FS4000 von Sport Klemm

Volker Cseke

Eine Trilogie über die Gründe zum Erwerb, die technische Ausrüstung und das Fliegen dieses großen Voll–GfK/CfK/AfK-Seglers.

Teil 3 oder endlich in der Luft.

Welcher Modellflieger kennt nicht das Kribbeln im Bauch, wenn der neue Flieger endlich fertig ist, ausgewogen und eingestellt im Keller liegend auf den Erstflug wartet. In diesem Fall war es schon eine Gratwanderung der Gefühle. Auf der einen Seite die schmerzlichen Erfahrungen eines Modellfliegerlebens, wenn Modelle aus den unterschiedlichsten Gründen bereits beim Jungfernflug zerstört wurden und auf der anderen Seite die freudige Erwartung des neuen Fliegers, der mit so viel Vorschusslorbeeren bedacht war.
Natürlich wollte nicht nur die liebste Ehefrau von allen mit dabei sein, sondern die anderen Modellflieger vom Berg auch, und und und....

Wie also den Erstflug terminieren, um den Personenkreis auf ein erträgliches Maß zu beschränken? Die Gedanken kreisten um solche Sachen wie: Die Ehefrau in die Stadt zum Shopping schicken und dann still und leise auf die Wiese nebenan gehen und das Modell starten. Doch wie kann ich alleine den Reichweitentest machen und dann den Flieger gleich beim ersten Mal wegwerfen und fliegen?

Es half alles nichts, Sonntagnachmittags habe ich die Spenderin, den Flieger und den Sekt ins Auto verladen, den Kumpel angerufen, um Hilfe zu haben und bin auf den Berg gefahren. Nach 200 Metern wurde noch mal umgekehrt, um die vergessenen Becher zu holen und dann ab durch die Mitte. Zum Glück für das Magazin war die Kamera noch im Auto und die Akkus derselben geladen. Und je näher der Berg kam, um so nervöser wurde ich.

"Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein,
alle Ängste, alle Sorgen
- sagt man -
blieben darunter verborgen.
Und dann würde,
was uns groß und wichtig erscheint,
plötzlich nichtig und klein."
(Reinhard Mey)

Diese Strophe von Reinhard Meys Titel kam mir nicht in den Sinn, vor meinem geistigen Auge sah ich nur die Wracks vergangener Tage. Doch was hilft das Zögern und Bibbern – nichts. Auf dem Berg wartet schon die versammelte Hilfsmannschaft, es hat sich doch mal wieder irgendwie herumgesprochen, dass ein neuer Flieger in die Luft soll. Nun denn – auf ins Gefecht.

Unten am Berg das Auto parken, ausladen und alles auf Vollständigkeit checken ist Routine. Man will ja nicht noch mal runterlaufen, um die Flächenverbinder zu holen. Die Sektflasche bleibt erst mal in der Kühltasche im Auto verborgen, die bösen Geister in Gestalt von Springbäumen und Geistermaulwurfshügeln sollen ja nicht geweckt werden und erst recht nicht auf ein potentielles Opfer aufmerksam werden.

Das Aufrüsten war dann doch mehr Routine wie vermutet, alles passte genau so wie im Keller.

Das Abkleben und die sorgfältige Kontrolle aller Anlenkungen verschaffte den flatternden Nerven wieder etwas Ruhe und die Anspannung war erträglich. Dann folgte zusammen mit dem Erstflughelfer die intensive Kontrolle der Ruderwirkungen und der ganzen Bewegungsspiele der verschiedenen Flugphasen. Durch das Erklären und Vorführen der verschiedenen Funktionen gewinnt man selbst noch mal etwas Sicherheit, vor allem, wenn der Kamerad die Gedanken nachvollziehen und abschätzen kann.

