Weltmeisterschaft F3D 2005 in Tours, Frankreich.

Otto Jakob

Seite 2

Mannschaftsweltmeister Niederlande


R. van den Bosch/ P. Doesburg Platz 2; schnellste Zeit 58,89
M. Huismann/ A. Tesselaar , 5; 59,35
R. van de Klock, 8; 62,79
Unsere Nachbarn sind so gut wie noch nie und werden auch in Zukunft ein Wörtchen bei der Titelvergabe mitreden. Bei ihnen ist es wie bei Bayern München: Man könnte auch aus der 2. Mannschaft ein Team zusammenstellen, das Mannschaftsweltmeister wird.
Sie fliegen Modelle von C. Wolf.

2. Frankreich

C. Schmitt/C. Choy; 9; 62,58
J.P. Perret/ L. Perret 15; 62,67
O. Allais/S. Lemonier 20; 63,87

Frankreich hat, wie ich vermutet hatte, den Heimvorteil genutzt und ein hervorragendes Mannschaftsergebnis erzielt. Sie haben an dem Atomic Rumpf einen Dino Flügel von Klein montiert oder den Klein Flieger (Schmitt) eingesetzt.

3. Schweden

K. Mustelin/J. Bjerkander; 14; 62,49
C. Wetterbro/ R. Sundun;16; 63,61;
B. Ragnarsson/ I. Larsson; 21; 66,65;

Die Schweden kamen mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung wieder auf das Treppchen. Nach dem ersten Tag waren sie noch auf Platz 9. Das Team ist genial besetzt. Auf der einen Seite 50 Jahre Pylonerfahrung (Ragnarsson/Larsson) auf der anderen Seite ein sehr junger Pilot aus der Shockflyer-Fraktion, der auf der Geraden die Höhe mit dem Seitenruder korrigiert.

4. Tschechien

T. Andrilk/ M. Andrlikova 11; 63.51
F. Hovorka/ Z. Hovorka 24; 61.68
J. Klein/ P. Matocha 27; 62.84

Tschechien ist nach wie vor eine Weltmacht im Pylonracing. Sie hatten leider Pech und mussten wegen einiger 200er mit dem undankbaren 4. Platz vorlieb nehmen. Hovorka ist Lieferant der Fago (Faked Dago), die von Georg und Norbert geflogen wurde. Der Flieger von J. Klein wird von vielen Teilnehmern eingesetzt. Wie gesagt, sie fliegen IR-Motoren und bauen ihre Modelle selbst.

5. Australien

B. Murphy/ B. Murphy; 6; 60,09
F. Harrod, K. Harrod; 10; 61,51
R. Phelan/ K. Harrod; 37; 63.03

Die Jungs und Mädels von downunder stellen den Weltmeister und eine der stärksten Mannschaften. Leider hat das Phelan-Phänomen wieder zugeschlagen. Entweder ist er ganz vorne oder ganz hinten. Sieg oder Akia! Er genießt bei mir die höchsten Sympathien, weil er als Einziger alles selber macht und obendrein noch hervorragend fliegt. Er hatte Probleme mit seinem Triebwerk, die ihm vier 200er am ersten Tag bescherten. Er tat mir leid. Dann zeigte er wirklich gute Flüge. Team-Manager D. Axon erzählte mir, dass es im Nachwuchssektor sehr gut aussieht. Mindestens zwei weitere“ Callows“ stehen auf dem Sprung ins Team. Der Weltklassepilot B. de Chastel ist auch wieder zu Hause (er war einige Jahre in USA) und könnte sich für die nächste WM qualifizieren. Big Bruce ist Entwickler zahlreicher F3D-Modelle und des Resonanzrohres Nr. 5, das z.B. auch der Champion flog.
Ganz und gar beeindruckt bin ich vom V-Leitwerksmodell des Teams Harrod. Ich hatte ein längeres Gespräch mit ihnen und bin begeistert. Die Jungs haben es voll drauf! Nach meiner Meinung ist der VOODOO der schnellste Flieger im Feld!

6. Deutschland

G. Coors/ M. Coors; 13; 64,71
G. Schickel/ D. Bergmann 28; 65.61
N. Proschka/ A. Schaller 29; 69.14

Unsere Jungs haben sich toll geschlagen. Für alle war es die erste WM. Ich will die These, am Anfang hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu, nicht übermäßig strapazieren, aber für Georg und Norbert war es so!

