Teil 1: Reglement und Rückblick
Teil 2: Ergebnisse der
Speedwettbewerbe und technische Angaben
Teil 3: Speed-Geschichte
in Bildern
Teil 4: Galerie der Speedmotoren
Vorwort
Während die sog. „Freaks“ meist voll im praktischen
Geschehen des „Speed-Fliegens“ bzw. der Pylon-Szenerie involviert
sind und somit wohl auch den aktuellen Wissensstand intus haben dürften,
ist dieses Gebiet jedoch für viele interessierte „Normal-Modellflieger“
(was ist auch da eigentlich schon normal ??) nicht immer klar überschaubar.
Da aber auch im heutigen Bereich des Speed-Geschehens häufig Unkenntnis
in Bezug auf die Vorgeschichte und das Reglement sowie der Wettbewerbs-
und Rekord-Bestimmungen bestehen, möchte ich hier versuchen, soweit
möglich und auch bekannt, mit einer weitestgehend fundierten, chronologischen
Abfolge einiges zu den vorgenannten Themen beizutragen. Das Hauptaugenmerk
liegt nachfolgend auf verbrenner-getriebenen Propeller-Flugmodellen. Natürlich
ist es auch mir nicht möglich, das „nationale Speed-Geschehen“
oder gar das „-Weltgeschehen“ bis in die kleinsten Einzelheiten
auflisten zu können und eine Doktor-Arbeit sollte es ja ohnehin nicht
unbedingt werden. Sofern anschließend von dem einen oder anderen
Insider jedoch noch grundlegende Ergänzungen oder Änderungen
hierfür beizutragen sind, werde ich diese natürlich von Zeit
zu Zeit sehr gerne mit einfließen lassen! Da man bei dieser Fülle
von Geschehnissen immer auch übers „Busch-Telefon“ auf
Informationen von anderen angewiesen ist, lasse ich es jeweils deutlich
anklingen, sofern ich mir über den „Wahrheitsgehalt“
verschiedener Aussagen selbst nicht ganz sicher bin (es wird selbstredend
ja häufig viel Unsinn gequatscht und auch bei der Weitergabe oft
mal noch „eins draufgelegt“).
RC-Speed hat mich persönlich immer schon im Besonderen interessiert,
weshalb ich diesem „Wahnsinn“ (Zeit – Geld – Hirn),
natürlich mit den sich mehr oder weniger zwangsweise ergebenden Pausen
und auch Wettbewerb hin oder her, verbunden bleiben werde. Das nachfolgende
„schriftstellerische Gesamt-Werk“ ist im Verlauf der Erstellung
nun doch unvorhergesehen immer weiter angewachsen, so daß sich zwangsläufig
eine Gliederung wie folgt ergeben hat:
- Ergebnisse und techn. Angaben (soweit noch nachvollziehbar)
- Bilder-Galerie
- Bilder früherer Speed-Motoren
- Antriebs-Optimierung (vielleicht später irgendwann
einmal !!)
Der letzte Punkt in Bezug auf Motor-Tuning ist zwangsläufig eine
„unendliche Geschichte“ und dürfte üblicherweise
Widerspruch, Zustimmung und kontroverseste Diskussionen gleichzeitig hervorrufen.
Unterschiedliche Erfahrungen einzelner, vielfach falsch Geschriebenes
und wiederum unbesehen so Hingenommenes und Weiterveröffentlichtes
sowie übertriebenes Wunschdenken müssen oftmals nüchternen
Tatsachen weichen die zu dem Ergebnis führen, daß es auf „breiter
Tuner-Front“ nun mal keine Wunder gibt. Eines sollte jedoch grundsätzlich
klar sein: Ein vollständig eingelaufener, fachmännisch und sorgfältig
behandelter und vor allem optimal abgestimmter Original-Motor, speziell
in Bezug auf Sprit, Resorohr und Propeller, ist in der Regel die bessere
und hilfreichere Variante als ein in Eigenregie ohne notwendiges Hintergrundwissen
„tot-getunter Super-Motor“. Nur wer weiß was zu verändern
ist und auch die technischen Möglichkeiten dazu hat, kann entsprechende
Leistungs-Steigerungen erzielen – allerdings, aus einem VW-Käfer
läßt sich nun mal kein Ferrari machen und der Serien-Ferrari
selbst schafft letztendlich auch keine 450 km/h! Alle „Modell-Motoren-Spezialisten“
haben in ihrer Tuner-Laufbahn durchweg, teils auch vielfach, Lehrgeld
zahlen müssen (gleichzusetzen mit: Teile- oder Motor-Neukauf) –
wem dies allerdings bewusst ist: „Dann ab in die Werkstatt und Fräser
auf Höchsttouren“ !!
Wie bereits gesagt, die „Neuzeit“ des Speed-Geschehens muß
hier nicht so umfangreich kommentiert werden, den meisten ist die momentane
Situation bestens bekannt und das Internet bietet jetzt ja auch reichlich
Gelegenheit zur Information. Ich selbst hatte bislang wenig Zeit und zugegebenermaßen
auch Lust, mich regelmäßig mit Foren zu beschäftigen -
es gibt in diesem Bereich sicherlich viele interessante Dinge und Themen,
aber (leider) auch nicht selten für die wirklich interessierten Foren-Besucher
„inhaltsloses BlahBlah oder alternativ auch RhabarberRhabarber“
(Verzeihung, aber es stimmt), was wirklich niemanden sonst interessiert
und besser ausschließlich im privaten E-Mail-Bereich abgearbeitet
werden sollte. Man möge es mir nachsehen wenn ich meine knapp bemessene
Freizeit anderweitig nütze, sei es eben für Urlaub, Basteln
oder auch „wie man ein Modell schneller machen kann“. Wer
mich trotzdem kontakten möchte in Bezug auf Kritik, Anregung oder
auch Fragen: daeub@web.de - mittelschnelle
oder gar schnelle Antworten (hähähä) sollte jedoch im Normalfall
dann auch niemand wirklich erwarten (insbesondere in der Sommerzeit –
Bardolino lässt grüßen)!
