Klasse 3: Motoren 6,6 bis 15ccm Hubraum
Die größten Hoffnungen auf den Gesamtsieg lagen in der Klasse
3. Hubraum ist bekanntlich in den meisten Fällen nur durch mehr
Hubraum zu ersetzten. Nicht kleckern sondern klotzen.
Schaller machte direkt im 1. Lauf klar, dass er mit seinem Flash 90
von Joaachim Weirich mit 353,0 km/h das Maß der Dinge ist und die
Hubraumtheorie somit Bestand hat.
Einer der Favoriten, der mit einer ganzen Flotte angereist war, wovon
sich die zwei 10 cm³ Modelle schon Freitags im Wald verirrten, ließ es
nicht nur im Wald krachen: Michael Jakob. Einmal so dicht an der Messanlage
vorbei, dass der Pylon allein aufgrund der Luftverwirbelungen deutlichst
wackelte. 356,0 km/h im zweiten Lauf mit seinem ‚Kaiser Speeder’.
Der BVM 91 Motor war ohne Zweifel der leistungsstärkste Motor an diesem Wochenende. Im folgenden Lauf
konnte Michael die Schraube dann auch noch mal um ein Quäntchen
bis auf 357,0 km/h anziehen.

Drei Bananen sollt ihr sein?
Im letzten Lauf wurde es wieder spannend. Ein 3,8km/h Vorsprung ist
bei diesem extremen Tempo noch nicht einmal ein Wimpernschlag. Die Anspannung
war greifbar, als der sympathische Peter Schmaldt zum Start ging, denn
er hatte sich bisher von Lauf zu Lauf gesteigert. Eine weitere Verbesserung
im letzten Durchgang lag im Bereich des Möglichen. Trotz sehr sauberer
Anflüge reichte es dann aber nur, selbst in diesen Regionen darf
das Wörtchen „nur“ fallen, für 347,8 km/h. So markierte
er im letzten Lauf seine persönliche Bestmarke für den Wettbewerb
und verdrängte Joachim Weirich mit 346,5 km/h, denkbar knapp, auf
den ‚undankbaren’ 4. Platz. Damit war Peter der dritte Platz
auf dem Treppchen und in der Gesamtwertung sicher. Auch Achim Schaller
konnte seine Bestmarke aus dem ersten Lauf in keinem weiteren Durchgang
verbessern, auch wenn der
von ihm zum Heckdrehschieber umgerüstete Motor für eine besonders
orchestrale Untermalung sorgte.
Werfen wir exemplarisch noch ein paar Blicke auf den Rest des Feldes.
Klaus Wilken beispielsweise fräste sich im Stil eines Rasenkantenschneiders über
die Messstrecke und mähte dabei den einen oder anderen zu hoch stehenden
Grashalm ab. Gerade ausreichend, um keinen Crash zu bauen, aber nicht
ausreichend, um eine Wertung zu erhalten. Mindestflughöhe 5 m! Die
Messcrew kannte keine Gnade.