Beim Reichweitentest wurde erst mal ohne Motor getestet. Da ich den neuen MPX RX-9-Synth DS IPD–Empfänger zum ersten Mal einsetzen wollte, wurde ein intensiver Reichweitentest gemacht. Dieser fiel sehr positiv aus. Selbst ein Abtauchen unter die Hangkante, also die Unterbrechung der Sichtverbindung zum Modell, führte zu keinen Fehlern. Wir haben den Reichenweitentest parallel zum Mann am Modell mit dem Picolario gemacht. Die „alte Schnepfe“ schreit dann „ACHTUNG“ wenn ein Signalverlust auftritt. Natürlich alles mit eingeschobener Senderantenne. Dann noch mal ein Check bei laufendem Motor – alles in Ordnung. Mein Kumpel Hartmut ist zwar fast mit dem Modell umgefallen als der Motor hochlief, aber er konnte sich fangen und hat das Modell nicht losgelassen. Der Antrieb ist wirklich über jeden Zweifel erhaben.

Jetzt stand dem Erstflug nichts mehr im Wege und keine Ausrede konnte ihn noch hinauszögern. Selbst die Raubkaninchen, welche bei uns immer auf neue Flieger lauern, waren nicht zu sehen.

Ich einigte mich mit meinem Helfer Hartmut auf einen Start mit laufenden Motor, er ging an die Kante unseres kleinen Berges, damit der Flieger gleich etwas Luft unter der Fläche hat. Und nun waren sie doch da, die zitternden Knie und die nassen, kalten Hände. Die Bilder von brechender Kohle und knisterndem GfK beherrschten die Gedanken. Überall an der Hangkante lagen Stücke vom Flieger und nahmen die Gestalt von 50€-Scheinen an. Brrr – einmal innerlich schütteln – äußerlich bloß nichts anmerken lassen, schließlich steht die Frau dabei und fotografiert - und dann - los.

Der Motor läuft hoch und der Flieger zerrt Hartmut fast mit über die Kante. Der lässt los und die FS4000 fliegt. Punkt und gut ist. Nichts zu trimmen, nichts zu tun. Mit Höhe den Steigwinkel einstellen und halten. Wir stehen alle da und staunen über die absolut ruhige Lage und den beeindruckenden Steigflug. In einer großen Kurve geht es rauf und das Vario ruft 150m aus. Jetzt Motor aus und gerade legen. Die Ruderwirkung kommt exakt und rund. Alle Klappen stehen auf neutral und der Flieger zieht über den Himmel. Welch ein Glücksgefühl, alle sind begeistert vom Flugbild.

Ein kurzer Blick auf den Sender: 12s Motorlaufzeit und 170m aus dem Stand bei neuem Akku lassen den Pilot grinsen. Jetzt vorsichtig die Ruder testen, ob alles passt. Doch die vorgeschlagenen Werte der Betriebsanleitung sind für meinen Flugstil richtig und es macht einfach nur Freude. Das Vario wird erst mal ignoriert und das Kurvenwechselverhalten und die Reaktionen auf Quer, Höhe und Seite erflogen. Dann den Motor wieder an und rauf. Etwas zu viel gezogen und es geht senkrecht nach oben. Sicher nicht die beste Art der Energieumsetzung, aber sehr spektakulär. Jetzt mal die Klappen auf die Speedstellung und den Flieger laufen lassen. Gut, dass er so groß ist, dann kann man ihn nicht so leicht aus den Augen verlieren. Die Fluglage ändert sich nicht und die FS4000 wird einfach nur schneller. Deutlich schneller als man im erst Augenblick vermutet, der Flieger krabbelt nach dem leichten Zug am Höhenruder unter Beifallklatschen der Tante im Vario in den Himmel. Der Höhenverlust für dieses Spielchen war mit dem Auge nicht auszumachen. Jetzt die Klappen auf Thermikstellung und versuchen, ein paar Meter Höhe ohne Motor zu machen. Lediglich die Abstimmung der Differenzierung des V-Leitwerks passt noch nicht so ganz, der Flieger nimmt die Nase hoch beim Ausleiten. Doch dies ist später mit ein paar Prozent Veränderung behoben. So geht es noch einige Minuten weiter und die letzte Hürde naht.

