Teil 1: Reglement und
Rückblick
Teil 2: Ergebnisse der
Speedwettbewerbe und technische Angaben
Teil 3: Speed-Geschichte
in Bildern
Teil 4: Galerie der Speedmotoren
Modellmotoren
gab es schon, in Sammler-Kreisen wohlbekannt, vor mehr als 70 Jahren.
Bereits vor rund 60 Jahren wurden aber auch vorwiegend in den USA diverse
Speed-Motoren serienmäßig gefertigt. Eins der „technischen
Highlights“ war sicherlich der „Doooling 61“, der
als Rennmotor seit Ende der vierziger Jahre von den Dooling-Brothers
hergestellt wurde und sozusagen jahrzehntelang wettbewerbsmäßig
und stets erfolgreich im Einsatz blieb. Allerdings, für unsere
RC-Speed-Kategorie etwas aus dem Blickfeld, wurden diese Renn-Motoren
in der rc-armen bzw. -losen Zeit fast ausschließlich für
die gefesselten Renn-Autos und die Fessel-Fliegerei und weniger verbreitet,
für gefesselte Rennboote
verwendet. Im „RC-Bereich“ begann man sich verbreitet erst
Ende der 60er für diese Art bzw. Sparte der Extrem-Modellfliegerei
nach entsprechenden Veröffentlichungen in Fachzeitschriften zu
interessieren. Während man sich damals auf Schauflug-Veranstaltungen
mit spektakulären
Vorführungen (schnell - tief – hochdrehend - laut) stets der
ungeteilten Aufmerksamkeit des sensations-hungrigen Publikums sicher
war, entstand nebenher langsam der wettbewerbsmäßige Vergleich,
wobei diszipliniertes Fliegen Voraussetzung war. Eine andere Voraussetzungen
ist zweifelsfrei der Antrieb und ab da galt es nicht mehr nur das Publikum
zufrieden zu stellen, sondern seinem Triebwerk die maximal mögliche
Höchstleistung zu entlocken. Wie die Ergebnisse zeigten, waren
in dieser Kategorie natürlich die aktiven Pylon-Wettbewerber
allgemein deutlich im Vorteil, betätigten sie sich doch auch
ansonsten in einer
ähnlichen Wettbewerbs-Kategorie – speziell in Bezug auf die
Motoren. Ob nun die verwendeten Motoren im Original-Zustand oder fast
kaputt-getunt – es gibt immer Grund zu Diskussionen und langweilig
werden die Gespräche nie.
Nachstehend nun eine kleine Auswahl älterer Speed-Motoren und auch
die am meisten verwendeten der Speed-Ära der 70er und 80er Jahre.
Da das sportliche (FAI-Rekorde) bzw. verbands-mäßig vorgeschriebene
Hubraum-Limit (DMFV-Speedcup) bis vor wenigen Jahren allgemein bei max.
10 cm³ lag, handelt es sich deshalb auch fast ausschließlich
um Motoren der 60er Ausführung (0.60 cubic-inch = 10 cm³).
1946
Bereits vor rund 60 Jahren gab es überwiegend in den USA diverse
Speed-Motoren wie hier der „McCoy 60“, damals überwiegend
in „Benzin-Ausführung mit Zündung“.

1947
Bis 1963 gebaut und jetzt einer der begehrtesten Sammler-Motoren ist
der amerikanische „Dooling 61“ der gleichnamigen Brüder
aus Californien. Dieser Renn-Motor fand jahrzehnte lang in der Praxis
Verwendung und wurde teils Anfang der Neunziger des vergangenen Jahrhunderts
noch bei diversen Car-Wettbewerben (gefesselt) eingesetzt. Sofern nicht
auf „Glow“ umgerüstet, kommen wie bei allen Benzinern
natürlich noch Zündspule, Kondensator, Batterie, Kabel usw.
dazu.


1949
Kurze Zeit später gab’s dann auch einen kleineren Bruder
- den „Dooling 29“ in Glow-Ausführung. Fast unglaublich,
mit welcher Präzision bereits damals die Guß-Gehäuseteile
gefertigt worden waren.


1958
Ähnlich bekannt bei den Glow-Motoren ist der „McCoy 60 Red
Head“ – hier in der Ausführung mit Drossel-Vergaser;
bekannter und häufiger produziert wurde der Motor allerding in Speed-Ausführung
mit Venturi-Vergaser.