Reglement: FAI / DMFV / Vereins-Veranstalter
Häufig kann man in Zeitschriften und jetzt natürlich auch im
Web über unglaubliche (und womöglich auch „Phantasie-„)
Geschwindigkeits-Ergebnisse lesen, die irgendwer irgendwo irgendwann und
irgendwie erreicht und wie (mehr oder weniger) genau evtl. gemessen hat.
Ohne diese tollen Erfolge auch im entferntesten schmälern zu wollen,
muß es dann natürlich auch irgendwelche Bedingungen geben,
unter deren Vorgabe diese Höchstleistungen erreicht worden sind -
und die gibt es auch. Grundlegend muß man im Bereich des sportlichen
Vergleichs von drei unterschiedlichen Systemen bzw. Reglements ausgehen.
Zum ersten und zugleich am wichtigsten und beständigsten, sind die
weltweit einzig gültigen Rekord-Bestimmungen des Sporting-Code der
FAI (in Deutschland durch den DAeC vertreten). Zum zweiten nebenher in
den 70er und 80er Jahren speziell nur bei uns in Deutschland auch noch
nach den davon unabhängigen Bestimmungen des DMFV-Speed-Cups und
letztendlich zum dritten nun seit 2004 nach Vorgaben einzelner, den Speed-Wettbewerb
austragender Vereine (derzeit bislang Osnabrück-Achmer und Dachau).
Nur unter Rekord- oder Wettbewerbs-Bestimmungen oder –Messungen
ist ein klares Ergebnis bzw. ein eindeutiger Vergleich möglich.
Rekorde nach FAI
Die FAI (Weltverband) ist die Dachorganisation des gesamten internationalen
Luftsports und somit auch der Modellflieger im sportlichen Bereich; bei
uns national durch den DAeC (Deutscher AeroClub eV.) vertreten, dem in
Deutschland bislang allein die Sporthoheit im Luftsport (Sport-Lizenz
!) übertragen ist. In den Statuten der FAI (Sporting-Code) bzw. in
der „BeMod“ des DAeC (Modellsport-Ordnung – als CD-Rom
zu erwerben) sind unter „Abschnitt KZF 43-7“ die Rekord-Bestimmungen
veröffentlicht, nach denen Höchstleistungen (Weltrekorde, Nationale
Rekorde) in allen Bereichen des Modellsports weltweit gleich anerkannt
werden. Diese Bestimmungen werden natürlich im Lauf der Zeit durch
Veränderungen den Gegebenheiten angepaßt und sind derzeit für
unsere Belange, also der Höchstgeschwindigkeit von verbrennungsmotor-getriebenen
Propeller-Flugmodellen in gerader Linie der Kategorie „F3-145“
im großen und ganzen wie folgt beschrieben:
Mitgliedschaft im nationalen AeroClub (hier: DAeC)- Pilot muß Erbauer des Modells sein
- Flugmodell max. 75 g/dm Flächenbelastung (ohne Treibstoff)
- Modell-Gewicht max. 5 kg (inkl. Treibstoff)
- Motor-Hubraum max. 10 ccm
- Mess-Strecke 200 m, Einflug-Strecke 100 m, während dieser beiden
Strecken
- Flughöhe min. 5 m und max. 35 m
- Zeitmessung (elektronische Erfassung) jeweils bei Ein- und Ausflug
der 200 m-Mess-Strecke
- das Mittel aus den zwei Geschwindigkeiten von beiden Durchflügen
(jede Richtung) über die Grundlinie zur Zeitnahme ergibt die Rekord-Geschwindigkeit.
- bei Geschwindigkeiten über 300 km/h sind Zeitmessungen von Hand
nicht mehr erlaubt, sondern nur noch ausschließlich automatische
Verfahren. deren Genauigkeit auf min. 1/100 sec. bescheinigt sein muß
– das System muß ordnungsgemäß in der Rekord-Akte
beschrieben sein und (vor allem) von der Nationalen Luftsportkontrolle
des Antragstellers (DAeC) „anerkannt und zugelassen“ sein
(was immer das in der Praxis dann genau bedeuten mag !)
- Rekord-Akte muß unter anderem enthalten: Bescheinigte (!) Vermessung
der Strecke
- Anwesenheit von (vom DAeC) anerkannten Sportzeugen/Funktionären
- Rekord-Versuch muß beim DAeC angemeldet sein.
Wenn man sich nun, abgesehen von den notwendigen Sportzeugen, Funktionären
und sonstigen Helfern, lediglich über das (zugelassene !) Zeitmess-System
Gedanken macht wird man wie bisher so oft zum Schluß kommen, daß
der erforderliche Aufwand für einzelne Modellflieger fast nicht zu
stemmen ist – deshalb hält der bestehende „offizielle
FAI-Weltrekord“ ja auch bereits seit 1971. Zur damaligen Zeit war
noch „Hand-Stoppung“ mit 2 getrennten, einfachen Mess-Systemen
möglich, deren beide gemessenen Durchflug-Zeiten nicht mehr als 1/10
sec. differieren durften, momentan sind’s 1/20 sec – bei Geschwindigkeiten
über 300 km/h müssen jetzt jedenfalls (was unser Anliegen ja
betrifft) Ein- und Ausflug der 200 m-Mess-Strecke elektronisch erfaßt
werden. Auch die Kosten eines solchen Vorhabens müssen in die Überlegungen
einbezogen werden – Mess-Anlage, Helfer, Funktionäre usw.;
auch wenn das eine oder andere „zum Freundschaftspreis“ gehen
mag dürfte so ein zukünftiger Rekord-Versuch wohl nur wie bereits
1968 in Harsewinkel wieder in Gemeinschafts-Leistung und in Form eines
kleinen aber eben spezialisierten Wettbewerbs erfolgen können.
