CO5 2,5m, Yoda 2m, Yoda 1,5m, Fun4You 1,3m, was sollte als nächstes
folgen? Kleiner, natürlich! Peter Kienzle (EPP-Fun)
hat auch für diesen Zweck das optimale Modell im Angebot, den ALULA. Michael
Richter (dreamFlight)
hat, wie schon beim Weasel, einen großen Wurf bezüglich Konstruktion
und Herstellung gelandet. Die Qualität der Teile, die Dokumentation, der Bau
und das Flugerlebnis sind über alle Zweifel erhaben.
Im Netz ist nicht viel über ALULA zu finden, wenn, dann sind die Meinungen
meist positiv. Hervorzuheben wäre ein Video, das recht anschaulich das Potential
aufzeigt, was mit 860 mm Spannweite möglich ist: Lavawing
R/C Pages (untere Hälfte, Video "Pop Fly"). Natürlich leben wir nicht
auf Hawaii, eine ALULA aber, die kann man kaufen, bauen und fliegen, also auf
geht's!
Lieferumfang

Inhalt
im Überblick

Hochwertiger, kompletter Kleinteilesatz

CfK soweit das Auge reicht, Holme und rechteckige Leitwerksträger sind
fertig abgelängt, Schubstangen mehr als ausreichend lang

Ruder
aus Balsa, fertig abgeschrägt

Flächenkerne aus EPP, inklusive
Randbogen und Holmausschnitten fertig geschnitten, gratfrei

Kanäle für Holme fertig geschnitten, Präzision in EPP

Rumpfkeule
mit Negativ, Nasenform vorgeschnitten

Seitenleitwerk inklusive
Ersatzfläche aus Depron
Der Baukasten ist bis auf die Anlage, Klebstoff und, falls gewünscht, Bespannung
vollständig, inklusive einer ausführlichen englischsprachigen Bauanleitung
mit vielen weitergehenden Tipps und Hinweisen zum Bau. Praktisch: Die Anleitung
gibt es beim Hersteller auch online mit reichlich Bildern. Das Studium der
Bilderstrecken erleichtert den Bau nochmals erheblich: Online Anleitung inkl. Bildern.
Das gesamte Material macht einen sehr hochwertigen Eindruck. Die Kleinteile
sind praxisorientiert ausgesucht und daher alle gut verwendbar. Die Ruderflächen
sind fertig abgeschrägt, Rundungen bereits angebracht, beide exakt gleich
schwer, verzugsfrei und von identischer, guter Balsaqualität. Die EPP-Teile
sind mit mehreren Schnitten vorbereitet. So sind bereits passgenaue Löcher
für die Holme
vorhanden, die Randbögen sowie die Form des Rumpfes vorgeschnitten. Verbleibende
Arbeiten am EPP sind das Verschleifen von Rundungen an Rumpf und Randbögen,
das Schleifen der V-Form an beiden Flächenwurzeln und das Herstellen passender
Ausschnitte für die Servos in der Fläche.
Modellvarianten
Bespannung
Sowohl beim Oberflächenfinish als auch bei der Rudergeometrie gibt es mehrere
Möglichkeiten. Im Original wird ALULA meist nicht mit Tape bespannt. Es gibt
jedoch auch die Möglichkeit, alles zu bespannen und damit die Fläche unempfindlicher
gegen Schmutz und Beschädigung zu machen. Hier muss das Gewicht entscheiden.
Tape wiegt eben nun einige Gramm pro Quadratmeter. Da durch die Vorpfeilung
der Schwerpunkt am Rumpf sehr weit vorne liegt sind große Teile der bespannten
Fläche weit dahinter. Jedes Gramm Bespannung bedingt entweder einen schweren
(und damit zu großen) Empfängerakku in der Nase oder entsprechend viel Blei
an gleicher Stelle.
Rudergeometrie
Im Original ist vorgesehen, die Ruder jeder Flächenhälfte mit je einem Servo
anzulenken. Diese werden dann als gemischte Quer-/Höhenruder genutzt, damit
wird die maximale Wendigkeit (wie im Video oben) erzielt. Inzwischen gibt es
eine zweite Losung von Bill und Bunny Kuhlman: Diese sieht vor, die Ruder ungefähr
bei einem Drittel innen zu teilen, den inneren Teil als Höhenruder und den
größeren äußeren als Querruder zu nutzen. Dies bringt Vorteile beim Thermikflug,
da natürlich nicht die gesamte Fläche entwölbt wird, wenn beim Thermikkreisen
gezogen wird.
Das Schöne daran ist, dass Michael Richter als Hersteller diese Modifikation
unterstützt, dem Kunden jedoch die Wahl lässt. Der Bausatz wird also
immer mit dem zusätzlich benötigten Ruderhorn und der dritten und
vierten Schubstange geliefert, um das Höhenruder zentral aus dem Rumpf
heraus anlenken zu können.
Man hat also ohne Zukauf von weiteren Teilen (außer einem dritten Servo
natürlich)
die Wahl, ALULA entweder so oder so zu bauen. Weiterhin gibt es auf dem Baukasten
nochmals den Hinweis, dass diese Variante möglich ist.

