SEA-CRET

Thomas Dreyer

Angetan von meinen guten Erfahrungen mit dem Cup Racer 914 (CR-914), habe ich mir einen Bausatz der ähnlichen, in die gleiche Klasse (36-600) passenden SEA-CRET besorgt. Das Modell orientiert sich in groben Zügen optisch an den derzeit üblichen Americas Cup Yachten und wird von T2M vertrieben. In Deutschland ist sie seit einiger Zeit aus ebay-Angeboten bekannt (da ist mein Kasten auch her). Auch Conrad hat sie im Programm und Insider des Modellsegelns haben sie inzwischen im Angebot von www.wizard-sails.de entdeckt. Letzteres ist das Resultat der Idee einiger RC-Regattasegler vom Winter 2005, ein praktisches, kostengünstiges, nicht zu kleines Boot als rein sportlich ausgelegte Einheitsregattaklasse zu organisieren. Die SEA-CRET ist dafür geeignet und so lag es nahe, den Bausatz dann doch mal genauer anzuschauen.

Der sorgfältig verpackte Inhalt macht einen relativ guten Eindruck und bietet das gewohnte Bild der inzwischen fast üblichen, modernen, fernöstlichen Fastfertig-Zusammenschraub-Modelle, ohne konstruktive Finessen. Es verlangt nur sehr geringe handwerkliche Fähigkeiten und kann damit auch absolute Anfänger ansprechen. Bis auf genau 10 Klebestellen kann alles aus entsprechend vorgefertigten Teilen einfach verschraubt und zusammengesteckt werden, was etwa nur zwei bis drei Abende erfordert. Es ist ähnlich aufgebaut wie die geringfügig größere Seawind von Kyosho, kostet aber mit ca. 150 ebay-EUR derzeit deutlich weniger als die noch ca. 260 ebay-EUR teure SW, was man dann aber auch an einigen Details bemerkt. In dieser Hinsicht stellt man übrigens beim noch deutlich teureren CUP RACER 914 einige unerwartete Defizite fest.

Die reine Konstruktion bzw. das generelle Design des Bootes gefällt mir recht gut. Es macht einen in sich stimmigen Eindruck, welcher auf ordentliche Segeleigenschaften schließen lässt, auch wenn man das eine oder andere Detail hinterfragen kann. Beispielsweise die unten etwas merkwürdige Ruderblattformgebung oder die untere Achterliekrundung beim Großsegel, die die uns unbekannte 36-600er Klasse berücksichtigt, aber von der Optik her nicht für ein ACC-Modell nötig wäre. Oder der doch ungewöhnlich abgerundet geformte und sehr flache Heckbereich mit einem gewissen Spoiler-Effekt bei Lage am Wind, da die Rumpflinien hinten seitlich etwas hohl geformt sind. Der Rumpf hat ansonsten durchaus nette Linien, aber über den derzeit typischen ACC-Bug mit seiner hochgezogenen Nase kann man sicher geteilter Meinung sein - so wie er hier gestaltet wurde, sieht er doch etwas stumpf und hässlich aus. Die kleine Stufe im Plichtboden, die vermutlich für eine „verdeckte“ Durchführung der Ruderanlenkung und der Hauptschotdurchführung gedacht ist, lädt zum Wassersammeln im Deckelbereich ein. Das ist nicht gerade clever.

Der geblasene Bootskörper ist sauber gefertigt, wenn auch mit 880g nicht gerade ein Leichtgewicht. Die Wanddicke ist dabei, soweit erkennbar, durchgehend gleichmäßig und der Rumpf recht stabil. Um einen Feinschliff der Oberfläche kommt man aber dennoch nicht herum, weil die Deckskante leider ab Werk unsauber entgratet ist. Auch die Heckpartie verträgt noch etwas Nacharbeit. Für Lackiermuffel: Schleift man den ganzen Rumpf zum Schluss gleichmäßig mit 600er Nassschleifpapier über und poliert ihn anschließend mit einer Plexiglas-Politur (damit später keine Spannungsrisse im Kunststoff, wie sie bei manchen Autopolituren entstehen), kann man auf eine Lackierung verzichten – ob das langfristig ohne Vergilben so geht, bleibt abzuwarten. Das Deck und die Plicht benötigen keine Bearbeitung, deren Oberflächen sind sehr gut.