Lt. Überlieferungen wurde für den österreichischen Segler-Geschwindigkeits-Rekord
1977 (siehe nachstehend) eine TV-Video-Messanlage durch einen Techniker
der Fa. Heuer wie folgt aufgebaut: Am jeweiligen Beginn und Ende der
Mess-Strecke rechtwinklig zur Flugrichtung zwei zum Peilstab zeigende
Video-Kameras mit jeweils paralleler Einblendung ins Bild einer Uhrzeit
mit 1/100stel-Auflösung
(zentrale Uhr). Bei der späteren Auswertung erfolgte die Ablesung
der Uhr genau bei Ein- und Ausflug des Modells von der Mess-Strecke über
Standbilder beider Video’s. Diese Anlage soll nur für den
Rekord-Versuch so zusammengestellt worden sein, und das gab’s
damals nicht zum Schnäppchen-Preis (irgendwas über 10.000
DM war da im Gespräch)!
Allerdings müßte heutzutage mit den fortgeschrittenen Elektronik-Möglichkeiten
sicher ähnliches DAeC- bzw. FAI-konform günstiger zu verwirklichen
sein – daß die 200 m-Mess-Strecke mit den 100 m-Einflügen
allerdings weiterhin Grundlage für Rekord-Versuche bleiben wird,
sollte man einfach akzeptieren (was auch sonst ?) und so schlecht
ist das ja grundsätzlich auch nicht. Geht es doch nicht allein
nur um die Höchstgeschwindigkeit, sondern auch – was dabei
häufig
vergessen wird – zu einem Teil um das Flug-Können des Piloten,
solch ein schnelles Modell bei dieser Geschwindigkeit auch sauber durch
die gesamte Mess-Strecke zu bringen. Bereits kleinste notwendige Korrekturen
vermindern das Ergebnis merklich. Inwieweit man evtl. anderweitig
speziell die elektronische Erfassung bei Ein- und Ausflug verwirklichen
kann, wird Voraussetzung für alles weitere sein.

Wettbewerbe nach DMFV-Reglement
Wie bereits angesprochen wurde ab Mitte der 70er der sog. „Speed-Cup“
unter dem Dachverband DMFV mit seinem zuständigen, langjährigen
Referenten Manfred Pick durchgeführt. Das Reglement wurde in dieser
Zeit in einzelnen Punkten ständig leicht modifiziert und den notwendigen
Gegebenheiten angepaßt. Grundsätzlich gab’s die Hubraumgrenze
von 10 ccm, ein Maximal-Gewicht von 5 kg, die Vorgabe einer Drossel bzw.
Sprit-Abstellvorrichtung, ansonsten weder Bestimmungen bezüglich
Flächenbelastung usw. Gemessen wurde ebenfalls in einer 200 m langen
Mess-Strecke (ohne Höhen-Überwachung) mit Handstoppung von schlußendlich
zwei getrennten Mess-Teams; über die mehr oder weniger abfallenden
bzw. parabelmäßigen Durchflüge gab’s jedoch hin
und wieder deutliche Diskussionen. Die Start- oder auch Gesamt-Zeit war
teilweise vorgegeben, gelegentlich waren auch die Mess-Flüge auf
max. drei in jeder Richtung begrenzt. Ein dadurch zügiger Wettbewerbs-Ablauf
ergab zwangsläufig daraus resultierend wiederum mehr Flug-Durchgänge
für alle. Auch mal eine Art Vorausscheidung nach den ersten Durchgängen
(bis Sonntagmittag) ermöglichte dann den „wirklich schnellsten“
am verbleibenden Sonntagnachmittag vermehrtes Fliegen und somit zusätzliche
Chancen zum Verbessern der Höchstgeschwindigkeiten.
Wettbewerbe nach Vereins-Reglement (bzw. lose Gruppierung)
Grundsätzlich ist es absolut begrüßenswert wenn sich
auch ohne darüber stehendem Dachverband wie derzeit der Fall, ein
oder mehrere Vereine bzw. Begeisterte bereit finden, wieder einen Speed-Wettbewerb
bzw. Speed-Cup regelmäßig durchzuführen. Wichtig ist dabei
auf jeden Fall, daß sich daraus eine gewisse Beständigkeit
ergibt gerade in Bezug auf eine verläßliche, jährliche
bzw. auch zweijährige Durchführung mit rechtzeitiger Termin-Bekanntgabe
sowie ein beständiges Reglement besonders die Modell-Konstruktionen
betreffend (Hubraum-Grenze bzw. Klassen-Einteilung, Gewicht, Elektro usw.).
Wer an solchen Wettbewerben teilnimmt, der muß auch häufig
selbst konstruieren, Rumpf-, Tragflächen- und Propeller-Urmodelle
und –Formen herstellen sowie anschließend die Teile auch laminieren
und ein oder mehrere Modelle endfertigen und auch testen – dies
kostet Zeit, Nerven und auch Geld und je nach vorhandener Freizeit reicht
oftmals für die ganzen „Unternehmungen“ ein volles Jahr
auch gar nicht aus. Und mit entsprechendem Aufwand in das Abenteuer des
Speed-Fliegens stürzt man sich meist erst dann, wenn es ein Ziel
gibt auf das man dann hinarbeiten kann – und das ist (noch vor dem
Fall der 400 km/h-Marke !!) zunächst mal stets die sichere Möglichkeit
des Vergleichs mit anderen an einem der nächsten Speed-Wettbewerbe.
History
Wie in fast allen Lebensbereichen gilt natürlich auch in den einzelnen
Flugmodell-Kategorien das Streben nach „höher – weiter
– schneller – besser - usw.“ – wobei sich die
meistern Leser speziell dieses Beitrags wohl für „schneller“
entschieden haben. Häufig begann das Streben nach immer heißeren
RC-Motormodellen im Vereinsrahmen mit einer gewöhnlichen Wette wer
wohl das schnellere Modell haben würde. Im Gegensatz zum Fesselflug
(F2A) besteht in „F3“ (Kategorie nach FAI = Ferngesteuerte
Flugmodelle) keine offizielle Wettbewerbs-Klasse für reinen „Speed-Flug“,
heutzutage mal von Pylon (F3D) abgesehen.
