Du fliegst, wie Du einstellst!

Klaus Bernhardt

Teil 5 – Mischereinstellungen für Kunstflug

Wie schon die vorhergehenden Artikel, soll diese Information dem Anfänger in unserem Hobby den Einstieg erleichtern und meine Erfahrungen weitergeben. Dieses Mal möchte ich Mischer für den F3A-Kunstflug anhand des Graupner-Senders mc-24 zusammenstellen und am Beispiel eines F3A-Modells mit 2-Takt-Methanol-Verbrennungsmotor OS 140Rx erläutern. Der Einsatz der Mischer soll – so gut es geht – ein neutrales Flugverhalten ergeben und z. B. Pitch- und Rollkopplungen im Messerflug (und damit auch in jeder Rolle) eliminieren. Die hier gezeigten Mischereinstellungen orientieren sich an den notwendigen Einstellungen aus Teil 4 „Einfliegen – auf der Wiese“.
 

1. Messerflug-Pitchkompensation (KurvenMIX9)

Problemstellung: Nach einer 90° Rolle links und Halten mit dem SR rechts, flog das Modell nach links (also zur Kanzel hin). Nach einer 90° Rolle rechts und Halten mit dem SR links, flog das Modell ebenso nach links (also diesmal zum Fahrwerk hin).

Behebung: Da das Messerflug-Pitchen nichtlinear ist, setze ich in Code 72 „Freie Mischer“ einen Kurvenmixer „KurvenMIX9“ von SR ⇒ HR. Zuerst werden die beiden Endpunkte (SR rechts und SR links) erflogen und danach werden auf halbem SR-Knüppelweg links und rechts neue Mischerpunkte gesetzt und diese dann erflogen. Am Ende wird die Kurvenfunktion eingeschaltet.

Zum Einstellen des Mischanteils z. B. bei SR rechts, den SR Knüppel nach rechts bewegen und mit dem 3D-Rotary Dreheinsteller den Mischanteil einstellen – das gleiche Verfahren dann mit SR links. Stört Euch bitte nicht daran, dass z. B. SR rechts auf der linken Seite oder HR-Tiefe oberhalb der Null-Linie angezeigt wird, da dies davon abhängig ist, wie in Code 23 die Servodrehrichtung definiert ist. Zum Setzen der Punkte für ½ SR rechts oder ½ SR links, den SR-Knüppel halb ausschlagen (die senkrechte Linie ist jetzt bei SR – oder +50%) und im Mixermenu STO drücken.

Der Mischer wird ab ¼ Gas aktiviert (ab ¼-Gas wird Geberschalter G1 geschlossen), damit die Turns davon nicht beeinträchtigt werden. Hierzu gehe ich nach Code 92 (Servoanzeige) und bewege den Gasknüppel auf ca. ¼ Gas (Anzeige z. B. +50%). Dann Gasknüppel nicht mehr berühren und nach Code 42 springen. Hier Geberschalter G1 auf Geber 1 setzen und STO drücken. Dann testweise den Gasknüppel von Leerlauf in Richtung Vollgas bewegen und beobachten, ob sich bei ¼-Gasstellung das Schaltersymbol in Code 42 von „Schalter offen“ nach „Schalter geschlossen“ ändert. Jetzt Gasknüppel auf Vollgasstellung (G1 ist geschlossen) bewegen, nach Code 72 / KurvenMIX9 wechseln und diesem Mischer den Schalter „G1 geschlossen“ zuordnen. Bei Benutzung von Flugphasen bleibt dieser KurvenMIX 9 in allen Flugphasen aktiv.
 

2. Messerflug-Rollkompensation (LinearMIX1)

Problemstellung: Nach einer 90° Rolle links und Halten mit dem SR rechts, rollte das Flugzeug nach links weiter (also in die gleiche Richtung, wie das ursprüngliche Rollkommando). Nach einer 90° Rolle rechts und Halten mit dem SR links, rollte das Flugzeug ebenso in die gleiche Richtung wie das ursprüngliche Rollkommando, also weiter nach rechts.

