Chinese Fast-Food

Uwe Gartmann

ARF 3D-Flieger aus China

Teil 2

Montieren = Bauen?

Der Aufbau des Modells gestaltet sich überraschend einfach. Nachdem Höhen und Seitenleitwerk montiert sind, ist man schon fertig. Nicht mal Klebstoff ist zwingend nötig. Lediglich das Seitenruder musste wegen seiner erheblichen Schwergängigkeit nachgebessert werden. Ich habe es abgetrennt und mit Scharnierpads neu verbunden. Die beiden Ruder werden mit geschlitzten Plastikwinkeln in Position gehalten. Diese können auch weggelassen werden, wenn man die Leitwerke mit geeignetem Kleber befestigt.

 

Vorbereitungen zum Jungfernflug

Wenn das Flugzeug fertig montiert ist, also alle Komponenten an Ihrem Platz sind, wird die Schwerpunktlage überprüft. Doch wo sollte er liegen? In der Anleitung steht kein Wort darüber. Ich habe also blind darauf vertraut, dass er sich an der richtigen Stelle befindet, da ich doch nur die Teile verwendet hatte, die dem Baukasten beiliegen. Es ist also durchaus ratsam, die Position des Schwerpunkts vor dem Erstflug zu ermitteln, damit später, nach eventuell nötigen Reparaturen, die ursprüngliche Lage des Schwerpunkts wieder eingestellt werden kann.

Obschon die Servos bereits betriebsbereit eingebaut sind, sollte man unbedingt ihre Mittelstellungen und Ausschläge kontrollieren. Der Originalsender hat einen so geringen Trimmweg, dass er nicht ausreichte, um das Querruder im Originalzustand in Neutralstellung zu bringen.

Airborne

Der Akku ist aufgeladen und alles ist geprüft. Der Flieger steht auf der Startbahn bereit. Also etwas Gas geben und beobachten, was passiert. Der Flieger rollt los und kann bei etwas Fahrt gut mit dem Seitenruder auf Kurs gehalten werden. Jetzt noch mehr Gas und das Modell hebt ab. Aufgrund der geringen Spannweite und der fehlenden V-Form der Tragfläche fällt eine gewisse labile Gleichgewichtslage um die Längsachse auf. Daher ist konzentriertes Fliegen nötig.

Ab einigen Metern Sicherheitshöhe sinkt meine Anspannung wieder etwas und es ist Gelegenheit, für die obligatorischen Checks. Nach dem Austrimmen schalte ich den Motor ab. Das Modell nimmt sofort die Nase nach unten und sinkt ungewohnt steil. Aber es lässt sich gut abfangen und geht anschliessend in eine Art Sackflug über. Für's richtige Fliegen sind mindestens 1/3 - 1/2 Gas erforderlich. Dafür gelingen ultrakurze Landungen einwandfrei. Das Querruder ist für meinen Geschmack zu nervös. Ich habe darum die Anlenkungen am Servo ein Loch weiter nach innen gehängt. Damit reagiert das Model weicher, die Rollrate ist aber weiterhin ausreichend.

 

Praxis / Fazit

Das Modell fliegt gut, solange Motorleistung zur Verfügung steht. Der verwendete Motor neigt wegen seiner langen Konstruktion leicht zur Unwucht. Der mitgelieferte LiPo-Akku sollte aus Sicherheitsgründen an fremden Ladegeräten höchstens mit dem maximal möglichen Strom des mitgelieferten Steckerladers aufgeladen werden. Der Empfänger hat einen fest eingelöteten Quarz, ein Austausch ist folglich nur mit Lötkolben und Pinzette möglich. Den Originalsender habe ich nach zwei Flügen beiseite gelegt. Eine moderne Computersteuerung mit Expo und grösserem Trimmbereich ist für ein solches Modell viel besser geeignet. Das Fahrwerk, aus Stahldraht gefertigt, neigt beim Starten zum Schwingen und verbiegt sich gerne bei den Landungen. Da es einfach in eine Tasche im Rumpf gesteckt wird, lässt es sich jederzeit herausnehmen und gerade richten. Zum Bodenstart ist eine Straße oder Hartbelagpiste empfehlenswert.

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Ein ferngesteuertes 3D-Modell mit Steuerung und komplettem Zubehör für 200 CHF? Kaum zu glauben, aber möglich. Allerdings entsprechen die verwendeten Komponenten auch diesem Preisniveau. Trotzdem sind die verwendeten Komponenten recht ordentlich aufeinander abgestimmt.

In der Zwischenzeit habe ich einen Modellflieger getroffen, der sich das gleiche Modell mit Steuerung zugelegt hat. Sein Modell weist einen leicht abweichenden Aufbau und eine andere Ausstattung auf. Die Zellen des Akkus haben Abstandstreifchen und die Schutzhülle ist an den Längsseiten offen. Der Motor ist auf einer Art Alukühlkörper montiert. Ob dieser wirklich der Kühlung dient oder nur etwas Blei ersetzt, ist nicht klar. Auch bei diesem Modell war das Seitenruder steif, fast starr, und musste entsprechend abgeändert werden.

Markt

Bei den einschlägigen Anbietern habe ich mittlerweile dieses Modell in diversen Angeboten in verschiedenen Austattungsvarianten gefunden. Ein wirkliches Schnäppchen? Als Ferienfliegerpaket wär's durchaus eines.

Noch ein Wort zur Zielgruppe. Für Anfänger ist die Ausstattung zwar vollständig, aber der Schwierigkeitsgrad beim Bau und Betrieb des Modells ist eher zu hoch (z.B. Seitenruder gängig machen, zu geringe Trimmwege erkennen, Ruderausschläge einstellen usw.). Für gestandene Modellpiloten ist die Ausstattung eher billig, der Anforderungsgrad würde dagegen passen. Was denn jetzt? Hier wird eines dieser China-Phänomene sichtbar. Dinge, die im Betrieb eine erfahrene Hand benötigen, werden zu einem Preis verkauft, der Anfänger anspricht. Da sind Schwierigkeiten, Misserfolg und Frust nicht weit entfernt.

Zum Teil 1

Stand: 24.06.2006