Einstieg in den Seglerschlepp

Jan Schultze-Melling

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Start

  • Der Seglerschlepp ist für den Seglerpiloten nicht besonders schwierig. Bei einem erfahrenen Schlepppiloten handelt es sich sogar um eine der sichersten Startmethoden. Deshalb eignet sich der Seglerschlepp auch besonders gut für Erstflüge.
  • Wenn die Piste ordentlich gemäht ist, brauchen noch nicht einmal die Flächen waagrecht gehalten werden. Wenn die Schleppmaschine anzieht, ist voll Gegenquerruder und ggf. Seitenruder zum Richtungshalten zu geben. Sobald die Fläche waagrecht liegt, wird normal weitergesteuert.
  • Der Seglerpilot sollte kein Höhenruder geben. Das Modell hebt von selbst ab.
  • Die Motormaschine sollte flach abgehoben werden. Nicht zu langsam, um Reserven zu behalten. Aber auch nicht zu lange am Boden halten und zu schnell werden, weil sonst der Segler die Motormaschine übersteigt.
  • Für den Piloten des Seglers kommt es erst einmal darauf an, das Modell nach dem Abheben durch gefühlvolles Drücken im Horizontalflug zu halten, bis die Schleppmaschine vom Boden weggekommen ist. Die Trimmung der Motormaschine orientiert sich am gewünschten Steigen, und das Steigen hängt von der Fluggeschwindigkeit ab. Die Geschwindigkeit des Schleppzugs diktiert die für den Segler am besten geeignete Geschwindigkeit. Die Schleppmaschine muss sich nach dem Segler richten, nicht umgekehrt.


Start! Dank an "Florian K." für das Bild!

Schlepp

  • Der wichtigste Rat zuerst: Die Piloten dürfen ihre Modelle vom Start an keinen Augenblick aus den Augen lassen. Selbst bei großen und stabil fliegenden Modellen muss ständig korrigiert werden. Das gilt besonders für den Piloten der Schleppmaschine. Dieser muss ständig damit rechnen, dass sein Modell durch Lastwechsel beeinflusst wird. Je nach Lage der Schleppkupplung kann die Größe des Schleppwiderstands ein Moment um die Querachse verursachen. Ideal sind Schleppmodelle, bei denen die Lastwechselreaktionen gering sind.
  • Wegen der Konzentration der Piloten auf den Schleppzug kommt der Flugleitung eine wichtige Rolle zu. Da viele Modellflugplätze als Notlandeplätze für die bemannte Zunft ausgewiesen sind, muss der Luftraum gut beobachtet werden, um Gefahren für die Allgemeine Luftfahrt zu vermeiden. Die Piloten des Schleppzugs sind dazu nicht in der Lage.
  • Beim Schlepp gilt: Wenn die Schleppmaschine genug Dampf hat, dann ist der Schlepp um so einfacher, je steiler er ausgeführt werden kann. Das gilt vor allem für Oldtimer, die relativ langsam fliegen und die bei normalen Schleppgeschwindigkeiten in der Regel relativ stark steigen oder sogar strukturell überfordert werden. Solche steilen Power-Schlepps sind gewiss nicht scale, dafür aber sicher.
  • Es wird ausgeklinkt und abgebrochen, wenn etwas passiert, das nicht in Ordnung ist. Alles, was anders ist, als es sein sollte, ist nicht in Ordnung. Es wird ausgeklinkt, BEVOR man versteht, WAS da oben gerade passiert bzw. passiert ist. Wenn man abwartet, bis man versteht, was passiert, kann es bereits zu spät sein. Aus 120m ist man bei einem senkrechten Absturz in weniger als 2s am Boden. Ich weiß, wovon ich spreche...
  • Ausklinken sollte möglichst der Seglerpilot. Wenn der Motorpilot ausklinken muss, besteht die Gefahr, das Seil zu verlieren.
  • Vor dem Ausklinken sollte etwas gedrosselt werden. Die Fullscale-Flieger betätigen die Kupplung übrigens routinemäßig mehrmals. Unmittelbar nach dem Ausklinken dreht der Segler ab. Erst wenn klar ist, dass sich die Modelle getrennt haben, geht auch der Schlepper in den Sinkflug.
  • Für die Schleppmaschine gilt – wenn sie nicht gnadenlos überpowert ist: Vollgas! Es wird nicht gedrosselt. Wird die Geschwindigkeit zu groß, wird der Steigwinkel vergrößert.
  • Der Segler kann das Einziehfahrwerk ausgefahren lassen - das erhöht den Luftwiderstand und bremst, wodurch bei Modellen mit "modernen" Vorbildern auch das Risiko des Überholens der Schleppmaschine vermindert wird.
  • Nach dem Abheben empfiehlt es sich, die erste Kurve nicht zu spät einzuleiten. Der Schleppzug gerät dadurch nicht zu weit weg. Man hat von der Seite einen erheblich besseren Blick auf den Zug und kann die Schleppgeschwindigkeit gut beurteilen.