19??
Oftmals tauchen heutzutage auch noch seltene Speed-Motoren auf dem Sammler-Markt
auf, die nicht immer zeitlich einzuordnen sind – wie hier z.B. dieser
„MVVS-10cm³-Prototyp“ (Sandguß-Gehäuse, Kolben
mit 2 Kolbenringen).

19??
Ein italienischer „Super-Tigre 60“ – Rennmotor, der
zu Zeit der Produktion wohl hauptsächlich dem Lager der „Fesselflieger“
zuzuordnen sein dürfte. Die Geschwindigkeits-Kategorie F2A in Italien,
Schweden, USA, Canada usw. wurde nicht nur in der 2,5 cn³-Kategorie
sondern auch in höheren Hubraum-Klassen wettbewerbsmäßig
geflogen.

1967
Auch im fernen Japan wurde in „Sachen Speed“ experimentiert.
Bei diesem „OS Max - H60 Speed Racing” soll es sich um ein
Einzelstück, also einen Proto-Typ handeln, ansonsten war die serienmäßige
Bezeichnung des Renn-Motors „OS Max - H60R“.

1964
Dieser amerikanische „AERO 35“ war zum einen für die
Lassogeier-Fraktion (Fesselflieger) gedacht, damit sie ihre Scale-Modelle
wie z.B. Turboprop-Verkehrsflugzeuge möglichst originalgetreu ausgestalten
konnten und zum anderen aber auch für Pylon-Modelle vorgesehen, damit
die Racer im Front-Bereich möglichst widerstandsarm zu bauen waren.
Allerdings war dieser Motor sehr teuer und zum Fliegen damals wie heute
fast zu schade – die Sammler freut’s!


Mitte der Sechziger
„Der Power-Motor weltweit schlechthin“ war zu dieser Zeit
unbestritten der italienische „Rossi 60“, den es in RC-, Speed-,
Flug-, Boots-, Ein- und Zweikerzen-Ausführung usw. gab. Er war zu
dieser Zeit einer der leistungsstärksten Modell-Verbrenner mit Querstrom-Spülung
(Nasenkolben). In RC-Ausführung mit Kavan-Vergaser mußte man
1969 240,-- DM auf den Tisch legen, rund die Hälfte mehr als für
einen Standard-Motor. 1968 wurde dann mit dem 10 cm³-Hirtenberger
bereits die Ära der umkehrgespülten Modellmotoren eingeleitet
und Rossi sollte dann 8 Jahre benötigen, um erst 1976 den ersten
60er RC-Frontvergaser-Motor der neuen Generation als „Vorzeige-Motor“
auf ersten Wettbewerben der Öffentlichkeit zu präsentieren.


1968
Der Traum-Motor jeden Sammlers:
Der Super Tigre „ST G60 Spezial“ – original der speziell
gefertigte Werks-Motor, mit dem Werner Käseberg beim Speed-Wettbewerb
in Harsewinkel den damaligen Weltrekord von 320 km/h erringen konnte.

Dieser Motor ist gegenüber der anschließend für den Verkauf
gefertigten Serie mit einem „Ring-Düsen-Vergaser“ ausgerüstet,
sowie mit erkennbar anderen, größeren bzw. zusätzlichen
Spülfenstern versehen. Noch war die Neugier nicht so groß,
um auch die „Innereinen“ einer eingehenden Inspektion zu unterziehen.

1969
Ein Jahr nach dem RC-Geschwindigkeits-Weltrekord kam der Super Tigre
dann als „ST G.60 Racing RV ABC“ in etwas abgeänderter
Form offiziell in den Handel – war aber damals so oder so das heißeste
Triebwerk auf dem Markt – und soweit noch in Erinnerung „schweineteuer“
!


