Teil 5 – Mischereinstellungen für Kunstflug
Wie schon die vorhergehenden Artikel, soll diese Information dem Anfänger
in unserem Hobby den Einstieg erleichtern und meine Erfahrungen weitergeben.
Dieses Mal möchte ich Mischer für den F3A-Kunstflug anhand
des Graupner-Senders mc-24 zusammenstellen und am Beispiel eines F3A-Modells
mit 2-Takt-Methanol-Verbrennungsmotor OS 140Rx erläutern. Der Einsatz
der Mischer soll – so gut es geht – ein neutrales Flugverhalten
ergeben und z. B. Pitch- und Rollkopplungen im Messerflug (und damit
auch in jeder Rolle) eliminieren. Die hier gezeigten Mischereinstellungen
orientieren sich an den notwendigen Einstellungen aus Teil 4 „Einfliegen – auf
der Wiese“.
1. Messerflug-Pitchkompensation (KurvenMIX9)
Problemstellung: Nach
einer 90° Rolle links und Halten mit dem SR rechts, flog das Modell
nach links (also zur Kanzel hin). Nach einer 90° Rolle rechts und
Halten mit dem SR links, flog das Modell ebenso nach links (also diesmal
zum Fahrwerk hin).
Behebung: Da das Messerflug-Pitchen nichtlinear
ist, setze ich in Code 72 „Freie Mischer“ einen Kurvenmixer „KurvenMIX9“ von
SR ⇒ HR. Zuerst werden die beiden Endpunkte (SR rechts und SR links)
erflogen und danach werden auf halbem SR-Knüppelweg links und rechts
neue Mischerpunkte gesetzt und diese dann erflogen. Am Ende wird die
Kurvenfunktion eingeschaltet.
Zum Einstellen des Mischanteils z. B. bei SR rechts, den SR Knüppel
nach rechts bewegen und mit dem 3D-Rotary Dreheinsteller den Mischanteil
einstellen – das gleiche Verfahren dann mit SR links. Stört
Euch bitte nicht daran, dass z. B. SR rechts auf der linken Seite oder
HR-Tiefe oberhalb der Null-Linie angezeigt wird, da dies davon abhängig
ist, wie in Code 23 die Servodrehrichtung definiert ist. Zum Setzen der
Punkte für ½ SR rechts oder ½ SR links, den SR-Knüppel
halb ausschlagen (die senkrechte Linie ist jetzt bei SR – oder
+50%) und im Mixermenu STO drücken.
Der Mischer wird ab ¼ Gas aktiviert (ab ¼-Gas wird Geberschalter
G1 geschlossen), damit die Turns davon nicht beeinträchtigt werden.
Hierzu gehe ich nach Code 92 (Servoanzeige) und bewege den Gasknüppel
auf ca. ¼ Gas (Anzeige z. B. +50%). Dann Gasknüppel nicht
mehr berühren und nach Code 42 springen. Hier Geberschalter G1 auf
Geber 1 setzen und STO drücken. Dann testweise den Gasknüppel
von Leerlauf in Richtung Vollgas bewegen und beobachten, ob sich bei ¼-Gasstellung
das Schaltersymbol in Code 42 von „Schalter offen“ nach „Schalter
geschlossen“ ändert. Jetzt Gasknüppel auf Vollgasstellung
(G1 ist geschlossen) bewegen, nach Code 72 / KurvenMIX9 wechseln und
diesem Mischer den Schalter „G1 geschlossen“ zuordnen. Bei
Benutzung von Flugphasen bleibt dieser KurvenMIX 9 in allen Flugphasen
aktiv.
2. Messerflug-Rollkompensation (LinearMIX1)
Problemstellung: Nach einer 90° Rolle links und Halten
mit dem SR rechts, rollte das Flugzeug nach links weiter (also in die
gleiche Richtung, wie das ursprüngliche Rollkommando). Nach einer
90° Rolle rechts und Halten mit dem SR links, rollte das Flugzeug
ebenso in die gleiche Richtung wie das ursprüngliche Rollkommando,
also weiter nach rechts.