Flugstrategie für Anfänger und effektive Schlepps

Anfängern kann vom Piloten der Schleppmaschine geraten werden, den Segler während des gesamten Schlepps einfach gelevelt (=horizontal) zu halten und keine Kurve aktiv mit zu fliegen, sondern sein Modell „in die Kurve“ ziehen zu lassen. Das sieht nicht ganz so gut aus, sorgt aber dafür, dass der Segler die Kurven nicht aus Versehen innen fliegt und das Seil straff bleibt. Die Schleppmaschine gibt den Kurs vor und sorgt durch großräumige Kurven für die Richtungswechsel.

Der Seglerpilot hält mit dem Querruder sein Modell IMMER gelevelt. Der Steigwinkel wird mit der Höhenrudertrimmung(!!) eingestellt. Wenn man das Anfängerstadium verlassen hat, kann man mit dem Seitenruder den Kurvenradius mitfliegen. Vor dem Einleiten einer Kurve gehört der Segler niemals nach innen, sondern NACH AUßEN. Gerät der Segler in einer Kurve nach innen und droht die Schleppmaschine einzuholen, ist das ein Indikator für das sofortige Ausklinken. Klinkt der Segler nicht aus, vielleicht weil sein Pilot starr vor Schreck ist, macht das der Pilot der Schleppmaschine. Lieber ein verlorenes Schleppseil als eine Rumpfbeschädigung durch einen zu kräftigen Ruck.

Ich ziehe es vor, nach dem Abheben und nach etwa hundert Metern Geradeausflug in einer sehr großen 90°-Kurve abzubiegen und so Distanz zum Pilotenstandort aufzubauen. Dann erfolgt nach ca. 300m die nächste Kurve, diesmal deutlich mehr als 90°. Mein Ziel ist es, den Schleppzug in einem schrägen Winkel dem Pilotenstandplatz anzunähern und in sicherer Entfernung daran vorbei zu fliegen. Wenn man ungeübt ist, sollte man tunlichst nicht direkt auf sich zu fliegen, da man dabei leicht senkrecht über sich gerät. In dieser Position kann man nur schlecht erkennen, was der Schleppzug macht. Aus diesem Grund sind große Achten in sicherer Entfernung zu empfehlen, die vor dem Pilotenstandplatz geflogen werden ("....großräumig vor dem Wind kreuzen.").

Diese Strategie empfiehlt sich für ungeübte oder sehr effektive Schlepper, denen es nicht auf "Schönheitspreise" ankommt. Fortgeschrittene und Wettbewerbsflieger werden eine andere und erheblich anspruchsvollere Strategie wählen.

Flugstrategie für Fortgeschrittene und Wettbewerbsflieger

Das großräumige Kreuzen vor dem Wind in größerem Abstand und nicht zu steil über sich, ist einfacher als das viel schwierigere Fliegen von präzisen 90°-Kurven. Es gehört viel Können dazu, saubere Rechtecke (sog. Patterns) zu fliegen. Deshalb ist das nur etwas für sehr erfahrene oder glückliche Schleppgespanne. Bei geringerer Erfahrung oder fehlendem Glück kommt es leicht zu Flugfehlern.


Dank an "Florian K." für das Bild!

Nach der Ausschreibung des DMFV ist allerdings im Wettbewerb zur Deutschen Meisterschaft im Seglerschlepp genau das gefürchtete "rechteckige" Fliegen gefordert. Zitat aus dem Programm:

Platzrunde
Diese Figur schließt sich direkt an den Start an und beginnt mit dem Einleiten der ersten 90°-Kurve. Vor dem Einleiten der nächsten 90°-Kurve muss ein sichtbarer Geradeausflug erfolgen. Nach der zweiten Kurve ist mit dem Wind ein Geradeausflug zurückzulegen, bevor die dritte 90°-Kurve eingeleitet wird. Zwischen der 3. und 4. 90°-Kurve ist wiederum sichtbar geradeaus zu fliegen. Nach der letzten Kurve soll sich der Schleppzug wieder im geraden Anflug parallel zur Startrichtung befinden. Die Figur endet nach der letzten 90°-Kurve (siehe Skizze 2.). Die Platzrunde wird nicht angesagt.
Bewertungsgrundlagen:
Der Schleppzug soll sich während der Platzrunde in ruhiger, dem Original entsprechender Fluglage befinden, d.h. er soll stetig steigen, die Geschwindigkeit soll konstant sein und dem Vorbild entsprechen, das Segelflugmodell soll stets etwas höher als das Motorflugmodell fliegen. Die Kurven sollen weiträumig geflogen werden, die Geraden nach der ersten und nach der dritten 90°-Kurve sind nicht gleich lang. Motor- und Segelflugmodell sollen genau hintereinander fliegen.


