1. Magic-Cup in Aurich

Monique Lhoir, Bilder Birgit Lagemann

Wer hätte gedacht, dass dieses kleine Boot einmal Mittelpunkt eines Cups werden würde. Nun, es wurde - und auch noch mit viel Ehrgeiz und mit noch mehr Freude aller Beteiligten.

Ausgangslage war, dass mein mich hoffentlich liebender Ehemann Eric Lhoir sich ganz und gar der kleinen MICRO MAGIC widmete. Ich kam nicht umhin, es zu registrieren, zumal es mir ständig und überall in Form von Rumpfteilen, Segeln, Schnüren und Farbegeruch begegnete. Da das MICRO-MAGIC-Forum über meine Homepage läuft, schaute ich aus Neugierde ab und zu mal nach, über was sich die Segler unterhielten. Da ging es um Rümpfe, Schotleinen, Tuning und natürlich um Treffen im gesamten Bundesgebiet, um das Wunderwerk mit anderen zu messen.

Hier stieß ich auf eine kleine MICRO MAGIC, die in Aurich beheimatet war und deren Besitzer aufgrund seines jugendlichen Alters und mangelnder Mobilität nicht in der Lage war, an auswärtigen Treffen teilzunehmen, um sich mit anderen zu messen. Ich kann nicht mehr sagen, ob mir die MICRO MAGIC oder der Besitzer Leid tat, jedenfalls fand ich, dass beide eine reelle Chance bekommen müssten, um sich in einem nationalen Wettkampf zu erproben.

Ich besprach dieses Thema mit meinem Mann und schlug vor, einen Cup ins Leben zu rufen – denn das hatte die kleine 533 mm große MICRO MAGIC wirklich verdient. So orderte ich einen Wanderpokal, der genauso groß wie das Boot lang war und schrieb einen Wettbewerb bezüglich Namensgebung aus. Die Eigner der MICRO MAGIC’s machten kräftig mit und nach einem zweiten Wahldurchgang stand es fest: Der Wanderpokal hieß MAGIC-CUP.
Nun war er ins Leben gerufen, der 1. MAGIC-Cup 2005, Austragungsort Aurich in Ostfriesland, denn, wenn der Prophet nicht zum Berge kommen kann, so kommt der Berg eben zum Propheten.

Ein Termin war rasch gefunden, der 23. April 2005. Ich freute mich über die Anmeldungen aus Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Und da ich fand, dass nicht nur die MICRO MAGIC für sich eine Attraktion war, sondern auch die schöne Region rund um Aurich (zum Beispiel Nordseenähe) sich hervorragend für einen Familienausflug eignete, boten wir auch für Frauen und Kinder der fleißigen Segler Ausflugsprogramme an.

Und es wurde tatsächlich zu einem besonderen Highlight, denn auch der Wettergott spielte mit. Schon am frühen Morgen strahlte die Sonne nach dem langen Winter mit voller Kraft auf den Tannenberger See ganz in der Nähe von Aurich. Bereits am Freitagabend fand ein erstes Kennlernen der von weiter Angereisten beim Essen statt, wo schon im Vorfeld über Windverhältnisse und Segelbestückung beraten wurde. Doch auch Frauen und Kinder kamen auf ihre Kosten, denn hier hatten sie zum ersten Mal Gelegenheit, life die Fachgespräche mitzuerleben und milde über soviel Enthusiasmus zu lächeln.

Frisch gestärkt trafen sich die ersten Teilnehmer am nächsten Morgen um zehn Uhr am See. Der Start war für 11.30 Uhr angesagt. Das Problem des Bojenauslegens wurde dank des kurzfristigen Einsatzes eines Kanus, das tatsächlich aus dem Ruhrgebiet mitgebracht worden war, behoben. Unser junger Ausrichter, Sören Janssen, war sich wohl erst einen Tag vor dem Wettkampf dem Ernst der Lage bewusst. Als Letzte traf die Mannschaft aus Bremen ein. Die Augen der Rheinländer waren gespannt auf sie gerichtet, da jeder Teilnehmer der Gruppe als Favorit galt. Mit großer Sorgfalt packten sie ihre Boote aus und beobachteten die Winde.

Eric Lhoir eröffnete in Vertretung von Sören, der sich immer noch bescheiden im Hintergrund hielt, den Wettbewerb und erklärte sowohl Regeln als auch Segelstrecke. Einen fairen Wettkampf setzte er voraus, aber bei der guten, gelockerten Stimmung der Teilnehmer bestanden da keine Zweifel.

Es dauerte nicht mehr lange, als das Startband zum ersten Lauf eingeschaltet wurde. Ich hatte die Aufgabe, natürlich nach vorheriger intensiver Einführung, die Zieleinläufe akribisch zu dokumentieren. Aufgeregt, um ja nichts falsch zu machen, beobachtete ich den Start. War vorher noch ein Gemurmel, Geschreie und viele Zurufe zu hören, so verstummte plötzlich jegliches Geräusch und machte einer andächtigen Stille Platz, denn ein jeder konzentrierte sich nun auf sein Boot und versuchte, es in bestmöglicher Startstellung zu bringen. Der Startschuss fiel. Alle Blicke waren dem Wasser zugewandt. Die Boote umkreisten die erste Boje und machten sich auf den Weg zur zweiten. Langsam riss das enge Feld auf. Die ersten Ausreißer umsegelten bereits die dritte Boje, während der erste Ausfall zu verzeichnen war. Ausgerechnet das Leihboot X4, das von einem Gast gesteuert wurde, verlor seinen Kiel. Die Enttäuschung stand dem Teilnehmer ins Gesicht geschrieben.

