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FW 149 D   PIAGGIO

Ralph Freckmann

Graupner Baukasten Nr: 4613 / Erscheinungsjahr : 1961

Zum Flugmodellbau kam ich schon sehr früh über meinen Vater, der mit diesem Hobby in den 50er Jahren begann. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie er mit seiner selbstgebauten 1-Kanal-Röhrenfernsteuerung seinen "Funkboy" flog. Ganz in der Nähe unserer damaligen Wohnung gab es ein relativ großes Modellbaugeschäft, das in seinen Schaufenstern immer die neuesten Modellbaukästen ausstellte. So sah ich im Jahr 1961 zum ersten mal den Baukasten der FW149 D Piaggio in der Auslage und war sofort hellauf begeistert. Allerdings besaß ich zu dieser Zeit weder das nötige Geld zur Anschaffung des Bausatzes noch hätten meine Modellbaufähigkeiten auch nur annähernd ausgereicht, um dieses Modell zu bauen. Jetzt, 45 Jahre später, habe ich begonnen, die Piaggio nach dem Original-Bauplan zu bauen. Da ich auch eine Bauanleitung habe, wird das Modell streng nach Anleitung gebaut. Allerdings ist es mit den heutigen Fernsteuerungen möglich, alle Ruder anzulenken, so dass ich doch einige kleine Änderungen vorgenommen habe, die hauptsächlich die V-Form und die Motorzugachse betreffen. Graupner empfahl damals eine Dreikanal-Fernsteuerung, also nur Seitenruder und Motordrossel.

Da das Modell in seiner Formgebung zwar nicht scale aber doch sehr stark am Original angelehnt ist, gestaltet sich der Aufbau relativ aufwändig. Man darf nicht vergessen, dass zu der damaligen Zeit die Antriebsmotoren relativ schwach, dafür aber die Empfangsanlagen recht schwer waren. Also musste beim Bau mit dem Gewicht gegeizt werden. Die Tragflächen- und Höhenleitwerkshälften werden über Sperrholzzungen auf den Rumpf gesteckt. So können die aufgesteckten Flügel und Leitwerke bei einer unschönen Landung, ohne Schaden zu nehmen, abscheren.

Angefangen habe ich mit dem Bau der unteren Rumpfhälfte, die in Rückenlage auf dem die Trennebene darstellenden Baubrett aufgebaut wird. Alle Spanten im vorderen Bereich sind aus 2 mm Birkensperrholz, die im hinteren Bereich aus 2 mm Balsaholz. Das Gerippe ist in diesem Baustadium sehr filigran, so dass man sich gar nicht traut, etwas fester zuzufassen. Sind alle Füllklötze, die aus leichtem Balsaholz zugeschnitten werden müssen, zwischen die Spanten geklebt, kann die Rumpfhälfte vom Baubrett gelöst und die Halbspanten auf der Oberseite mit dem oberen Rumpfkiel verleimt werden.
Im nächsten Bauabschnitt wird der Rumpfkopf mit dem Motor- und Fahrwerksträger zusammengebaut. Da ich einen etwas größeren Motor einbauen und auch den Sturz reduzieren wollte, musste ich den Motorträger mit seinen Holmen entsprechend ändern. Das Bugfahrwerk wird aus 3 mm Federstahldraht gebogen. Das Besondere daran ist, dass es in gewissen Grenzen in Längsrichtung beweglich ist. Als vorderer Anschlag dient ein 5 mm Sperrholz, der hintere Anschlag ist der Spant. Später wird an den Fahrwerksdraht ein Gummiband gespannt, das dann die Federung übernimmt.

So sieht das Rumpfgerüst aus bevor die Motorträgereinheit angeklebt wird.
Hier ist jetzt der Rumpfkopf angebracht und mit den durchgehenden seitlichen Rumpfgurten verleimt worden. Dieser Bauabschnitt muss sehr sorgfältig durchgeführt werden, da hiervon natürlich der richtige Motorzug und -sturz abhängt.

Als Nächstes wird der vordere Rumpfdeckel gebaut. Dieser besteht aus drei Sperrholzspanten und zwei Längsgurten. Die Abdeckhaube überdeckt nicht nur den Motorbereich sondern auch den Tankraum und ist aus Gewichtsgründen in Schalenbauweise erstellt.

Nachdem das Seitenleitwerk mit dem Träger für die Höhenleitwerkszunge gebaut und auf dem Rumpf befestigt ist, wird mit dem Beplanken des Rumpfes begonnen. Sehr schön kann man erkennen, wie die Füllklötze für den Flügel-Rumpfübergang aufgebaut sind.

Beim Beplanken ist es wichtig, dass keine Spannung durch das Biegen des Holzes entsteht. Deshalb sollten immer beide Rumpfseiten gleichzeitig beplankt werden. Damit mit Sicherheit keine Spannungen entstehen, befeuchte ich die Beplankung auf der Außenseite und erwärme das Holz auf der Innenseite. Mit ein wenig Geschick bekommt man die Rundungen so ohne Spannung auf das Rumpfgerüst. Verleimt wird dann mit Ponal, das funktioniert auch dann zuverlässig, wenn das Holz noch feucht ist.

Während der Trocknungsphase des unteren Rumpfhecks habe ich die vordere Abdeckhaube beplankt. Der mittlere, dickere Füllklotz wird später auf Kontur geschliffen.