Team Coors Brothers hat eine super WM hingelegt. Die fliegerische Leistung ist vergleichbar zu unseren früheren Weltklassepiloten Lindemann und Henschkowski. Und 14 Durchgänge ohne Cut!!! Gab es so was schon einmal? Und das auch noch bei einer WM-Premiere? Unter diesem Gesichtspunkt ist eine Zeit von 64s schon klasse! Mit etwas mehr Risiko wäre auch eine 61 möglich gewesen. Das Material (Flieger von C. Wolf, MB-Motoren, wie alle im Team) war schnell und zuverlässig. Der Flugstil super gut und tief. Das hat den Vorteil, dass man nicht von unten abgeschossen wird. Und Gerald musste einige sehr harte Rennen im Viererpulk bestreiten. Das Team wird seinen Weg machen.

An Norberts MB hat sich das Ausgleichsgewicht in der Kurbelwange gelöst und langsam das Pleuel ausgefräst. Der Motor hat sich aber nicht, wie es fair gewesen wäre nach 9,9 Runden in Rennen 12 mit einem lauten Knall verabschiedet, sondern ist kurz nach dem Anlassen im 13 Rennen abgekackt!
Bei Georg hat sich der Kolbenbolzensicherungsring verabschiedet und einen ziemlichen Totalschaden an dem 450€ Edeltriebwerk angerichtet. Alles in die Plastiktüte und ab zu MB, aber dieser 200er und der Folgende mit dem Ersatzmodell waren dann leider einer zuviel, um eine bessere Mannschaftswertung zu erreichen. Andere Teams wie USA hatten auch Pech und „That’s racing!“

Eine Begebenheit aus dem Voodoo Team ist noch erwähnenswert!

Titel: Angriff auf den Weltrekord
Im 4. Rennen legte Schorsch mit 9,69s eine beachtliche Startrunde hin. Die folgenden Rundenzeiten lagen im niedrigen 6s Bereich. Nach etwa 55s, was ein neuer Weltrekord gewesen wäre, schickte Caller Dieter ( Chef der Voodoo Gang, und König von Bitburg) unseren Schorsch zum Abstellen in den Himmel! Die Zeitnehmer hatten aber erst 9 mal auf die Taste gedrückt und auf dem Terminal wurde das auch sichtbar. So, nun wissen wir, dass eine Fago im Gleitflug etwa 17s für die Runde braucht. Insgesamt waren es dann 78s. Das Team trug es mit Humor und dem Slogan: Der Helfer ist an allem schuld!
Unser Team wurde von Schrauber Nico, Claudia, Peter und dem Wuppertaler Fanclub unterstützt.

7. Russland

K. Krikun/ V. Zharikov; 19; 65,54
A. Kisselev/ I. Maslvsky; 22; 64,63
A. Liontiev/N. Karpov 32; 63.16

Die Russen sind im Kommen. K. Krikun ist auch ein Motorenbauer und hat früher mit IR zusammen gearbeitet. Er war schon oft auf europäischen Wettbewerben zu sehen. Sie bauen eigene Kunststoffmodelle und haben mit IR ihren eigenen Motorenhersteller. Leontiev musste ein 200er in die Wertung einbringen, sonst wären sie vor Deutschland gelandet. Sie waren unsere Nachbarn in der Zeltstadt. Aber die Konversation ist schwierig und es wäre mal interessant, etwas mehr über die Szene in Russland zu erfahren. Im FAI-Kalender war letztes Jahr ein Wettbewerb in Moskau ausgewiesen. So ein Kultururlaub könnte interessant werden.

8. Japan

Y. Sato/ Y. Sugahara; 12; 63,28
N. Cyujo/ Y. Sugahara 17; 62,85
K. Ooi/K. Kawaoku 40;67,73;

Die Japaner kaufen fast jeden F3D-Flieger auf dem Weltmarkt und probieren ihn aus. Um so bemerkenswerter ist die Aussage von Bobo Sato, dass die Wolf Innovation ihm am besten liegt.
Die Japaner können in der Mannschaft immer aufs Treppchen fliegen. Sato und Cyujo haben eine sehr gute Leistung abgerufen. K. Ooi konnte da nicht mithalten und für die Mannschaft zählen alle Zeiten.