Die ersten Boote näherten sich der Ziellinie. Fast wie erwartet traf das Boot mit der Segelnummer 97 des Bremers Holger Barnewitz als Erstes ein, gefolgt von Dieter Lagemann (260) und Walter Pfennig (87). Von den beiden teilnehmenden Frauen gelang in diesem Lauf Birgit Lagemann (259) der beachtliche sechste Platz.
Und dann ging es bis zur Mittagspause Schlag auf Schlag, so dass ein jeder kaum zum Luftholen kam.
Gegen 17.00 Uhr war der Wettbewerb nach zwölf Läufen beendet.

Inzwischen hatte jeder Teilnehmer durch das schöne Auricher Wetter beachtliche Bräune oder auch Röte erreicht und manch einer litt unter Konzentrationsproblemen und konnte nicht mehr umhin, mit den Augen zu zwinkern, da sich die Sonne auf dem Wasser spiegelte und das Ausmachen des eigenen Bootes erheblich problematisch wurde.

Eric Lhoir beendete damit den 1. MAGIC-Cup 2005 in Aurich. Für mich galt es nun, die Punkte auszuwerten, um den Sieger und somit den nächsten Austragungsort zu bestimmen. Dank eines speziellen Programms und des Laptops von Stefan Ungeheuer war dies relativ schnell erledigt.

In der Zwischenzeit bauten alle Teilnehmer den Siegertisch auf. Die Firma Graupner hatte speziell für den MAGIC-Cup ein Paket mit großzügigen Sachpreisen geschickt, u.a. zwei Empfänger R 200 FM Micro, weitere hochwertige Empfängerakkus, Rollenschneider, Lexanscheren, Akku-Controller und vieles mehr – jedenfalls alles, was des Modellbauers Herz erfreute.

Und dann kam er – der MAGIC-Cup 2005. Wer würde ihn gewinnen? Sogar ich, die die Punkte aufgeschrieben hatte, war gespannt, was das spezielle Computer-Programm nach zwei Streichern ausweisen würde. Die Urkunden waren vorbereitet, so dass ich nur noch die Platzierungen einzutragen hatte.

Schnell sammelte ich meine beiden kleinen Glücksfeen ein, Töchter der Teilnehmer, die während der Urkundenverleihung die spendierten Preise der Firma Graupner im Losverfahren zogen und überreichten.
Leider ging der letzten Platz an eine der zwei teilnehmenden Damen, nämlich an Bettina Zorn. Ralf Bohnert, dem das Pech mit der Leih-Magic ereilte, erzielte trotz allem mit einem von Ronald Schor geliehenem Boot noch den 16. Platz. Unser junger Ausrichter Sören Janssen erreichte bei seinem ersten offiziellen Messen mit der Magic-Elite immerhin den stolzen 13. Platz. Birgit Lagemann behauptete sich zwischen den Männern mit einem hervorragenden 8. Rang. Die besten Teilnehmer aus Nordrhein-Westfalen waren mit Platz 5 Jörg Obergefell und mit Platz 4 Ralph Tacke, der damit auch das Rheinland anführt. Und nun wurde es spannend.

Platz 3 ging an Dieter Lagemann, Vertreter der Hansestadt Hamburg, Platz 2 an Ronald Schnor, Vertreter der Hansestadt Bremen, der – wie es der Teufel wollte – nach Streichern nur einen einzigen Punkt hinter – ja, wie sollte es fast anders sein – Holger Barnewitz lag.

Und somit stand es fest: Der erste Platz und Gewinner des 1. MAGIC-Cups 2005 ist Holger Barnewitz.
Austragungsort des 2. MAGIC-Cups 2006 wird somit die Hansestadt Bremen sein.

Bescheiden sich im Hintergrund haltend aber doch ein strahlendes Lächeln auf dem Gesicht nahm er anschließend den Pokal entgegen. Doch wohl auch eher als Bestätigung, dass er nicht umsonst die Rangsliste der deutschen Magic-Segler als Zweiter anführt.

Wir alle sind gespannt, ob nach Bremen der Pokal anschließend ins Rheinland und somit in die Mitte Deutschlands gehen wird, denn eines stand fest: Die Teilnehmer aus Nordrhein-Westfalen waren nicht nur hoch motiviert und bester Laune, sondern auch fest entschlossen, den Cup zu erobern. Nur leider hatten sie nicht mit den schweren Windverhältnissen gerechnet, wie sie in Norddeutschland eher an der Tagesordnung sind und somit die norddeutsche Crew klar im Vorteil war. Aber wie würde es sein, wenn zum Beispiel der Cup bei Nicht-Wind im Rheinland ausgefahren werden müsste? Hier kommt es dann nicht nur auf das Beherrschen des Bootes, sondern auch auf das taktische Vorgehen des Seglers an. Wir lassen uns überraschen.

Alles in allem war es für alle Teilnehmer, den begleitenden Frauen und den Kindern ein besonderes Fest und ein bisschen wie Urlaub. Aber auch Bremen wird viel für Teilnehmer und Familienangehörige zu bieten haben, da bin ich mir ganz sicher. Und eines steht fest: MICRO-MAGIC-Segeln wird so zum Spaß für die ganze Familie.

 

Stand: 23.07.2005