Mit Beginn der Saison 2007 legen sich die ersten neugierigen Sonnenstrahlen
auf die neuen HLG-Modelle.
Wie bereits angekündigt, wurde über den Winter fleißig weiterentwickelt
und an den neuen HLGs gearbeitet. Ich möchte ihnen den T07, wie der Turbo
kurz und bündig genannt wird, vorstellen. Das Modell wurde von mir ausgiebig
getestet und im Anschluss an die Einstellarbeiten mit dem Referenzmodell, dem
ASPIRIN, verglichen.
Zuvor jedoch eine kurze Beschreibung.

Der T07, entwickelt und konstruiert von Wolfgang Zach, wurde im Rahmen
eines Pilotentreffs von mir übernommen. Alle anwesenden Piloten
waren neugierig und wollten den Flieger natürlich nicht nur sehen
sondern auch anfassen!
Nach längerem Betasten, Festigkeitstests und Besichtigungsorgien,
die mich schon um den Flieger fürchten ließen, wird allgemein
bekundet: „Der Flieger ist top“! Nicht ohne Stolz habe ich
meinen Turbo dann mit nach Hause genommen!
Der Bausatz des von mir getesteten T07 besteht aus einem CfK-Rumpf und
dem duralverstärkten CfK-Leitwerksträger. Eine superleichte
CfK-Kevlar-Abziehschnauze schützt die RC-Teile. Der absolut grifffeste
CfK-D-Boxflügel mit 145 g hat eine überragende Drehsteifigkeit
und besitzt fertig ausgeschnittene Flaps.

Top! Die sehr leichten Schalenleitwerke sind präzise gefertigt.
Weiterhin liegen dem Bausatz alle Anlenkungen und Abdeckungen sowie die
notwendigen Kevlarschnüre bei! Ein fix und fertiger CfK-Pylon für
die Pendelhöhenleitwerkslagerung, inklusive Rückstellfeder,
wird, angepasst an das montagefertige Höhenleitwerk, mitgeliefert!
Perfekt!

Die Teile sind stabil, fehlerfrei und durchdacht. Mittlerweile
orientiert sich ja die halbe F3K-Szene an den Entwicklungen von Wolfgang
Zach. Der Zeitaufwand für den Bau des T07 kann, beim halbwegs geübten
Modellbauer, mit ein bis zwei Tagen angenommen werden. Die meiste Arbeitszeit
beansprucht der Einbau der Querruderanlenkung und der Verkabelung (Akkuverlötung,
Schaltereinbau)! Die Hardware ist jedenfalls optimal vorbereitet! Eingeflogen
wird am Bautisch, denn alle Einstellungen sind erprobt und wenn man sich
halbwegs an die Vorgaben des Herstellers hält, gibt es keinerlei Überraschungen!
Der Bau
Der Bau gestaltete sich recht unspektakulär. An einem Tag war alles
erledigt! Es gab keinerlei Schwierigkeiten oder zusätzliche Denksportübungen.
Beim Einbau der RC-Anlage findet man sich sofort zurecht! Hilfreich
ist dabei die Verwendung von Tesa-Powerstrips-Mini zur Servobefestigung.
Absolut unverrückbar und temperaturstabil werden damit die Servos
in Sekundenschnelle befestigt. Im Servicefall sind sie daher selbstverständlich
abnehmbar! Ganz wichtig ist die Vermeidung von Federwirkung in der Höhenleitwerksanlenkung.
Hier sollte man besondere Sorgfalt walten lassen!

Die Anlenkung muss brettharten Widerstand bieten und darf keinesfalls
nachgeben. Andernfalls werden später die Starts zur Zitterpartie!
Genau rückstellende Servos sind bei HLGs sehr wichtig. Deshalb
entschloss ich mich, digitale DS281 von Graupner für die Flaps zu
verwenden. Nachteilig ist das „relativ“ hohe Gewicht dieser
Servos! Trotz Schlankheitskur an den Servos, mussten nach Fertigstellung
des Modells die DS281 gegen leichtere analoge FS31 von Robbe ausgetauscht
werden. Der Flieger war leider stark kopflastig! Blei am Rumpfende kommt
für mich nicht in Frage! Die gesamte Elektronik wurde anschließend
soweit verschoben, bis der Schwerpunkt stimmte.


