Weltmeisterschaft F3D 2005 in Tours, Frankreich.

Otto Jakob

Die WM-F3D fand in diesem Jahr in St. Martin le Beau, südöstlich von Tours statt. Der Wettbewerbsort ist vielen WM-Teilnehmern vom jährlich dort stattfindenden Europa-Cup bekannt. Zu diesem Wettbewerb werden etwa 60 Teilnehmer zugelassen, so dass man davon ausgehen konnte, dass der Veranstalter bereits über genügend Erfahrung verfügt und daher die WM dort organisatorisch in guten Händen liegt.
Die Hartbahn wurde eigens für die WM erneuert.

Wir (Lisa, Ute und Otto) machten uns Montags auf den Weg nach Frankreich und legten im Disneyland von Paris einen zweitägigen Zwischenstop ein.
Während wir noch in Paris den Adrenalinkick der Space Mountain Mission 2 genossen, wurde 250km weiter schon ernsthaft trainiert. Der Sommer hatte sich zur WM noch einmal zurück gemeldet und deshalb sorgten nicht nur die Temperaturen mit über 30°C für eine heiße WM. Die F3A-WM eine Woche davor litt unter wesentlich schlechterem Wetter.

Nach der Ankunft am Donnerstagmorgen sah ich schon beim Einparken die deutsche Nationalflagge und fand schnell unsere Jungs. Der Veranstalter hatte eine große Zeltstadt aufgebaut, die wohltuenden Schatten spendete.

Von Gerald erhielt ich das offizielle Team-Shirt. Wowwww, das Logo ist ja spitze! Echte Profiarbeit von Patricia Brettner. Ihr Mann Klaus fliegt F5D. (www.brettner-design.de). Sehr gut haben mir auch die farbenfrohen Shirts der Australier gefallen.


Das Vorbereitungszelt der Australier. Auf dem Bild ist das komplette Team Callow zu sehen, Mutter, Vater und Sohn. Links im Bild Team-Manager Axxon.

Nach der WM wurden viele Shirts unter den Teilnehmern getauscht, eine schöne Geste!

Im Team Germany war soweit alles in Ordnung. Gerald war dreimal mit 66s unterwegs, Schorsch hatte mit einer 65er begonnen und dann eine 63 und 64 mit je 1 Klappe nachgelegt. Norbert hatte sich bei 70s eingeflogen und leider im 2. Rennen zwei Cuts kassiert. Das kann bei einer Premieren-WM schon mal vorkommen. Also ging ich schnell zum Computerterminal, um mir einen Überblick über die ersten drei Rennen zu verschaffen. Gerade als mir der Spruch: „Oh, Paolo ist aber gut in Form“ über die Lippen ging, klopfte mir ein gut gelaunter P. Mucedola auf die Schulter und bestätigte meinen Eindruck. Mit 61,25s, 59,69s, und 60,32s führte er souverän die Wertung an. Und die Verfolger? Da geht ja richtig die Luzzi ab: Callow 57,6s+ Cut, Robbert 57,3s+Cut, Huismann 61,35s, R. Bridge 57,55s, Grunkemeyer 61,8s+Cut, Hovorka 62,22s, der Mexikaner De la Vega 61,5s+ Cut. Mannomann, die Mannschaftsweltmeister aus Holland lassen schon mal gar nichts anbrennen. Da gehe ich auf dem Rückweg zum deutschen Team gleich mal vorbei. Die Stimmung war prächtig, kein Wunder. Das Händeschütteln nahm fast kein Ende, sie hatten den größten Fanclub dabei. Kurze Frage an den MB-Chef: „Na wie hoch ist Dein Marktanteil?“ „Na ja, so 90%.“ „Und wer fliegt nicht MB?“ Team Ukraine, Team Russland, Team Tschechien und Finnland fliegen IR, G. Grunkemayer (USA) und Team Kanada Nelson. Die Metgemeyers sind faire Sportsleute und vertreten die Meinung, dass eine Konkurrenzsituation bei den Motoren dem Fortschritt dient und gut ist. Angeblich haben sie Nelson auch mit ihrem neuesten Kolbenmaterial versorgt. Schaut man sich die Zeiten des sehr sympatischen G. Grunkemeyer an, so kann man auch dort kein Defizit an Power erkennen.