Bis zur Einführung der Proportional-Anlagen ab Mitte der sechziger
Jahre, als Pylon-Modelle in Deutschland noch eher unbekannt waren, gab
es in der Kategorie „Ferngesteuerte Flugmodelle“ hauptsächlich
eben Motor- und Segelflugmodelle mit entsprechenden Kunstflug- und Segler-Wettbewerben,
weniger häufig auch Veranstaltungen für Scale-Modelle und Kunstflug-Segler.
Einzig und allein nutzte man deshalb die Möglichkeit zur Erzielung
von offiziellen Rekorden nach dem bereits erwähnten Sporting-Code
der FAI und hier wiederum im speziellen in der Sparte Geschwindigkeits-Rekorde
(jeweils national und international) der Klassen-Einteilung „gerade
Strecke“ sowie „im geschlossenen Kreis“, getrennt nach
Motor-Land-, Wasserflug- und Segelflug-Kategorien, zwischenzeitlich natürlich
auch noch Hubschrauber und F3D mit 10 Runden. Die im Modellmotoren-Bau
längst entwickelten Hochleistungs-Motoren seit Mitte der vierziger
Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurden überwiegend im „gefesselten
Bereich“ von Car, Boot und Flug zu Höchstleistungen getrieben.
Man möge mir nachsehen, dass die nachfolgende Abhandlung logischerweise
keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann – sie ist,
sagen wir mal „nach bestem Wissen und Gewissen“ und natürlich
auf der Basis aller mir vorliegenden Unterlagen, der eigenen Erlebnisse
sowie sonstiger Mitteilungen zusammengestellt.
Mitte der Sechziger
In einer Zeit wo man also noch mit einer sicheren Funktionalität
der Fernsteuerungs-Anlagen im allgemeinen und den Tücken der ersten
Proportional-Anlagen im besonderen kämpfte, waren die sogenannten
„heißen Öfen“ häufig handgestartete Delta-Modelle
(wie z.B. das amerikanische „Hustler“, Topp- „707E“
von Biesterfeld und die „Mirage“ sowie später auch WIK-
„X-15“) mit Zug- und häufig auch eben Druck-Motoren bis
10 ccm, die meist ihren (für damalige Verhältnisse) spitzenmäßigen
Speed unangefochten auf Flugtagen demonstrierten und uneingeschränkt
zu den besonderen Attraktionen zählten. Zu den damit eher negativ
verbundenen Attraktionen gehörten folglich aber auch ungeübte
Werfer, die ihre Wurfhand beim Handstart nicht schnell genug nach unten
wegzogen, sie endeten nicht selten mit einigen gebrochenen Fingern und
„offenem“ Handrücken im Hospital.
Mitte der Sechziger hielt den offiziellen FAI-Geschwindigkeit-Weltrekord
in gerader Strecke mit 228 km/h der US-Amerikaner Maynard Hill, der auch
von vielen anderen errungenen Weltrekorden her (Strecke, Dauer, Höhe)
allseits bekannt war. Bei uns in Deutschland erregte als „erstes
reinrassiges“ Speed-Modell eigentlich das selbst konstruierte Speed-Delta
von Fritz Bosch Aufsehen, RC-I-Vizeweltmeister und zu dieser Zeit Geschäftsführer
bei Simprop, – angetrieben durch den ersten italienischen 10 ccm
Rossi-Seitauslass-Heckvergaser-Motor (zu der Zeit noch querstrom-gespült
/ Nasenkolben und ohne Reso-Rohr – jedoch damals eben das Highlight
der gesamten Motoren-Szene); mehrere Anläufe wie z.B. an Ostern 1967
bei einem offiziellen Rekord-Versuch während des Delta-Treffen in
Walldorf diesen bestehenden Rekord zu brechen, scheiterten aber letztendlich
nur äußerst knapp.
In Bereich der Segelflug-Modelle schaffte der Münchner Hans Schumacher
(u.a. Hersteller der Bellaphon-Fernsteuerungen, Bellamatic’s sowie
später der Varioprop-Servos) im Oktober 1967 mit einem selbst konstruierten
Modell die Weltrekord-Zeit von 125 km/h; 1970 übertraf Dietrich Altenkirch
dann mit 149 km/h wiederum den Amerikaner Dave Willoughby, der zwischenzeitlich
bereits 139 km/h erreicht hatte.
1968
Kurz darauf formierte sich eine Gruppierung von bekannten RC-Fliegern
in Harsewinkel (wieder mit Fritz Bosch und Simprop) mit dem Ziel, den
bestehenden WR zu überbieten und das alles gipfelte dann in einem
Speedflug-Treffen 1968, bei dem der bislang bestehende US- und Welt-Rekord
gleich fünfmal überboten wurde. Schnellster und zugleich Weltrekord-Inhaber
mit 320 km/h war dann letztendlich Werner Käseberg mit seinem Fletcher
bzw. Tornado - der gleiche Modell-Typ bzw. Rumpf bekam verschiedene Tragflächen
und auch Namen (Konstrukteur: Wilbert Schönfeldt – Rumpfhersteller:
Jochen Heilmann - Schulterdecker, Kreuzleitwerk, Motor hängend, Spannweite
1060 mm, Länge 1150 mm), ausgerüstet mit der Fernsteuerung „Simprop
Digi 2+1“ (damals eine der kleinsten Empfangsanlagen) und einem
speziellen 60er Supertigre-Werksmotor (Umkehrspülung, ohne Reso-Rohr)
– vom Firmenbesitzer Sig. Garofali jun. aus Bologna wurden hierfür
persönlich lt. Überlieferung nur insgesamt 5 spezielle Werksmotoren
für 3 der Teilnehmer mitgebracht.

