30 Stunden non stop - oder wie lange dauert es,
bis ein Indoorpilot aufgibt

Gernot Steenblock

Erstmalig haben sich drei Autoren an einem Thema beteiligt = drei Sichtweisen zu einem Ereignis - viel Spaß.
Redaktion

1. Indoormarathon in Aldingen

Die Modellfliegergruppe Aldingen (zwischen Tuttlingen und Rottweil) hatte zum 1. Indoormarathon eingeladen. Seitens der Organisatoren war geplant, 30 Stunden zu fliegen, von Samstag 13:00Uhr bis Sonntag 18:00Uhr. Ohne Pause, am Stück, Marathon eben.

Um es vorweg zu nehmen, es ist wirklich ohne nennenswerte Pause geflogen worden. Lediglich am Sonntagmorgen, so zwischen 6:00Uhr und 6:10Uhr war niemand in der Luft. Die Modellfluggruppe Aldingen verwöhnte uns mit dem Platzangebot einer Dreifachturnhalle, 30 Stunden Bewirtung und einer tollen Kameradschaft.
Aber fangen wir der Reihe nach an. Insgesamt kamen 35 Piloten und 2 Pilotinnen nach Aldingen.

Die Indoorpiloten hatten sich, wie abgesprochen, zu über 80% mit dem Knuffel & Co. bewaffnet. Was die Indoorflugshow für die Besucher leider deutlich langweiliger machte. Etwas mehr Abwechslung wäre wirklich nicht schlecht gewesen.

Aber dennoch gab es einiges zu sehen. Für die beteiligten Piloten und die Zuschauern waren die Zagikämpfe der Knüller. Unbestrittener Sieger nach mehreren Runden war Thomas Hert, der einfach die höchste kinetische Energie in seinen Nurflügler packte. Manuel Nübel hatte mehrere Flieger mit Verstellpropeller dabei und sein Start mit dem Schwanz voran ist wohl einmalig. Außerdem brachte Manuel ein zweimotoriges Modell mit Verstellpropeller zum Einsatz.

Beide Motoren lassen sich unabhängig voneinander steuern und das ergibt ein ganz ungewohntes Flugbild. Wer sich das nicht vorstellen kann, sollte sich das Video von Tobias Schnurr ansehen, auf dem Manuel mit seinem Twuffel fliegt (2,5MB).

Sascha Fliegener nutzte den Indoormarathon, um einen Test mit allen Verstellpropellersystemen, die zur Zeit lieferbar sind, zu fliegen. Man darf gespannt sein, was er herausfindet.
Ansonsten hatte Sascha wie immer wunderschöne Depronmodelle dabei, die sich aus dem Einheitsbrei der Kreuzrumpfflieger wohltuend abhoben.
Christian Huber war einer der Piloten, die Kurioses in die Halle brachten. Sein Flugboot „White Shark“ war überraschenderweise das einzige Flugboot bei diesem Event. Ich war mir sicher, dass jeder zweite inzwischen so ein Ding fliegen würde.

Christian hatte seine Scheibe dabei, die wegen ihrer Schubvektorsteuerung etwas Einzigartiges darstellt. Und wenn er mit seinem fliegenden Trabbi hupend an der Zuschauertribüne vorbei flog, war ihm der Applaus sicher.

Etwas Besonderes stellte der 9-Decker von Rainer dar. An jeder Tragfläche mit einem angesteuertem Querruder ausgestattet, hat er insgesamt fast 6 Meter Spannweite, die er in die Halle bringt. Wunderschön anzusehen und ganz filigran gebaut war seine Libelle, die vor allem beim Nachtfliegen durch Ihre Beleuchtung ein einmaliges Bild bot.

Die letzten Zuschauer gingen schließlich so kurz nach 22:00Uhr, doch die Jungs gaben nicht auf. Gegen 4:00Uhr morgens gab es wohl das Highlight des Indoormarathons. Stefan Strobels Ultimate verlor Ihre Tragflächen, was das Gerät aber nicht vom Fliegen abgehalten hat, wie auf dem zweiten Video (4,8MB) von Tobias Schnurr zu sehen ist.

An das fliegerische Können wurden selbstverständlich auch einige Herausforderungen gestellt. Die Röhre ist inzwischen für die einen entweder ein Materialmörder oder für andere Piloten zu einfach.
Neu war auch der Versuch ein Airrace, al la "Red Bull" Tore zu durchfliegen. Dies stellte sich aber als sehr schwer zu fliegen heraus, da die Entfernungen schlecht einzuschätzen sind.

Sascha war der Letzte, der so gegen 7:00Uhr auf die Sprungmatte im Geräteraum gefallen ist.
Rainer war dagegen der Erste, der so gegen 5:30Uhr wieder aufgestanden ist, um zu fliegen.
Und dann gab es noch einen von den Flying Pimps, bei dem ich nicht mal sicher bin, ob er sich noch an seine Aktion erinnert. Ich verschweige hier seinen Namen, um seine Persönlichkeitsrechte zu schützen.
Nachdem sich dieser Teilnehmer (nach reichlich Alkoholkonsum) zur Ruhe begeben hatte, stand er plötzlich so gegen 4:30Uhr auf, schwankte auf seinen Shocky zu, steckte den Akku an, stellte sich auf und dann ein Startversuch. Das Seitenleitwerk war aber schon von Anfang an auf Vollausschlag und so glückte der Start eher nicht.
Er nahm den Flieger auf, betrachtet diesen lange eingehend und schwankend. Dann zog er den Akkustecker, stellte Sender und Flieger wieder auf den Tisch, wankte zu seiner Schlafstätte, legte sich wieder hin und schlief ein.

Alles was passiert ist, kann nicht wiedergegeben werden. Wer alles wissen will, muss eben mitfliegen und darf nie Schlafen.
Genau 5 Personen haben ohne Schlaf durchgehalten.

Wenn alles klappt, ist die nächste ähnliche Veranstaltung für Ende April 2006 terminiert.
In Aldingen könnte man sich übrigens auch vorstellen, so einen Indoormarathon zur jährlichen Aktion werden zu lassen. Und mich muss so oder so keiner Fragen.

Fazit: Ein riesiger Spaß für alle Piloten und Zuschauer. Aber 30 Stunden sind eindeutig zu lang und ich denke, bei nur 24 Stunden würden alle mehr Spaß haben.

Weitere Impressionen auf den nächsten Seiten.

 

Stand: 14.11.2005