Im Kasten findet sich Material für einen Bootsständer zum einfachen Zusammenstecken, bei dem allerdings die beiden Rumpfauflagen nicht so recht auf den SEA-CRET-Rumpf angepasst sind und bei dem anscheinend der Bootskörper völlig ohne Schutzstreifen direkt auf dem Plastik aufliegen soll. Da das über kurz oder lang Scheuerstellen gibt, habe ich die Auflageflächen einigermaßen passend gesägt und eine Auflage aus Tesa-Fensterdichtgummi aufgeklebt. In der Praxis gefällt mir ein simpler Klappständer besser.

Der laut Textinformationen „wasserdichte“ Deckel aus Kunststoffspritzguß kann übrigens leider nur einen Spritzwasserschutz darstellen, da eine Gummidichtung fehlt und er nur mehr oder weniger dicht auf dem Lukenrahmen aufliegt.

Der Bajonettverschluss des Deckels ist allerdings megaaufwendig gemacht. Dass der Deckel sehr sicher befestigt sein sollte, liegt auch darin begründet, dass die Großschot über diesen zum Großbaum gelenkt wird und er dadurch auf Zug belastet wird.

Die modern gezeichnete, recht schmale und auch recht dünne Kielflosse und das ebenfalls sehr dünne Ruderblatt sind leider sehr weich, da sie trotz ihrer anspruchsvollen Formgebung nur aus einem normalen, vermutlich ABS-Kunststoff, gefertigt sind, nicht mal aus einem faserverstärkten Werkstoff. Liegt das Boot später mal seitlich auf dem Boden, kommt man schon ziemlich ins Staunen ob der enormen Durchbiegung der Flosse. Immerhin hängt die Bombe mittig. Eine durchgehende 5mm Nirostastange dient sowohl als Stabilisierung (und wohl auch als Knickschutz?) als  auch zur Aufnahme der Flosse oben im Rumpf und unten des Bleigewichtes. Das Bleigewicht gefällt mir dagegen sehr gut. Es hat einen leicht ovalen Querschnitt und die Formgebung ist nicht weit von einigen der aktuellen ACC-Bomben entfernt. Es ist sehr sauber gefertigt, dennoch gibt es dazu eine zweiteilig gespritzte Kunststoffschalenverkleidung, die wirklich sehr gut gemacht ist. Auch wenn sie das Volumen etwas erhöht, ergibt sich mit ihr eine sehr einfache und saubere Montage des Gewichtes an der Kielflosse – und das völlig ohne Klebstoff. Es ist so sauber gefertigt, das man hier tatsächlich allein mit Schrauben auskommen kann - und etwas Knetgummi oder einem Stück Klebeband, um die Schraublöcher unten an der Bombe zu verschließen. Das ist wirklich klasse und wird wohl nicht nur Spachtel-Schleif-Lackier-Muffel sehr freuen. Dennoch, da die Kielflosse leider die typischen, fertigungsbedingten Einfallstellen im ansonsten guten Profil aufweist, kommt man zumindest an der Flosse selbst um ein gründliches Verschleifen nicht herum, wenn man sich der Bedeutung eines gut profilierten Kiels bewusst ist. Von einem Verspachteln der Dellen würde ich wegen der Flexibilität der Flosse abraten – ich kenne keinen Polyesterspachtel, der bei Biegung keine Risse bekommen würde.

