Das Schiebergehäuse
Das Schiebergehäuse wird aus einem Stück Flachmessing hergestellt
und auf der Fräsmaschine auf genaue Größe bearbeitet.
Ich habe das Teil von einem Block mit der Bandsäge geschnitten. Zuerst
wurde eine Bezugsfläche gefräst, dann um 180° gedreht, auf
zwei Parallelunterlagen gelegt und auf Dicke nach Zeichnung gefräst.
Dann immer wieder umgeschlagen (die gefräste Fläche immer zur
festen Backe, auf der Gegenseite ein Stück Rundmaterial) bis ich
ein Rohteil des Kastens hatte, das der Zeichnungsvorlage entsprach.
Die Länge des Teils beinhaltet das Gehäuse plus den Flansch
für die Stopfbuchse.
Das Gehäuseteil wurde im 4-Backenfutter mit einzeln verstellbaren
Backen ausgerichtet, nachdem vorher an einer Stirnseite der Mittelpunkt
angerissen und leicht gekörnt worden war. Eine im Reitstock angebrachte
Spitze zeigte nach Sicht die Abweichungen sehr deutlich. Diese wurden
durch gegenseitiges Lösen und Spannen der zwei gegenüber liegenden
Backen solange korrigiert, bis der Körnerpunkt nicht mehr "eierte".
Mit einem Haarwinkel habe ich immer wieder zusätzlich den Winkel
zwischen Futter und Gehäuse kontrolliert.


Als alles OK war, bekam die Stirnseite eine Zentrierbohrung. Es folgten
die Bohrung mit der benötigte Tiefe und das Reiben auf Ø 3mm.
Eine Mitlaufspitze wurde gesetzt, ein Abstechstahl montiert und der Flanschhals
eingestochen. In gleicher Aufspannung mit gleichem Stahl (wenig Zustellung
und seitliches Verfahren mit dem Obersupport) habe ich die Außenrundung
des Flansches gedreht.

Das Gehäuse kam in den Schraubstock der Fräsmaschine, um den
Durchbruch, in dem sich der Schieber bewegen wird und der zuvor exakt
angerissen wurde, auszufräsen. Mit einem dreischneidigen 4mm-Fräser
und einer über Mitte laufenden Schneide habe ich die vier Ecken innerhalb
des Anrisses tauchgefräst und mir dabei die auf der Messleiste angezeigten
Zahlen notiert. Nun hatte ich vier Bezugspunkte, die ich mit einem 6mm
Fräser wieder innerhalb des Anrisses unter Berücksichtigung
des neuen Fräserdurchmessers anfahren konnte.

Hier wird der Stopfbuchsenflansch auf zwei Seiten parallel gefräst.

Das Schiebergehäuse und der auf Größe gefräste Deckel
werden bündig auf den Schieberspiegel geklebt, per Koordinaten die
einzelnen Bohrungen angefahren, auf Kernlochweite für M2,5 und festgelegten
Tiefe, mit Anschlag, bis in den Zylindermantel gebohrt. Danach wird es
wieder auseinander genommen, der Deckel und das Gehäuse auf 2,5mm
aufgebohrt und dann werden die Gewinde in den Zylinder geschnitten.

Der Stopfbüchsenflansch für die Schieberstange wird hier gebohrt,
die Gewinde geschnitten und die Buchse angeschraubt. Ich habe vergessen
zu erwähnen, dass ich die Bohrung für die Buchse schon auf der
Drehemaschine eingefräst habe.

Der Schieber wird gefräst. Hier ist Präzision angebracht. Die
Maße der Zeichnung sollten genau übernommen werden. Ich habe
zuerst die Nut für den Mitnehmer eingefräst. Dann folgen die
Längsnut für die Schieberstange und zuletzt die Außenkonturen
der Stege, die dann genau 3x3mm waren.

Auf der Gegenseite wird nun die Aussparung des Muschelschiebers gefräst.
Genauer Anriss, mit dem Fräser ankratzen, zur Kontrolle die Eckpunkte
anfahren und die Werte der Digianzeige notieren. Von diesen Werten habe
ich 2/10 abgezogen, d.h. das Innenmaß wurde dadurch 4/10 kleiner
als in der Zeichnung angegeben. Jetzt kann man mit der Z-Achse vorsichtig
eintauchen und das Viereck durch Anfahren der Eckpunkte ausfräsen.
Hat man die Solltiefe erreicht, muss das Material in der Mitte noch entfernt
werden. Jetzt misst man die Länge und Breite der Aussparung. Die
Werte vergleicht man mit dem Zeichnungsmaß, halbiert den Wert, stellt
zu und fräst noch einmal gegen den Uhrzeigersinn (Gleichlauffräsen!!)
rundum. Nun sollten die Werte mit der Zeichnung übereinstimmen.

Schieberdeckel, Schiebergehäuse, Stopfbuchse, Kolbenstange mit Mitnehmer
und Schieber.

Hier noch einmal zusammengebaut von unten.

Und dies ist die fast fertige Zylindereinheit.

Die Kurbelwange
Ein in der Herstellung sehr interessantes Teil.
Für die Wange wurde ein Flachmessingstück mit etwas Übermaß
von einem Messingklotz abgesägt und geplant. Die Außenkonturen
darauf nach Zeichnung anreißen, die Bohrungen für die Welle
und den Zapfen, der die Schubstange aufnimmt, in exakt dem halben Kolbenhub
(44mm), also 22mm, vorzentrieren, vorbohren und reiben. Zu beachten war,
dass der Kolbenzapfen ein Gewinde hat, mit dem er später in die Wange
geschraubt wird. Aus diesem Grund wurde die Bohrung nur als Kernloch eingebracht.
Für beide Bohrungen habe ich wieder genau passende Dorne zum Spannen
gefertigt (siehe Exzenter). Zuerst wurde die größere Außenrundung
der Wellenseite auf dem Rundtisch gefräst. Als nächstes stellte
ich einen Schlagzahn auf den Radius der konkaven Ausfräsungen ein
(Edwin hat das bei seiner Mogul schon beschrieben) und regulierte durch
leichtes Ankratzen mit X - Y und Rundtisch ein, bis der Flugkreis mit
dem Anriss übereinstimmte. Der Fräser wurde dann mit X außerhalb
des Messingteiles gefahren und nun mit Zustellung X und Z die konkave
Außenkontur in kleinen Schritten bis zur Anrisslinie abgefräst.

Die Verschraubung wird gelöst, das Teil umgedreht und ebenso bearbeitet.
Hier wird noch die kleinere Kreiskontur gefräst.


Jetzt habe ich die Kurbelwange auf eine Ersatzwelle geklebt, im Backenfutter
der Drehmaschine gespannt und nach Zeichnung eine Stufe angedreht.


Der Schubstangenzapfen ist ein einfaches Drehteil: 6mm Rundstahl auf
4mm für Gewinde + 4 mm für die Schubstange abdrehen, Gewinde
M4 schneiden, abstechen mit + 2mm als Kopf, linear umdrehen, Abstechseite
planen und Fase andrehen.
Dies ist die fertige Wange auf der endgültigen Welle, fein geschliffen.

Noch ein Detail: Die Welle ist ein 10mm Silberstahl, meine Maschinenreibahle
10h7, d.h. es resultierte ein Schiebesitz, weil ich wieder mal zu faul
war die Bohrung auszudrehen. Die Wange allein ist zudem schwierig zu spannen,
deshalb habe ich das Stück Welle, das in der Wange sitzt, einfach
etwas gerändelt, mit Loctite eingeklebt und mit feinsten Spänen
noch einmal die Wange auf beiden Seiten überdreht.

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