Beim JAF 2005 (Jahresabschlussfliegen)
des RC-Network Modellsport e.V. in Grevenbroich wurde eine Messreihe an
den dort verfügbaren Sendern durchgeführt. Alle Piloten, die ihren
Sender dem Messknecht vorlegten, konnten die Hf-Parameter ihres Senders
überprüfen und dokumentieren lassen. Die gemessenen Daten wurden
protokolliert, um eine spätere Auswertung zu ermöglichen. Diese
Messkampagne soll auch bei zukünftigen RCN-Events weitergeführt
werden, um einen Überblick über die Hochfrequenzparameter möglichst
vieler Sender zu bekommen, aus denen Tendenzen bezüglich der HF-Performance
abgeleitet werden können und um defekte Sender aus dem Verkehr ziehen
zu können. Die gemessenen Parameter beziehen sich hauptsächlich
auf die belegte Bandbreite und die Belastung der Nachbarkanäle durch
ihre Aussendung. Was leider nicht gemessen werden kann, ist die abgestrahlte
Leistung der Sender. Diese Messung ist sehr aufwändig und im Rahmen
eines Flugtages mit den dort zur Verfügung stehenden Mitteln nicht
so realisierbar, dass sich reproduzierbare Ergebnisse ergeben.
Ungeachtet dessen sind aber die erzielten Messergebnisse sicher von hohem
Interesse und in dieser Form und in diesem Umfang bisher noch nicht erfasst
worden.
Neben den HF-technischen Messergebnissen ergeben sich aus der Messaktion
natürlich auch statistische Daten bezüglich Hersteller, Sendertypen,
Modulationsarten und der benutzten Frequenzbänder.
Da dieses die erste derartige Messaktion war und die Anzahl der gemessenen
Sender für eine allgemeingültige Statistik bei weitem zu gering
ist, stellen die Ergebnisse nicht unbedingt einen repräsentativen Querschnitt
dar. Mit weiteren Messaktionen wird die Basis der Statistik aber breiter
werden.
Diese Messung verschaffte all denen, die ihren Sender vermessen ließen,
die Gewissheit, dass ihr Gerät ordnungsgemäß funktioniert.
Andernfalls wurden die Eigentümer auf Fehlfunktionen bezüglich
der HF-Aussendungen hingewiesen.
1 Die Datengrundlage
Getestet wurden insgesamt 63 Sender. Allerdings wurde ein Sender aus
der Auswertung herausgenommen, da dieser einen massiven Defekt des HF-Moduls
hatte und die durch diesen Defekt begründete mangelhafte HF-Leistung
die Auswertung praktisch unbrauchbar gemacht hätte. Daraus erklärt
sich die Diskrepanz der Gesamtzahl der gemessenen Sender und der in der
Auswertung auftauchenden Probanden.
Messausrüstung:
| Spektrumanalyzer: |
Anritsu MS2601 |
| Senderankoppelung: |
Aufnehmerspule (Eigenbau) |
| Ablaufsteuerung der Messung: | Steuerung durch PC via IEC-Bus, eigene Software |
| Protokollierung: | gedrucktes Protokoll jeder Messung |
| Protokollierte Daten: |
siehe Beispiel |

2 Auswertungsergebnisse
2.1 Verteilung der Hersteller:
Die Verteilung der Senderhersteller:

Klarer „Sieger“ ist hier Graupner, was aber jetzt wohl niemand
wirklich überraschen dürfte.
Verteilung der Sendertypen:

Der am häufigsten vertretene Sendertyp war MC3030. Interessant war
auch das Auftauchen einiger „alter Herren“ (FM35 / TM2014)
unter den Sendern.
2.2 Auswertung der benutzten Frequenzbänder

Wie eigentlich zu erwarten, war das 35MHz A-Band überdurchschnittlich
oft vertreten. Es war eben eine Flugveranstaltung.
2.3 Auswertung der benutzten Modulationsarten

Etwas überraschend war die, gemessen an den Möglichkeiten
der vertretenen Sender, überproportional häufige Verwendung
von PPM als Modulationsart.
2.4 Auswertung der Art der Frequenzaufbereitung

Bei der Art der Frequenzaufbereitung dominierte das gute, alte Quarz.
3 Auswertungsergebnisse HF-Messung
3.1 Typische Senderspektren
Aus den gewonnen Messdaten wurden für jede Modulationsart zunächst
die mittleren Spektren errechnet. Diese Spektren sind unten dargestellt.
Bei PCM-G3 gab es allerdings nur einen Probanden, so dass dieses Spektrum
keinen Mittelwert darstellt. In die Plots ist eine Maske eingeblendet,
innerhalb derer sich das Spektrum bewegen sollte. Hier zeigten sich keine
Auffälligkeiten.