Quelle: Ausschreibung DMFV

Dieses Programm erscheint relativ einfach zu sein. Probiert das saubere Fliegen aber einmal aus. Selbst alterfahrene Schlepppiloten, die vielleicht tausend Schlepps "auf dem Buckel" haben, werden sich damit schwer tun, wenn sie nicht mehr ihren "Stiefel" fliegen können, sondern ein präzises Flugprogramm abfliegen sollen. Ein wertvoller Tipp: Ein erfahrener Pilot einer Schleppmaschine kann, insbesondere senkrecht über sich, oft lediglich am Motorgeräusch schon erkennen, wie schnell der Zug ist und ob er mehr ziehen sollte oder bereits zu langsam ist.

Viel Spaß beim Üben!

Seilabwurf

Die Landung der Schleppmaschine sollte nie mit Seil erfolgen. Das Schleppseil sollte möglichst vorher abgeworfen werden. Wenn mit Schleppseil angeflogen wird und sich das Schleppseil im Endanflug irgendwo richtig verfängt, desintegriert sich die Schleppmaschine - ein solches Modell sieht aus, als ob eine Handgranate darin explodiert wäre.

Bei Notabwürfen - wenn Motormaschine und Segler gleichzeitig ausklinken - macht es sich gut, wenn ein Dritter gebeten wird, das abfallende Seil im Auge zu behalten. Eine auffällige Färbung des Seils hilft bei der Suche.

Niemals das Schleppseil über der Piste abwerfen. Der Pilot der nächsten Motormaschine wird es danken.

Nach der Wettbewerbsausschreibung des DMFV ist ein gezielter Seilabwurf nach Gegenanflug, Queranflug und Endanflug gefordert:

Seilabwurf
Der Seilabwurf beginnt nach dem Kommando - Seilabwurf jetzt - mit einem Gegenanflug parallel zur Landebahn in Höhe der Platzmitte. Nach einer 90°-Kurve folgt der Queranflug, dem wiederum eine 90°-Kurve folgt. Nach Beendigung der Kurve soll sich das Modell in direktem Anflug auf die Landebahn befinden, um das Schleppseil in einem der Landefelder abzuwerfen. Während des Endanfluges (ca. 50m davor) muss das Modell in gleich bleibender Höhe geflogen werden. Nach dem Abwerfen des Schleppseils erfolgt ein kurzer, gerader Steigflug bis zur Mitte des Platzes, dem wiederum eine 90°-Kurve mit einem Querabflug folgt. Die Wertung endet mit dem Einleiten der 90°-Kurve zum Landeanflug. Entsprechend der Lage der Markierung werden die Wertungspunkte vergeben. Berührt das Schleppseil vor dem Ausklinken den Boden, erhält der Teilnehmer für den Zielabwurf (Wertungsfeld) 0 Punkte. Kommt das Seil außerhalb der Wertungsfelder zu liegen wird der Anflug gewertet. Wird das Seil nicht abgeworfen oder befindet sich beim Seilabwurf kein Seil mehr an dem Motormodell, so wird diese Figur mit Null bewertet . Eine Nullwertung gibt es ebenfalls, wenn das Schleppseil außerhalb der Platzbegrenzung (gemähter oder speziell markierter Bereich) abgeworfen wird.
Bewertungsgrundlage:
Während des Anflugs ist besonders darauf zu achten, dass sich das Motormodell stets im gleichmäßigen Sinkflug befindet. Im Endanflug geht der Sinkflug in einen Horizontalflug mit Zunahme der Geschwindigkeit über. Ab dem Abwurf des Schleppseils soll ein gleichmäßiger Steigflug bis zum Erreichen der Landeanflugshöhe erfolgen. Dabei erfolg ab der Platzmitte ein Querabflug wie in Skizze 3 dargestellt. Die Figur endet mit der Einleitung der 90°-Kurve zum Landeanflug.