Behebung: Ich programmiere hier in Code 72 „Freie Mischer“ einen Linearmixer „LinearMIX1“ von SR⇒QR, der auch ab ¼ Gas aktiviert ist (wie das geht, siehe oben- es wird der gleiche Geberschalter G1 benutzt). Durch Testflüge werden die beiden Endpunkte (SR rechts bzw. SR links) des Mischers erflogen. Bei Benutzung von Flugphasen bleibt dieser LinearMIX1 in allen Flugphasen aktiv.


 

3. Gerader, senkrechter Abwärts- und Aufwärtsflug (KurvenMIX10)

Problemstellung: Der senkrechte Abwärtsflug (im Motor-Leerlauf) wird im wesentlichen durch die Flugzeuggeometrie, wie z. B. HLW-Einstellwinkel, Einstellwinkeldifferenz und/oder Schwerpunktlage, bestimmt. Falls die Schwerpunktlage schon fast korrekt ist und man keine Justagemöglichkeiten der Flügel- oder HLW-Einstellwinkel (und somit auch der EWD) hat, bleibt einem nur noch der Einsatz eines Mischers. In meinem Fall pitchte das Flugmodell im senkrechten Abwärtsflug zur Kanzel hin, so dass etwas Tiefenruder notwendig war.

Behebung: Wir konfigurieren in Code 72 „Freie Mischer“ einen Kurvenmixer „KurvenMIX10“ von K1 ⇒ HR, weil wir zwei Offsetpunkte bei ¼ Gas und ¾ Gas benötigen. Zur Korrektur des Abwärtsfluges (bei Motor-Leerlauf) benutzen wir nur den Teil des Mischers zwischen Leerlauf und ¼ Gas. Dabei mischen wir soviel Höhenruder (meist Tiefe) rein, dass sich ein senkrechter Abwärtsflug ergibt, ohne dass das Flugmodell zur Kanzel oder zum Fahrwerk hin pitcht.

Der zweite Teil des Mischers ist als „Nothilfe auf der Wiese“ für einen fehlerhaften Motorsturz gedacht, bis dieser im Keller mechanisch korrigiert ist. Dieser Mischerei von ¾-Gas bis Vollgas ist für den senkrechten Steigflug bei Vollgas gedacht.
Bei Benutzung von Flugphasen bleibt dieser KurvenMIX10 mit Ausnahme der Phase „Landung“ in allen Flugphasen aktiv.
 

4. Senkrechter Steigflug mit SR (LinearMIX2)

Problemstellung: Beim Einfliegen eines neuen Flugmodells kann es sein, dass der Motorseitenzug zwar nach Vorgabe eingestellt und überprüft wurde, dass aber im realen Flugbetrieb (z. B. durch Benutzung eines Propellers mit anderer Steigung oder Blattzahl) der Seitenzug für einen senkrechten Steigflug bei Vollgas korrigiert werden muss. In meinem Fall war der eingestellte Seitenzug zu groß und das Flugmodell zog leicht nach rechts.

Behebung: Ich konfiguriere in Code 72 „Freie Mischer“ als „Nothilfe“ einen Linearmischer LinearMIX2 von K1 ⇒ SR, der seinen Offsetpunkt bei ¾ Gas hat. Zur Korrektur des senkrechten Steigfluges bei Vollgas ist der Mischer im Bereich ¾ Gas bis Vollgas wirksam. Nach den Testflügen kann dann in aller Ruhe der Motorseitenzug im Bastelkeller mechanisch korrigiert und der Mixer deaktiviert werden. Dieser Mischer ist in der Testphase – mit Ausnahme der Flugphase „Landung“ – aktiv; er könnte aber auch immer aktiv bleiben, denn welcher Pilot landet schon mit mehr als ¾ Gas?
 

5. Spoilerons zum Landen (LinearMIX3)

Problemstellung: Zur Reduzierung der Landegeschwindigkeit eines Kunstflugmodells kann man – falls je Seite ein eigenes QR-Servo eingebaut wurde – beide QR hochstellen (= Spoilerons). Beim Sender mc-24 ist das die Mischeransteuerung des Kanals 5.

