Teil 2 - Einfliegen – im
Keller
„Einfliegen – im Keller“ hört sich nach Gegensätzen
an. Aber die erste Phase des Einfliegens beginnt tatsächlich im
Bastelkeller – dabei werden alle Einstellungen und Justagen vorgenommen.
Diese Information für ein Kunstflug-Flächenmodell mit Verbrennungsmotor
soll dem Anfänger in unserem Hobby den Einstieg erleichtern und
bereits gemachte Erfahrungen weitergeben. Das vorliegende Infoblatt knüpft
an den Artikel „Servo-Grundeinstellungen“ an.
1. Startwerte am Sender
Wenn man im Sender ein neues Modell konfiguriert, dann sind (mindestens)
diese Werte einzustellen (am Beispiel mc-24):
- Trimmspeicher (Code 81) = 0 (gelöscht)
- Senderknüppel und Trimmhebel in Mitte
- Grundeinstellungen Sender, Modell und Servos (Codes 21, 22,23) eingestellt
- Knüppeleinstellungen ohne Trimmreduzierung (Code 31) = 100%
- Gebereinstellung (Code 32) = 100%
- Dual Rate/Expo (Code 33) = 0% Expo (linear)
Allgemeine
Einstellungen (Code 91) konfiguriert
2. Überprüfung der Geometrie
- Die Tragflügel und das Höhenleitwerk (HLW) sollen senkrecht
und symmetrisch zur Flugzeuglängsachse sein. Wie auf dem Bild
ersichtlich, werden jeweils die Distanzen von der Rumpfschnauze zu
den HLW-Enden und vom Seitenleitwerk zu den Flügelenden gemessen – sie
sollten rechts und links gleich sein, ansonsten ist nachzuarbeiten.
- Als nächstes schauen wir mit etwas Abstand von hinten auf das
Flugzeug-Leitwerk und überprüfen, ob das Höhenleitwerk
parallel zu den Flügeln verläuft und das Seitenleitwerk dabei
senkrecht in der Mitte steht.
3. Überprüfung der Einstellwinkel von Fläche und Motor
Wenn man keine EWD-Waage zur Hand hat, kann man sich die Werte nach
unten stehendem Verfahren leicht ausrechnen. Aufgrund der kleinen Winkel
berechnen wir eine Näherungslösung und brauchen keinen Taschenrechner
zum Berechnen der Winkelfunktionen. Zuerst stellen wir das Flugzeug so
auf, dass das Höhenleitwerk auf 0-0 (also waagrecht) ist. Dazu wird
das Flugzeug auf eine gerade Unterlage (z.b. große Tischplatte)
gestellt und am Rumpfende so unterlegt, dass das Höhenruder horizontal
liegt, d.h. so einrichten, dass der Abstand der HLW Vorder- und Hinterkante
zum Untergrund gleich ist (Mass c=d ). Statt des Propellers montieren
wir eine 1 cm dicke Sperrholzplatte mit den Maßen 10x30 cm.

- Ermittlung der Einstellwinkeldifferenz (EWD)
Wir ermitteln die Abstände der Flügelvorderkante bzw. der
Flügelhinterkante direkt am Rumpf zum Untergrund (dies sind die
Maße a und b). Am besten stellt man dazu zwei Winkel auf den Untergrund
und misst dabei auch gleich die Flügeltiefe t in cm. Mit guter Näherung
gilt bei kleinen Winkeln:
EWD [Grad] = (a [mm]-b [mm]) / (Flügeltiefe t [cm] * 0,175)
Beispiel:
Bei (a-b) = 3,5 mm und Flügeltiefe = 20 cm ist die EWD = 3,5 / (20*0,175)
= 1 Grad
Die ermittelte EWD wird mit den Bauunterlagen verglichen – bei
Bedarf ist die Flächen-
oder HLW-Auflage des Rumpfs entsprechend nachzuarbeiten.
- Ermittlung des Motorsturzes
Während das Modell mit HLW=0-0 aufgebockt ist, können wir
auch wunderbar den Motorsturz ermitteln. Das Maß „30 cm“ der
Sperrholzplatte zeigt jetzt genau senkrecht. Wir verrutschen einen der
Winkel so, dass er von vorn gegen die Sperrholzplatte stößt.