In dieser Hinsicht ist auch ein kritischer Blick auf die Ausrichtung der Bombenlängsachse in Bezug zur Wasserlinie sinnvoll, sprich, ob die Bombe richtig unter dem Boot hängt. Bei meinem Exemplar stimmte zwar die Querausrichtung, aber die Neigung leider nicht. Die Nase der Bombe hing leicht nach unten, wenn überhaupt, wäre es umgekehrt besser. Ein leichtes Verbiegen der Aufnahmestange unten plus Korrigieren der unteren Aufnahmefläche durch keilförmiges Abschleifen der Flosse, brachte die Bombe in eine bessere Position. Alternativ hätte man auch den ganzen, unveränderten Kiel mit anderer, steilerer Neigung einbauen können, indem das Rohr für die Befestigung im Rumpf oben an Deck um gut 5-7mm nach hinten verlagert wird (durch Aufkleben einer kleinen ABS-Platte oben auf das Deck mit dem neuen Loch). Das bietet sich eigentlich auch an, denn wenn man die Flosse in den Rumpf und in das dort eingeklebte Führungsrohr schiebt, scheint sie zu schräg nach hinten geneigt zu sitzen, es bildet sich vorne ein Spalt. Das ist mir aber erst nach dem Verkleben des Führungsrohres aufgefallen. Da das auch geringfügige Auswirkungen auf den Gesamttrimm des Bootes hat (die Lateralfläche und der Gewichtsschwerpunkt verschieben sich nach vorne) und ich den noch nicht kannte, habe ich es bei der ersten Korrekturversion belassen.

Das vorbereitete Messingrohr für die Kielbefestigung habe ich im wahrsten Sinn des Wortes auf Biegen und Brechen nicht in den Rumpf eingesetzt bekommen, da es offenbar einen Tick zu lang ist und bei den Versuchen das Deck bereits ziemlich hochgedrückt wurde. Als passender Ersatz kam schließlich ein normales Messingrohr aus dem Zubehörhandel zum Einsatz, welches sich zwar mangels abgedrehter Rohrenden nicht so schön positionieren und stoßsicher einbauen lässt, aber immerhin problemlos einzusetzen war. Verklebt wurde alles übrigens mit Stabilit Express. Dem Bausatz liegt zwar eine kleine Packung 5-Minuten-Epoxi bei, dem ich aber aufgrund früherer negativer Erfahrungen in Sachen Klebeverbindung mit ABS-Material auch nach grobem Anschleifen nicht mehr so recht traue und deshalb lieber auf den klassischen ABS-zu-irgendwas Stabilit-Kleber setze – den es vielleicht in Japan nicht gibt?

Den Ruderkoker aus Messingrohr habe ich dagegen diesmal nur mit Sekundenkleber befestigt. Das ist zwar m. E. nicht gerade der Hit in Sachen Festigkeit, aber mal sehen, ob das dauerhaft hält – nicht nur, weil Sekundenkleber ja nicht längerfristig mit Wasser direkten Kontakt haben sollte. Wenn er nicht hält, macht es auch nichts, denn das Rohr sitzt sehr stramm im Kunststoff, da wird schon nicht gleich tonnenweise Wasser einströmen. Man kann im Zweifelsfall im Deck eine kleine Öffnung hinter den Koker einarbeiten, durch die Stabilit Express an die beiden Klebestellen von innen gebracht werden kann und die anschließend mit Klebefolie verschlossen wird.

Über die Segel gibt es nicht viel zu sagen: Am besten gleich austauschen! Mal wieder eine falsche Gewebeauslegung beim Großsegel, schlechtes Segeltuch, plus etliche Falten durch die Verarbeitung oder vom sorglosen Zusammenrollen, lassen dieses Teil eher als Alibi denn als Segel erscheinen. Dennoch fand es zunächst für das Testmodell Verwendung.

