Du fliegst, wie Du einstellst

Klaus Bernhardt

Teil 1 - Servo-Grundeinstellungen

Dieses Informationsblatt bezieht sich auf ein Kunstflug-Flächenmodell mit Verbrennungsmotor. Es soll dem Anfänger in unserem Hobby den Einstieg erleichtern und bereits gemachte Erfahrungen weitergeben (⇒ „Das Rad muss nicht neu erfunden werden“). Trotz der vielfältigen Einstellmöglichkeiten heutiger, moderner Fernsteueranlagen muss man manche Gesetze der Mechanik beachten und kann nicht alles „hintrimmen“. So sollte z.B. die Servo-Nullstellung mittels Sender-Servomitteneinstellung nur für kleine Justagen benutzt werden. Grosse Einstellwerte können dazu beitragen, daß das Servo bereits einseitig den maximalen Drehwinkel erreicht hat, bevor der Senderknüppel auf Vollausschlag ist.  Wie macht man es also richtig?
 

1. Startwerte am Sender

Wenn man im Sender ein neues Modell konfiguriert, dann sind (mindestens) diese Werte einzustellen (am Beispiel mc-24):

  • Trimmspeicher (Code 81) = 0 (gelöscht)
  • Gebereinstellung (Code 32) = 100%
  • Servomitte (Code 23) = 0%
  • Servoweg nach beiden Richtungen (Code 23) = 100%
  • Dual Rate/Expo (Code 33) = 0% Expo (linear)


2. Mechanischer Einbau des Servogestänges

Das untenstehende Bild illustriert einen idealen Gestängeanschluss bei Servo-Nullstellung. Der Servoarm sitzt waagrecht/senkrecht ausgerichtet auf dem Servo, das Servogestänge hat 90 Grad zum Servoarm und läuft parallel zur Mittellinie des angelenkten Ruders, die Ruderanlenkung ist 90 Grad zum Ruderhorn und die Ruderanlenkung am Ruderhorn befindet sich genau im Ruderdrehpunkt. Damit erhält man gleiche Ruderausschläge nach beiden Seiten. Sollte das Servo nicht parallel zum Servogestänge montierbar sein, dann achtet bitte darauf, daß das Gestänge und der Servoarm einen 90 Grad Winkel bilden.

 



3. Servo- und Senderjustagen allgemein

  • Anschluss des Servos am Empfänger; Betriebsspannung (Akku) am Empfänger.
  • Senderknüppel (außer Gasknüppel – der kommt später) und Knüppeltrimmung in Mitte.
  • Die Servodrehrichtung mit Knüppelvollausschlag testen und im Sender bei Bedarf entsprechend umpolen (Code 23).
  • Jetzt den Servoarm auf das Servo so aufsetzen, daß der Servoarm möglichst waagrecht/senkrecht ausgerichtet ist – häufig gelingt dies nur mit geringer Abweichung.
  • Jetzt mit Sender (Code 23) die endgültige Servomitte justieren.
  • Der Servoarm sollte nun bei Knüppelmittelstellung waagrecht/senkrecht stehen und das Ruder bei Knüppelbedienung in die richtige Richtung auslenken. Was jetzt noch fehlt ist die Abstimmung des Ruderweges, d.h. dass das Ruder voll ausschlägt, wenn der Knüppel voll ausgelenkt wird.

  • Die Länge des Servogestänges so justieren (z.b. mittels der Gabelköpfe am Servoarm oder am Ruderhorn), daß bei Servo-Null das Ruder auch genau auf Null steht.
  • Um das Gestänge im richtigen Abstand vom Drehpunkt (Servoarm und Ruderhorn) einzuhängen sind noch folgende Informationen wichtig:
    • Wie groß sollen die Ruderausschläge sein? Sind dazu Angaben in der Baubeschreibung vorhanden, oder muss ich mich bei Freunden nach Startwerten umhören?
    • Wenn ich eine Untersetzung brauche (z.b. soll das Höhenruder 22 Grad nach jeder Seite ausschlagen, während das Servo 45 Grad je Seite dreht – das entspricht einer Untersetzung von 1:2) kann ich das Gestänge in diesem Verhältnis einhängen. Im obigen Beispiel also z.b. 15 mm Servoarm und 30 mm am Ruderhorn (bis Scharnierlinie!).
    • Je weiter außen ich am Servo das Gestänge einhänge, desto besser kann ich die Servostellgenauigkeit ausnutzen – allerdings: je weiter innen ich am Servo einhänge, desto größere Stell-Last kann ich (bei gleich bleibenden Servo-Drehmoment) in das Gestänge einleiten.
    • Wichtig ist hier, die Anpassung „Servodrehweg zu Ruderausschlag“ mechanisch richtig einzustellen und dies NICHT ausschließlich über die Servowegeinstellung im Sender zu tun.