Die Modell-Konstruktion selbst wurde auf den vorderen Plätzen von
fünf Teilnehmern verwendet. Sogar der heute weltbekannte F3A-Pilot
Wolfgang Matt nahm damals an diesem Speed-Fliegen teil und stellte hierbei
einen nationalen Geschwindigkeits-Rekord für Liechtenstein auf. Dieser
„ehemalige Weltrekord“ existiert jedoch noch heute als offizieller
„deutscher Geschwindigkeits-Rekord in gerader Linie“ bei unserem
nationalen Aeroclub. Die vorstehende 3-Seiten-Ansicht entstammt (mit freundlicher
Genehmigung des Verlags für Technik und Handwerk) der FMT 07/68.
1971
Während man den so erzielten Weltrekord von 320 km/h zur damaligen
Zeit für viele Jahre unübertreffbar hielt, stand 3 Jahre später
plötzlich still und leise der Sowjet-Russe V. Myakinine mit 343
km/h als Weltrekord-Inhaber in der Rekord-Liste der FAI. Fragen wie „Wie
haben die das gemacht ? Die haben doch nichts ?“ machten die
Runde. Einige schienen wissen zu wollen, daß es da ein Tal
gäbe bei
dem der Wind zu bestimmten Zeiten dreht sodaß man beide Mess-Durchflüge
während eines Starts jeweils „mit Wind“ ausführen
konnte und ähnliche Stories mehr. Andere wiederum gingen davon
aus, daß ja in der die Rekorde genehmigenden FAI-Kommission
der Ostblock
„funktionärsmäßig“ mehrheitlich und somit
bestimmend vertreten wäre und dies ansonsten hinter dem eisernen
Vorhang ja eh’ nicht weiter nachprüfbar wäre – man
es also gegebener maßen so hinnehmen müßte. Myakinine
schien direkt als „berufsmäßiger Rekordflieger“
zu fungieren, hielt er doch Mitte der Achziger gleichzeitig rund 20 verschiedene
Modellflug-Weltrekorde, verteilt von der Kategorie Freiflug, Raketenflug
bis hin zu ferngesteuerten Verbrenner- und Elektroflug-Modellen und
auch nicht nur in Sachen Geschwindigkeit. Später wurde dann immer
mehr bekannt daß allerdings auch im damaligen Ostblock, zwar nicht
im privaten Bereich jedoch auf Verbands-, Funktionärs- und Vereins-Ebene,
alles Erforderliche für ein erfolgreiches internationales Auftreten
im sportlichen Sektor vorhanden war; so lieferte der Motorenhersteller
„Rossi“ z.B. Ende der siebziger Jahre rund 30 % seiner damaligen
Produktion in die Sovjetunion und auch jede Menge nach China, wo dann
die Motoren von staatlicher Seite an die sportlich erfolgreicheren Vereine
als Belohnung verteilt wurden. Doch „Schnee von gestern“ –
es ist nun mal so und dieser „offizielle“ Geschwindigkeits-Rekord
gem. FAI-Reglement hat Bestand bis zum heutigen Tag.
Auf jeden Fall verdient es auch dieses Modell genauer vorgestellt zu
werden. Erbauer war Vladimir Goukoune, URSS, geflogen wurde es von Valéri
Myakinine, der somit auch Rekord-Inhaber ist. Gemäß Rekord-Akte
war das Modell ein Schulterdecker mit Kreuzleitwerk und stehend eingebautem
Motor. Es handelte sich um einen „Super-Tigre G60 R AVS“ (?),
Heckvergaser-Seitenauslass ohne Schalldämpfer bzw. Reso-Rohr. Bei
einer Flügel-Spannweite von 1320 mm hatte die Tragfläche an
der Wurzel lediglich eine Tiefe von 205 mm und am Randbogen von gar nur
125 mm. Durch das Gesamt-Gewicht (inkl. 125 g Sprit) von 1925 g ergab
sich eine Flächenbelastung von 70 g/dm.

1976-1977
Der Österreicher Werner Sitar (ja - der später dann mit dem
nicht ganz billigen Edel-Helikopter !) schraubte den Geschwindigkeits-Weltrekord
für ferngesteuerte Segelflug-Modelle im Mai 1976 auf 303 km/h und
übertraf damit seinen unmittelbaren Vorgänger, den Sowjetrussen
Aldochine, um 121 km/h. Das Modell war eher auf Leichtbau ausgelegt, also
nicht aufballastiert mit einer Gesamt-Flächenbelastung von lediglich
35 g/dm - als Profil wurde das Eppler E-182 verwendet. Nur ein Jahr später
kam er bereits auf damals unglaubliche 390 km/h (ja – richtig gelesen
!). Nach Erzählungen von Bekannten sollen sogar noch deutlich höhere
Geschwindigkeiten erzielt worden sein, die jedoch für die Anerkennung
durch die FAI nicht mehr „glaubhaft“ erschienen. Allerdings,
und das soll jetzt bestimmt keine Abwertung sein, galt zu diesem Zeitpunkt
noch eine Mess-Strecken-Länge von nur 50 m für Segelflugmodelle
– inzwischen sind es ebenfalls 200 m. Der Rekord wurde an einem
Gebirgs-Südhang nahe bei Innsbruck geflogen, wobei das Modell während
des max. halbstündigen Flugs auf jeder Anflug-Seite vor dem jeweiligen
Mess-Durchflug zuerst mit dem Hangaufwind in große Höhe steigen
und die Mess-Strecke praktisch von oben über eine weite Strecke senkrecht
anfliegen konnte. Nach den geänderten Rekord-Bestimmungen mit der
nun gültigen 200 m Mess-Strecke wurden z.B. 1981 von dem Ungarn M.
Miehl so erst wieder 166 km/h erreicht, wobei hier vermutlich anzunehmen
ist daß dieser Segler auch grundsätzlich etwas langsamer war.
Der bekannte Elektro-Flieger Fritz Geist machte Anfang der 80er mit einem
selbst konstruierten Elektro-Speedmodell auf sich aufmerksam, es wurde
ebenfalls ein Weltrekord nach FAI, wobei er bereits 189 km/h erreichte.