Das PCM-G3 Spektrum erscheint etwas „breiter“ als die Spektren
von PPM und PCM. Das liegt in der durch PCM-G3 verwendeten Modulation
(4-Level-FSK) begründet.
3.2 Modulationshub
Das folgende Diagramm zeigt den FM-Hub der Aussendung aufgeschlüsselt
nach Sendertypen.

Die gemessenen Werte bewegten sich im Rahmen der zu erwartenden Werte
3.3 99%-Bandbreite
Die 99%-Bandbreite ist die Bandbreite, innerhalb derer 99% der gesendeten
Leistung liegen und stellt eine Bewertungsgröße für die
belegte Bandbreite dar. Diese Größe wurde vom Spektrumanalyzer
ermittelt und ist unabhängig von der Strahlungsleistung des Senders.
Im unten stehenden Diagramm sind für jeden Sendertyp bzw. jede Modulationsart
die Minima und Maxima der Messungen aufgetragen. Bei den Sendertypen,
von denen nur ein Exemplar gemessen wurde, sind diese beiden Werte natürlich
gleich.
3.3.1 Auswertung nach Sendertyp

3.3.2 Auswertung nach Modulationsart

Die relativ große Spannweite bei PPM erklärt sich aus dem
bei dieser Modulationsart relativ stark vom Modulationsinhalt (z.B. Anzahl
der Kanäle) abhängenden Spektrum.
3.4 Frequenzgenauigkeit
3.4.1 Frequenzgenauigkeit, Auswertung über alle Sender
Hier wurde die Mittenfrequenz der Sender ermittelt. Die Werte wurden
aus den gemessenen Spektrumdaten errechnet, da eine direkte und genaue
Messung der Mittenfrequenz, insbesondere bei PPM, nicht so ohne weiteres
möglich ist.

Das Diagramm zeigt die Verteilung der ermittelten Abweichung von der
nominalen Mittenfrequenzen über alle Sender. Ein Aufschlüsselung
nach Sendertyp oder Hersteller macht hier wenig Sinn, da die Frequenz
eben primär vom Quarz bestimmt wird und nur wenig vom Sendertyp oder
Senderhersteller abhängt.
Es zeigt sich ein leichter Versatz der Ergebnisse nach unten. Hier muss
allerdings bedacht werden, dass auch die Frequenzgenauigkeit des verwendeten
Spektrumanalyzers endlich ist und dessen Frequenzungenauigkeit hier voll
eingeht.
3.5 Nachbarkanalleistung
Dies ist eigentlich der interessanteste Aspekt der Messergebnisse, da
hier abzulesen ist, in welchem Umfang die Nachbarkanäle eines Senders
durch diesen belastet werden. Dazu zunächst eine Erklärung.
Die Auswertung geht davon aus, dass alle Sender 100mW abgestrahlte HF-Leistung
haben. Von dieser Gesamtleistung sollte soviel wie möglich in die
10kHz des benutzten Kanals fallen. In der Realität wird aber immer
ein gewisser Teil dieser Sendeleistung in den benachbarten Kanälen
abgestrahlt. Das ist aus technischen Gründen nicht vermeidbar und
auch bei anderen Funksystemen durchaus üblich.
Dieser Anteil der Sendeleistung in den Nachbarkanälen wird als „Nachbarkanalleistung“
bzw. „Adjacent Channel Power“ (ACP) bezeichnet. Nur sollte
dieser Anteil natürlich so gering wie technisch möglich und
nur so hoch wie unbedingt nötig sein.
Ein Sender, der in den benachbarten Kanälen viel Leistung abstrahlt,
bedeutet für ein System auf diesem Nachbarkanal natürlich ein
höheres Störpotential, als ein Sender mit wenig Nachbarkanalleistung.
Im praktischen Betrieb ist dieser Gesichtspunkt besonders dann von Bedeutung,
wenn man von seinem Modell weit entfernt ist und dabei gleichzeitig nahe
an einem anderen Sender vorbeifliegt. Dann ist das eigene Signal u.U.
sehr schwach und es bedarf nur wenig Störleistung, um die eigene
Funkverbindung zu stören.
Es gibt ja die bekannte Empfehlung, dass beim Flugbetrieb alle Piloten
möglichst eine Gruppe bilden sollten. Die Empfehlung macht sehr viel
Sinn, da dadurch sichergestellt ist, dass jeder Flieger ungefähr
die gleiche Entfernung zu allen anderen Sendern hat und die Signalstärken
aller Sender am Empfänger ungefähr gleich sind. Die unter Umständen
tödliche Situation, dass das eigene Signal sehr schwach und das des
Senders im Nachbarkanal sehr stark ist, kann dann nicht auftreten. Es
spielen dabei auch noch andere Gesichtspunkte eine Rolle, wie die Großsignalfestigkeit
des Empfängers, die hier aber nicht betrachtet werden soll.
Die Darstellung der Ergebnisse erfolgte nach Sendertypen aufgeschlüsselt.
Dargestellt sind jeweils der minimale und maximale Wert der Nachbarkanalleistung
für den unteren und oberen Nachbarkanal. Alle Werte sind auf eine
Gesamtleistung von 100mW normiert.

