Sicherheitsmaßnahmen im Umgang mit Sekundenkleber

Philipp Müther

Was ist Sekundenkleber

Sekundenkleber, auch unter den Namen Cyan(o)acrylat, super glue, etc. bekannt, wird aus verschiedenen Acrylsäure-Estern hergestellt. Es werden unterschiedliche Ausführungen angeboten (Cyanacrylat, Histoacryl, Metacrylat etc.), außerdem verschiedene Viskositäten (dünn bis dickflüssig).

Wie funktioniert Sekundenkleber

Die Acrylkleber sind im Prinzip Zweikomponentenkleber, wobei die zweite Komponente jegliche Art von Feuchtigkeit ist. Wasser, Luftfeuchtigkeit, Atem, Schweiß, etc. Unter dem Einfluss von Wasser als Aktivator kommt es zu einer mehr oder weniger schnellen Auspolymerisation der kurzen Acrylketten zu langen Ketten, welche sehr hart sind.
Sekundenkleber ist nicht temperatur- und feuchtigkeitsbeständig. Durch Wasser gelöst, wird er abgebaut in Formaldehyd (giftig) und Cyanoacetat.

Einsatzbereiche

Sekundenkleber ist für alle erdenklichen Arten von Verklebungen geeignet. Mit Zusatzstoffen kann er Spalten füllen, neuere Produkte haben eine gewisse Flexibilität/Elastizität.
Sekundenkleber werden seit mehreren Jahrzehnten in der Medizin verwendet, in der Zahnheilkunde, zum Verkleben von Knochen, Einkleben von Prothesen, für Hautschnittwunden, zum Verkleben von Kontaktlinsen auf der Hornhaut bei Hornhautverletzungen (sog. Therapeutische Kontaktlinse) etc..
Wie oben schon erwähnt, findet Sekundenkleber (spezielle, aufgereinigte, sterile Formen) breite Anwendung in der Medizin. Das Abbauprodukt Formaldehyd hat zwar nachgewiesene toxische Wirkungen, jedoch scheint von den relativ geringen Mengen, denen wir manchmal ausgesetzt sind, keine große Gefahr auszugehen.

Natürlich sichern sich sämtliche Hersteller gegen entsprechende Komplikationen mit Sicherheitsdatenblättern ab. Darin ist zu finden, dass Hautkontakte, Inhalation der Dämpfe etc. zu vermeiden sind.

Komplikationen

Uns als Modellbauer betrifft die medizinische Verwendbarkeit meist nur in sofern, als sie für die meisten von uns einen ernsten Notfall darstellt. Das Verkleben von Fingern, Kleidungsstücken auf der Haut, Lippen, Augenlidern etc.. Häufig führen besonders die Verklebung von Fingern, Lippen, oder Augen und die auftretende Hitzeentwicklung zu Schmerzen und Panik.

Was tun bei Verklebungen?

Wenn der Kleber auf die Haut, ins Auge oder sonst wo hin gelangt, reagiert er mit der vorhandenen Feuchtigkeit und härtet aus. Außerdem wird es teilweise ziemlich warm. Häufig schafft man es noch, reflexartig die Finger auseinander zu ziehen, dann ist das Schlimmste schon abgewendet.

Sollte es jedoch zu Verklebungen kommen, heißt es: Ruhe bewahren. Echte Verbrennungen treten nur selten auf. Auf keinen Fall sollte man in der Panik versuchen, die Finger/Hände auseinander zu reißen, dabei kann man sich Hautverletzungen zuziehen. Auch sollte man nicht auf die Idee kommen, mit Schere oder Bastelmesser zu versuchen, die Körperteile zu trennen!!!

Durch die ständige Nachfettung der Haut wird der Kleber relativ schnell abgelöst, das kann natürlich etwas länger dauern als bis zum nächsten Arbeitstag, was ja ungünstig wäre. Wie oben schon erwähnt, ist der Kleber weder wasser- noch temperaturbeständig. Also ein Waschbecken mit warmem Wasser füllen, vielleicht noch etwas Spülmittel dazu, und die Hände einlegen. Mit vorsichtigem Ziehen wird sich das Ganze ziemlich schnell lösen.

Verklebungen an Lippen/Augen: - Ruhe bewaren, auch wenn’s schwer fällt. Versuchen, den Kleber nicht zu verreiben, bei großen Klebstoffmengen ggf. abtupfen, aber darauf achten, dass man das Tuch nicht auch noch mit dem Gesicht verklebt!

Der Kleber führt aufgrund der Hitzeentwicklung und der chemischen Reaktion häufig zu massiven Schmerzen bei Augenkontakt. Es wird wohl kaum jemand schaffen, gegen den heftigen Schmerzreflex die Augen offen zu halten.

MIT VIEL KALTEM WASSER SPÜLEN!!! Das kühlt das Ganze und spült vielleicht schon etwas Kleber weg. Dann: Auf keinen Fall versuchen, die Augenlider auseinander zu ziehen. Niemals mit Schere o.ä. versuchen, die Wimpern zu lösen oder abzuschneiden. In der Panik sollte man definitiv nicht mit einem Messer vor dem Auge rumfummeln!

Es gibt zur Behandlung dieses Notfalls verschiedene Ansichten. Im Endeffekt gibt es in der medizinischen Literatur praktisch keine Hinweise darauf, dass es zu längerfristigen Schäden an den Augen kommt. Wie gesagt, mit Sekundenkleber wird in besonderen Fällen sogar am Auge geklebt!

Bei kleinen Spritzern, nachlassendem Schmerz und nach Spülung bei offenen Lidern kann abgewartet werden. Falls man bei der Inspektion am Spiegel Spritzer auf der Hornhaut oder sonst wo am Auge erkennt: Finger weg, nicht versuchen wegzukratzen!!!

Bei größeren Verklebungen sollte ein Augenarzt aufgesucht werden. Der Kleber kann etwas ähnliches wie Schürfwunden auf der Hornhaut verursachen, die im Normalfall mit einer schmierenden antibiotischen Salbe versorgt werden sollten und sich dann binnen weniger Tage verschließen.
Man wird normalerweise nach einigen Untersuchungen das Auge einfach in Ruhe lassen. Einige Kliniken versuchen vorsichtig die Lider zu öffnen, aber auch einfaches Abwarten bis zur spontanen Lösung der Verklebung wurde häufig beschrieben. Sieht zwar komisch aus, ist aber nicht gefährlich.

Also, wenn man sich nicht sicher ist: Finger weg vom Auge! Nur mit viel Wasser spülen, und ab zum Augenarzt. Der wird entscheiden, was am sinnvollsten ist und meistens gibt’s noch eine schmierende Salbe dazu, die das Auge schützt und die Schmerzen lindert.


Hinweis der Redaktion

Dieser Beitrag dient nur der allgemeinen Information. Der Autor und die Redaktion geben in keinem Fall verbindliche Hinweise oder Anweisungen zur Behandlung eines akuten Falles, dazu sollte in jedem Falle ein Arzt konsultiert werden!

 

Stand: 21.07.2005