Das Modell hatte eine Flügelspannweite von 1185 mm und wog 2,1 kg.
Der speziell entwickelte Hochleistungsmotor war für 900W Eingangsleistung
ausgelegt und drehte mit einer 8x6 Taipan ca. 20.000 U/min. Die 2x16 Zellen
GE PUP 0,5 A/h konnten entsprechend parallel oder dann auch hintereinander
geschaltet werden. Dieser Rekord sollte letztendlich bis 1985 Bestand
haben – als er dann durch den auch von den „Verbrennern“
her bekannten Wolfgang Küppers mit 211 km/h übertroffen wurde.
Dessen Rekordmodell „Super-Chaos“ war mit einem Keller „KE
50/8“ und „30x SANYO 800 AR“ bestückt, als Besonderheit
ist ein Einblatt-Verstell-Propeller System-Schreckling hervorzuheben.
Dieser hatte einen Durchmesser von 8,25“, die Steigung war für
den Start auf 4“ und für den Speed-Flug auf 8“ einzuregeln.
Die Stand-Drehzahl lag bei annähernd 21.000 U/min, die Stromaufnahme
im Flug betrug dann bei 28V rund 30A. Die folgende 3-Seiten-Ansicht entstammt
(mit freundlicher Genehmigung des Modellsport-Verlags) der MFI 02/86,
wo auch detailliert darüber berichtet wird.
1979 – 1983
Ein sog. „Speed-Cup“ des DMFV wurde nun auch außerhalb
der „Szene“ immer bekannter, so daß man in Alsfeld/Hessen
1979 bereits das fünfte wettbewerbsmäßige Speedflug-Treffen
nach neuen Bestimmungen unter der Schirmherrschaft des zwischenzeitlich
gegründeten DMFV veranstaltete (anfangs gab’s ja nur einzig
und allein den DAeC = Deutscher AeroClub als nationalen Vertreter des
internationalen Dachverbands FAI). Der „Kern“ der Speed-Freaks
entstammte der rührigen DMFV-Pylon-Szene mit seinem langjährigen
und allseits bekannten Pylon- und Speed-Referenten Manfred Pick. In diesen
Jahren blieb Alsfeld der Anlaufpunkt dieser Gruppierung mit weiteren Piloten
wie Lothar Steinbiß, Bruno Stückerjürgen, Günter
Haffki, Hermann Haase und vielen mehr. Das Maß der Dinge waren Modelle
mit 1,00 – 1,40 m Spannweite und überwiegend 60er Motoren,
wenngleich manch kleineres Modell mit 40ern (1983 = 329 km/h) ebenfalls
deutlich aufhorchen ließ. Auch damals wurden schon bei einem 3,5er-Verbrenner
284 km/h und bei einem „Elektrischen“ rund 220 km/h gemessen.
1985 – 1990
Mitte der 80er zog man um in die Nähe von Braunschweig zum MFV Okertal-Hillerse,
wo sich Bernd Schweitzer, gleichzeitig auch Vizepräsident des DMFV,
in dieser Ära voll für den Speed-Flug engagierte und auch selbst
mitflog. Die Teilnehmer auch hier wie gehabt und nun weitere Namen wie
Achim Kaiser, Hubert Kresin, Hans Sagemüller, Günther Bonengel,
die Pröll’s usw. – siehe Ergebnislisten). In dieser Zeit
wurden die eindrucksvollsten Geschwindigkeiten der Speed-Ära gemessen
und trotz beständiger Durchschnitts-Geschwindigkeiten von um und
auch über 350 km/h fiel sie dann letztendlich doch nicht –
die stets anvisierte 400er-Marke. Fast ebenso unvergessen blieben die
teils ausgedehnten, kulinarisch spitzenmäßigen Bankette am
Samstagabend in positiver Erinnerung und manch einer war „durch
die lang anhaltende Wirkung“ noch am Sonntagmorgen erstaunt über
die eine oder andere eigenwillige Flugbewegung seines ansonsten recht
folgsamen Speeders.
Die schnellsten Modelle selbstredend im „konsequenten Speed-Outfit“,
mal Schulterdecker mit hängendem Motor und untenliegendem Reso-Rohr,
mal Tiefdecker mit stehendem Motor oder Mitteldecker in beiden Varianten.
Das Topp-Triebwerks-Angebot der 60er-Reihe (zu dieser Zeit max. zugelassener
Hubraum) spannte sich ausschließlich von Heckvergaser- und Heckauslass-Motoren
der Marke Rossi über vereinzelte Picco’s bis hin zu OPS und
wieder zurück – bis auf seltene, hubraumkleinere KuB’s
schienen damals alle anderen eher powermäßige Exoten zu sein
– selbstverständlich alle mit Reso-Rohr, das „Innenleben“
teils mehr oder weniger nachträglich aufgewertet, und auch mit den
in der Tabelle angegebenen Nitro-Anteilen von rund 20 - 50 %. Für
die nicht nachprüfbaren Angaben (Nitro-Anteil, Propeller-Maße)
besteht allerdings keine Gewähr, manches wurde aus Konkurrenz-Gründen
nun mal „top-secret“ behandelt und deshalb auch nicht immer
gern und wahrheitsgemäß preisgegeben!
2004 - 2005
Die meisten Speed-Enthusiasten im Internet-Zeitalter (Informations-Fluß)
sind natürlich voll informiert, daß 2004 der Speed-Cup beim
MFC Osnabrück-Achmer nun wieder neu ins Leben gerufen worden war;
viele Interessierte erfuhren das erst so richtig durch die anschließenden
Veröffentlichungen der Wettbewerbs-Berichte in den Zeitschriften
- und zur Freude und Genugtuung aller Speed-Freaks wurde dann 2005 diese
Veranstaltung in Dachau (leider bei überwiegend schlechtem Wetter)
fortgeführt. Es wäre natürlich super wenn hier eine neue
Beständigkeit einkehren könnte, durch die zukünftig der
eine oder andere „neue“ oder „alte“ Speedflug-Insider
wieder auf der Bildfläche erscheinen würde.