Anfang der Siebziger
Der neue italienische Motor-Hersteller „OPS“ (jetzt: RC-Power)
ist auf dem Markt. Wie so oft entstand die Firma aus dem Modellsport heraus.
Die Brüder Muzio waren lange Zeit begeisterte Fessel-Speedflieger,
wovon speziell Piero Muzio mit dieser Firma sein Hobby zum Beruf machte
und Bruder Manfredo sich unter anderem mit der Glühkerzen-Fertigung
und dem Verchromen der Zylinder für OPS betätigte. Anfang der
Achziger verließen dann mit Gualtiero Picco, einem der Konstrukteure,
und mit dem speziell in Italien bekannten RC-I-Wettbewerbsflieger Carlo
Lenti, einem der Geldgeber, die Firma um nun die Modellmotoren-Fabrik
„PICCO“ neu zu gründen.

Bei OPS gings jedoch mit Konstrukteur Alessandro Rosetti (ebenfalls wettbewerbsmäßiger
Fessel-Speedflieger) weiter und heute ist dieser Hersteller einer der
wenigen großen, die noch „in Sachen Speed“ etwas Brauchbares
anbieten. Das finanziell erfolgreiche Geschäft wird weltweit allerdings
im Bereich der 3,5er Car-Motoren getätigt, und somit liegt das Hauptaugenmerk
auf Konstruktion und Produktion selbstredend überwiegend auch in
diesem Bereich. Kein Geschäfts- oder Firmen-Inhaber wird seine kostbare
Arbeitszeit in eine Sparte investieren, die diesen Aufwand durch die geringen
Verkaufszahlen finanziell dann nicht auch rechtfertigt.

Oben: Einer der frühen OPS-Speed-Motoren mit Drehschieber System-Zimmermann
(?) – aus einer im Gehäuse beidseitig geführten, dünnen
Stahlscheibe bestehend. Der Vergaser ist hier lediglich in RC-Ausführung
und einer der ersten Zweinadel-Typen von Super-Tigre.

1976
Auch OS fertigte von Zeit zu Zeit Speed- und Pylon-Motoren. Hier der
„OS MAX 60 RSR“, den gab’s auch zeitgleich als 65er
mit blauem Kopf. Großteils bei uns unbekannt, da die Fa. Graupner
als hiesiger General-Importeur natürlich nicht durchgängig das
gesamte OS-Motoren-Programm importierte.


OS MAX 65 RSR (10.65159ccm) Quelle: Rainer Seubert
  
Ab Mitte / Ende der Siebziger
Zu dieser Zeit war nach K&B, Hirtenberger und später MVVS der
„OPS 40 Speed SPP PYL“ der Standard-Speedmotor der 6,5er-Klasse.
Nicht nur speziell für Pylon-Racer sondern häufig auch für
Speed-und Show-Modelle für Flugtage war dieser Renn-Motor zahlreich
eingesetzt.

1978
Der „OPS 60 Speed VAE“ war nicht nur optisch ein Leckerbissen.
Zusammen mit dem „Rossi 61 RV“ beherrschte dieses Triebwerk
Anfang der achziger Jahre in der 10 cm³-Kategorie die Szene. Mit
einem Auslaß-Öffnungswinkel von 168° war zwar schon Speed-Drehzahl
angesagt, allerdings konnte man damit auch noch rel. „dicke Props“
fliegen, wobei mit „dick“ natürlich auf die drehmoment-stärkere
Wirkung hingewiesen sein soll.


1979
Wie bereits angedeutet tauchten in Italien auf Wettbewerben die ersten
Vorserien-Motoren der neuen, umkehrgespülten Generation als Frontvergaser-Seitenauslaß
(FISE) im Sommer 1976 auf – den ersten RIRE (wie abgebildet) bekamen
wir in der Fabrik in Cellatica (Brescia) im Frühjahr 1978, für
unsere damaligen Wettbewebszwecke (Kunstflug) allerdings mit RC-Vergaser
ausgestattet. Ansonsten die übliche 3-Kanal-Spülung, Flach-Drehschieber,
Ring-Garnitur und anfangs noch die „dünne“ Kurbelwelle
mit 7 mm Prop-Aufnahme. Später dann mit 8 mm-Kurbelwelle, ABC-Ausführung
und nach Trennung der Gebrüder Rossi (Ugo blieb und Cesare gründetet
NOVAROSSI) nochmals später dann auch mit 5-Kanal-Spülung und
auch mit Rohr-Drehschieber.
Der hier abgebildete Motor hatte einen Auslaß-Öffnungswinkel
von 174° und war für eine maximale Leistung bei 20.000 U/min.
ausgelegt. Durch Anheben des Zylinders um 0,4 mm mittels Stahl-Unterlegscheibe
(Zubehör) konnte das Leistungs-Maximum bei 178° auf 24.000 U/min.
angehoben werden.