Aufgrund des Motorsturzes wird die Sperrholzplatte oben am Winkel anstoßen
und unten einige Millimeter davon entfernt sein. Wir messen diesen Abstand
und berechnen den Motorsturz (wie oben mit guter Näherung bei kleinen
Winkeln), wobei der Wert „30“ in der Formel für die
vertikale Länge des 30 cm langen Sperrholzbrettchens steht:
Motorsturz [Grad] = Entfernung Winkel zu Sperrholzplatte unten [mm]
/ (30 * 0,175)
Beispiel:
Bei einer Entfernung des Winkels zur Sperrholzplatte unten = 8 mm und
einer Sperrholzbrettlänge von 30 cm ist der Motorsturz = 8 / (30*0,175)
= 1,5 Grad.
- Ermittlung des Motorseitenzuges
Während das Modell mit HLW=0-0 aufgebockt bleibt, drehen wir die
Sperrholzplatte so, dass das Maß „30 cm“ nun waagrecht
steht. Wir messen nun von dieser Sperrholzplatte bis zum Ende des Seitenleitwerks – auf
der rechten Seite und auf der linken Seite. Da der Motorseitenzug normalerweise
nach rechts zeigt, wird die Messung auf der linken Seite länger
als auf der rechten Seite sein. Wir berechnen den Motorseitenzug in zwei
Schritten (wie oben mit guter Näherung bei kleinen Winkeln), wobei
der Wert „15“ in der Formel für die halbe Breite des
30 cm breiten Sperrholzbrettchens steht:
Maß x = (Messung links [mm] – Messung rechts [mm])
/ 2
Motorseitenzug [Grad] = Maß x [mm] / (15 * 0,175)
Beispiel:
Bei der Messung links ergeben sich 2008 mm und rechts 1992 mm. Daraus
ergibt sich ein Maß x = (2008-1992)/2 = 8 mm. Der Motorseitenzug
ist 8 / (15*0,175) = 3 Grad.
4. Überprüfung der Balance
- Überprüfung der Schwerpunktlage (CG) über
die Querachse
Wir übertragen das Schwerpunktmaß als Abstand von der Flügelvorderkante
vom Plan auf den Rumpf. Dann unterstützen wir die Flächen unten
links und rechts des Rumpfes des flugfertigen Modell (mit leerem Tank)
genau hier. Das Modell sollte nun waagrecht bis ganz leicht nach vorn
geneigt sein – auf keinen Fall aber nach hinten geneigt, also schwanzlastig
sein! Ich selbst mache mir gern bei Tiefdeckern kleine Nieten (von den
Servobefestigungen) beim Schwerpunktsmaß in die Rumpfwand links
und rechts und hänge dort einen Drahtbügel ein, an dem ich
das gesamte Modell dann hochheben kann.
- Überprüfung der Balance über die Längsachse
Der Propeller wird abmontiert und das Modell wird an der Kurbelwelle
und mittig unter dem Rumpfende beim Seitenleitwerk unterstützt.
Wenn die Balance stimmt, dann kippt das Modell nicht nach links oder
rechts, sondern bleibt waagrecht. Manchmal sind die Rumpfeinbauten nicht
mittig zur Rumpflängsachse, oder die einzelnen Flächenhälften
sind unterschiedlich schwer – dann solange kleine Bleistücke
(manchmal tut’s auch ein Nagel!) auf die leichte Flächenaussenseite
legen, bis der Gesamtflügel waagrecht bleibt. Die Bleistücke
dann an der Flügelaußenseite unten einarbeiten und festkleben.
5. Einstellung der Ruderausschläge
Zum Einstellen der Ruderausschläge ist es zuerst notwendig, die
Angaben von Winkelgraden in mm Ausschlag umzurechnen. Hierzu suchen wir
uns pro Ruder einen markanten und nachmessbaren Punkt, z.B. Querruder-Innenkante,
Höhenruderaussenkante, Seitenruderoberseite. Hier messen wir die
jeweilige Rudertiefe in mm. Die Umrechnungsformel ist nun:
- für Taschenrechnerbenutzer:
Ruderausschlag [mm] = tan (Ausschlagswinkel in Grad)*Rudertiefe [mm]
- für näherungsweise Bestimmung (da ja die richtigen Werte
sowieso später erflogen werden):
Ruderausschlag [mm] = 0,0175 * Ausschlagswinkel [Grad] * Rudertiefe
[mm]
Beispiel:
Gegeben ist ein Höhenruder mit einer Rudertiefe außen von
50 mm. Für einen Ausschlag von 15 Grad soll der Ausschlag in mm
errechnet werden.