Hinweisaufkleber auf Karton für zweite Anlenkungsvariante
Diese ALULA soll Thermikfliegen können, jedoch zumindest auch eine gewisse
Festigkeit bei unsanften Landungen bieten, daher fiel die Entscheidung für
eine Teilbespannung mit ultraleichtem Tape und die Anlenkung der Ruder nach
Bill und Bunny Kuhlman. Der weitere Bericht bezieht sich auf den Bau dieser
Variante.
Der Bau
Gewichte der Rohteile
| Bauteil |
Einzelgewicht |
Anzahl |
Summe |
| Flächenhälfte (EPP) |
13gr |
2 |
26gr |
| Rumpf (EPP) |
5gr |
1 |
5gr |
| Seitenleitwerk (Depron) |
2gr |
1 |
2gr |
| Ruder (Balsa) |
3gr |
2 |
6gr |
| Stabmaterial (CFK) |
6,5gr |
1 |
6,5gr |
| Kleinteile (Ruderhörner, Anlenkungen) |
3gr |
1 |
3gr |
| Empfänger (Graupner, SMC 16 Scan) |
17gr |
1 |
17gr |
| Akku (GP, 4x 160mAh, 1/3 AAA) |
17gr |
1 |
17gr |
| Servo (Dymond, D 47) |
4,7gr |
3 |
14,1gr |
| Verlängerung Servokabel (3x 0,14mm²) |
6,2gr/m |
ca. 0,6m |
4gr |
| Ultraleichtes Tape blau (EPP-Fun, 50mm) |
2,2gr/m |
ca. 2m |
4,5gr |
| Tape klar (Paketband, 50mm) |
3gr/m |
ca. 1m |
3gr |
| Summe |
|
|
ca. 108gr |
Auswahl der Fernsteuerungskomponenten
Der Empfänger stand als persönlich bestimmter "Standardtyp" wegen
seines Formfaktors fest. Alle meine bisherigen Modelle sind mit Graupner R700
oder bereits SMC 16 Scan ausgerüstet. Ich wollte hier nicht abweichen.
Erwartungsgemäß
sind noch einige Gramm Blei in der Nase erforderlich. Ein kleinerer und damit
leichterer Empfänger würde also zusätzlich noch Blei erfordern.
Das Gesamtgewicht könnte allerdings dennoch geringfügig kleiner sein,
da das Blei in der Nasenspitze einen größeren Hebel zum Schwerpunkt
hätte. Dieses Könnte/Würde/Hätte-Potential
wurde aber bewusst nicht genutzt.
Der Empfängerakku steht fest, da kaum ein anderes Format als 1/3 AAA stehend
als Stange in den vorgesehenen Rumpfausschnitt passt. Gegebenenfalls könnte
ein kleinerer Empfnger nach vorne in die Spitze wandern und dafür der größere
Akku dahinter liegen. Dies hätte jedoch vermutlich ungünstige Auswirkungen
auf den Schwerpunkt. Außerdem sollte ein Empfänger aus Prinzip nie vor dem
Akku liegen. ALULA könnte ja auch mal hart landen bzw. aufhören zu fliegen.
Die Servos wurden nach Preis, Gewicht und vor allem Dicke ausgesucht. Vom
Hersteller werden Typen unterhalb von 5 g empfohlen. Wegen des Einbaus der
Querruderservos in der Fläche ist die Dicke doppelt wichtig, hier steht nämlich
nicht viel Bauhöhe zur Verfügung. Die verwendeten (8 mm-) Servos passen direkt
hinter dem Holm in die Fläche, sie scheinen bereits dunkel hindurch. Die Oberseite
der Fläche bleibt jedoch bei vorsichtigem Einbau noch unversehrt.
Bilder vom Bau