Behebung: Ich programmiere hier in Code 72 „Freie Mischer“ einen
Linearmixer „LinearMIX1“ von SR⇒QR, der auch ab ¼ Gas
aktiviert ist (wie das geht, siehe oben- es wird der gleiche Geberschalter
G1 benutzt). Durch Testflüge werden die beiden Endpunkte (SR rechts
bzw. SR links) des Mischers erflogen. Bei Benutzung von Flugphasen bleibt
dieser LinearMIX1 in allen Flugphasen aktiv.
3. Gerader, senkrechter Abwärts- und Aufwärtsflug (KurvenMIX10)
Problemstellung: Der
senkrechte Abwärtsflug (im Motor-Leerlauf) wird im wesentlichen
durch die Flugzeuggeometrie, wie z. B. HLW-Einstellwinkel, Einstellwinkeldifferenz
und/oder Schwerpunktlage, bestimmt. Falls die Schwerpunktlage schon fast
korrekt ist und man keine Justagemöglichkeiten der Flügel-
oder HLW-Einstellwinkel (und somit auch der EWD) hat, bleibt einem nur
noch der Einsatz eines Mischers. In meinem Fall pitchte das Flugmodell
im senkrechten Abwärtsflug zur Kanzel hin, so dass etwas Tiefenruder
notwendig war.
Behebung: Wir konfigurieren in Code 72 „Freie
Mischer“ einen
Kurvenmixer „KurvenMIX10“ von K1 ⇒ HR, weil wir zwei
Offsetpunkte bei ¼ Gas und ¾ Gas benötigen. Zur Korrektur
des Abwärtsfluges (bei Motor-Leerlauf) benutzen wir nur den Teil
des Mischers zwischen Leerlauf und ¼ Gas. Dabei mischen wir soviel
Höhenruder (meist Tiefe) rein, dass sich ein senkrechter Abwärtsflug
ergibt, ohne dass das Flugmodell zur Kanzel oder zum Fahrwerk hin pitcht.
Der zweite Teil des Mischers ist als „Nothilfe auf der Wiese“ für
einen fehlerhaften Motorsturz gedacht, bis dieser im Keller mechanisch
korrigiert ist. Dieser Mischerei von ¾-Gas bis Vollgas ist für
den senkrechten Steigflug bei Vollgas gedacht.
Bei Benutzung von Flugphasen bleibt dieser KurvenMIX10 mit Ausnahme der
Phase „Landung“ in allen Flugphasen aktiv.
4. Senkrechter Steigflug mit SR (LinearMIX2)
Problemstellung: Beim
Einfliegen eines neuen Flugmodells kann es sein, dass der Motorseitenzug
zwar nach Vorgabe eingestellt und überprüft wurde, dass aber
im realen Flugbetrieb (z. B. durch Benutzung eines Propellers mit anderer
Steigung oder Blattzahl) der Seitenzug für einen senkrechten Steigflug
bei Vollgas korrigiert werden muss. In meinem Fall war der eingestellte
Seitenzug zu groß und das Flugmodell zog leicht nach rechts.
Behebung: Ich konfiguriere
in Code 72 „Freie
Mischer“ als „Nothilfe“ einen Linearmischer LinearMIX2
von K1 ⇒ SR, der seinen Offsetpunkt bei ¾ Gas hat.
Zur Korrektur des senkrechten Steigfluges bei Vollgas ist der Mischer
im Bereich ¾ Gas bis Vollgas wirksam. Nach den Testflügen
kann dann in aller Ruhe der Motorseitenzug im Bastelkeller mechanisch
korrigiert und der Mixer deaktiviert werden. Dieser Mischer ist in
der Testphase – mit Ausnahme der Flugphase „Landung“ – aktiv;
er könnte aber auch immer aktiv bleiben, denn welcher Pilot landet
schon mit mehr als ¾ Gas?
5. Spoilerons zum Landen (LinearMIX3)
Problemstellung: Zur Reduzierung der Landegeschwindigkeit eines
Kunstflugmodells kann man – falls je Seite ein eigenes QR-Servo
eingebaut wurde – beide QR hochstellen (= Spoilerons). Beim Sender
mc-24 ist das die Mischeransteuerung des Kanals 5.
