Lothar...

Claus Eckert

Es war im Februar 1918, der erste Weltkrieg ist in vollem Gange, als Lothar Schwarzrock das Licht der Welt erblickte. Eigentlich nichts besonderes, wäre Lothar nicht der vermutlich älteste, aktive Modellflieger in Deutschland. Mit seinen 88 Jahren scheut er weder Kosten noch Mühen, um seinem Hobby frönen zu können. Außenläufermotoren wickeln? Das hat Lothar schon hinter sich. Lift off XXS mit Brushless Power-Antrieb fliegen? Kein Problem für einen jungen 88jährigen.

Vor einiger Zeit tauchte Lothar mit einer Pfalz D III auf dem Modellflugplatz auf. „Weißt Du, als ich geboren wurde, 1918 in Speyer, in diesen Tagen wurde das Original dieses Doppeldeckers dort zum ersten Mal geflogen“ erzählte er. Und der Glanz in seinen Augen verrät ein wenig von dem Stolz, dieses Modell heute noch fliegen zu dürfen. Auch wenn manche Quellen ein früheres Datum angeben, so ist doch unbestritten, dass Lothar und die Pfalz D III eine gemeinsame Verbindung haben.

Fast an jedem einigermaßen schönen Tag kommt Lothar mit seiner Frau auf den Modellflugplatz südlich des Chiemsees. Zwischen Kaffeetrinken und Sonnenuntergang ist immer Zeit zum Fliegen. Natürlich trifft er dort auf wesentlich jüngere 70- bis 80jährige. Denn die „Rentnergang“ fliegt dort so lange, bis die anderen Vereinsmitglieder nach der Arbeit eintrudeln. Anschließend wird angefeuert und mit lustigen Kommentaren nicht gespart. „Da sind wir mit den Tipp-Tipp-Anlagen noch tiefer im Rückenflug über den Platz geflogen.“ „Ist das schon Vollgas oder hast Du den leeren Akku von gestern noch drin?“ sind nur einige wenige Beispiele, die man aus dem Hintergrund hören kann.

Einer der Gründe, warum Modellfliegen im Alter noch Spaß macht, sind die ARF-Modelle. Zwar ist die Fingerfertigkeit für die Fernsteuerknüppel vollkommen ausreichend, doch wäre das tagelange Zusammenbasteln von Balsa- und Kiefernleisten doch etwas anstrengend. So hat Lothar überhaupt kein Problem, dass seine Pfalz D III aus Depron ist und schon fast fertig war. Er betrachtet sie noch einmal, stellt sie auf die Startbahn und lässt sie wenige Meter weiter abheben, um im Sonnenuntergang noch ein paar Runden zu fliegen.

 

Stand: 21.09.2006