Wer die Ergebnislisten studiert, stellt fest: Auch hier war Team Voodoo
am Start. Aber mit 6,6 cm³! Mit 6,6 cm³ in der in der 15 cm³ Klasse,
ja geht das denn? Ja, musste die Antwort lauten, denn wer die Ausschreibung
wirklich gelesen hatte, konnte feststellen, dass dort wie folgt formuliert
wurde: „bis 15 cm³“. Darunter fallen natürlich
auch die 6,6 cm³ Motoren. Ein Lapsus, den unser neuer Referent (Hartmut
Siegmann) nach seiner Amtsübernahme direkt erkannte und abstellte,
aber eben erst für 2007. Wer das Reglement von 2006 mit dem von
2007 vergleicht, wird sofort sehen, wie stark dies von ihm verfeinert
wurde. Aber mit 309 km/h war in der hubraumstärksten Klasse sowieso
kein Blumentopf zu gewinnen. Wer mit den großen Hunden austreten
gehen will, muss eben auch das Bein hoch kriegen. Dennoch sprang
dabei ein achtbarer 7. Platz heraus, Kompliment!
Das auch Verbrennerflieger mit der elektrischen Seite ihre Probleme
hatten, bewiesen unter anderem zwei Piloten. Zum einen unser Pechvogel
des Wochenendes, Holger Mittelstädt. Knackimpulse, Failsafe…Schicht
im Schacht. Die Ursache konnte während des laufenden Wettbewerbs
nicht mehr abgestellt werden.
Roland Dieterle bekam seine Stinger 40 gerade noch rechtzeitig vor dem
Wettbewerb fertig und machte sich voller Zuversicht auf die Reise. Auf
der Autobahn konnte er dann live verfolgen, was ein Kurzschluss ist und
wie die Elektronen auf dem Rücksitz
Mätzchen machten. „Ruhe
oder ich geh’ dazwischen!“ Dies tat der RC-Anlage gar nicht
gut, weshalb er einen Start
aus Sicherheitsgründen
selbst ablehnte. Die Messcrew freute es, konnte sie doch wiederum um einen Mitarbeiter
erweitert werden. :) Aber was seine Ehefrau zu diesem Maleur, bzw. dem
Brandloch in der Decke gesagt hat, wird sein Geheimnis bleiben
Elektro-Klasse
Es roch überall verdächtig nach Strom. In dem Unterstand,
indem später leckere Würstchen brutzeln sollten, brutzelte
etwas anderes. Ein Akku! Sowas kommt schon mal vor. Das sorgte aber dafür,
dass Hartmut Siegmann, bzw. sein Nurflügel, eine Zelle weniger hatte
als geplant. Rein energetisch betrachtet denkbar ungünstige Voraussetzungen
für einen Wettbewerb.
Wurden die Verbrennerklassen von einem akkustischen Overboost begleitet,
war die Klasse Elektro dazu das Kontrastprogramm. Etwas für die
akkustischen Feinschmecker. Diese, sowie die Messcrew, konnten erkennen,
wie von Durchflug zu Durchflug innerhalb eines Versuchs die Geschwindigkeit
jeweils um 3km/h abnahm. Es kam also darauf an, gleich die ersten beiden
Durchflüge sauber zu platzieren, danach schmolz die Leistung dahin
wie das sprichwörtliche Eis in der Spätsommersonne.

Dennis Schulte „Power Ranger" mit Turn Left.
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Trotz einer defekter Zelle konnte Hartmut Siegmann zunächst seinen
F5D Limited Nurflügel Vampire, unter den strengen Blicken von Helfer
Andreas Fürhofer auf 187,1 km/h peitschen. Mit geröstetem Akku
und seinem F5D Limited Modell Turn Left wurde die Marke von Dennis Schulte
Renger auf 191,6 km/h gepusht. Erste Verdichtungsstöße der
nahen 200 km/h Mauer waren im 4. Lauf zu hören. Von diesen Geschwindigkeiten
motiviert, packte Kai Koppenburg noch mal seinen Voodoo aus. Zwar konnte
sich Mr. Power Ranger – Schulte Renger noch mit
einem Modellwechsel und dann 201,1 km/h zum
Grenzgänger erklären, doch Kai Koppenburg hatte mit seinem
kleinen Flitzer im letzten Lauf und Durchgang dieser Klasse dann mit
216,2 km/h noch den meisten Saft in der Leitung. Damit stand die endgültige
Reihenfolge in der Klasse Elektro fest.
Die Schallmauer
Zwar hat jede Klasse ihre eigene Schallmauer, die Ultimative liegt jedoch
bei 400km/h.
Diese konnte aber weder erreicht und erst recht nicht durchbrochen werden.
An was liegt das? Diese Frage stellt sich unwillkürlich?
Man braucht kein Experte zu sein, um erkennen zu können, dass dies
einerseits an der Mittelwertbestimmung lag, die eine wirklich ‚echte’ Geschwindigkeitsermittlung
ermöglichte und andererseits, Dank der neuen Messanlage, mit der
so exakt wie noch nie vorher gemessen werden konnte.