Nicht unerwähnt darf in der heutigen Zeit jedoch auch speziell der
Umwelt-Gedanke bleiben. Daß das Geräusch eines hoch drehenden
Renn-Motors bereits von den meisten „Segler- oder E-Flug-Anhängern“
und insbesondere natürlich von den „Nicht-Modellfliegern“
als äußerst unangenehm empfunden wird und auch die gesetzlich
vorgeschriebene Maximal-Lautstärke vielleicht nicht immer ausreichend
eingehalten werden kann, sollte eigentlich Ansporn sein für eine
möglichst effiziente Schalldämpfung insbesondere bei den Test-
oder Trainings-Flügen nahe Wohngebieten – dies ist nun mal
ein notwendiges und nicht mehr umzukehrendes Gebot für die Zukunft
des Modellflugs überhaupt. Auch wenn den Speed-Begeisterten häufig
das gewisse „racing-mäßige Feeling“ durch einen
hochdrehenden und zugegebenermaßen oftmals „sau-lauten“
Renn-Motor vielleicht schon in die Wiege gelegt worden ist, muß
man weiterhin froh und auch dankbar sein daß wenigstens einzelne
Speed-Wettbewerbe diese Lautstärke von der Luftfahrt-Behörde
ausnahmsweise genehmigt bekommen – dies ist in dieser Kategorie
lediglich für ein einziges Wochenende im Jahr durchaus vertretbar,
vorausgesetzt natürlich daß der veranstaltende Verein dadurch
selbst keinerlei Schwierigkeiten in seinem angestammten Umfeld bekommt.
Und wenn wir’s uns ehrlich eingestehen, bei aller Liebe zum Umweltschutz:
Solch eine Wettbewerbs-Art „leise ausgeführt“ –
da fehlt doch was, oder !?
Zukunftsaussichten
Hochfrisierte Motoren, ein Übermaß an Nitro im Sprit und der
sogenannte „Wunder-Prop“ waren auch bislang allein noch lange
kein Garant für eine schnelle Zeit. Eine „verfehlte“
optimale Abstimmung bzw. Einstellung eines überkritischen Triebwerks
in Form von Resorohr-Länge, Verdichtung, Kerzen-Typ, Sprit, Prop
und nicht zuletzt das nicht zeitgerechte Starten von Motor und Modell
nach der Startfreigabe beendeten oftmals auch einen Wertungsflug bereits
bevor das Modell überhaupt in die Luft kam – ganz zu schweigen
von einem einigermaßen präzise durchgeführten Messflug
in beide Richtungen, und dazu noch mit perfekt laufendem Motor !
Etliche Speed-Flieger und –Anhänger hatten im Lauf der Jahre
durchaus interessante Ideen für Ihre geplanten Vorhaben und häufig
auch erste Tests absolviert – seien es nun Modelle mit „Mittelmotor“
und Propeller-Fernwelle (strömungsgünstigere Auslegung des Rumpfes
– mit Druck- oder Zug-Propeller), Delta oder Ente mit Druckmotor,
2x 5 ccm-Motoren gleichzeitig in Zug- und Druck-Ausführung (bei Zeitvorgabe
Probleme für zwei zu startende Motoren), etwas größere
Modelle mit Getriebe-Untersetzung und demzufolge größeren Propellern
(Steigung), Motor-Wasserkühlung, Verstell-Propeller und einiges mehr
– an den Start kamen solche außergewöhnlichen Konstruktionen
bislang nur selten und auf das Sieger-Treppchen schafften sie es noch
gar nicht – aber wer weiß .......??!
In der eher „speedflug-armen Zeit“ der letzten 15 Jahre,
mal abgesehen von alledem was heutzutage verkaufsfördernd unter dem
Namen „Speed“ so alles beworben wird, gab es hauptsächlich
Fortschritte in der Entwicklung der Motoren im Bereich 2,5 und 3,5 ccm
sowie 6,5 ccm (Pylon) und auch in der 80er und 90er-Klasse (Impeller).
Nachdem in einzelnen Internet-Foren in der Vergangenheit schon mehrfach
der „Fall der 400er-Marke“ überaus euphorisch und auch
sehr blauäugig „orakelt“ worden war, muß dies jedoch
in der Praxis immer noch unter Beweis gestellt werden. Diejenigen (und
das sind ja alle), die das erreichen wollen, müssen größtenteils
zunächst mal die schon damals hervorragenden Geschwindigkeiten der
achtziger Jahre erreichen, die mit den nun 15 bis 25 Jahre alten und bislang
nicht intensiv weiter entwickelten 10 ccm-Motoren erflogen worden sind.
Allerdings sollte dies ohne weiteren technischen Fortschritt eigentlich
in dieser genannten Konstellation auch heute wieder nachvollziehbar sein.
Aber auch wer wirklich schon auf 350 oder 370 km/h gekommen ist, schafft
nicht unbedingt dann beim nächsten mal zwangsweise „die 400“
- in einer gewissen Begeisterung davon träumen darf man allemal -
und muß man wohl auch, damit nicht allein der allseits bekannte
Spruch „Der Weg ist das Ziel !“ zur Wahrheit wird.