Hier noch einmal ein Blick auf die Unterseite der vorderen Abdeckhaube. Das sieht alles sehr filigran aus, ist aber doch relativ stabil und vor allen Dingen leicht.  Jetzt kann der obere Teil des Rumpfhecks verschlossen werden. Natürlich muss das Balsaholz wieder befeuchtet und gebogen werden. Dann erfolgt das Einpassen zwischen den Längsholmen und dem oberen Rumpfkiel. Ich habe jetzt schon die Führungsrohre der Rudergestänge eingebaut, da das später durch die geschlossenen Spanten nur noch mit hohem Aufwand möglich wäre. Dann wird die Beplankung gleichzeitig auf beide Rumpfseiten geklebt, damit kein Verzug entstehen kann.

Ist alles gut durchgetrocknet, kann das Gerippe des Seitenleitwerks verschlossen werden. Danach wird das Seitenruder gebaut und angepasst. Da im Bauplan die Originalgröße der Ruderflächen eingezeichnet ist, habe ich, abweichend vom Originalmodell, das Seitenruder in dieser Größe gebaut und angepasst.

Laut Beschreibung der Bauanleitung ist jetzt der Bau der Kabinenhaube an der Reihe.  Als Erstes werden die Spanten und Längsholme vom Bauplan auf das 2 mm Birkensperrholz übertragen, dann können diese extrem zierlichen Teile ausgesägt und angepasst werden. Passt alles soweit, wird das Kabinenhaubengerippe auf dem Rumpf zusammengeklebt. Dabei muss sichergestellt werden, dass der Rahmen nicht auf dem Rumpf festklebt.

In den Rahmen werden dann noch die Balsaholzleisten eingesetzt, auf denen die Kabinenhaubenverglasung befestigt wird. Leider habe ich diese nicht zur Verfügung und als Ersatzteil wird es die bei Graupner auch nicht mehr geben. Deshalb muss ich noch eine Positivform bauen, um entweder ein Klarsichtteil zu ziehen oder eine Negativform für eine GfK-Haube zu erstellen. Jetzt kann wieder am Rumpf weitergearbeitet werden. Als Nächstes werden die Wurzelrippen und die Zungenkästen angefertigt. Die Rippen werden auf die Sperrholzholme und die Sperrholzteile für die Zungenkästen in die Holme und die Rippe gesteckt. Hier muss sehr sorgfältig gearbeitet werden, da beide Seiten absolut identisch sein müssen, ansonsten könnten die Flügel gegeneinander verdreht sein oder EWD, V-Form usw. stimmen dann später nicht.

Nachdem die äußeren Rippen angefertigt und auf die Holmstummel geklebt wurden, konnte der Flügelmittelteil beplankt werden. Danach habe ich die Balsaklötze, zuerst mit einem Hohleisen, dann mit Schleifpapier in Form geschliffen. Als Anhaltspunkt sind auf dem Bauplan Schnittzeichnungen angegeben. Ich hatte mir als Hilfe aus dem Internet Fotos ausgedruckt, um diesen Bereich möglichst originalgetreu zu gestalten. Damit das Ganze schon mal nach Flugzeug aussieht, habe ich dann noch begonnen, die Formklötze der Rumpfnase grob in Form zu bringen.

Nachdem der Rumpf in Form geschliffen war, habe ich mit dem Bau des Tragwerks begonnen. Entgegen der Bauanleitung habe ich mir aber zunächst die Höhenleitwerkshälften vorgenommen. Das heißt, dass die Teile für die Zungenkästen, Rippen, Randbogen usw.  vom Bauplan auf das entsprechende Holz übertragen und anschließend ausgesägt werden mussten. In Ermangelung einer fertigen Endleiste 3x10 mm habe ich diese aus einem 3 mm Balsabrett zugeschnitten und konisch geschliffen. Danach konnten die Teile auf dem Plan zu den zwei Höhenleitwerkshälften zusammengeklebt werden. Da das Modell auch ein steuerbares Höhenruder bekommen sollte, habe ich noch zwei zusätzliche Holme aus 3 mm Balsa eingezogen und anschließend die Ruderklappen abgetrennt.

Danach wandte ich mich dem Bau der Tragflügelhälften zu . Bis auf die Tatsache, dass ich natürlich ein funktionsfähiges Querruder  vorgesehen hatte, ist die linke Flügelhälfte genau nach Plan gebaut worden. Das Hauptfahrwerk wird mittels Sternzwirn an der Steckzunge befestigt. Dafür werden kleine Löcher neben dem Fahrwerksdraht durch das Holz der Zunge gebohrt und der Draht praktisch mit dem Zwirn festgenäht. Ist das Fahrwerk so befestigt, werden die Nahtstellen großzügig mit Klebstoff vermufft. Das muss schon sorgfältig ausgeführt werden, da man später nur noch durch Aufschneiden der Beplankung an die Fahrwerksdrahtbefestigung heran käme. Auf den Fotos kann man die Flügelbefestigung mittels Holzzungen sehen. Diese Art der Flügelbefestigung ist heutzutage natürlich nicht mehr üblich. Es wäre leichter, mit den heute üblichen Kohlestäben zu arbeiten. Aber ich wollte ja das Modell weitestgehend nach dem Originalbauplan erstellen.

So, der Rohbau der FW 149D Piaggio wäre damit geschafft. Alles, was gebaut werden musste, ist fertig. Die Ruderklappen sind funktionsfähig angeschlagen und mit Halterungen für die Ruderhörner versehen. Als letzter Arbeitsabschnitt steht jetzt nur noch das Finish auf dem Programm, das ich, wie damals in den Sechzigern üblich, mit Bespannpapier, Spannlack und anschließender Lackierung ausführen wollte.

 

Stand: 04.02.2007