Behebung: Ich stelle hier 2 Lösungsvorschläge vor:

  • Automatisches Hochstellen der QR bei Aktivierung der Flugphase „Landung“
  • Hochstellen der QR bei Betätigung eines Schalters oder eines Geberschalters.

Zur Landung fahre ich bei Bedarf (z. B. bei Windstille) beide Querruder um 9° nach oben. Für das Einstellen werden diese 9° mittels der Rudertiefe in Millimeter umgerechnet – dann wird der QR-Ausschlag über den Mischanteil eingestellt. Hierzu noch einmal die Formeln aus Teil 2 „Einfliegen im Keller“:

  • für Taschenrechnerbenutzer:
    Ruderausschlag [mm] = tan (Ausschlagswinkel in Grad)*Rudertiefe [mm]
  • für näherungsweise Bestimmung:
    Ruderausschlag [mm] = 0,0175 * Ausschlagswinkel [Grad] * Rudertiefe [mm]

Beispiel:
Gegeben ist ein QR mit einer Rudertiefe außen von 70 mm. Für einen Ausschlag von 9° soll der Ausschlag in mm berechnet werden.
Taschenrechner:      Ausschlag [mm] = tan(9) * 70 = 0,15838 * 70 = 11,087 => 11 mm
Überschlägig:          Ausschlag [mm] = 0,0175 * 9 * 70 = 11,025 => 11 mm

(a) Automatisches Hochstellen der QR in der Flugphase „Landung“

Am einfachsten ist das Hochstellen der Querruder bei Betätigung eines Schalters am Sender oder bei Benutzung von Flugphasen in der  Stellung „Landung“. Ich konfiguriere dazu in Code 72 „Freie Mischer“ einen Linearmischer LinearMIX3 von S ⇒ 5, der seinen Offsetpunkt bei 0 hat. Der Mischanteil ist asymmetrisch 50% bis 60% (soviel, bis der QR-Ausschlag in Millimeter erreicht ist).

Anmerkung: Sollte es bei der Mischereinstellung Probleme mit dem Schaltkanal S geben, dann Mischer zuerst auf K1 ⇒ 5 konfigurieren und später K1 durch S ersetzen.

 


  
 

(b) Hochstellen der QR bei Betätigung eines Geberschalters.

Bei einem meiner Modelle habe ich die 3 Flugphasen „Akro, Start, Slow Roll“ belegt und keine eigene Flugphase „Landung“ mehr zur Verfügung. Zum Hochstellen der Querruder benutze ich dann am mc-24 Sender das freie, rechte Schiebepoti und konfiguriere es als logischen Schalter, um mit dem rechten Daumen die Spoilerons zu aktivieren. Ab ¼ des Wegs des Linearpotis wird der Geberschalter G7 geschlossen. Zum Setzen des Geberschalters, das G7 Schiebepoti ¼ Weg (= 50%) stellen, mittels Code 92 Servoanzeige kontrollieren, dann in Code 42 G7 STO drücken und die Laufrichtung kontrollieren: G7 schließt bei größer als ¼ Weg). Die Stellung des  Schiebereglers (Geber 7) bestimmt den Mischanteil der Querruder. Bei der Landung schiebe ich das Linearpoti einfach nur in die untere Endlage, dann weiß ich, dass G7 geschlossen, der Linearmixer aktiviert ist und die QR um 9° hochgestellt sind.
Dieser Mischer ist nur in einer von 3 Flugphasen (bei mir „Slow Roll“) und bei „Geberschalter 7 geschlossen“ aktiv.
 

6. HR-Kompensation bei Spoilerons (LinearMIX4)

Problemstellung: Das Hochfahren der Querruder erzeugt im Flug ein Moment, wodurch das Modell die Nase nach oben nimmt.