Es konnte kein Verstoß gegen die Verkehrsregeln festgestellt werden:
Tempolimit 400.
Außerdem spielt natürlich das verwendete Material eine Rolle – wer
hätt’s gedacht? Vielfach eingesetzt waren die über Jahrzehnte
immer weiter verfeinerten und optimierten Pylonmotoren der 6,6 cm³ Größe
aus der F3D Pylonrennklasse. Die Literleistungen der 6,6 cm³ Motoren
sind im Laufe der Zeit immer weiter gesteigert worden und zugleich zuverlässiger
geworden, wenngleich sie nach wie vor nach einer geschulten Hand verlangen.
Die Entwicklung von 10 cm³ Motoren hingegen (FAI konform) schlummerte über
die letzten Jahre im Dornrösschenschlaf. Die 15 cm³ Motoren
(nicht FAI konform) zehren noch heute größtenteils von den Entwicklungen
im Impellerbereich. Neues ist aber auch in diesem Bereich nicht zu vermelden.
Also Ebbe in Sachen Motor? Nein, alle Motoren wurden in immer höhere
Drehzahlregionen getrieben. Klar, ist doch Leistung = Drehmoment x Winkelgeschwindigkeit
(Drehzahl). So wird mit einer weiteren Drehmomenterhöhung durch
optimierte Gasführung und Verbrennung auch die Leistung angehoben.
Im Motorenbereich scheint das Ende der Fahnenstange auf den ersten Blick
nur in der 6,6er Klasse erreicht zu sein. Speziell bei den 10 cm³ Motoren
scheint es noch einiges an Potenzial zu geben. Es gibt absolut keinen
Grund, die Flinte ins Korn zu werfen. Vielmehr gilt es, Augen und Ohren
für neue Ideen offen zu halten.
Eine niederschmetternde Erkenntnis für viele war jedoch, dass die
Propeller doch eine gewichtigere Rolle spielten als gedacht. Damit die
eingesetzten Kräfte nicht sinnlos verpuffen, ist eine an Modell
und Motor angepasste Luftschraube zu verwenden. Ein Satz, wie er in jedem
Lehrbuch auftauchen könnte. Die üblicherweise verwendeten
APC-Props sind zwar nicht immer ideal, aber zumindest so gut, dass ihre
Verwendung Sinn macht, sofern es die Festigkeit noch erlaubt. Die APCs
werden nämlich oft unterschätzt und sind häufig besser
als so manche CFK-‚Bohle’ .Auch wenn einem das CFK glitzernd
entgegenleuchtet, sollte man sich nicht blenden lassen. Es ist nicht
alles Gold was glänzt. Das gilt insbesondere bei Luftschrauben.
Der tiefere Sinn diverser technischer Veränderungen bzw. Feinheiten,
Stichwort Randbogenbearbeitung mit der Drehzahlfeile, sind für den
Betrachter nicht immer nachvollziehbar und oft aus der (Zeit)-Not heraus
geboren. Contre la montre, gegen die Uhr, würde der Franzose sagen.
 
Das OP Besteck umklammert die Arterie des Motors und verhindert unnötigen
Verlust des Lebenselexiers
Also Zeit zur Grummelstunde und die 400 abschreiben?
Ein klares Jein…. aufgrund der gewonnen Erfahrungen und insbesondere
aufgrund der genau gemessenen Geschwindigkeiten wird sich sicher der
eine oder andere Pilot erneut an den Rechner ins Muppet Labor zurückziehen,
nachrechnen und anschließend Optimierungen vornehmen. Um nämlich
ein Spitzenergebnis zu erfliegen, ist es schlichtweg unabdingbar, nicht
nur einen, sondern möglichst viele Stellhebel in die richtige Richtung
zu bewegen. Ohne Prophet sein zu wollen, darf man also für den nächsten
Speedcup mit einer weiteren Steigerung rechnen.
Weil sich viele an dem 1971 von Vladimir Goukoune und Valeri Myakinine
aufgestellten Weltrekord von 343,92 km/h versuchen werden, bleibt sie
Sache schwer vorhersagbar, da hierzu mit „weltrekordtauglichen“ (FAI
konformen) Modellen gestartet werden muss. Das bedeutet insbesondere
eine Flächenbelastung von maximal 75g/dm² und maximal 10 cm² in
der Verbrennerklasse. Diese Rahmenbedingungen stellen für viele
Teilnehmer eine höchst anspruchsvolle Herausforderung dar, denn
viele Modelle hatten 85-95 g/dm² Flächenbelastung. Es bietet
sich eigentlich nur eine Entwicklungsrichtung an, weg mit dem Speck,
konsequenter Leichtbau, will man unnötige Spannweite bzw. Fläche
und damit den gefürchteten
Widerstand vermeiden.
Offen bleibt die Frage aber nach dem Potenzial der Klasse Elektro. Das
Reglement lässt zumindest eine hemmungslose Leistungseskalation
zu. Aufgrund der unterschiedlichen Leistungsbegrenzung wird ein Vergleich
zur Verbrennerklasse aber immer nur bedingt möglich sein. Auf dem
Speedcup-Basar werden neben Äpfeln eben auch Birnen gehandelt. Aber
vielleicht wird das doch der Anlass für den einen oder anderen Obsthändler
aus dem Elektrobereich, es hier mal zu versuchen. Der Gesamtsieg kann
auch nach wie vor an einen Stromer gehen! Damit sind die üblichen
Verdächtigen, speziell aus dem F5D und F5B Bereich, angesprochen.
Leistungsstarke Antriebe gibt es ja zuhauf, oder etwa nicht?

