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Es gibt noch Überraschungen...
Da erreicht die Redaktion von eine
Mail mit dem Betreff "Euer Projekt Modellgleitschirm" und enthält einige
Texte und 2 Bilder. Und wer ist es? Jürgen Reinhard (80) aus Bad Segeberg,
gewissermaßen der "Erzeuger" des bei uns erwähnten Flugroboters "Kyberni".
Gefunden hat er uns über Google im Projekt
Modellgleitschirm. Da er nach wie vor die etwas seltenere Art des
Modellfliegens so faszinierend findet, stellt er zur Fortsetzung der
Arbeit einige Informationen zur Verfügung. Und registrieren will er sich
bei uns auch noch, um aktiv am Beitrag mit teilzunehmen.
Nachfolgend einige Texte , die er im Rahmen seiner Arbeit veröffentlicht
hat.
Modell-Gleitschirmfliegen / Ein Hilfeschrei
Fast alle Luftfahrzeuge, die der Mensch zu seiner Fortbewegung oder
seinem Vergnügen erfunden hat, fliegen mittlerweile auch als Modell.
Nur ein Fluggerät will einfach nicht so richtig Fuss fassen: Der
Gleitschirm. Natürlich ist diese Sparte selbst noch sehr jung, denn
erst Mitte der 80er Jahre wurde diese Art des Fliegens geboren. Einige
begeisterte Modell-Pioniere versuchten sich natürlich sofort daran,
doch es dauerte bis Mitte der 90er, bis mit dem »ParaplaneSport« von
Hirobo ein kräftiger Schub kam.
Alles erschien so Erfolg versprechend, dass der DMFV sogar eine Wettbewerbsausschreibung
für das RC-Motorgleitschirmfliegen formulierte. Danach kam dann
noch der »SkySurfer« von Graupner, der aber leider von den
Modellfliegern nicht so richtig angenommen wurde. Seitdem ist es auf
diesem Gebiet ruhig geworden - eingeschlafen kann man schon sagen.
Meiner Meinung nach lag es in erster Linie daran, dass die erzielbaren
Flugzeiten recht kurz waren. Die Akkus gaben einfach nicht mehr her.
Sozusagen zur Bestätigung dieser These habe ich mir in diesem Sommer
einen motorisierten Piloten mit Hochleistungs-»Pletti« und
10 x 2400er Sanyo gebaut. Und siehe da, der alte Schirm fliegt wieder.
Und zwar besser als gedacht.
Höhenflüge bis an die Sichtgrenze sind durchaus möglich,
und Flugzeiten von mehr als 20 Minuten (etwas Thermik vorausgesetzt)
keine Seltenheit. Fazit: Am Piloten oder Trike, was immer man wählt,
liegt es heute nicht mehr. Was fehlt, ist ein moderner Schirm, denn nur
der bestimmt letztendlich die Flugleistungen. Natürlich ist auch
in diesem Falle bei den »grossen« Vorbildern die Entwicklung
nicht stehen geblieben. Der Rechteckschirm ist »out«. Es
dominiert der elliptische Schirm. Weiterhin gibt es jetzt die ersten
Schirme mit geschlossenen »Zellen« und (kein Witz) mit
gefiederten Endkappen, sprich Winglets!
Was aber können wir Modellflieger tun? Das Selbstbauen verlernen
wir leider immer mehr. Und das wäre in diesem Falle auch mit allerlei
Hürden verknüpft. So gibt es beispielsweise keine Literartur über
die Schirmkonstruktion (ist mir jedenfalls nicht bekannt). Zumindest
müsste man doch wissen, welche Faktoren das Aufziehverhalten, die
Einklappsicherheit und die Stabilität beeinflussen. Ich habe versucht,
an Informationen zu kommen. Unmöglich. Die Daten sind größtes
Geheimnis jeder »Schirmschmiede«, deren Inhaber meistens
Konstrukteur und Chefpilot in einer Person sind, sehr oft auch noch renommierter
Wettbewerbspilot. Und nachdem der Konkurrenzdruck sehr gross ist, läßt
man sich, verständlicherweise, nicht gerne ich die Karten schauen.
Ein grosser Glücksfall wäre es jetzt, durch diesen Bericht
einen Schirmexperten zu finden, der ein Herz für Modellflieger hat.
Es muss ja nicht unbedingt ein Schnittmuster der letzten Saison sein.
Wir sind auch mit einem etwas älteren Modell zufrieden.
ParaplaneSport Revival
Für mich begann die Modell-Gleitschirmfliegerei 1994 mit dem ParaplaneSport
von HIROBO (damals im Vertrieb bei Simprop). Er zwar nicht gerade billig,
dafür aber 'almost-ready-to-fly'. Und flog auch sehr gut. Er tauchte
mehrfach bei Wettbewerben auf und der DMFV nahm diesen Anfangserfolg
sogar zum Anlaß, schon mal eine Wettbewerbs-Ausschreibung für
das RC-Motorgleitschirmfliegen zu formulieren. Danach kam dann der 'Skysurfer'
von Graupner hinzu, der aber von den Modellfliegern nicht so recht angenommen
wurde. Eigentlich sehr zu unrecht, denn er flog ebenfalls sehr gut und
war für mich lange Zeit ein idealer 'Urlaubsflieger'. Beide Modelle
sind bis heute übrigens noch im Handel.