Landen soll er auch. Die knapp fünf Kilogramm Masse und vier Meter Spannweite wollen sauber ausgerichtet werden. Erst mal wird in der Luft die Butterfly–Stellung probiert und die Reaktion abgeschätzt. Die Nase kommt noch nach oben – dies sollte auf keinen Fall sein. Da ich im Fluge die Mischer nicht ändern möchte, probiere ich das Langsamflugverhalten bei Thermikstellung der Wölbklappen. Der Flieger ist gutmütig und langsam zu fliegen, der Strömungsabriss kommt weich und ist gut beherrschbar. Also entscheide ich mich für eine weiträumige Landung ohne Butterfly, der Platz ist ja groß genug. Nun, zwei vergebliche Anflüge werden es dann doch und ich habe Angst um die Kapazität des Flugakkus. Doch der dritte Anflug passt und der Flieger rutscht über den Platz.

Die Anspannung fällt ab und ich bin glücklich und leer. Jetzt erst mal den Flieger holen, Akku abziehen und lachen. Mein Mäuschen strahlt mich an und die Fliegerkumpel beglückwünschen mich. Welch ein Tag!

Jetzt darf der Sekt aus dem Auto geholt werden, die Harzbecher werden gefüllt und der Flieger wird getauft. Alle werden mit dem perlenden Nass versorgt und der Flieger auf den Namen „Regenwurm“ getauft. Die brüllende Meute war sich einig, dass das der passende Name wäre, wo doch der Rumpf wie ein gestreckter Regenwurm ausschaut. Ich muss es ja nicht draufschreiben und somit weiß es ja niemand.

Im Akku waren noch für weitere 30s Motorlaufzeit, doch die wurden nicht verflogen. Man soll die Raubkaninchen nicht herausfordern. An diesem Tage habe ich noch so manches mal über den Flug nachgedacht und gegrinst.

Mittlerweile habe ich etwa 15 weitere Flüge unternommen und hauptsächlich die Einstellungen für die Butterflystellung und das V-Leitwerk erflogen. Doch auch schon etwas Thermik war dabei und die ersten paar hundert Höhenmeter sind erklettert. So langsam legt sich die ganz große Nervosität und die ersten Schrammen sind auch schon drin. Mit der Fläche ist man doch recht dicht am Boden und man darf vor dem Aufsetzen auf keinen Fall vergessen, die Wölbklappen aus der 70°–Stellung wieder nach oben in Sicherheit zu bringen.

Die Bandsicherung des Flügels ist Gold wert, der Ring kostet nur ein oder zwei Cent, ist in wenigen Minuten hergestellt, und wirkt. Wenn eins der Ohren mal wieder von den gemeinen Geistermaulwurfshügeln festgehalten wird, wird nicht der Schwanz abgedreht, sondern die Bandtasche geht auf oder überdehnt und der Flügel ist frei.

Der Flieger ist sicher kein Anfängermodell und will geflogen werden. Die Eigenstabilität ist sehr begrenzt. Doch jeder Ruderausschlag wird exakt in Bewegung umgesetzt und ebenso sauber gestoppt. Der E-Antrieb hat in der vorhandenen Version mehr als reichlich Dampf und stellt immer genug Leistung zur Verfügung. Für meinen Geschmack könnte der Flieger etwas leichter sein, aber wenn der 18zeller mal seinen Geist aufgibt, werde ich mir einen leichteren Akku zulegen. Hier sollten mit einem LiPo noch etwa 400g zu sparen sein.

Ich hoffe, es dauert noch ein ganzes Weilchen, bis die FS4000 in den Fliegerhimmel abgerufen wird, denn jeder Flug ist ein ganz besonderes Erlebnis.

FS4000 Teil 1 - FS4000 Teil 2

Stand: 04.08.2005