Herstellung von Verklebeleisten

Jaromir Ufer

Da ich schon öfter Fragen zu Verklebeleisten (= Blindverklebeleisten, Formüberstandsleisten, Formleisten...) gelesen und gehört habe und das Verfahren nur mit Worten recht schwierig zu beschreiben ist, habe ich mir die Mühe gemacht und ein paar den Text erläuternde Skizzen angefertigt. Auf die im Folgenden beschriebene Weise habe ich meine letzten Verklebeleisten gemacht. Es gibt allerdings noch viele weitere Methoden, um Formleisen herzustellen.

Diese Technik hat bei mir sehr gut funktioniert, ist aber recht aufwendig, da man extra ein Urmodell dafür bauen muss.

Vielleicht bringt diese Dokumentation auch ein bisschen Verständnis bei den Leuten, die noch nicht wissen, was eine Verklebeleiste ist und wofür man sie braucht. Wobei ich auch auf den RC-Groups-Thread verweise, wo es ebenfalls ganz gut erklärt wird.

Als Erstes nehmen wir unsere gewachste Form, für die die Verklebeleisten gemacht werden sollen:

Zunächst wird eine Schicht 2K-Lack (oder UP-Vorgelat, hier rot dargestellt) in die Form gespritzt. Das Warum erkläre ich später:

Jetzt werden neben der Naht mehrere Streifen Klebeband aufeinander geklebt. Die "Klebebandschicht" (grün) muss der Laminatdicke vom Rumpf + der Verklebeharzschicht entsprechen. Was für ein Klebeband genommen wird, ist prinzipiell egal. Am besten ist es, zuerst ein dickes Band zu nehmen, damit man nicht so viele Lagen braucht. Als letzte Lage verwende ich 1x Tesa (o.ä.), weil es selbsttrennend ist. Alle Lagen werden mit etwas Überstand zur Trennebene aufgeklebt und dann mit einem scharfen(!!!) Messer bündig abgeschnitten:

Alle bisherigen Schritte beziehen sich auf beide Formhälften!
Nun kann der Rumpf laminiert...

...und die Form "nass in nass" geschlossen werden:

Nach dem Aushärten wird entformt. Jetzt erkennen wir, warum als Erstes eine Schicht Lack in die Form gespritzt wurde: Wäre das Klebeband unmittelbar in die Form geklebt worden, hätte das Wachs nicht wirklich beim Trennen geholfen und die Klebebandschicht hätte einen Hinterschnitt verursacht, der uns das Entformen erschwert bzw. unmöglich machen würde. Mit der Lackschicht können wir den Rumpf (hoffentlich) problemlos entformen:

Anschließend ziehen wir die Klebebandschicht vom Rumpf ab, wachsen ihn gründlich (mehrmals natürlich) und setzen ihn wieder in die Form. Es ergibt sich an der Trennebene eine Nut, deren Tiefe genau unserer späteren Laminatdicke entspricht:

Jetzt laminieren wir auf einer der beiden Formhälften die Verklebeleisten. Für eine exakte Positionierung empfiehlt es sich, die Passstifte direkt mit abzuformen. Dass dabei etwas Formenharz in die Nut läuft, stört uns nicht:

Nachdem die Verklebeleisten ausgehärtet sind, entformen wir das Ganze wieder...

...und trennen den Grat, der durch das hineingelaufene Harz entstanden ist, ab:

FERTIG SIND DIE VERKLEBELEISTEN!

Die folgenden Skizzen zeigen, wie sie verwendet werden:

Erst ins Negativ lackieren, dann die gewachsten Verklebeleisten aufschrauben:

Die Rumpfhälfte laminieren, evtl. im Vakuum absaugen, und aushärten lassen:

Anschließend die Verklebeleisten abnehmen und sich über den exakt passenden Überstand freuen:

Die Überstände anschleifen (bzw. man hat vorher Abreißgewebe verwendet), mit angedicktem Harz einstreichen und die Form schließen:


Ich hoffe, die Mühe hat sich gelohnt und ein paar Leuten hilft’s bessere und schönere Rümpfe zu bauen!

 

Stand: 09.05.2006