1982
Von Mitte bis Ende der achziger Jahre begann der „OPS 60 Super
SPP VAE“ dann langsam im Speed-Bereich die Oberhand zu gewinnen
und war später letztendlich für das Erreichen der damals erflogenen
Spitzen-Geschwindigkeiten ausschlaggebend. Werksmäßig hatte
dieses Triebwerk einen Auslaß-Öffnungswinkel von 180°,
Überström 130° und der Einlaßwinkel betrug 198°
(222°-60° n.OT), was gegenüber dem Vorgänger-Modell
eine Verschiebung des Leistungs-Maximums in Richtung höher Drehzahlen
bedeutete. OPS war auch der erste Hersteller von 5-kanal-gespülten
10 cm³-Serien-Motoren. Vermutlich schien diese Art dann anfangs irgendwie
patentrechtlich geschützt gewesen zu sein, da die anderen Hersteller
erst viele Jahre später nachzogen. Lediglich PICCO sah offensichtlich
die Umgehung dieses Fortschritts in einer Version mit 4 Spülkanälen.

1987
Der „PICCO“ in 4-Kanal-Ausführung. Wettbewerbsmäßig
beim DMFV-Speedcup wurde dieses Triebwerk als 60er neben anderen Teilnehmern
in einer Spezial-Ausführung von Hans Sagemüller mit Erfolg verwendet.
Offensichtlich nur in geringen Stückzahlen auf den Markt gekommen,
ist solch ein Motor wohl nur noch durch Zufall zu bekommen. Hauptsächlich
in den USA werden ähnliche Typen noch in der 67er-Ausführung
gehandelt; in Sammler-Kreisen sind dafür dann je nach Zustand aber
auch 250 – 400 US-$ anzulegen. Für FAI-Rekord-Versuche durch
Überschreitung des Hubraum-Limits dadurch allerdings ungeeignet.
  

1998
Ein offensichtlich nie in Serie gegangener Prototyp eines 60er Speed-Motors
des amerikanischen Motoren-Herstellers K&B. Als „K&B 10cc
RI-RE Proto Type Hyper Racing Engine“ scheint es sich um eine 3-Kanal-
und ABC-Ausführung mit Flach-Drehschieber zu handeln. Der Motor wurde
2005 in EBAY von einem japanischen Sammler (amerikanischer Herkunft) angeboten
und ging dann für knapp 600 US-$ weg (nach Deutschland).


  
Auf der ganzen Welt gibt es „Bastler, Tüftler und Feinmechaniker“,
die ihre vielen Ideen dann auch (mehr oder weniger) in die Tat umsetzen.
Hier ein HP, der zum Abgas-Turbolader umgebaut worden ist.
Ein Bekannter im Tessin hat z.B. einen 5 cm³-Super-Tigre-Frontvergaser
älterer Bauart mit einem über Zahnriemen angetriebenen Verdichter
(2,5-fache Drehzahl) zu einem reinrassigen Rennmotor hochgetunt, der
dann letztendlich rund 36.000 U/min. drehte !

Die Arbeit eines Feinmechanikers: „Ein Modellmotoren-Leistungsprüfstand“
Um genaue Motor-Leistungs-Daten zu erhalten und dann natürlich auch
praxisgerecht umsetzen zu können, wäre solch ein Prüfstand
eine wichtige Voraussetzung. Jeder möchte sicherlich gern wissen
wo das Leistungs- und Drehmoment-Maximum seines eigenen Triebwerks liegt,
um die Propeller-Anpassung auf die optimale Flugdrehzahl vornehmen zu
können.

Und hier zum Abschluß noch das Power-Triebwerk, mit dem in Kürze
500 km/h (klick)


Durchschnitts-Geschwindigkeit erreicht werden könnten - sofern
man es schafft, das Modell klein genug zu bauen !
Der weltweit stärkste Renn-Motor seiner Hubraum-Klasse bei
22.000 U/min !
Teil 1: Reglement und
Rückblick
Teil 2: Ergebnisse der
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Teil 3: Speed-Geschichte
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