9. USA

R. Verano/ R. Holik; 4; 58,26
G. Grunkemeyer/ R. Brown; 30; 59,57;
R. Bridge/ T. Scott; 35; 57,55;

Ein so schlechtes Abschneiden der USA-Mannschaft gab es noch nie! Die Zeiten zeigen, dass die Jungs alle zur Weltspitze gehören. Die nächste WM findet in Muncie/USA statt und ich wette, die USA ist dann mit der Mannschaft wieder ganz vorne. In Amerika spielt es keine Rolle, wer im Team ist. In der Quarter-Midget-Klasse gibt es 30 Piloten, die alle eine WM-Ausscheidung in F3D gewinnen können.

10. Italien

P. Mucedola/ M. Donati; 3; 57,63
C. Perella/S. Paonessa ; 36; 60.36
R. Cavallaro/ L. Salvatore 41; 64,0

Mit etwas Glück wäre P. Mucedola Weltmeister geworden. Er war sehr nah dran! C. Perella ist der Liebling der Zuschauer. Keiner fliegt so tief und so eng um den Kurs und niemand außer ihm schafft es, einen 10cm dicken Eisenpylon mit 340 km/h exakt in der Mitte zu treffen.

11. Großbritannien

P. Bardoe/ B. Lever;26;65,81
P. Board/ ? 33; 66,43
A. Laurie/ B. Illingworth 42; 67,17

GB hatte ein erfahrenes Team zur WM geschickt. Das Wiedersehen mit B. Lever (Caller für Bardoe) hat mich sehr gefreut. Barry war in den 80ern der einzige europäische Pilot, der die Amerikaner ärgern konnte und hat auch den Europa-Cup in Karbach vor zwei Amerikanern gewonnen. Damals ging es mit OPS gegen die Supertigre tuned by Dub Jett. Mal abwarten, ob er wieder in F3D auftaucht. Dean Gibbs hat seine Schnelligkeit auch des öfteren schon auf dem Festland unter Beweis gestellt und es gibt noch Ferguson und Phil Greeno, die auch sehr gut sind!

12. Kanada

H. Sattler/ H. Redekop; 18; 65,72
Z. Dragan/ R. Moldenhauer;23; 68,25

Die Kanadier hatten nur ein Zwei-Mann Team gemeldet! Ich denke, man wird auf der Seite des Team-Managers Mabo (www.supperminnow.com) auch etwas über die WM finden.

13. Spanien

F. Banon/ C.Banon; 39;62,91
N. Yepes/ L. Yepes; 38;64,43
J. Lopes/ F. Lopes;43; 72,38

Die Vater/Sohn-Gespanne aus Spanien sind noch nicht sehr erfahren. Aber eine 62,91 will auch erstmal geflogen werden.

14. Mexiko

J.de la Vega/ L. Larson; 7;61.82,

Mexiko war als 1-Mann Team angetreten. De la Vega ist ein Top Pilot und hatte zur WM bei dem amerikanischen Toppiloten und Modellbauer L. Larson das Komplettpaket, bestehend aus Modelle bauen, vorbereiten und als Caller zur WM reisen, bestellt und kam auf einen hervorragenden 7. Platz!

15: Griechenland

E. Sopeoglou/ M. Doesburg; 25; 63.35

Er wurde kurzerhand in Superglue umgetauft. Seit Melnek hat er sich sehr gut gesteigert.

16. Taiwan

Y-S. Chiang/ T. Fujimoro, 31;69,52;

Die einzige Pilotin im Feld hat sich wacker geschlagen und ist gut geflogen! Ihr Auftritt hätte eigentlich einen Beitrag in der ZDF-Sendung „Mona Lisa“ verdient!

17. Ukraine

V. Soshnin/ O.Glubyev 34; 71.84

Er hat einen eigenen Flieger, setzt auf IR und wird sicherlich das nächste Mal wesentlich schneller sein!

