizität.
Sekundenkleber werden seit mehreren Jahrzehnten in der Medizin verwendet,
in der Zahnheilkunde, zum Verkleben von Knochen, Einkleben von Prothesen,
für Hautschnittwunden, zum Verkleben von Kontaktlinsen auf der Hornhaut
bei Hornhautverletzungen (sog. Therapeutische Kontaktlinse) etc..
Wie oben schon erwähnt, findet Sekundenkleber (spezielle, aufgereinigte,
sterile Formen) breite Anwendung in der Medizin. Das Abbauprodukt Formaldehyd
hat zwar nachgewiesene toxische Wirkungen, jedoch scheint von den relativ
geringen Mengen, denen wir manchmal ausgesetzt sind, keine große
Gefahr auszugehen.
Natürlich sichern sich sämtliche Hersteller gegen entsprechende
Komplikationen mit Sicherheitsdatenblättern ab. Darin ist zu finden,
dass Hautkontakte, Inhalation der Dämpfe etc. zu vermeiden sind.
Komplikationen
Uns als Modellbauer betrifft die medizinische Verwendbarkeit meist nur
in sofern, als sie für die meisten von uns einen ernsten Notfall
darstellt. Das Verkleben von Fingern, Kleidungsstücken auf der Haut,
Lippen, Augenlidern etc.. Häufig führen besonders die Verklebung
von Fingern, Lippen, oder Augen und die auftretende Hitzeentwicklung zu
Schmerzen und Panik.
Was tun bei Verklebungen?
Wenn der Kleber auf die Haut, ins Auge oder sonst wo hin gelangt, reagiert
er mit der vorhandenen Feuchtigkeit und härtet aus. Außerdem
wird es teilweise ziemlich warm. Häufig schafft man es noch, reflexartig
die Finger auseinander zu ziehen, dann ist das Schlimmste schon abgewendet.
Sollte es jedoch zu Verklebungen kommen, heißt es: Ruhe
bewahren. Echte Verbrennungen treten nur selten auf. Auf
keinen Fall sollte man in der Panik versuchen, die Finger/Hände auseinander
zu reißen, dabei kann man sich Hautverletzungen zuziehen. Auch sollte
man nicht auf die Idee kommen, mit Schere oder Bastelmesser zu versuchen,
die Körperteile zu trennen!!!
Durch die ständige Nachfettung der Haut wird der Kleber relativ
schnell abgelöst, das kann natürlich etwas länger dauern
als bis zum nächsten Arbeitstag, was ja ungünstig wäre.
Wie oben schon erwähnt, ist der Kleber weder wasser- noch temperaturbeständig.
Also ein Waschbecken mit warmem Wasser füllen, vielleicht noch etwas
Spülmittel dazu, und die Hände einlegen. Mit vorsichtigem Ziehen
wird sich das Ganze ziemlich schnell lösen.
Verklebungen an Lippen/Augen: - Ruhe bewaren,
auch wenn’s schwer fällt. Versuchen, den Kleber nicht zu verreiben,
bei großen Klebstoffmengen ggf. abtupfen, aber darauf achten, dass
man das Tuch nicht auch noch mit dem Gesicht verklebt!
Der Kleber führt aufgrund der Hitzeentwicklung und der chemischen
Reaktion häufig zu massiven Schmerzen bei Augenkontakt. Es wird wohl
kaum jemand schaffen, gegen den heftigen Schmerzreflex die Augen offen
zu halten.
MIT VIEL KALTEM WASSER SPÜLEN!!! Das kühlt
das Ganze und spült vielleicht schon etwas Kleber weg. Dann:
Auf keinen Fall versuchen, die Augenlider auseinander zu ziehen. Niemals
mit Schere o.ä. versuchen, die Wimpern zu lösen oder abzuschneiden.
In der Panik sollte man definitiv nicht mit einem Messer vor dem Auge
rumfummeln!
Es gibt zur Behandlung dieses Notfalls verschiedene Ansichten. Im Endeffekt
gibt es in der medizinischen Literatur praktisch keine Hinweise darauf,
dass es zu längerfristigen Schäden an den Augen kommt. Wie gesagt,
mit Sekundenkleber wird in besonderen Fällen sogar am Auge geklebt!
Bei kleinen Spritzern, nachlassendem Schmerz und nach Spülung bei
offenen Lidern kann abgewartet werden. Falls man bei der Inspektion am
Spiegel Spritzer auf der Hornhaut oder sonst wo am Auge erkennt: Finger
weg, nicht versuchen wegzukratzen!!!
Bei größeren Verklebungen sollte ein Augenarzt aufgesucht
werden. Der Kleber kann etwas ähnliches wie Schürfwunden auf
der Hornhaut verursachen, die im Normalfall mit einer schmierenden antibiotischen
Salbe versorgt werden sollten und sich dann binnen weniger Tage verschließen.
Man wird normalerweise nach einigen Untersuchungen das Auge einfach in
Ruhe lassen. Einige Kliniken versuchen vorsichtig die Lider zu öffnen,
aber auch einfaches Abwarten bis zur spontanen Lösung der Verklebung
wurde häufig beschrieben. Sieht zwar komisch aus, ist aber nicht
gefährlich.
Also, wenn man sich nicht sicher ist: Finger weg vom Auge! Nur mit viel
Wasser spülen, und ab zum Augenarzt. Der wird entscheiden, was am
sinnvollsten ist und meistens gibt’s noch eine schmierende Salbe
dazu, die das Auge schützt und die Schmerzen lindert.
Hinweis der Redaktion
Dieser Beitrag dient nur der allgemeinen Information. Der Autor und die
Redaktion geben in keinem Fall verbindliche Hinweise oder Anweisungen
zur Behandlung eines akuten Falles, dazu sollte in jedem Falle ein Arzt
konsultiert werden!
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