Behebung: Ich stelle hier 2 Lösungsvorschläge vor:
- Automatisches Hochstellen der QR bei Aktivierung der Flugphase „Landung“
- Hochstellen der QR bei Betätigung eines Schalters oder eines
Geberschalters.
Zur Landung fahre ich bei Bedarf (z. B. bei Windstille) beide Querruder
um 9° nach oben. Für das Einstellen werden diese 9° mittels
der Rudertiefe in Millimeter umgerechnet – dann wird der QR-Ausschlag über
den Mischanteil eingestellt. Hierzu noch einmal die Formeln aus Teil
2 „Einfliegen im Keller“:
- für Taschenrechnerbenutzer:
Ruderausschlag [mm] = tan (Ausschlagswinkel in Grad)*Rudertiefe
[mm]
- für näherungsweise Bestimmung:
Ruderausschlag [mm] = 0,0175 * Ausschlagswinkel [Grad] * Rudertiefe
[mm]
Beispiel:
Gegeben ist ein QR mit einer Rudertiefe außen von 70 mm. Für
einen Ausschlag von 9° soll der Ausschlag in mm berechnet werden.
Taschenrechner: Ausschlag [mm] = tan(9) * 70
= 0,15838 * 70 = 11,087 => 11 mm
Überschlägig: Ausschlag
[mm] = 0,0175 * 9 * 70 = 11,025 => 11 mm
(a) Automatisches Hochstellen der QR in der Flugphase „Landung“
Am einfachsten ist das Hochstellen der Querruder bei Betätigung
eines Schalters am Sender oder bei Benutzung von Flugphasen in der Stellung „Landung“.
Ich konfiguriere dazu in Code 72 „Freie Mischer“ einen Linearmischer
LinearMIX3 von S ⇒ 5, der seinen Offsetpunkt bei 0 hat. Der Mischanteil
ist asymmetrisch 50% bis 60% (soviel, bis der QR-Ausschlag in Millimeter
erreicht ist).
Anmerkung: Sollte es bei der Mischereinstellung Probleme mit
dem Schaltkanal S geben, dann Mischer zuerst auf K1 ⇒ 5 konfigurieren
und später K1 durch S ersetzen.
(b) Hochstellen der QR bei Betätigung eines Geberschalters.
Bei
einem meiner Modelle habe ich die 3 Flugphasen „Akro, Start, Slow
Roll“ belegt und keine eigene Flugphase „Landung“ mehr
zur Verfügung. Zum Hochstellen der Querruder benutze ich dann am
mc-24 Sender das freie, rechte Schiebepoti und konfiguriere es als logischen
Schalter, um mit dem rechten Daumen die Spoilerons zu aktivieren. Ab ¼ des
Wegs des Linearpotis wird der Geberschalter G7 geschlossen. Zum Setzen
des Geberschalters, das G7 Schiebepoti ¼ Weg (= 50%) stellen,
mittels Code 92 Servoanzeige kontrollieren, dann in Code 42 G7 STO drücken
und die Laufrichtung kontrollieren: G7 schließt bei größer
als ¼ Weg). Die Stellung des Schiebereglers (Geber 7) bestimmt
den Mischanteil der Querruder. Bei der Landung schiebe ich das Linearpoti
einfach nur in die untere Endlage, dann weiß ich, dass G7 geschlossen,
der Linearmixer aktiviert ist und die QR um 9° hochgestellt sind.
Dieser Mischer ist nur in einer von 3 Flugphasen (bei mir „Slow
Roll“) und bei „Geberschalter 7 geschlossen“ aktiv.
6. HR-Kompensation bei Spoilerons (LinearMIX4)
Problemstellung: Das Hochfahren der Querruder erzeugt im Flug
ein Moment, wodurch das Modell die Nase nach oben nimmt.