Quelle: Ausschreibung DMFV


Anflug einer "fullscale" Klemm 35 zum Seilabwurf vor der der Kulisse der Burg Teck auf der Hahnweide

Weiter im Wettbewerbsprogramm...
Landeanflug und Landung des Motormodells sowie Zeitflug, Landeanflug und Landung des Seglers sollen hier nicht weiter kommentiert werden. Es wird auf die geltende Ausschreibung verwiesen.

In der Ruhe liegt die Kraft!

Der Pilot der Schleppmaschine sollte sich für jeden Schlepp die nötige Ruhe gönnen. Wenn der "Bart" steht und plötzlich fünf Segler gleichzeitig in die Luft wollen, kommt leicht Hektik auf. Dann wird auch einmal darauf verzichtet, das Seil abzuwerfen und mit Seil gelandet. Schleppseile werden falsch eingeklinkt und dabei versehentlich nur in der Kupplung eingeklemmt, so dass sie sich beim ersten leichten Ruck lösen. Es wird das Tanken vergessen oder leichte Schäden werden übersehen usw. Für die Sicherheit muss man sich Zeit nehmen!

Bitte bei jedem Tanken das Modell auf Schäden untersuchen! Unsere Modellmotoren erzeugen bei Volllast erhebliche Vibrationen, was immer wieder zum Ausfall wichtiger Bauteile und damit zum überraschenden Ableben der Modelle führt. Auch kann das Schleppseil bei Rucks an der Rumpfstruktur im Bereich der Schleppkupplung oder auch am Leitwerk Schäden anrichten.

Die erste von zwei Gretchenfragen: Wie haltet Ihr es mit den Kosten?

Es gibt die unterschiedlichsten Regelungen, wie die Anschaffungskosten für die Schleppmaschine und die Betriebskosten für Sprit, Öl, Propeller, Reparaturen, Unfallschäden usw. umgelegt werden.
Es gibt Maschinen, die einzelnen Vereinsmitgliedern gehören, Haltergemeinschaften von mehreren Vereinsmitgliedern und Vereinsmaschinen.
Es ist erfreulich, wenn Sprit und Latten aus der Vereinskasse bezahlt werden. Tipp: Sicherheitshalber sollte dazu ein Beschluss der Hauptversammlung eingeholt werden.
Erfreulich ist es auch, wenn sogar Schäden aus der Vereinskasse bezahlt werden. Eine solche Regelung wird jedoch meist dahingehend eingeschränkt, dass nur dann gezahlt wird, wenn kein grober Unfug oder keine Fahrlässigkeit (z.B. Alkohol!) im Spiel waren.

Die zweite Gretchenfrage: Wie haltet Ihr es mit dem Risiko?

Auch auf diese Frage gibt es viele Antworten. Je nach Tagesform der Flugleiter werden auf den Modellflugplätzen teilweise haarsträubende Dinge geduldet. Zu empfehlen ist, dass der Flugverkehr während des Schleppverkehrs eingeschränkt wird. Beim Scheitern eines Schlepps muss mit Notlandungen nach frühem Ausklinken gerechnet werden. Da stören Funflyer oder Anfängersegler in der Platzrunde. Während des Schlepps sind alle Lärmquellen störend. Insbesondere "quäkende" Helis in der Nähe des Pilotenstandorts sind eine starke Störquelle. Es ist hilfreich, wenn beim Start des Schleppgespanns die Hubis landen und ihre Drehzahl reduzieren und erst nach Erreichen der Sicherheitshöhe oder sogar nach der Landung der Schleppmaschine wieder starten. Im Zweifel sollte auf "Mischbetrieb" verzichtet werden.
Jegliche Risiken sollten vermieden werden. Es gilt immer: In einem Schleppzug trägt man als Pilot der Schleppmaschine nicht nur für das eigene Modell, sondern auch für das Modell des Seglerpiloten Verantwortung. Deshalb: Kein Risiko!

Mehr Informationen...
...sind unter anderem auf der empfehlenswerten Seite des Fachreferenten für Seglerschlepp im DMFV e.V., Andreas Schupp, zu finden: www.seglerschlepp.de. Dort findet Ihr insbesondere auch einen Hinweis auf den Termin der jährlichen Internationalen Deutschen Meisterschaften. www.seglerschlepp.de/termine. Ich empfehle insbesondere die Lektüre der aktuellen Wettbewerbsausschreibung.

Abschließender Kommentar

Seglerschlepp ist eine anspruchsvolle Sparte unseres schönen Hobbys. Präzises und gerades Fliegen, Beherrschung der Technik und Teamgeist sind gefordert. Es macht großen Spaß. Deshalb kann ich es jedem empfehlen.

Stand: 28.05.2006