Das sehr schöne Modell des Amerikaners G. Grunkemeyer

Der Ex-Weltmeister Verano (USA) hatte auch in einem Flieger einen Nelson eingebaut und die US-Ausscheidung mit diesem Triebwerk bestritten. Die WM flog er aber mit MB-Power. Auch der dritte Amerikaner, R. Bridge, setzte auf Power “Made in Netherlands“. Der trockene Kommentar von Grunkemeyer: „Henry (Nelson) is not amused.“


Das Model des Amerikaners Bridge, eine Evolution.

Unter sehr guten Bedingungen wurden bis zum Abend zwei weitere Durchgänge geflogen. Um hier nicht den Überblick zu verlieren, brauchte ich unbedingt eine Liste mit der Startreihenfolge. Unser Teamchef Achim konnte sein Exemplar nicht entbehren. Ich erläuterte meinen Wunsch dem Startstellenleiter Alais, der die Teams zum Tanken aufrief. Er gab mir spontan seine Liste. Vielen Dank, Alais!


Das ist der Startstellenleiter Alais zwischen den Coors Brüdern. In der Hand hält er (noch) die Rennliste.

Nach dem ersten Tag ergab sich folgendes Bild:
Zum Leader of the Pack hatte sich R. Verano vorgekämpft, der mit einem 200er (2 Cuts) begonnen hatte und diese Zeit nun streichen konnte. 1,3s dahinter lag P. Mucedola, weitere 3,5s dahinter R. van den Bosch gefolgt von den beiden Australiern Murphy und dem Weltmeister C. Callow. Cristopher hatte zwar im 5. Lauf mit 56,98s einen neuen Weltrekord aufgestellt, musste aber wegen eines 200er (Motor) aus dem 3. Lauf eine Klappenzeit mit 68 mitschleppen. Um seinen Titel zu verteidigen, sollte er sich in den folgenden Tagen möglichst keine Cuts leisten und seine MBs durften ihn auch nicht im Stich lassen. Nur zwei Streichresultate bei 14 Rennen sind verdammt wenig!

Nach den ersten fünf Rennen belegte Team Coors Platz 15, Team Schickel/Bergmann Platz 24 und Team Proschka/Schaller Platz 27.
Diese gute Teamleistung reichte für einen 3. Platz in der Nationenwertung hinter Holland und Frankreich. Die Stimmung war gut und wir feierten den Tag mit einigen anderen Teams an der Promenade von Ambois.

Der zweite Tag mit fünf weiteren Durchgängen und der Möglichkeit, die zwei schlechtesten Zeiten zu streichen, brachte in den vorderen Plätzen eine kleine Verschiebung und eine Verringerung der Zeitabstände. P. Mucedola nahm R. Verano die Führung ab (1,85s Abstand), gefolgt von Robbert und dem Weltmeister Callow. Er hätte schon an diesem Tag die Führung übernehmen können, erhielt aber im 10. Rennen einen Cut.

Der Veranstalter brachte mit der Ankündigung, am Samstag nur noch drei Rennen fliegen zu wollen, die Mannschaftsführer in Bewegung. Man einigte sich dann doch auf vier Rennen. Da auch bei 14 Rennen kein weiterer Streicher vorgesehen ist, war für Spannung am letzten Tag gesorgt.