Dass der Mast konstruktiv in der Neigung nicht trimmbar ist, finde ich nicht unbedingt so toll. Er wird einfach in ein dickwandiges Messingrohr im Rumpf gesteckt, sitzt damit unverrückbar fest, so wie ab Werk vorgegeben. Hoffentlich haben die das Boot vorher ausprobiert und den Trimm auch so in die Fertigung bekommen. Anhand der Vorgaben wird ein Kunde hier sicher nichts „falsch“ einbauen können. Doch wenn ich an den Kiel denke, habe ich meine Zweifel. Zudem stelle ich mir das Boot aufgrund der schmalen Anhänge durchaus als etwas trimmempfindlich vor. Auch wenn der Mastfußbereich durch die feste Führung natürlich eine gute Stabilität bekommt und das Rigg auch nicht umfallen kann, mir wäre da eine ähnliche Mastführung, aber in einer konischen Masttasche bzw. einem ovalen Rohr lieber. Aus diesem Grund habe ich das schwere Messingrohr gegen ein dünnwandigeres Alurohr (mit 9mm Innendurchmesser) ausgetauscht: In dem hat der 8mm-Mast etwas Spiel und ist daher in der Neigung geringfügig variabel. Mittels Distanzringen aus um den Mast gewickeltem Klebeband ist er erst mal auf die Werkseinstellung gebracht. Wenn das nicht funktioniert, kann ich die Neigung durch andere Wickel verändern. Ist nicht elegant, aber eine gewisse Rückfalllösung.

Die beiden Bäume sind als Kunststoff-spritzteile ausgeführt. Das ist ein ziemlicher Fertigungsaufwand – hier jedoch mit magerem Ergebnis, da sie zu flexibel sind. Besonders der Fockbaum biegt sich allein schon beim Hinsehen. Den kann man vergessen. Der Großbaum geht so einigermaßen, er kann sich nur seitlich etwas verbiegen, was einem leichten Fieren der Großschot gleichkommt und in Böen für Anfänger ja durchaus noch ganz praktisch sein mag. Den Fockbaum habe ich kurzerhand gegen ein 6mm Kohlerohr getauscht und das Vorsegel mit den neuen Beschlägen der graupnerschen racing MM befestigt. Damit ist nun auch eine Verstellung des Segelunterlieks möglich, was ab Werk nicht vorgesehen ist. Beim Großbaum übrigens auch nicht. Hier habe ich mit zwei verstellbaren Leinen das Schothorn trimmbar angeschlagen. Diese Lösung dient auch zugleich als Achterliek-einstellung, denn der vorgesehene Niederholer ist umständlich in der Einstellung. Der Niederholer aus einer 2mm Stahlstange mit M2-Gewindeenden und zwei Gabelköpfen ist außerdem leider zu lang geraten. Ich musste das Gewinde um fast 10mm nachschneiden und die Stange kürzen, damit der Großbaum passend zum Segel justiert werden konnte. Eine Änderung der Aufhängung am Baum war konstruktiv durch die Vorgaben am fertigen Spritzteil und dem Drehgelenk nicht möglich. Das ist für viele Kunden vermutlich ein bisschen fatal, da ein M2-Gewindeschneider nicht in jedem Haushalt vorhanden sein dürfte.

Der zweiteilige Mast ist aus simplem, nicht besonders leichtem, aber hochglänzendem 8mm-Alurohr. Wer zur Großsegelbefestigung die beiliegenden klobigen Segeldrahtringe verwendet, ist selbst schuld - aus dünner Schnur/Nylonfaden habe ich statt dessen Ringe geknotet, die besser funktionieren und optisch weniger auffallen. Ab Werk ist ein Abnehmen des Großsegels vom Mast, z.B. für den Transport, sowieso nicht vorgesehen.

Die Kunststoffbeschläge für den Mast, also die Salinge, Jumpstagspreize und Großbaumlager werden ohne Kleber montiert und per Verschraubung fixiert. Es ergibt sich eine schnelle, saubere und einfache Montage, auch wenn die Teile für meinen Geschmack etwas klobig ausfallen – doch im Gegensatz zu manchen Bausätzen aus deutscher Produktion sind alle dem Bausatz beiliegenden Schrauben in Nirosta ausgeführt. Leider sind die beiden Salinge jedoch gleich lang, was nicht nur optisch das Bild der Verstagung stört, sondern auch in der theoretischen Funktion nicht passt. Die untere Saling müsste beidseitig um gut 1-1,5cm länger sein. Unnötig aufwändig erscheint mir die vorgesehene Befestigung der Wanten, die an den Anknüpfungsstellen am Mast jeweils per Haken befestigt werden sollen. Einfach anknoten reicht auch und hakt sich zudem beim Transport nicht aus.