Doch noch mal zurück zum ParaplaneSport. Vielleicht waren die Erwartungen
doch etwas zu hoch gewesen. Ich sehe den Hauptgrund darin, daß die
erzielbaren Flugzeiten doch recht kurz waren und die Motorleistung recht
knapp bemessen. Als der '600er' nach ca. 8 bis 10 Std. Betriebszeit erste
Verschleißerscheinungen zeigte, tat sich der Paraplane immer schwerer
auf Höhe zu kommen. Bis ich das so richtig realisiert hatte, kam
es schon zum fatalen Crash. Aus war's. Vielen anderen Paraplane-Piloten
wird es, schätze ich mal, ähnlich ergangen sein.
Irgendwann folgte dann die Überlegung: Warum nicht mal einen Versuch
machen mit den inzwischen zur Verfügung stehenden besseren Motoren
und Akkus. Denn nur das waren ja die eigentlichen Schwachpunkte.
Anstelle eines Trikes habe ich mir einen künstlichen Piloten gebaut.
Man könnte das Gebilde auch als Flug-Roboter bezeichnen. Im Fluge,
unter dem Schirm, sieht es doch garnicht mehr so unmöglich aus.
Oder? Grundgedanke war einzig und allein, alle notwendigen Komponenten
in einer möglichst leichten 'Zelle' funktionsgerecht zusammenzufassen.
Einfachheitshalber auch mit dem einfacheren Zug- anstelle des üblichen
Druckantriebs. Die Haupt-Baumaterialien: ABS- und CFK-Platten, CFK-Rohre
sowie Aluwinkel aus dem Baumarkt.
Mit dem (zugegeben nicht ganz billigen) Getriebeantrieb Plettenberg
PM200/25/5 4,4:1, mit Graupner/CAM-Prop 12,5x6" sowie einem 10-Zellen-Akku
Sanyo 2400 als Energiequelle, mit Empfänger Simprop Piko200, Servo
Graupner C3321 und Drehzahlsteller schulze slim-35be habe ich ein Startgewicht
von 1260g erreicht, etwas weniger sogar noch als beim Original. Und der
alte ParaplaneSport-Schirm fliegt wieder. Sogar besser als gedacht. Höhenflüge
bis an die Sichtgrenze sind durchaus möglich und 'Airtimes' von
mehr als 20 Minuten (etwas Thermik vorausgesetzt) keine Seltenheit.
Der ParaplaneSport ist übrigens immer noch im Programm vom HIROBO.
Den Schirm alleine könnte man sicher als Ersatzteil bekommen. Mehr
Informationen und Händleradressen unter www.hirobo.at.
Kyberni
Angeregt durch den Erfolg mit der „Wiederbelebung“ des Hirobo
ParaplaneSport habe ich mich nach einem moderneren Schirm umgesehen.
Denn die Rechteckform ist ja eigentlich nicht mehr letzter Stand der
Technik. Mit dem (einzigen deutschen Modellschirm dieser Größe)
ihl ParaVictor26 war ich nicht so zurecht gekommen. Nach langer Sucherei
bin ich dann (via Internet) bei der amerikanischen Firma AirfoilAviation
fündig geworden. Von deren Bausätze habe ich allerdings nur
den Schirm genommen - ein dazu passendes Trike habe ich mir nach eigenen
Ideen und Vorstellungen selbst gebaut.
Baumaterial: Alu/CFK,
Antrieb: Brushless HP 220/20/A3P4 5:1 mit 14"x7" CamCarbon
Dreiblatt-LS,
Drehzahlsteller: schulze future 45be,
Antriebsakku: 10N-2400RC
Sanyo,
Schwerkraftsteuerung mit Servo Graupner C4621
Das Abfluggewicht beträgt ca. 2200 g, die Startleistung liegt bei
ca. 270 Watt (ca. 25 A)
Weitere Informationen über den amerikanischen Gleitschirmbauer
unter: www.airfoilaviation.com
Roboter sind aus unserem modernen Leben nicht mehr wegzudenken. Sie
produzieren Autos und elektronische Geräte oder erledigen Sonderaufgaben,
die für uns zu schwierig oder zu gefährlich wären. Kurz,
man kann einem Roboter so ziemlich alles beibringen. Zum Beispiel auch
das Steuern eines Gleitschirms. Genau das macht Kyberni. Konkret: er
fliegt einen Motorgleitschirm, und zwar den alten Rechteckschirm vom
HIROBO ParaplaneSport.
Übrigens - sein Name ist aus dem Griechischen abgeleitet. kybernetes
bedeutet Steuermann.

Die Redaktion bedankt sich bei Jürgen Reinhard
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