Liebes WM-Tagebuch... (8. Tag)
Welcome Race Fans!
Der 2. Renntag dieser WM ist soeben nach 5 Durchgängen zu Ende
gegangen.
Der Wecker klingelte um 5:30 Uhr, kurz vor 7:00 Uhr waren wir bereits
auf dem Platz. Um kurz nach 8:00 Uhr ging der erste Truck an die Startstelle.
Da die Sonne zu diesem Zeitpunkt noch extrem tief über dem Doppel
stand, gab es eine etwas kulantere Handhabung der Einhaltung der Mindestflughöhe,
trotzdem hatten fast alle Piloten damit zu kämpfen. Einen F3D-Renner
durch die Sonne zu fliegen ist ungefähr so angenehm wie bei einem
Atombombentest in den Blitz zu schauen, man hat schnell mal eine halbe
Runde lang mit Sichtproblemen zu kämpfen und bei 90 Metern pro Sekunde
gibt es angenehmeres. 
Achim startete den Tag mit einer 72, Dietmar flog gleich 2 mal durch
die Sonne und zudem noch das halbe Rennen mit großen Ausschlägen.
Ich flog in einem 2er-Rennen mit Paolo Mucedola, dieses Rennen hatte
es bereits am Vortag in der später annulierten 6. Runde schon einmal
gegeben. Während ich gestern mit 62 Sekunden den besten Flug des
Tages hingelegt und Paolo 3 Sekunden abgenommen hatte, war es heute anders
herum. Unser Triebwerk wollte zu dieser frühen Stunde noch nicht
so richtig und schließlich blieb die Uhr bei 65 s stehen. Paolo
hatte gestern noch eine normale Dago geflogen, heute kam der neue Wunderflügel
zum Einsatz. Im 8. Durchgang war ich mit Ranjit Phelan und Frantisek
Hovorka zusammen, wir gingen von Starposition 1 ins Rennen. Um vor Ranjit
zu bleiben, sagte Martin extrem knapp an, was in der 2. Runde leider
zu einem Cut am 1er führte. Eine Runde später flog ich am Ausgang
Doppelpylon durch die Wirbelschleppe von Phelans Flieger, „Bad
Air“ wie die Pylonflieger zu sagen pflegen. Dies führte zu
einer unschönen Richtungsänderung Richtung Erdmittelpunkt,
bei der sich anschließenden Rettungsaktion hielt der Rest des Teams
kurz den Atem an. Am Ende standen 66+10% Zeitaufschlag für den Cut
zu Buche, aber da noch kein 200er angefallen ist, war das weniger tragisch.
Achim hatte in diesem Durchgang leider (wie schon am Vortag) einen Motorabsteller
aufgrund einer defekten Auspuffdichtung. Dieses Problem hatte uns gestern
schon beschäftigt. Trotz eines Wechsels der Dichtung nach jedem
Flug, haben die Gremlins wieder zugeschlagen. Dietmar war anfänglich
mit Zeiten knapp über 70 unterwegs, nach einem Propellerwechsel
ging es dann etwas schneller. Ich pendelte mich um die 64 ein und verlor
etwas Boden in der Einzelwertung: Paolo Mucedola und Antonio Tosi zogen
an mir vorbei. Da Fred Burgdorf aufgrund seines 3. 200ers in der Wertung
zurückfiel stand ich am Ende dieses Tages auf dem 7. Platz mit 4,5
Sekunden Rückstand auf Antonio. Da dieser konstant mit Zeiten um
62s unterwegs ist, müssten wir morgen noch eine Schippe drauf legen.
Da der Abstand auf den Franzosen Christian Schmitt mit 4 Sekunden nicht
allzu üppig ist, und auch das restliche Mittelfeld dicht zusammen
liegt, heißt es weiterhin alles zu geben und keine Cuts zu fliegen.
An der Spitze geht es weiterhin extrem eng zu. Travis Flynn hat sich
heute auf den ersten Platz vorgeschoben, gefolgt von Chris Callow und
Ranjit Phelan. Randy Bridge ist mit zwei 200ern und einer Cut-Zeit auf
den 4. Platz zurückgefallen. Der beste Europäer, Paolo Mucedola,
hat bereits einen Rückstand von 19 Sekunden auf Travis Flynn. In
der Teamwertung liegt Australien auf Platz 1, die 200er der amerikanischen
Piloten Burgdorf und Bridge bedeuteten den Rückfall auf Platz 3.
Auf dem 2. Platz liegen die Italiener mit einer starken Mannschaftsleistung
(5, 6, 18).
Der heutige Tag war zwischenzeitlich von leichtem organisatorischen
Chaos geprägt. Der Softwarefehler im Zeitnahmesystem, der eigentlich am
Montag komplett beseitigt sein sollte, hat heute wieder zugeschlagen.
Auf einem PC war die alte Softwareversion installiert, bei der Startposition
2 und 3 einen Zeitnachteil von einer bzw. zwei Sekunden haben. Auf dem
zweiten PC war die korrigierte Version installiert. Somit differierten
die an die Piloten herausgegebenen Zeiten von den Messungen, die auf
den Stoppuhren der Helfer standen. Die Wettbewerbsleitung blieb amerikanisch
cool und hat das Problem schließlich in den Griff bekommen.
Nach dem 10. Durchgang kam noch mal kurzzeitig Hektik auf. Einige Teams
waren davon ausgegangen, dass noch ein 11. Durchgang geflogen wird, andere
hatten schon eingepackt und waren zum Biertrinken übergangen. In
einer kurzfristig angesetzten Teammanager-Besprechung wurde beschlossen,
den Tag mit dem 10. Durchgang zu beenden. Meiner Meinung nach sind 8
Stunden Flugplatz und 5 WM-Durchgänge an einem Tag genug. Kurz darauf
brach das tägliche Gewitter verbunden mit Sturm und Starkregen los.
Somit wäre die 11. Runde ohnehin abgebrochen und annulliert worden.
Für morgen sind vier Durchgänge angesetzt und nach dem 12.
Durchgang kommt das 3. Streichergebnis zum Tragen. Von daher können
sich noch einige Verschiebungen in den Platzierungen ergeben. Wir können
nur hoffen, dass nicht wetterbedingt vor dem 12. DG abgebrochen wird
und wir keine weiteren 200er in die Wertung einbringen, um in der Mannschaftswertung
noch etwas weiter nach vorne zu kommen. Es können noch vier Piloten
Weltmeister werden und auch die Teamwertung ist noch nicht entschieden.
Es wird spannend morgen!
Gute Nacht!
Gerald
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