Schlussendlich war die Angelegenheit auch ohne Bleizugabe erledigt.
Diese Maßnahme hat sich gelohnt! Der T07 wiegt flugfertig 270 g!
Einschränkung: Bei Powerwerfern sollten, ungeachtet der Gewichtsprobleme,
unbedingt die DS281 Verwendung finden!
Einfliegen

Die Anlage ist programmiert und die Akkus sind vollgeladen!
Der Schwerpunkt soll laut Herstellerangabe bei 76 mm liegen!
Der Tag des Einfliegens war nicht gerade ein Tag, wie ich ihn mir für
einen Erstflug wünsche. Lebhafter Wind und nasskalt! Nun gut, die
Neugierde siegte über die Vernunft!
Rudercheck, kurze Kontrolle, ein vorsichtiger Schub und der T07 war in
der Luft.
Zu böig, zu stürmisch! Deshalb ließ ich es nach dem dritten
Versuch bleiben. Der T07 flog! Mehr war an diesem Tag beim besten Willen
nicht feststellbar!
Beim nächsten Termin wehte noch immer ein frischer Wind. Für
feine Einstellarbeiten ist das natürlich immer noch nicht ideal,
aber ich wollte jetzt nicht noch länger warten. An diesem Tag wurde
ausgiebig mit unterschiedlichen Klappenstellungen experimentiert. Schlussendlich
wurde die beste Variante ins Setup übernommen. Schon dabei
fiel mir auf, dass der T07 herausragende Flugeigenschaften hat und sehr
gute Leistungen, offenbar auch bei heftigem Wind erbringt.
Ein paar Tage später wurde mit dem Hersteller ein Treffen zum Erfahrungsaustausch
mit angeschlossenem Vergleichsfliegen vereinbart. Bei frühlingshaftem
Wetter zeigte sich, dass der T07 hält, was der Hersteller verspricht.
Mehr noch, die Profilwahl sowie die Auslegung des Konzeptes ist offenbar
ein Volltreffer! Die von mir geflogenen Zeiten liegen im Bereich von
1:50 bis 2:20 Minuten! Der beste subjektive Eindruck ist natürlich
ohne Aussagekraft, wenn man keinen direkten Vergleich hat. Was liegt
also näher, als einen Vergleich durchzuführen und mit in den
Test aufzunehmen.
Der Vergleich
Ein D-Box-Turbo 07 gegen einen ASPIRIN mit CfK-Gittergeflechtgewebe
im Flügel (unsere deutschen Freunde sagen auch „Disser“ dazu)!
Bei den erreichbaren Starthöhen gibt es geringe Vorteile für
den 263 g leichten ASPIRIN. Im Durchschnitt wurden mit dem T07 Höhen
von 42 m geloggt. Der ASPIRIN erreichte bei mir im Schnitt 2 m mehr an
Starthöhe!
Ebenso beim Durchsetzungsvermögen gegen den Wind. Leichte Vorteile
für den ASPIRIN! Beim direkten Vergleich gegen den ASPIRIN konnte
jedoch deutlich festgestellt werden, dass der T07 ein geringeres Sinken
hat. Auch die Thermiksensibilität ist im Vergleich zum ASPIRIN besser,
wobei hinzugefügt werden muss, dass der Unterschied eher gering
ist.
Der ASPIRIN liegt stabiler in der Luft. Er fliegt sich aber nicht so
leichtfüßig wie sein Konkurrent. Einkreisen schafft der T07
um einen Tick besser und im Kreis liegt er auch besser. Wendig und fast
ohne Lastwechselreaktionen der T07. Der Charakter des T07 ist sehr gutmütig,
dennoch muss öfter mal korrigiert werden. Das kann der ASPIRIN mit
seinen ausgeprägten Freiflugeigenschaften etwas besser!
Thermikkreisen ist mit beiden Modellen ein Genuss. Der T07 wirkt agiler
und zeigt die Thermik besser an. Ein großes Plus des T07 ist seine
Eigenschaft, beim Einleiten einer Kurve nahezu keine Höhe zu verschenken,
sowie seine enorme Wendigkeit, besonders wenn man mal die falsche Kurve
gewählt hat. Das kann im Moment kein anderer HLG besser! Ein derart
flaches Kreisen, z.B. bei Nullschiebern, lässt den Pilot und die
Zuseher staunen. Der T07 dreht auf dem Absatz oder schafft mehrere Vollkreise
in Bodennähe, was zu fesselflugähnlichen Einlagen verleitet.