Das Ergebnis in tabellarischer Form. Diese Tabelle zeigt analog zur obigen
Grafik die Minum- und Maximumwerte für die Nachbarkanalleistungen,
ebenfalls aufgeschlüsselt nach Sendertypen:

Diese Werte stellen die Ergebnisse einschließlich der Abweichung
von der Mittenfrequenz dar. Diese Abweichung schlägt sich in der
Verteilung der Leistungen auf oberen und unteren Kanal nieder. Wenn man
die Messdaten vom Effekt der Mittenfrequenzabweichung bereinigt, ergibt
sich allerdings praktisch das gleiche Ergebnis, so dass hier auf Grafik
und Tabelle verzichtet wurde. Das war zwar ein hoher rechnerischer Aufwand,
hat aber nichts gebracht.
Zur Veranschaulichung der Ergebnisse sollte man sich allerdings vor Augen
halten, dass die absoluten Pegel im Nachbarkanal im schlechtesten Fall
immer noch um ca. den Faktor 4000 unter der Sendeleistung liegen, so dass
auch von dem in dieser Beziehung schlechtesten Sender kaum eine echte
Gefahr ausgeht.
4 Die „Hall of Fame“
4.1 Exoten
Der absolute Exot unter den Sendern war ein Sender für ein Spielzeugauto,
das auf einer 40MHz SRD-Frequenz gearbeitet hat. Dieser Sender ging nicht
in die Auswertung mit ein, da er von den Betriebsparametern doch sehr
weit abseits der Norm lag. Spasseshalber habe ich dem Ding aber trotzdem
mal „unter den Rock“ geguckt. Das Verblüffende war, dass
dieser Sender, obwohl ein Produkt aus dem absoluten Low-Cost-Segment,
mit einer rein digitalen Übertragung (vergleichbar mit PCM) gearbeitet
hat. Bezüglich des Übertragungsprotokolls wird die Standardtechnik
offenbar mittlerweile vom Spielzeug überholt.
4.2 Nachbarkanalbelastung
Das positive und gleichzeitig eines der negativen Highlights war hier
der MC3030. Einerseits als der Sendertyp mit der geringsten und andererseits
mit der nahezu höchsten Belastung der Nachbarkanäle. Erstaunlich
ist, dass dieser Sendertyp eine extreme Streuung bei den Werten der Nachbarkanalleistung
hat.
Hier kommt der wegen eines Defektes aus der Wertung genommene Sender,
der ebenfalls vom Typ MC3030 war, ins Spiel. Dieser defekte Sender hatte
das Problem mit der Nachbarkanalleistung in massivem Umfang. Das Erscheinungsbild
dieses Defektes, dessen Erklärung der vermutlichen Ursache allerdings
abendfüllend wäre, gibt einen Fingerzeig in Richtung eines potentiellen
Problems dieses Sendertyps. Allerdings ist das nur eine auf einer dünnen
Datenbasis beruhende Vermutung. Da müssen erst noch weitere Erkenntnisse
gewonnen werden, um eine fundierte Aussage machen zu können.
Die anderen negativen Highlights waren ein Oldie und ein Flaggschiff
unter den Sendern. Der Oldie war ein Graupner TM2014 aus den grauen Vorzeiten
der R/C-Technik. Nun gut, solchen Oldtimern wird man nicht oft begegnen
und es war auch nur ein Proband vertreten, so dass sich keine allgemeingültige
Aussage über diesen Sendertyp ableiten lässt. Außerdem
mag man dem „alten Herrn“ diese Unart verzeihen.
Das Flaggschiff war ein T14MZ mit PCMG3 als Betriebsart. Diese Anlage