Behebung: Beim Ausfahren der Spoilerons mische
ich Tiefenruder auf das Höhenleitwerk. Die Erfahrung hat gezeigt,
dass für
9° Spoilerons ca. 15% bis 20% Tiefenruder notwendig sind (im Testflug
ausprobieren und justieren!). Auch dieser Mischer ist NUR dann aktiv,
wenn auch LinearMIX3 (Spoilerons) aktiviert ist. Wie oben, unter „Spoilerons
zum Landen“, biete ich auch hier zwei Lösungsvorschläge
an: (a) mittels Flugphasenschalter oder (b) mittels Geberschalter G7.
Ich konfiguriere dazu in Code 72 „Freie Mischer“ einen Linearmischer
LinearMIX4 von S ⇒ HR, der seinen Offsetpunkt bei 0 hat. Der Mischanteil
ist asymmetrisch 10% bis 20%.
 
7. Motor Standgaserhöhung (LinearMIX5)
Problemstellung: Häufig ist es so, dass der warme Motor
nach Ende eines Flugprogramm eine höhere Leerlaufdrehzahl hat,
als beim Start eingestellt war. Ziel ist es aber, das Flugprogramm
mit einer geeigneten, sicheren Leerlaufdrehzahl zu absolvieren und
dann mit einer niedrigen, aber ebenso sicheren Drehzahl zu landen.
Behebung: Der Trimmhebel für die Leerlauftrimmung
steht bei mir immer in der reproduzierbaren, weil gerasteten Mittelstellung.
Die für die Landung gewünschte Leerlaufdrehzahl wird direkt
nach der Landung mittels des asymmetrischen Servowegs eingestellt. Zum
Ausschalten des Motors kann der Trimmhebel dann ganz nach unten gezogen
werden. Für das Flugprogramm benutze ich eine etwas höhere
Leerlaufdrehzahl, bei welcher auch der kalte Motor einwandfrei läuft.
Diese neue Leerlaufdrehzahl wird mit Hilfe eines Mixers eingestellt.
Ich konfiguriere in Code 72 „Freie Mischer“ einen Linearmischer
LinearMIX5 von 9 ⇒ K1. Als Geber 9 benutze ich das Drehpoti oben
rechts oder das Linearpoti in der Mitte unten und mische diesen Geber
auf den Gaskanal K1. Das Drehpoti wird z. B. auf Linksanschlag gedreht,
dann wird der Offset-Punkt des Mischer gesetzt; das heißt, die
Leerlaufdrehzahl kann nicht – auch nicht unabsichtlich - weiter
reduziert werden. Dann das Drehpoti auf den rechten Anschlag stellen
und den Mischanteil (z. B. 10%) eingeben. Danach die mechanischen Endpunkte
des Vergaser-Drehbereichs überprüfen (z. B. bei Vollgas+voller
Mischung) und gegebenenfalls über den Servoweg justieren.
Dieser Mischer ist – mit Ausnahme der Flugphase „Landung“ -
aktiv.
8. Motor Aus (LinearMIX6)
Problemstellung: Zum
Abschluss eines Kunstflugprogramms muss die Landung auf Anhieb passen,
sonst sind 3*10 wichtige Wertungspunkte dahin. Dazu ist es manchmal sinnvoll,
beim Einschweben über der Landebahn den Motor abstellen zu können.
Behebung: Ich habe mir hierzu einen Mischer Gas ⇒ Gas
konfiguriert, den ich mit einem nicht-rastenden Momentschalter aktiviere.
Achtung: Prüfen, ob es der Vergaser mechanisch zulässt, das
Drosselküken soweit zu drehen, dass das Luftloch ganz verschlossen
ist.
Auch dieser Mischer ist NUR in der Flugphase „Landung“ aktiv.
Literaturhinweise
Ich bedanke mich bei den Autoren folgender Quellen:
Ich hoffe, die hier beschriebenen Mischer-Beispiele sind eine Hilfe
und eine Anregung, andere Mixer zu programmieren. Ich wünsche viel
Spaß beim Fliegen.
Happy Landings wünscht Klaus.
Euer Feedback an klaus_bernhardt@gmx.de ist herzlich willkommen.
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