Taschenrechner: Ausschlag [mm] = tan(15) * 50 = 0,26795 * 50 =
13,398 ⇒ 13 mm
Überschlägig: Ausschlag [mm]
= 0,0175 * 15 * 50 = 13,125 ⇒ 13 mm
Wie in „Servo-Grundeinstellungen“ beschrieben, wurden bereits
bei Dual Rate/Expo (Code 33) die Einstellungen für die Ruderausschläge
von Seitenruder, Höhenruder und Querruder vorgenommen (annähernd
100%, aber rechts/links oder oben/unten gleiche Ausschläge in mm).
Die Quer- und Seitenruder haben dabei die mechanisch maximal möglichen
Ausschläge.
Für den Erstflug werden nun die Einstellungen für den „normalen“ Kunstflug
vorgenommen. Mit dem Sender wird nun das Dual Rate/Expo (Code 33) pro
Ruderausschlagsseite so eingestellt, dass sich auf jeder Ausschlagsseite
gleich viele Millimeter ergeben. Beim mc-24 Sender benutze ich dazu die
asymmetrische Einstellung, wie sie auf Seite 53 der Senderbedienungsanleitung
beschrieben ist.
Achtung: Die Einstellung „Servowege (Code 23)“ benutze
ich zur Justage der QR-Differenzierung.
Flugphase |
HR-Ausschlag |
QR-Ausschlag |
SR-Ausschlag |
Kunstflug - normal |
Bei D/R ca. 100%:
10...15 Grad
Expo 30% |
Mit D/R einstellen auf:
12 Grad nach oben
11 Grad nach unten
Expo 30% |
Bei D/R ca. 100%:
Max. Grad (25...45)
Expo 50% |
Für die Landung kann man auch gleich noch folgende Einstellungen
konfigurieren:
Flugphase |
HR-Ausschlag |
QR-Ausschlag |
SR-Ausschlag |
Landung |
15...20% HR-Tiefe zur
Kompensation |
Beide QR um 9 Grad hochgestellt. |
Wie „Kunstflug-normal“ |
Ich empfehle jedem Leser, wenn möglich, Flugphasen statt einzelne
Umschalter zu benutzen – dabei sind meiner Erfahrung nach 3 Flugphasen
ausreichend: Kunstflug, Landung und 1 spezielle Phase wie z.B. Turn oder
Spin. Bei der mc-24 lässt sich für eine der Flugphasen auch
eine Programmautomatik (Code 53) aktivieren, bei der man z.B. 4 Flugzustände
von Snaps (positiv/negativ und jeweils links oder rechts) hinterlegen
kann. Am besten aktiviert man die Programmautomatik mit einem Tastschalter
auf einem der Knüppel.
Für die Programmierung dieser Snaps in Code 53 sind hier folgende
Anhaltswerte (für Benutzer von „Nicht mc-24 Sendern“ sind
auch benutzbare Expo-Angaben gelistet) gegeben:
| Flugphase |
HR-Ausschlag |
QR-Ausschlag |
SR-Ausschlag |
Kunstflug-Snaps |
50%
Expo 20% |
100%, da die QR ja sowieso
auf mechan. max. Ausschlag eingestellt wurden.
Expo 20% |
45%
Expo 25% |
6. Checkliste für das „Einfliegen im Keller“
Die Chekliste kann man hier als
einzelne pdf-Datei (48kb) herunterladen. Man kann die einzelnen Punkte
abhaken, textlich ergänzen und das
A4-Blatt zu den Unterlagen des Flugmodells ablegen.
MODELL: |
Nr. |
Was |
Wie |
1 |
Flügel |
- Scharniere verstiftet.
- Flügel genau ausgerichtet (zum Rumpf, zum HLW).
- Nicht verzogen oder verwunden (Blick von hinten).
- EWD überprüft = ______ Grad (HLW auf 0-0).
Guter Startwert = 0,2...0,3 Grad positivere Anstellung
als das HLW.