Sicher weiß jeder einigermaßen nüchtern und logisch
denkende Wettbewerbs-Profi, dass zum erfolgreichen Speed-Fliegen, oder
genauer gesagt zum Erreichen maximalster Geschwindigkeit, folgende Dinge
erforderlich sind:
- eine möglichst ingenieursmäßige Ausbildung als Aerodynamiker,
Motorenspezialist, Kunststoff-Techniker, Formenbauer, zusätzlich
hilfreich der Besitz eines kleinen Windkanals sowie Motoren-Leistungsprüfstands
– gleichzeitig möglichst „Sohn reicher Eltern“
(Geld - Freizeit !) vielleicht auch noch verstärkt durch die eine
oder andere Hilfskraft
mit oder ohne dieses geschilderten „Wunschtraums“ auf jeden
Fall aber:
- ein geeignetes, konsequent auf max. Geschwindigkeit optimiertes Flugmodell
- eine sicher funktionierende Fernsteuerung (Reichweite, Vibration)
- ein Spitzen-Antrieb (Motor, Propeller, Sprit)
- die für den jeweiligen Flug optimal getroffene Abstimmung des
Antriebs auf die momentan vorherrschenden Umgebungs-Bedingungen
- optimales Flugwetter (Wind, Temperatur, Sicht-Bedingungen)
- ein entsprechendes Flug-Können für präzise durchzuführende
Mess-Flüge
- ein Mindestmaß an Trainings- bzw. Test-Flügen zur optimierten
Einstellung des Modells (sicherer Start, Schwerpunkt, Ruderausschläge
usw.)
- ein gut eingespieltes Helfer-Team
Dies alles zusammen zu erreichen ist die eigentliche Schwierigkeit,
die in der Praxis bzw. im Wettbewerbs-Streß dann doch nur selten
gelingt. Wer kennt es nicht aus eigener Erfahrung - oftmals werden Modelle
gar nicht mehr oder gerade noch halbwegs zum Wettbewerb fertig, werden
vielleicht gar bei einem Testflug kurz vorher noch "geschrottet",
manch einer hat aufgrund von Flugplatz- bzw. Lautstärke-Problemen
keine Möglichkeit für Trainingsflüge zuhause, die Triebwerks-Abstimmung
am Wettbewerbsort ist häufig ein Lotteriespiel oder gar die geeigneten,
notwendigen Grundlagen können aufgrund von Finanzierungs- oder
Beschaffungs-Möglichkeiten
einfach nicht optimal sein. Doch bei noch so viel Phantasie selbst unter
denjenigen, die sich in ihrer jeweiligen Kategorie oder Flug-Klasse
auf das Extremste stürzen was das Speed-Fliegen zu bieten hat
muß
akzeptiert werden, daß mit den jeweils vorgegebenen Antriebs-Größen
die Bäume auch nicht unendlich in den Himmel wachsen. Euphorie
und Begeisterung treiben sicherlich an – nüchternes Denken
und logisches Handeln sind aber letztendlich die Voraussetzung für
die erfolgreiche Durchführung unseres Vorhabens. Egal was man
sich auch gelegentlich "zurechtbiegen" möchte, einzelne „Mit-Wind-Durchflüge“
von mehr oder weniger deutlich über 400 km/h hören sich zwar
immer spektakulär an, da der Wind allerdings keine „persönliche
Errungenschaft“ ist, zählt für einen seriösen
Vergleich stets jedoch ausschließlich die erzielte Durchschnitts-Geschwindigkeit!
Und egal wieviele Einzel-Kategorien man noch ins Leben rufen würde,
für offizielle nationale und speziell internationale Rekorde
und somit weltweit gültige Vergleiche der Kategorie Nr. 145 gem.
FAI-Reglement werden derzeit einzig und allein Modelle mit einem Maximalgewicht
von 5 kg, einer Flächenbelastung von max. 75 g/dm und Motoren
mit einem limitierten Hubraum von 10 ccm in Frage kommen!
Und abschließend noch einige Anmerkungen zum Nachdenken und Diskutieren:
Allgemein für Speed-Wettbewerbe wünschenswert und wichtig
wäre
wie bereits angedeutet, eine sichere Beständigkeit der jährlichen
(evtl. auch zweijährigen) Durchführung sowie auch des Reglements
(zumindest auf die Modell-Konstruktion bezogen), rechtzeitige Termin-Bekanntgabe
und ansonsten weiterhin nur geringe Einschränkungen, um den (hoffentlich
zahlreichen) Phantasien und Ideen bei Planung, Konstruktion und Bau
der
äußerst speziellen Zweck-Modelle möglichst freien Lauf
zu lassen. Ob jedoch das eine Extrem, jedem seine eigene Wunsch-Kategorie
(3,5 – 6,5 – 10 – 15 cm³ ???) zu ermöglichen
und zusätzlich dann auch noch evtl. den Teilnehmern die Möglichkeit
zu geben in mehreren oder gar allen Kategorien gleichzeitig mitfliegen
zu können (wenige mögliche Teilnehmer als Viel-Flieger)
das
„Gelbe vom Ei“ ist, oder wiederum im extremen Gegensatz dazu
nur eine Verbrenner-Kategorie nach FAI und eine Elektro-Klasse, oder
vermutlich auch irgend eine Lösung dazwischen sein könnte
- darüber
läßt sich sicherlich noch viel diskutieren. Einige stellen
Überlegungen an, daß welche mit einem sog. Normal-Modell den
wirklichen Speedmodell-Besitzern durch voreilige Anmeldung doch nicht
einen der limitierten Plätze (bei großem Interesse) wegnehmen
sollten, andere kontern daraufhin daß man ja mal mit „irgendwas“
ins Speed-Wettbewerbs-Geschehen einsteigen müsse, usw. usw. …….
– die Wettbewerbe selbst könnten da zu einer „Ideen-Findung“
wohl auch ganz gut beitragen, denn da treffen sich ja Veranstalter und
Teilnehmer und um die geht es ja in erster Linie. Und, auch wenn's einige
wenige vielleicht nicht gerne hören wollen: Es ist bei dieser Wettbewerbs-Art
nicht wichtig ob ein "aufgemotztes Taxi" vielleicht 17,3
km/h schneller ist als das Serien-Modell - es geht schlicht und
einfach um nichts anderes als um die
maximal erreichbare Höchstgeschwindigkeit
- und weltweit gesehen eben gem. FAI-Bestimmungen !
Teil 1: Reglement und Rückblick
Teil 2: Ergebnisse der
Speedwettbewerbe und technische Angaben
Teil 3: Speed-Geschichte
in Bildern
Teil 4: Galerie der Speedmotoren
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