Holme in Fläche fädeln und verkleben

Flächenhälfte passend
unterlegen, verkleben der Flächen mit vorgegebener V-Form

Holme durch
CfK-Steg oben und unten verbinden

Ruder für Modifikation trennen

Anlenkungen und Servos vorbereiten

Position für Servoausschnitt in
Fläche bestimmen

Servos mit Verlängerungskabel einkleben (Überlänge,
wird passend gekürzt)

Rumpf verrunden, Ausschnitt für Empfänger vergrößern

Rumpf an Fläche anhalten, Platz für Höhenruderservo festlegen, Ausschnitt
in Fläche

Probesitzen des Höhenruderservo mit Anlenkung

Seitenleitwerk
mit Halter verkleben

Rumpf mit klarem Tape bespannt, vorher ein dünnes
Gf-Band als Verstärkung beidseitig eingesetzt

Nasenleiste mit blauem
Tape bespannt

Ruder oben klar, unten blau bespannt, Tape unten dient
gleichzeitig als Scharnier
Restarbeiten
Verkleben des Rumpfs mit der Fläche, Querruderservokabel passend kürzen, Stecker
anlöten, Anlenkungsstäbe passend kürzen, Ruderhörner in Ruder kleben, Anlenkungen
einstellen und verkleben. Auswiegen: Es sind ca. 10 g Blei in der Nase erforderlich.
Es ergibt sich ein Abfluggewicht von gerade mal 125 g!
Die Möglichkeiten des Computersenders werden genutzt, die Ausschläge
entsprechend Anleitung eingestellt. Ein zusätzlicher Mischer von Höhe
auf Quer sorgt bei großen Höhenruderausschlägen für eine
teilweise Mitnahme der Querruder, zum Spaß oder nah am Boden kann daher,
falls notwendig, großzügig reingelangt
und korrigiert werden. Weiterhin wurde, hauptsächlich weil es einfach
zu realisieren ist und die Möglichkeit geboten wird, eine Bremsfunktion
eingerichtet, die das Höhenruder hoch- und die Querruder stufenlos runter
fährt.
Damit sollte es einfach sein, ein Zuviel an Höhe abzubauen.
Einfliegen, Flugerfahrungen
Es ist sehr zu empfehlen, ALULA zuerst normal zu werfen, den Gleitflug zu
steuern und den richtigen Schwerpunkt zu erfliegen. Erst wenn dieser stimmt,
kann sicher und einfach seitlich geschleudert werden. Sämtliche Herstellerempfehlungen
bezüglich Schwerpunkt, Ruderausschlägen und Flugverhalten konnten
vollständig
übernommen werden. Nach Anleitung ist das Einfliegen ein sicherer Erfolg.
ALULA hat inzwischen einige Stunden geflogen. Das Landen in der Hand und sofortiges
Wiederwerfen ist Standard geworden. Es ist zu einfach, als dass man es nicht
spätestens nach einer Stunde probieren würde. Das Schleudern war
selbst für
mich als Anfänger im SAL sehr einfach und hat ab dem ersten (leichten)
Wurf immer funktioniert, leichte Richtungsschwankungen inbegriffen, da fehlt
sicher noch die Übung.

ALULA beim Einfliegen

Schleuderstart in Phasen

Fazit
Dieses Modell führt zuerst einmal zu Muskelkater. Man bewegt sich mit der
Wurftechnik und dem häufigeren Starten und Laden bei fehlendem Aufwind einfach
mehr als beim Start eines elektrisch getriebenen Seglers... Ein echtes Fitnessgerät
also. Eine durchdachte Konstruktion, mit guter Dokumentation und super Flugeigenschaften,
was will man mehr. Und das alles in 125 g Abfluggewicht und 860 mm Spannweite
verpackt. ALULA wird ein ständiger Begleiter sein. Die guten Flugleistungen
in Verbindung mit echter Kofferraum-Tauglichkeit provozieren das geradezu.
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