Die vorgesehene blaue Schnur für die Wanten ist unbehandelt nicht zu brauchen, da sie sich enorm dehnt bzw. reckt - und zwar dauerhaft. Man kann sie für die Riggverstagung erst dann verwenden, wenn sie vor der Montage kräftig gestreckt wird. Nach dieser Bearbeitung wird sie aber recht steif und ist für die Schote nicht mehr zu brauchen.

Die Bauteile für die Verstagung weckten bei mir auch etwas Zweifel bezüglich ihrer Haltbarkeit. Die auf das Deck zu schraubenden kleinen, zierlichen Kunststoff-Augösen-Beschläge finden sich auch bei der nur 61cm großen Fortune (Kyosho) und sind bei der SEA-CRET m.E. etwas unterdimensioniert – aber sie halten offenbar. Die Verwendung der Gummiwanten ist annehmbar. Da gibt bei Belastung alles in sich irgendwie nach, bevor was bricht. Aber wenn man das Rigg auf eigene Faust besser, sprich stabiler ausführt, biegen sich entweder zuerst die reichlich dünnen Drahthaken auf oder die sehr zierlichen Klemmschieber brechen. Beides durchaus hübsch gemachte Bauteile, die bei einer kleinen MM/Fortune gut aussehen – und da bei mir jetzt auch Verwendung finden, denn ich habe die Klemmschieber und Haken gegen stabilere Versionen aus dem Zubehörhandel ausgetauscht.

Dass die Anleitung, auch die gelben zusätzlichen Korrekturblätter, die Befestigung der Fock am Rumpf falsch und nicht funktionierend darstellt, dürfte einen Anfänger ziemlich irritieren. Aber da der Fockbaum eh ausgemustert werden sollte und Eigenbau angesagt ist, fällt das nicht weiter auf.

Wie man es auch dreht und wendet, trotz einiger netter Detaillösungen kommt bei mir beim Bausatzrigg keine rechte Freude auf. Es mag für den absolut unerfahrenen Anwender als Einstieg ok sein, da es das Boot aufgrund der Flexibilität sehr gutmütig fahren lässt. Bei Böen weht halt alles sehr schnell aus und entlastet das Boot damit automatisch. Aber jeder Ansatz in Richtung anspruchsvollerer Segelei oder Versuche hinsichtlich einer beständigen Trimmung sind aufgrund dieser Flexibilität nicht möglich. Daher wird das Boot auch nur einen Teil dessen zeigen können, was es seglerisch eigentlich drauf hat - und dadurch auch weniger Segelspaß bieten, als möglich wäre. Das ist schon schade, denn am Fertigungsaufwand, sprich an den investierten Fertigungskosten liegt es hier ausnahmsweise nicht, sondern schlicht an der konstruktiv ungünstigen Auslegung/Gestaltung/Materialwahl.

Einige fehlende Angaben bezüglich der zu verwendenden RC-Ausrüstung erstaunen mich etwas, besonders hinsichtlich der Frage, welches Segelservo eigentlich empfohlen wird. Offenbar soll die Segelverstellung nach Skizze und Einbauplatz tatsächlich mit einem normalen Standardservo erfolgen. Bei fast 0,5m² Segelfläche ein fragwürdiges Unterfangen. Im Vergleich kommt da z.B. die Seawind von vornherein konstruktiv besser ausgelegt daher, da sie das bekannte, bewährte, kräftige und dabei dennoch preiswerte Power-Stellservo von Hitech vorsieht und auch den dafür nötigen Einbauplatz für dieses Großservo vorhält. Bei der SEA-CRET wird man Platzprobleme bekommen und muss sich einen eigenen RC-Einbau ausdenken und anfertigen. Ansonsten bleibt für einen zufriedenstellenden Betrieb in der vorgesehenen Art nur ein sehr kräftiges Servo der Standardgröße mit mindestens 100Ncm. Die sind aber meist recht teuer... Von irgendwelchen Digitalservos, die zwar sehr kräftig sind, würde ich hier abraten, da diese Geräte unter Last einen enormen Strombedarf haben - und Last liegt durch den langen Stellarm und eben den Schotzug z.B. bei Am-Wind-Stellung fast immer an. Auch wenn die AA-Akkus eine sehr große Kapazität haben, wird das Servo recht warm werden.... Aus meiner Schublade lachte mich noch ein altes, eigentlich ausgemustertes analoges Powerservo in Standardgröße an - die Stellkraft dieses sauteuren JR-Papiertiger-Servos sollte dabei gemäß Datenblatt mit 100Ncm ausreichend sein, aber in einem anderen, gleich großen Boot hat es schon einige Male den stets gleichen Getriebedefekt hinter sich, weshalb ich seine Typbezeichnung besser verschweige. Kann wohl vor Kraft kaum laufen und ich fürchte, in der SEA-CRET werden da wohl auch wieder Zähne geputzt, bis ich letztlich eine dauerhafte Lösung finden werde.