Behebung: Beim Ausfahren der Spoilerons mische ich Tiefenruder auf das Höhenleitwerk. Die Erfahrung hat gezeigt, dass für 9° Spoilerons ca. 15% bis 20% Tiefenruder notwendig sind (im Testflug ausprobieren und justieren!). Auch dieser Mischer ist NUR dann aktiv, wenn auch LinearMIX3 (Spoilerons) aktiviert ist. Wie oben, unter „Spoilerons zum Landen“, biete ich auch hier zwei Lösungsvorschläge an: (a) mittels Flugphasenschalter oder (b) mittels Geberschalter G7. Ich konfiguriere dazu in Code 72 „Freie Mischer“ einen Linearmischer LinearMIX4 von S ⇒ HR, der seinen Offsetpunkt bei 0 hat. Der Mischanteil ist asymmetrisch 10% bis 20%.


 

7. Motor Standgaserhöhung (LinearMIX5)

Problemstellung: Häufig ist es so, dass der warme Motor nach Ende eines Flugprogramm eine höhere Leerlaufdrehzahl hat, als  beim Start eingestellt war. Ziel ist es aber, das Flugprogramm mit einer geeigneten, sicheren Leerlaufdrehzahl zu absolvieren und dann mit einer niedrigen, aber ebenso sicheren Drehzahl zu landen.

Behebung: Der Trimmhebel für die Leerlauftrimmung steht bei mir immer in der reproduzierbaren, weil gerasteten Mittelstellung. Die für die Landung gewünschte Leerlaufdrehzahl wird direkt nach der Landung mittels des asymmetrischen Servowegs eingestellt. Zum Ausschalten des Motors kann der Trimmhebel dann ganz nach unten gezogen werden. Für das Flugprogramm benutze ich eine etwas höhere Leerlaufdrehzahl, bei welcher auch der kalte Motor einwandfrei läuft. Diese neue Leerlaufdrehzahl wird mit Hilfe eines Mixers eingestellt. Ich konfiguriere in Code 72 „Freie Mischer“ einen Linearmischer LinearMIX5 von 9 ⇒ K1. Als Geber 9 benutze ich das Drehpoti oben rechts oder das Linearpoti in der Mitte unten und mische diesen Geber auf den Gaskanal K1. Das Drehpoti wird z. B. auf Linksanschlag gedreht, dann wird der Offset-Punkt des Mischer gesetzt; das heißt, die Leerlaufdrehzahl kann nicht – auch nicht unabsichtlich - weiter reduziert werden. Dann das Drehpoti auf den rechten Anschlag stellen und den Mischanteil (z. B. 10%) eingeben. Danach die mechanischen Endpunkte des Vergaser-Drehbereichs überprüfen (z. B. bei Vollgas+voller Mischung) und gegebenenfalls über den Servoweg justieren.
Dieser Mischer ist – mit Ausnahme der Flugphase „Landung“ - aktiv.
 

8. Motor Aus (LinearMIX6)

Problemstellung: Zum Abschluss eines Kunstflugprogramms muss die Landung auf Anhieb passen, sonst sind 3*10 wichtige Wertungspunkte dahin. Dazu ist es manchmal sinnvoll, beim Einschweben über der Landebahn den Motor abstellen zu können.

Behebung: Ich habe mir hierzu einen Mischer Gas Gas konfiguriert, den ich mit einem nicht-rastenden Momentschalter aktiviere.
Achtung: Prüfen, ob es der Vergaser mechanisch zulässt, das Drosselküken soweit zu drehen, dass das Luftloch ganz verschlossen ist.
Auch dieser Mischer ist NUR in der Flugphase „Landung“ aktiv.

 


 

Literaturhinweise

Ich bedanke mich bei den Autoren folgender Quellen:

 

Ich hoffe, die hier beschriebenen Mischer-Beispiele sind eine Hilfe und eine Anregung, andere Mixer zu programmieren. Ich wünsche viel Spaß beim Fliegen.
Happy Landings wünscht Klaus.

Euer Feedback an klaus_bernhardt@gmx.de ist herzlich willkommen.

Teil 1 - Servo-Grundeinstellungen
Teil 2 - Einfliegen - im Keller
Teil 3 - Richtigen Propeller auswählen
Teil 4 - Einfliegen – auf der Wiese
Teil 5 - Mischereinstellungen für Kunstflug

 

Stand: 14.10.2006