Die Platzierungen der deutschen Mitglieder (Coors 16, Schickel 26, Proschka 29) blieb etwa konstant. Aber der zweite Streicher hatte das Team auf den 6. Nationenrang zurück geworfen. Jedoch die Abstände waren gering und einige Teams waren schon mit 200er Wertungen gesättigt. Wenn also ein Team vor uns einen 200er in die Wertung aufnehmen muss, ginge ihre Gesamtzeit um etwa 130 Zeitpunkte hoch. Das würde uns nach vorne spülen, vorausgesetzt, unsere Jungs bleiben am Samstag von 200ern verschont.
Am frühen Samstagmorgen traf ich mich mit Mr. APC (F. Burgdorf) und dem italienischen Team-Manager Guilianetti auf der Höhe des Spitzpylons, um den Kampf zwischen Grunkemeyer, Cyujo, Coors und Perret zu verfolgen. Es entwickelte sich folgendes Gespräch:
“Good morning gentlemen. We will have the final countdown today. Oh jeahhh, not only in the individual class. The difference between the teams is very small. Even the Russian Team on 7 could be on the podium at the end. Steven Spielberg could not arrange it better. I think in the afternoon there will have blood on the starting line!”
Lautes Gelächter erschallte auch bei den Zuschauern in der Nähe.
Dieser Samstag hat die Platzierungen noch einmal kräftig durchgeschüttelt. Ein Cut kostete die Teilnehmer nur ein paar Plätze, aber der dritte 200er schießt sie aus den Top10 ins hintere Drittel.

Die Top 4, Mucedola, Verano, van den Bosch und Callow hätten alle den WM-Titel verdient gehabt.

Mucedola führte die Wertung noch nach dem 13. Rennen an. Hier hatte er mit 58,1s die schnellste Zeit des Durchgangs geflogen. Im letzten Lauf musste er vorlegen und kam auf 62,41s! R. Verano legte nur eine 64,01s hin. Die Auslosung zu Beginn der WM ergab im 14. Durchgang das direkte Aufeinandertreffen von C. Callow und R. van den Bosch zusammen mit Laurie und Sato. Das war eine Belohnung für alle Zuschauer. Dieses Rennen lieferte auch den direkten Vergleich: Einziehfahrwerk gegen starres Fahrwerk mit Verkleidung, Innovation gegen Evolution, made by Wolf gegen made by de Chastel, Dino-Flügel gegen Einfachtrapez, usw.. Robbert ging als zweiter 2 Sekunden vor Callow auf den Kurs und spulte sein Pro-gramm wie gewohnt souverän ab. Der Abstand zwischen den beiden blieb 10 Runden konstant. Die Uhr blieb bei 58,76s für Callow und bei 58,89s für Robbert stehen. Was für ein Finale! Gesamtzeit von Callow (12 Zeiten von 14) 720,75s, Durchschnitt 60,06s und von van den Bosch 721,4s Schnitt 60,11s. Nur einer kann auf dem Siegertreppchen ganz oben stehen. Fairerweise muss man sagen, dass Callow in acht Durchgängen die schnellste Zeit flog. Robbert flog sehr konstant und gleichmäßig. Obwohl die Europäer sehr nah am Titel waren, bleiben die Malinas aus Tschechien weiterhin die einzigen Weltmeister von unserem Erdteil.

Das Team Callow holte sich demnach erst im letzten Flug den WM-Titel vor Robbert van den Bosch und Paolo Mucedola. Der Ex-Weltmeister Richard Verano musste mit dem undankbaren 4. Platz vorlieb nehmen. Seine Teamkollegen hat es noch schlimmer erwischt. Das Glück war in diesem Jahr nicht auf der Seite der Amerikaner.

In der Mannschaftswertung haben die Niederlande vom ersten bis zum letzten Tag geführt und souverän die Wertung mit ca. 200s Vorsprung gewonnen. Der Gastgeber Frankreich (siehe meine Prognose 2003) konnte mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung den Vizetitel vor den Schweden erreichen. Die Schweden hatten sich ganz still und leise vom 9. Platz am ersten Tag bis aufs Podium vorgekämpft.
Deutschland musste zwei 200er in die Wertung nehmen und kam deswegen „nur“ auf einen guten 6. Platz unter 18 Nationen. Der 3. Platz wäre im Bereich des Möglichen gewesen.
Die Einzelplatzierungen: Coors 13, Schickel 28 und Proschka 29 von insgesamt 45 Teilnehmern.