verwendet eine Modulation (4-FSK), die prinzipbedingt ein Spektrum erzeugt,
das potenziell „breiter“ ist als FSK. Hinzu kommt, dass dieser
Sender auch mit sehr viel Hub gearbeitet hat und daher in den Kategorien
Hub, 99% Bandbreite und Nachbarkanalleistung einen Highscore erzielte.
Dabei muss man berücksichtigen, dass diese drei Parameter sehr eng
miteinander verknüpft sind. Auch hier ist festzuhalten, dass nur
ein Proband gemessen wurde und daher das Ergebnis nicht verallgemeinert
werden darf. Sollte sich aber im Rahmen weiterer Messaktionen dieses Ergebnis
bestätigen, sollte Futaba über eine Reduzierung des Modulationshubs
nachdenken; zumindest auf dem europäischen Markt mit seinem 10kHz-Kanalraster.
4.3 Frequenzabweichung
Die tatsächliche Sendefrequenz hängt primär vom Quarz
ab. Deshalb macht eine Aufschlüsselung nach Sendertyp wenig Sinn.
Den Highscore hat ein Sender erreicht, der ca. 1kHz oberhalb der Nominalfrequenz
lag. Der Besitzer hat die Empfehlung: „Quarz ’rausziehen und
wegschmeißen!“ bekommen.
4.4 Modulationsbandbreite
Auffällig war hier lediglich die T14MZ mit PCMG3 als Highscore.
Siehe dazu weiter oben unter Punkt 4.2. Alle anderen Sender gaben da ein
recht einheitliches Bild ab.
4.5 Die Unwissenden
Hier muss ich mal meckern. Was ich als recht erschreckend empfunden habe,
war der Umstand, dass am Messplatz mehr als einer auf der Matte stand,
der etwas falsche Vorstellungen davon hatte, auf welchem Kanal sein Sender
läuft. Bei der Messung fällt das natürlich sofort auf,
ist da aber noch relativ unkritisch. Im realen Flugbetrieb jedoch holt
man damit Flieger vom Himmel. Synthesizer-Sender scheinen, nebenbei bemerkt,
dieses Unwissen noch zu fördern.
5 Fazit
Das Ergebnis der in dieser Form erstmals durchgeführten Messaktion
ist erfreulich. Abgesehen von einem absoluten Ausreißer mit einem
massiven Defekt im HF-Modul, der aber nicht in die Auswertung einging,
waren bei den Probanden keine „großen Sünder“ dabei.
Es ist natürlich klar, dass bei den technologisch sehr einfachen
HF-Modulen eine Streuung der Modulationsparameter unvermeidbar ist. Diese
Streuung zeigt sich dann auch in den Messdaten. Sie liegt aber im Rahmen
der nach oben durch die Belastung der Nachbarkanäle (ACP) und die
Mittenfrequenz und nach unten durch die Performance der Anlage (Hub) vorgegeben
ist. Sogar die „Alten Herren“ unter den getesteten Sendern
konnten neben ihren modernen Nachfahren ihr (schon etwas faltiges) Gesicht
wahren.
Alles in Allem können wir wohl mit den Modulationseigenschaften
der getesteten Sender im Rahmen dessen, was man in Anbetracht der verwendeten
Modulationsarten und Technologien erwarten kann, zufrieden sein.
Diese Aktion soll bei passender Gelegenheit weitergeführt werden.
Damit wird eine breitere Basis für die Auswertung geschaffen und
gleichzeitig an Ort und Stelle den anwesenden Piloten eine direkte Überprüfung
ihrer Sender ermöglicht, um unerkannte Defekte feststellen zu können.
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