Teil 1 - Servo-Grundeinstellungen
Dieses Informationsblatt bezieht sich auf ein Kunstflug-Flächenmodell
mit Verbrennungsmotor. Es soll dem Anfänger in unserem Hobby den
Einstieg erleichtern und bereits gemachte Erfahrungen weitergeben (⇒ „Das
Rad muss nicht neu erfunden werden“). Trotz der vielfältigen
Einstellmöglichkeiten heutiger, moderner Fernsteueranlagen muss
man manche Gesetze der Mechanik beachten und kann nicht alles „hintrimmen“.
So sollte z.B. die Servo-Nullstellung mittels Sender-Servomitteneinstellung
nur für kleine Justagen benutzt werden. Grosse Einstellwerte können
dazu beitragen, daß das Servo bereits einseitig den maximalen Drehwinkel
erreicht hat, bevor der Senderknüppel auf Vollausschlag ist. Wie
macht man es also richtig?
1. Startwerte am Sender
Wenn man im Sender ein neues Modell konfiguriert, dann
sind (mindestens) diese Werte einzustellen (am Beispiel mc-24):
- Trimmspeicher (Code 81) = 0 (gelöscht)
- Gebereinstellung (Code 32) = 100%
- Servomitte (Code 23) = 0%
- Servoweg nach beiden Richtungen (Code 23) = 100%
- Dual Rate/Expo (Code 33) = 0% Expo (linear)
2. Mechanischer Einbau des Servogestänges
Das untenstehende Bild illustriert einen idealen
Gestängeanschluss bei Servo-Nullstellung. Der Servoarm sitzt
waagrecht/senkrecht ausgerichtet auf dem Servo, das Servogestänge
hat 90 Grad zum Servoarm und läuft parallel zur Mittellinie
des angelenkten Ruders, die Ruderanlenkung ist 90 Grad zum Ruderhorn
und die Ruderanlenkung am Ruderhorn befindet sich genau im Ruderdrehpunkt.
Damit erhält man gleiche Ruderausschläge nach beiden
Seiten. Sollte das Servo nicht parallel zum Servogestänge
montierbar sein, dann achtet bitte darauf, daß das Gestänge
und der Servoarm einen 90 Grad Winkel bilden.
3. Servo- und Senderjustagen allgemein
- Anschluss des Servos am Empfänger; Betriebsspannung (Akku)
am Empfänger.
- Senderknüppel (außer Gasknüppel – der kommt
später) und Knüppeltrimmung in Mitte.
- Die Servodrehrichtung mit Knüppelvollausschlag testen
und im Sender bei Bedarf entsprechend umpolen (Code 23).
- Jetzt den Servoarm auf das Servo so aufsetzen, daß der
Servoarm möglichst waagrecht/senkrecht ausgerichtet ist – häufig
gelingt dies nur mit geringer Abweichung.
- Jetzt mit Sender (Code 23) die endgültige Servomitte
justieren.
Der Servoarm sollte nun bei Knüppelmittelstellung waagrecht/senkrecht
stehen und das Ruder bei Knüppelbedienung in die richtige Richtung
auslenken. Was jetzt noch fehlt ist die Abstimmung des Ruderweges,
d.h. dass das Ruder voll ausschlägt, wenn der Knüppel voll
ausgelenkt wird.
-
Die Länge des Servogestänges so justieren (z.b. mittels
der Gabelköpfe am Servoarm oder am Ruderhorn), daß bei
Servo-Null das Ruder auch genau auf Null steht.
-
Um das Gestänge im richtigen Abstand vom Drehpunkt (Servoarm
und Ruderhorn) einzuhängen sind noch folgende Informationen
wichtig:
- Wie groß sollen die Ruderausschläge sein? Sind
dazu Angaben in der Baubeschreibung vorhanden, oder muss ich
mich bei Freunden nach Startwerten umhören?
- Wenn ich eine Untersetzung brauche (z.b. soll das Höhenruder
22 Grad nach jeder Seite ausschlagen, während das Servo
45 Grad je Seite dreht – das entspricht einer Untersetzung
von 1:2) kann ich das Gestänge in diesem Verhältnis
einhängen.
Im obigen Beispiel also z.b. 15 mm Servoarm und 30 mm am Ruderhorn
(bis Scharnierlinie!).
- Je weiter außen ich am Servo das Gestänge einhänge,
desto besser kann ich die Servostellgenauigkeit ausnutzen – allerdings:
je weiter innen ich am Servo einhänge, desto größere
Stell-Last kann ich (bei gleich bleibenden Servo-Drehmoment)
in das Gestänge einleiten.