Organisation:

Vor zwei Jahren in Melnik gab es keinen einzigen Reflight. Solche Wiederholungen sind notwendig, wenn z.B. die Zeitnehmer die Modelle verwechseln oder wegen technischer Defekte an der Signalanlage die Zeit nicht ermittelt wird. Dieses Mal gab es einige Reflights. Ich will nicht beurteilen, ob wirklich alle gerechtfertigt waren! In einem zweifelhaften Fall ergab der Reflight sogar eine schlechtere Zeit. Die WM war zu 100% fair und die Besten haben gewonnen. So soll es auch sein.

Die Signalanlage, die die Runden und die Klappen anzeigt, war bei der extremen Sonneneinstrahlung nicht zu erkennen. Einige Teams behalfen sich dadurch, dass die eigenen Zuschauer nach den 10 Runden außen kräftig die Hüte schwenkten, um dem Caller ein Signal zu geben.

Die Franzosen haben eine wunderbare WM durchgezogen. Sowohl die Eröffnungs- wie auch die Abschlussveranstaltung wurde von den Teilnehmern gelobt. Viele werden den Weg nach Frankreich zu einem der nächsten Europa-Cups wieder einschlagen.


Der Macher der WM. Bernard Brun, aktiver F3D-Pilot

Nette Begegnungen am Rande der WM:
Das Team Malina musste wegen eines Bandscheibenvorfalls von Z. Malina die WM-Teilnahme absagen. F. Hovorka wurde nachnominiert. Umso erfreulicher war es, dass die Malinas als Reporter und Supporter ihrer Nationalmannschaft anwesend waren. Z. Malina merkte man die Verletzung noch an, aber bei der nächsten WM wird man mit den Ex-Weltmeistern wieder rechnen müssen.


Meine Frau, Franco Marabelli und der italienische Team-Manager Guilianetti

Eine freudige Überraschung war für uns die Anwesenheit von Franco Marabelli beim italienischen Team. Franco hat als Präsident von Mach Aurora jahrzehntelang einen der schönsten Wettbewerbe in Europa veranstaltet und hätte schon längst die Pylon-Verdienstmedaile verdient. Ich hätte es ihm gegönnt, wenn es einen italienischen Weltmeister gegeben hätte.
Ich habe sehr gute Erinnerungen an die Zeit, als wir Anfang der 80er Jahre mit dem DMFV-Bus als stärkste Nation die Wettbewerbe in Mailand besucht haben.

Eine WM bietet immer die Gelegenheit, den genialen Motorenbauer Rawil Ibragimov zu treffen. Die Konversation ist nicht ganz einfach, aber wenn man langsam spricht versteht Rawil gut Deutsch.

Technisch sagen ein paar Skizzen mehr als tausend Worte. Gleich nach meiner Ankunft zeigte er mir sein neues Triebwerk und erläuterte mir die Verbesserungen. Die Integralgarnitur, die sich im FI schon bewährt hatte, sitzt nun in einem neuen Gehäuse mit einem hinteren Kurbelwellenlager ohne Käfig. Die Luft atmet das Triebwerk durch einen Doppel-Heckdrehschieber.


Das aktuelle Triebwerk von Ravil Ibragimov (IR)

Als Neuigkeit erzählte er mir, dass er einen Q-500-Motor entwickelt hat, den es demnächst zu kaufen gibt und der ca. 300 € kosten soll. Er steht hier in Kontakt mit RC-Network User F3D ( M. Jakob). Wer Interesse hat, bitte bei F3D melden.

Dagobuilder Christian Wolf war vor Ort und betreute seine große Kundschaft. Christians Bausätze sind handwerkliche Kunstwerke und er ist immer auf der Suche nach noch perfekterer Bauausführung. Die Fachsimpelei mit ihm und seinen Kunden unter der Aufsicht seines weißen Schäferhundes waren eine nette Abwechslung.

Zum Abschluss hatten alle Fotografen die Möglichkeit, ein Gruppenfoto zu machen und die Teams abzulichten. Das war eine sehr gute Idee. Die Bilder habe ich in der Reihenfolge der Mannschaftsplatzierung geordnet. Hinter den Namen habe ich die Platzierung und die schnellste Zeit vermerkt.

 

Stand: 14.09.2005