In der Anleitung, selbst in den zusätzlichen gelben Korrekturblättern, fehlt übrigens auch jeder Hinweis auf die Verlegung der ja nicht so ganz unwichtigen Antenne. Im Bausatz findet man ein längeres Kunststoffrohr und im Heckspiegel ist eine Bohrstelle markiert, so dass ich annehme, dass man das Rohr da befestigen und die Antenne dann von innen in dem Rohr nach hinten schieben und den Rest außen am Achterstag hoch irgendwie befestigen soll. So habe ich es jedenfalls gemacht, da ich diese Verlegung von anderen Booten kenne. Was macht aber ein unbedarfter Anfänger?

Ansonsten ist der RC-Einbau recht übersichtlich gemacht. Auch hier ist wieder alles sauber mit Spritzgusskunststofffertigteilen vorbereitet und wird einfach und gut passend zusammengeschraubt, kein Tropfen Kleber ist nötig – und damit im Falle eines Falles auch wieder demontierbar. Die ganze Anlage hängt übrigens im Rumpf unter dem Deck am Lukenrand, d.h. zwischen Elektrik und Bootsboden ist noch etwas Luft, so dass ein bisschen eindringendes Wasser nicht gleich Schaden anrichten sollte. Zudem wird in der Anleitung empfohlen, Akku und Empfänger in kleinen Plastiktüten (in den z.B. die diversen Kleinteile verpackt waren) zu verpacken. In weiser Voraussicht?

Die Ruderanlenkung habe ich allerdings dann doch leicht modifiziert, da mir die vorgesehene klobige Abdeckung hinten über dem Stellarm nicht gefiel, die vermutlich ein Vertüddeln der Segelschot am Ruderarm verhindern soll. Die Stange war dann zunächst auf die rechte Bootsseite gewandert, damit die links verlaufende Schot etwas mehr Freiraum hat. Dazu ist das Ruderservo gegenüber der Originalposition nach rechts versetzt neben dem Segelstellservo eingebaut, also in der Bootsmitte. Da die Stange in der Gummitülle aber mit dem von mir vorgesehenen Ruderausschlag nicht mehr so recht leichtgängig lief, und auch eine größere Tülle keine Besserung ergab, wurde kurzerhand auf eine einfache Seilzugansteuerung umgerüstet. Dazu habe ich eine kleine 1mm ABS-Abdeckplatte mit zwei Bohrungen und dünnen Bowdenzugröhrchen montiert, durch die die beiden Steuerseile geführt werden, die über Klemmschieber gespannt werden.

Ich habe inzwischen auch alle Zierteile auf’s Deck geschraubt, auch wenn diese beim Segeln eine magische Anziehungskraft auf die Großschot haben und sich diese z.B. bei einer Halse oder bei einem Regattastart an solchen Winschimitaten nur zu gern verheddert. Die Winschen sind leider auch nicht besonders vorbildgetreu dargestellt – hinsichtlich so manch anderer Detailverliebtheit eigentlich schade.

Fix und fertig bringt das Modell 3030g auf meine Waage – das ist dann ja doch etwas mehr, als die auf dem Karton angegebenen 2450g, aber für die Bootsgröße durchaus ok. Allein der komplette Kiel wiegt 1580g

 

Stand: 21.07.2006