4. Servo- und Senderjustagen (SR, HR, QR) für F3A-Kunstflug

  • SR-Seitenruder
    Hier werden ca. 25 Grad Ausschlag je Seite benötigt; für Turns und Spins auch den mechanisch maximal möglichen Ausschlag von z.B. 45 Grad. Da das Servo auch 45 Grad je Seite dreht, ist dies eine 1:1 Übersetzung (Servoarm genauso lang wie der Ruderarm bis zur Scharnierlinie). Für die unterschiedlichen Ausschläge bietet sich die Benutzung eines Dual Rate-Schalters an.
  • HR-Höhenruder
    Für F3A-Kunstflug werden 10-15 Grad Ausschlag je Seite benötigt.
  • QR-Querruder
    Mechanisch wird erst mal der maximal mögliche Ruderausschlag eingestellt – dieser wird für Snaps benutzt. Für den restlichen F3A-Kunstflug sollte man (mittels Dual Rate-Schalter) den Ausschlag je Seite auf 15 Grad begrenzen.

Damit die Ruderausschläge oben/unten bzw. links/rechts gleich groß sind, wird eine Feinanpassung über den Dual Rate-Wert vorgenommen – so kann es schon sein, daß SR links D/R=98% und SR rechts D/R=103% ergeben. Als „Ausschlags-Messgerät“ benutze ich dabei den AccuThrow (Fa. Great Planes, USA – im Vertrieb der Fa. Simprop).


Wer nicht dauernd während des Kunstflugs an den Dual Rate-Schaltern umschalten möchte, sollte Flugphasen (z.B. Akro, Spin, Landung, etc.) programmieren und hierbei die Dual Rate- und Expo-Werte festlegen ⇒ siehe Kapitel 2 „Einfliegen im Keller“.
 

5. Gasservo- und Senderjustage

Der Gasknüppel wird gesondert behandelt, weil es hier Vollgas ohne Trimmung (Knüppel-Vollausschlag) und Leerlauf mit Trimmung gibt. Der Leerlauf wird bei laufendem Motor mit der Knüppeltrimmung eingestellt (möglichst ungefähre Mittenstellung des Trimmhebels), dann kann man bei Voll-Trimmung den Motor abstellen. Die gezeigte Vergaseranlenkung hat am Drosselküken zwar keinen 90 Grad-Winkel, bewirkt aber symmetrische Winkelverstellung um die Mittelstellung ⇒ Anpassung über Sender-Gaskurve, wenn gewünscht.

Achtung: Keine Metall-auf-Metall Verbindungen (z.B. Metall-Gabelkopf mit Metallhebel am Drosselküken), weil diese Knackgeräusche mit Servozucken ergeben können!

Nun zur Justage:

  • Senderknüppel und Trimmhebel in Mittelstellung (Servoarm ist jetzt auch Mittelstellung); Anschluss am Drosselküken in rot gezeichneter Mittenstellung (siehe nebenstehendes Bild); das Luftloch im Vergaser sollte jetzt auch ungefähr zur Hälfte sichtbar sein.
  • Senderknüppel in Vollgas-Stellung (Trimmhebel bleibt in Mittelstellung!) ⇒ Vergaser ist voll offen; Wegjustage über einseitige Servowegeinstellung im Sender (Code 23) vornehmen. Falls dabei Werte kleiner 70% rauskommen, die Einhängungen am Servoarm bzw. am Drosselküken verändern.
  • Senderknüppel in Leerlaufstellung (Trimmhebel bleibt in Mittelstellung!) ⇒ Vergaser sollte jetzt ein Luftloch von 0,3 –0,5 mm zeigen. Wegjustage über einseitige Servowegeinstellung im Sender (Code 23) vornehmen. Wenn man jetzt die volle Trimmung Richtung Leerlauf bedient, sollte sich das Luftloch ganz schließen, damit der Motor ausgeht. Hier darauf achten, daß der Weg nicht mechanisch durch die Schraube am Drosselküken (Servo brummt oder Gestänge biegt sich durch) oder durch den Servoweg begrenzt wird.
 

Literaturhinweise


Ja, das wär’s erst einmal für die Grundjustagen.
Euer Feedback an klaus_bernhardt@gmx.de ist herzlich willkommen.

Teil 1 - Servo-Grundeinstellungen
Teil 2 - Einfliegen – im Keller
Teil 3 - Richtigen Propeller auswählen
Teil 4 - Einfliegen - auf der Wiese
Teil 5 - Mischereinstellungen für Kunstflug
 

Stand: 16.08.2006