18. Finnland

A. Saikkonen/H. Selkee; 44;68,7;
S. Rippa/ J. Erola; 45; 78,76;

Team Finnland nahm zum ersten Mal an einer Pylon-WM teil und belegte geschlossen die beiden letzten Plätze. Wer lacht da? Es zeigt lediglich, wie anspruchsvoll die Sache geworden ist. Am fliegerischen Können lag es nicht. Die Jungs sind fantastische Rennen geflogen. Oft leider nur acht Runden lang. Ich glaube, Murphys Law ist auch in Finnland bekannt. Auf jeden Fall wissen sie jetzt, warum das Marmeladenbrot immer mit der klebrigen Seite nach unten landet.
Merkt Euch die Namen. Das nächste Mal sind sie mit Sicherheit weiter vorne zu finden!
Sie waren im Zelt unser Nachbar, neben den Russen. Wir hatten also Sichtkontakt zu ihnen und das Verhalten erinnerte an unseren Einstieg in die Pylonfliegerei. Nur damals, vor 20 Jahren, war Vieles noch einfacher! Da kam man mit einem 75s-Schnitt schon oben auf’s Treppchen.

Wie geht es weiter?

Vor ein paar Jahren glaubte ich, 60s seien die Schallgrenze. Nun wurden hie und da auch schon 55s geflogen!
Es ist nur eine Frage der Zeit bis 50s+ geflogen werden.

Was braucht man dazu?
Im Moment ist der MB das Triebwerk der Wahl. Ob Nelson bis zur nächsten WM zum Gegenangriff bläst, wird man bei der US-Ausscheidung sehen. IR und Phelan können sicherlich auch einen Weltmeistermotor bauen. Als Flieger favorisiere ich das Konzept von Harrod, gebaut vom Dagobuilder C. Wolf und lackiert von Sato!


Das Modell des australischen Brüderpaares Harrod ist nach meiner Meinung ideal konzipiert.

Bis hier wäre so etwas ja noch machbar. Die humanen Fähigkeiten mehreren Piloten müsste man kombinieren: Die Angriffslust von Perella, die Coolness von G. Coors, die Daumen von Callow, zusammen mit seiner Familie, die sich um den Rest kümmert. Ein Helfer, der keine Klappen ansagt und trotzdem keinen Meter verschenkt. Etwas monetäre Unterstützung, aber nicht von der Mafia, sondern von einem Sponsorenpool, wie bei Team USA, wäre auch hilfreich. Dann sollte man mal so ein halbes Jahr vor der WM wie ein Sportsoldat mit seinem Helfer und dem Team trainieren können. Jeden Tag Pylonfliegen? Wie lange macht so was Laune?

Weitere Infos und Bilder der WM findet man auf der sehr guten Seite des Veranstalters: http://france-f3dwc.site.voila.fr/
und diese japanischen Seite zeigt super Fotos: http://www.rc-kfc.jp/

Die Seite von Team Germany http://www.f3d-germany.de/

Die nächste WM findet in 2007 in Muncie/USA statt. 2009 wird sich Deutschland, wahrscheinlich Quedlinburg, um die WM bewerben. Unter den aktiven Teilnehmern und Fans wurde das Thema schon eifrig diskutiert, besonders vor dem Hintergrund des hohen Personalaufwands. Bernard hat ungefähr ein Jahr vor der WM mit den Arbeiten begonnen. Die Helfer müssen eine Woche oder mehr ihres Urlaubs einkalkulieren.
Das Zuschauerinteresse in Frankreich war gering. Die verschiedenen Nationen hatten ihren Fanclub dabei und ab und zu sah man auch mal einen interessierten Franzosen. Der Sport ist zwar für die Insider sehr spannend, für den unbedarften Zuschauer sind die Rennen aber alle gleich uninteressant. Ich habe ein Fernsehteam gesehen. Vielleicht bekommen wir den Beitrag von den Franzosen.

Was macht der Autor diese Berichts zur Zeit?

Ich genieße das Leben als Zuschauer auf einer F3D-WM. Wenn man sich nicht auf Wettbewerbe vorbereiten muss, hat man Zeit für andere spaßige Modellflugzeuge.
Das Fliwatüt kann schwimmen, auf Schnee, Sand, Gras und Beton fahren und es kann fliegen!

Ich hoffe, der Bericht gefällt Euch. Ich bin ein Verfechter der positiven Streitkultur und freue mich über jede Form der Kritik. Ich bin auch davon überzeugt, dass das Internet das geeignete Medium für diese Berichterstattung ist. Seit der WM ist nun auch schon wieder eine Woche vergangen. Bis in den Fachzeitungen etwas zu lesen ist, wird noch einige Zeit vergehen und eine Fachzeitung kann nicht so viele Bilder abdrucken, wie sie hier im Net gespeichert werden können.

 

Stand: 01.01.2005