Landen lässt sich der ASPIRIN einfacher. Mit ihm kann im Landeanflug
wunderbar leicht gekurvt und etwaigen Hindernissen erfolgreich ausgewichen
werden.
Jetzt kommt die Beantwortung der schwierigen Frage: Welches Modell ist
besser? Ehrlich, ich kratze mich hinterm Ohr, ich kann’s nicht
sagen!
Der Vergleich geht quasi unentschieden aus. Keines der Modelle kann aus
meiner Sicht entscheidend punkten oder sich einen Vorteil verschaffen,
oder, um es positiv zu formulieren: Kein Modell hat gravierende Schwächen.
Zu ähnlich sind die Leistungen und zu gering die Unterschiede. Es
ist tatsächlich eine reine Sympathiefrage, welcher Flieger besser
zum jeweiligen Piloten passt. Mir liegen beide Modelle sehr gut und ich
möchte keinen hergeben. In Anbetracht der Jugend des neuen Turbo07
ist zu erwarten, dass da im Laufe der Zeit noch ein paar Verbesserungsmöglichkeiten
gefunden werden! Tatsache ist, dass der ASPIRIN einen extrem starken
Konkurrenten bekommen hat! Inwieweit und ob der ASPIRIN vom Thron gestoßen
werden kann, wird sich spätestens bei den Wettbewerben zeigen!
Meine Einstellwerte
- Schwerpunkt: 76mm
- Querruderausschlag: 13 mm nach oben und unten. Keine Differenzierung!
- Höhenruderausschlag: 12 mm in beide Richtungen
- Seitenruder: 12mm in beide Richtungen!
- Gleitstellung: gerade Flügelunterseite. Die weiteren Einstellungen
leiten sich von dieser Flugphase ab.
HLW (Pendelruder) 14mm Abstand bis zur Rumpfunterseite, gemessen an
der Nase bzw. Endleiste.
- Startstellung: 1mm nach oben gewölbte Flaps HLW 2% Höhe
dazugemischt
- Thermikstellung: 2mm nach unten gewölbte Flaps
HLW kein HLW-Ausgleich
- Snap Flap: 4mm nach unten gewölbte Flaps bei vollem Höhenruderausschlag
- Combi Switch: schaltbar 100% gleichsinniger Seitenruderausschlag
zum Querruder
- Landestellung: Flaps maximal möglicher, synchroner Weg
nach unten und je nach
Klappenweg entsprechende Tiefenruderbeimischung bei voller Wölbung
(liegt irgendwo bei 22-28% Tiefenruder).
Was gefällt
- Sehr gute, angenehme, Flug- und Allroundeigenschaften.
- Stützt sich in Kurven sehr gut ab und erlaubt nahezu unmögliche
Kurvenaktionen.
- Trotz seiner 270 g ist der T07 mit äußerst geringem Sinken
zu fliegen.
- Überzeugende Thermikeignung und -sensibilität.
- Gute Starthöhen.
- Sehr gutes Gleiten.
- Überfahrt wird gut in Höhe umgesetzt.
- Flott und zielstrebig zu fliegen.
- Sehr stabiler D-Boxflügel mit einigen technischen Finessen und
Neuerungen.
- Sehr gute Verarbeitung und erprobte Bauweise.
- Superleichte Leitwerke in Schalenbauweise, die es sonst nirgendwo
gibt. Perfekt!
- Strömungstechnisch top. Der T07 ist bei Start und in voller
Fahrt fast unhörbar!
- Keine wirklichen Schwächen erkennbar.
- Das Höhenleitwerk befindet sich unterhalb des Rumpfes und damit
nicht im Abwindbereich des Flügels.
- Im Vergleich zur Konkurrenz preislich noch günstig.
Was weniger gefällt
- Stabile Flaps für Powerwerfer wären wünschenswert!
- Flügel nicht mehr leicht. 15-20 g weniger wären genau richtig!
Daran wird aber bereits mit Hochdruck gearbeitet und mit den neuen
CfK-gitternetzarmierten Tragflügeln sollte das auch erreicht werden!
- Flieger pendelt beim Start leicht.
Fazit
Unterm Strich ist der T07 das derzeit machbare in der F3K-Szene!
Wir bewegen uns hier im „State of the art“-Bereich! Leistungsmäßig
ist es gelungen, zur absoluten Spitze vorzurücken. Preislich hat
der T07, in seiner Klasse, kaum Gegner!
Mit einem Wort: Der Turbo 07 ist ein großartiger „Twister“ für
Einsteiger, Feierabendpiloten, Dauerflieger und den Profi gleichermaßen!





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