- Wichtig ist hier, die Anpassung „Servodrehweg zu Ruderausschlag“ mechanisch
richtig einzustellen und dies NICHT ausschließlich über
die Servowegeinstellung im Sender zu tun.
4. Servo- und Senderjustagen (SR, HR, QR) für F3A-Kunstflug
- SR-Seitenruder
Hier werden ca. 25 Grad Ausschlag je Seite benötigt; für
Turns und Spins auch den mechanisch maximal möglichen Ausschlag
von z.B. 45 Grad. Da das Servo auch 45 Grad je Seite dreht, ist dies
eine 1:1 Übersetzung
(Servoarm genauso lang wie der Ruderarm bis zur Scharnierlinie).
Für
die unterschiedlichen Ausschläge bietet sich die Benutzung
eines Dual Rate-Schalters an.
- HR-Höhenruder
Für F3A-Kunstflug werden 10-15 Grad Ausschlag je Seite benötigt.
- QR-Querruder
Mechanisch wird erst mal der maximal mögliche Ruderausschlag
eingestellt – dieser
wird für Snaps benutzt. Für den restlichen F3A-Kunstflug
sollte man (mittels Dual Rate-Schalter) den Ausschlag je
Seite auf 15 Grad begrenzen.
Damit
die Ruderausschläge oben/unten bzw. links/rechts gleich groß sind,
wird eine Feinanpassung über den Dual Rate-Wert vorgenommen – so
kann es schon sein, daß SR links D/R=98% und SR rechts D/R=103%
ergeben. Als „Ausschlags-Messgerät“ benutze ich
dabei den AccuThrow (Fa. Great Planes, USA – im Vertrieb der
Fa. Simprop).
Wer nicht dauernd während des Kunstflugs an den Dual Rate-Schaltern
umschalten möchte, sollte Flugphasen (z.B. Akro, Spin, Landung,
etc.) programmieren und hierbei die Dual Rate- und Expo-Werte festlegen ⇒ siehe
Kapitel 2 „Einfliegen im Keller“.
5. Gasservo- und Senderjustage
Der Gasknüppel wird gesondert behandelt, weil es hier Vollgas
ohne Trimmung (Knüppel-Vollausschlag) und Leerlauf mit Trimmung
gibt. Der Leerlauf wird bei laufendem Motor mit der Knüppeltrimmung
eingestellt (möglichst ungefähre Mittenstellung des Trimmhebels),
dann kann man bei Voll-Trimmung den Motor abstellen. Die gezeigte
Vergaseranlenkung hat am Drosselküken zwar keinen 90 Grad-Winkel,
bewirkt aber symmetrische Winkelverstellung um die Mittelstellung ⇒ Anpassung über
Sender-Gaskurve, wenn gewünscht.
Achtung: Keine Metall-auf-Metall Verbindungen (z.B. Metall-Gabelkopf
mit Metallhebel am Drosselküken), weil diese Knackgeräusche
mit Servozucken ergeben können!
Nun zur Justage:
- Senderknüppel und Trimmhebel in Mittelstellung (Servoarm ist
jetzt auch Mittelstellung); Anschluss am Drosselküken in rot gezeichneter
Mittenstellung (siehe nebenstehendes Bild); das Luftloch im Vergaser
sollte jetzt auch ungefähr zur Hälfte sichtbar sein.
- Senderknüppel in Vollgas-Stellung (Trimmhebel bleibt in Mittelstellung!) ⇒ Vergaser
ist voll offen; Wegjustage über einseitige Servowegeinstellung
im Sender (Code 23) vornehmen. Falls dabei Werte kleiner 70% rauskommen,
die Einhängungen am Servoarm bzw. am Drosselküken verändern.
- Senderknüppel in Leerlaufstellung (Trimmhebel bleibt in
Mittelstellung!) ⇒ Vergaser sollte jetzt ein Luftloch von
0,3 –0,5 mm zeigen. Wegjustage über einseitige Servowegeinstellung
im Sender (Code 23) vornehmen. Wenn man jetzt die volle Trimmung
Richtung Leerlauf bedient, sollte sich das Luftloch ganz schließen,
damit der Motor ausgeht. Hier darauf achten, daß der Weg
nicht mechanisch durch die Schraube am Drosselküken (Servo
brummt oder Gestänge biegt sich durch) oder durch den Servoweg
begrenzt wird.
Literaturhinweise
Ja, das wär’s erst einmal für die Grundjustagen.
Euer Feedback an klaus_bernhardt@gmx.de ist herzlich willkommen.
Teil 1 - Servo-Grundeinstellungen
Teil 2 - Einfliegen – im
Keller
Teil
3 - Richtigen Propeller auswählen
Teil 4 - Einfliegen - auf der Wiese
Teil 5 - Mischereinstellungen für
Kunstflug
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