Der Graf und seine Flieger

Gernot Steenblock

Unter dem Titel "Zeppelins Flieger" begann am 29. Juni 2006 eine Sonderausstellung im Zeppelinmuseum in Friedrichshafen.

Wenn Graf Zeppelin die Ausstellung "Zeppelins Flieger" sehen könnte, wäre er gewiss begeistert. Zeigt diese Ausstellung doch, dass der Graf nicht nur die Entwicklung der Fluggeräte leichter als Luft förderte, sondern auch junge Ingenieure mit teilweise beachtlichen Geldbeträgen unterstützte. Er hatte Visionen von Fluggeräten, mit denen hätten sich, wären sie alle verwirklicht worden, enorme Lasten und viele Passagiere über große Entfernungen transportieren lassen.

Nachdem die Luftfahrt mit Fluggeräten schwerer als Luft gerade mal die ersten Hüpfer von Otto Lilienthal (1891) verbuchen konnten und alle auf der Suche nach dem ersten motorisierten Fluggerät waren, unterstütze Graf Ferdinand von Zeppelin den jungen Flugzeugbauer Ludwig Rüb mit der damals riesigen Summe von 30.000 Reichsmark. Rüb arbeitete von 1899 bis 1902 an einem Schaufelradflieger, der aber über das Modellstatium nie hinaus gekommen ist. Rüb war kein Flugzeugbauer im heutigen Sinne, er war ein Flugzeug-Utopist. Ein "Tragdeckschaufelradflugzeug" wollte er bauen und wer dieses Wort bereits für skurril hält, der hat das zugehörige Flugzeugmodell in der Sonderausstellung noch nicht gesehen. Dass die frühe Sponsorentätigkeit Graf Zeppelins - sogar der mit Rüb geschlossene Vertrag ist ausgestellt - und Rübs Flugzeugentwurf präsentiert werden können, ist nicht selbstverständlich. Bis vor fünf Jahren hatte man noch nicht einmal eine Vorstellung davon, wie Rübs Flugzeug ausgesehen haben sollte. Doch dann tauchte der Nachlass dieses gescheiterten Pioniers auf, das Zeppelin-Museum erstand ihn und fand darin eine Zeichnung, nach der das Modell für die Ausstellung angefertigt wurde.


Ob diese Konstruktion jemals geflogen wäre?

Zeppelin war ein Mäzen. Er förderte das Flugzeug als Technologieträger im Ersten Weltkrieg und auch die Dornier Flugzeugwerke gingen auf den Grafen zurück. Erst mit dem Bau der Dornier Wal und mit dem Erlös der Lizenzverkäufe dieses Flugbootes konnte sich Claude Dornier vom Zeppelinkonzern lösen und selbstständig werden.

Ein unkritisches Hohelied auf die Technikgeschichte singt "Zeppelins Flieger" nicht: Die Flugzeugmodelle der im Dritten Reich gebauten Dornier-Bomber stehen auf Glasscheiben, die von Lichtblitzen erhellt werden - ein Flackern wie von Bombeneinschlägen. Zudem kommen die Dornier-Zwangsarbeiter von damals zu Wort: Über Kopfhörer schildern vier von ihnen ihre Erfahrungen. Nur ein schlichtes Exponat illustriert ihre Not: Ein armseliger Essteller aus demselben Aluminium, aus dem bei Dornier die todbringenden Flugzeuge gebaut wurden.

Die Rundreise durch die Ausstellung und die Firmengeschichte endet beim Airbus A380; denn im heutigen EADS-Konzen finden sich einige Firmen, die es ohne die Visionen des Grafen nicht gegeben hätte.

Aber lassen wir Bilder sprechen:


In der Eingangshalle wird man auf das Thema eingestimmt


Nochmal das Wunderwerk von Rüb


Solche Flugzeuge entstanden am Bodensee


Original Windkanalmodell vom Zepp C.II


Original Steuerrad der FF49C


Die FF 49C im Design der schwedischen Marine


Die Zeppelin Staaken R.VI ist detailgetreu im Maßstab 1:6 zu sehen


Die Staaken E.4/20 durfte noch nach dem Krieg unter Aufsicht fertig gebaut werden, um dann direkt verschrottet zu werden


Komet II von 1922


Dornier Merkur 1 mit Schwimmern


Dornier Delphin III (1929)


Nachbau des legendären "Amundsen Wal" in 1:50


Die Stereofotografien vom Wal und der Do-X sind sehr beeindruckend


Orginalgeschrirr aus der DO-X


Wärend des zweiten Weltkriegs war die Endfertigung der Messerschmitt "Gigant" am Bodensee angesiedelt


Erste Pläne und Entwürfe für ein Großraumlastflugzeug für die Zeit nach dem Krieg, an dem ab 1943 gearbeitet wurde. Zeppelin SNCASO ZSO 523. Die Ähnlichkeit zum Gigant ist unübersehbar.


Noch ein Projekt aus dem Hause Zeppelin für die Zeit nach dem Krieg. Entwurf 1945


Zu diesem Vogel muss wohl nichts gesagt werden


Größenvergleich: v.l.n.r. R VI / DO-X / Airbus A 380 / LZ 129


Der eigentliche Star der Ausstellung, eine Dornier Libelle II


Das zweitälteste, erhaltene Dornierflugzeug der Welt. Eine Leihgabe der Familie Dornier an das Deutsche Museum in München. Die guten Verbindungen zur Familie Dornier machten diese Leihgabe erst möglich.

 

 

Stand: 05.07.2006