“Hauptsach’ gut gess...“
2004 war es ein lockeres Speedtreffen, nach über 10jähriger
Abstinenz. Allerdings legte sich doch bei Manchem die Stirn in Sorgenfalten
und es wurde vereinzelt eine Augenbraue gehoben angesichts des Mottos:
Heldenmut statt Fangzäune. Jedoch 2006 waren die Sicherheitsmaßnahmen
auf dem Platz spürbar erhöht worden. Das Ganze hat jetzt den
hohen Standard erreicht, wie er auch bei F3D Pylonrennen üblich
ist. Das bedeutet unter anderem einen großzügigen Sicherheitsabstand
zu den Zuschauern, zusätzliche Fangzäune sowie die obligatorische
Helmpflicht für Teilnehmer und Personal. Der 2006er Speedcup legte
allgemein deutlich an Professionalität zu. Es war ein erstklassiger
Wettbewerb. Die entspannte und lockere Atmosphäre hielt sich zur
Freude aller bis zum Schluss.

Für gute Stimmung an Bord der HMS-Speedcup sorgte unter anderem
die Verpflegung. Das wunderbare Frühstücksbuffet geizte morgens
nicht mit seinen Reizen. Und kaum war das Frühstück vorbei,
zog ein vielversprechender Duft vom Grill herüber. Mittags lockte
bereits der Kuchen, abends Wein, Weib und Gesang (ok, eine kleine Übertreibung).
Alles in allem rundum kugelrund gut versorgt. Zu äußerst günstigen
Preisen, man mochte es kaum glauben.
Die Messcrew, versorgt durch zusätzliche Care-Pakete, konnte den
Wettbewerb stressfrei und ohne größere Unterbrechung durchziehen.
An dieser Stelle noch mal ein riesiges Lob an die Messcrew: Roland Dieterle,
Orris Guntersdorf, Mario Roos, Martin Steyer sowie „Montoya“.

Einen ganz maßgeblichen Anteil am Gelingen dieser Veranstaltung,
was Organisation und Durchführung anbelangte, hatte der ausrichtende
Verein, der MFC Osnabrück e. V. Dafür möchten sich alle
Beteiligten nochmals ganz herzlich bedanken.
Ausblick auf 2007
Am Samstagabend wurde; selbstverständlich ebenso lautstark wie
die tagsüber eingesetzten Triebwerke, über das Reglement für
das kommende Jahr diskutiert. Es wurde auch eine Einigung erzielt, so
dass der Speedcup nächstes Jahr eine offizielle Klasse im Rahmen
des DAEC sein wird. Das Kind hat auch einen Namen bekommen: F3S! S wie
Speed. Zuständiger Referent: Hartmut Siegmann. Wir sehen uns also
beim nächsten F3S Speedcup, am 9-10. Juni 2007 in Pferdsfeld
(Hunsrück)!
Achtung! Der Austragungsort hat sich geändert, es geht jetzt zum Flugplatz
des LSV Neumagen-Dhron, Rheinland-Pfalz. www.edrd.de
Die Ausschreibung ist hier zu finden!

Die Ausschreibung zur Deutschen Meisterschaft F3S erscheint am 15. Januar.
Wer auf dem Laufenden bleiben will, der schaue in das ‚Speedcup’-Forum
hier auf RC-Network. Hier lebt der Speed-Dämon zwischen den Rennen
und treibt sein Unwesen.
Interessierte seien auf die in Kürze erscheinende „Home of
Speed 2“-DVD bei Stefan Hohenlohe verwiesen. Ein
kurzer Trailer findet sich bereits hier: youtube
Fotos: Martin Steyer, Eckart Müller, Artur Blömker, Hartmut
Siegmann, Mario Roos und Andreas Lauterbach

Platz ohne Ende - ein Teil des ehemaligen Militärflugplatzes
Pferdsfeld - zuletzt JaboG 35
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