- Kabel alle 15 cm befestigt.
|
2 |
Querruder |
- Scharniere verstiftet.
- QR nicht verzogen oder verwunden (Blick von hinten).
- Gerade Endkanten (auf beiden Seiten gleich).
- Alle Anlenkungen und Scharniere intakt, leicht beweglich, wenig
Spielfreiheit und Ausschlag nach richtiger Seite (Senderknüppel
links = QR links schlägt nach oben aus).
- Ruderspalten abgedichtet.
- Mittelstarke Servos mit kurzen Stellzeiten eingesetzt.
- Servogestänge starr und ohne Spiel.
- Ruderwege auf beiden Seiten und oben/unten gleich.
- 0-Pos Ruder entspricht 0-Pos Sendertrimmung - 20...40% Expo auf
QR ist OK – keine Differenzierung oder Wegbegrenzung einstellen.
- Max. Servoweg = Max. Ruderausschlag
|
3 |
HLW |
- Scharniere verstiftet.
- Ruderblätter nicht verzogen oder verwunden (Blick von hinten).
- Gerade Endkanten (auf beiden Seiten gleich).
- Alle Anlenkungen und Scharniere intakt, leicht beweglich, wenig
Spielfreiheit und Ausschlag nach richtiger Seite (Senderknüppel
ziehen = Ruderblätter nach oben).
- Ruderspalten abgedichtet.
- Mittelstarkes Servos eingesetzt.
- Servogestänge starr und ohne Spiel.
- Ruderwege auf beiden Hälften und oben/unten gleich (besonders
beim Einsatz von 2 HR-Servos).
- 0-Pos Ruder entspricht 0-Pos Sendertrimmung - 20...40% Expo auf
HR ist OK – keine Differenzierung oder Wegbegrenzung einstellen.
- Max. Servoweg = Max. Ruderausschlag (eingestellt auf 15 Grad).
|
4 |
SLW |
- Scharniere verstiftet.
- Seitenruder nicht verzogen oder verwunden (Blick von hinten).
- Ausgerichtet zur Längsachse.
- Anlenkung und Scharniere intakt, leicht beweglich, wenig Spielfreiheit
und Ausschlag nach richtiger Seite (Senderknüppel links =
Ruderblatt nach links).
- Starkes Servos eingesetzt (Gleichlauf bei mehreren parallelen
Servos).
- Ruderwege links/rechts gleich.
- 0-Pos Ruder entspricht 0-Pos Sendertrimmung - 50% Expo auf SR
ist OK – keine Differenzierung oder Wegbegrenzung einstellen.
- Max. Servoweg = Max. Ruderausschlag.
|
5 |
Fahrwerk |
- Alle Schrauben fest angezogen.
- Geradeauslauf des Modells überprüfen und je Achse ca.
2 Grad Vorspur einstellen.
|
6 |
Motor |
- Motor gut befestigt. Motor eingelaufen mit zuverlässigem
Leerlauf.
- Prop. Ausgewuchtet.
- Motorsturz überprüft = ______ Grad (HLW auf 0-0).
Guter Startwert = 0,5...2 Grad.
- Motorseitenzug überprüft = ______ Grad.
- Guter Startwert = 2...4 Grad.
|
7 |
Servos |
- Servos sind stark genug und arbeiten mit minimalem Stellfehler
(<1%).
- Kabel alle 15 cm befestigt.
- Falls Kraft nicht ausreichend, Servos parallel schalten (hintereinander
aufbauen
und die Servohebel außen verbinden).
|
8 |
Schwerpunktlage |
- CG-Lage nach Plan überprüft.
- Balance in Rollrichtung überprüft.
|
Literaturhinweise
Ja, das wär’s erst einmal für die Überprüfungen
und Justagen. Nun kann’s ohne großes Herzklopfen zum Erstflug
gehen.
Happy Landings wünscht Klaus.
Euer Feedback an klaus_bernhardt@gmx.de ist herzlich willkommen.
Teil 1 - Servo-Grundeinstellungen
Teil 2 - "Einfliegen - im Keller"
Teil 3 - Richtigen Propeller auswählen
Teil 4 - Einfliegen - auf der
Wiese
Teil 5 - Mischereinstellungen für
Kunstflug
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