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Die liebe Politik ließ uns dann doch nicht aus den Klauen
Wie im Märchen, plötzlich tauchte von irgendwoher eine böse
Fee auf und bereitete dem fröhlichen Treiben ein jähes Ende.
Quasi über Nacht waren wir, die Pylonpiloten, illegal und verstießen
gegen die Sportregeln der FAI. Auf Anraten eines gewisses Herren im DAeC,
der lange Zeit einen “gewichtigen” Posten in der FAI genoss,
wurden wir von eben diesem Verband als die gegen die FAI-Regeln verstoßenden
Modellflieger in Grund und Boden verdammt. Da wir Mitglieder im DMFV
waren, durften wir nicht nach den Regeln der FAI fliegen und schon gar
nicht mehr an internationalen Wettbewerben teilnehmen. Der DAeC war bis
dato froh, das Pylonrennen nicht im Hause zu haben.
Trotzdem pochte man auf einmal auf einen Alleinvertretungsanspruch und,
was keiner für möglich gehalten hatte, der DAeC schrieb, sozusagen
als Rechtfertigung, Rennen aus, allerdings nur für DAeC Mitglieder.
Im Klartext: Man wollte dem DMFV eins auswischen.
Für mich unverständlich, vergaßen einige Kollegen von
heute auf morgen wessen Brot sie bisher gegessen hatten und wechselten
mit fliegenden Fahnen zum DAeC.
Damit war der bisher gepriesene Zusammenhalt der Pylonflieger futsch.
Traurig, aber leider wahr! Ob es den Kollegen wirklich viel Spaß gemacht
hat, mit 8-10 Teilnehmern Rennen zu fliegen, sei dahin gestellt.
Nach eingehender Rechtsprüfung durch den Anwalt des DMFV kam es
zur Klage gegen das Vorgehen des DAeC. Das Gericht gab uns zwar Recht,
da in Deutschland nun mal deutsches Recht gilt und nicht die Vorstellungen
der FAI.
Große Freude kam allerdings nicht auf, der ideelle Schaden war
inzwischen zu groß und mit solchen Urteilen nicht aus der Welt
zu schaffen. Außerdem hatten wir, genau genommen, nicht viel gewonnen.
Mittlerweile hatten in den USA Weltmeisterschaften stattgefunden und
ein “Deutsches Team“ im Leistungsstandart des DAeC nahm daran
teil. Die eigentlichen Leistungsträger waren von der Teilnahme ausgeschlossen.
Ich weiß, die Jungs sind mir heute noch böse, wenn ich sage: "Ihr
hattet einen netten Ausflug!"
Letztlich hatte der Kampf der Anwälte dann doch noch was Gutes,
man begann mit uns zu reden. Mit der damaligen Vorsitzenden der Modellflugkommission
bemühten wir uns, W. Ohlgart und ich, um Schadensbegrenzung. Letztlich
einigten wir uns darauf, die F3D-Wettbewerbe gemeinsam durchzuführen.
Was seit diesem Zeitpunkt auch bis vor ein paar Jahren problemlos über
die Bühne ging.
Der DAeC schrieb die Wettbewerbe aus, stellte den Wettbewerbsleiter (Bernhard,
du warst und bist der Beste!), dafür durfte der DMFV die Wettbewerbe
finanzieren. Teilnahmeberechtigt waren alle Modellflieger.
Wer allerdings in der Leistungsrunde des DAeC erscheinen wollte, musste
Mitglied sein und einen zusätzlichen Obolus für die Buchführung
an den Verband zahlen (Service nennt man das!)! Mehr oder weniger ist
das heute, zum Zeitpunkt dieses Berichtes, immer noch so.
Zudem wurde jetzt bei internationalen Wettbewerben strikt die FAI-Lizenz
kontrolliert. Eine Maßnahme, die die betroffenen Modellflieger
zur Doppelmitgliedschaft zwang. Aber was tut man nicht alles für
seinen Sport! Deshalb...
...zurück zum Sport.
In dieser Zeit flogen wir Modelle, die einen Kunststoffrumpf und mit
Holz beplankte Styroporflügel und -Leitwerke hatten. In anderen
Modellflugsparten gab es schon Vollkunststoffmodelle. Rücksprachen
mit Rainer Seubert und Martin Hepperle zeigten, dass, wollten wir international
mithalten, etwas Entscheidendes bei den Modellen geschehen musste. Martin
Hepperle hatte neue Profile, MH 22 und MH 23, veröffentlicht, die
gegenüber den NACA-Profilen gewisse Vorteile boten. Allerdings war,
um diese Vorteile auch nutzen zu können, erhöhte Fertigungspräzision
erforderlich. Die Flügel der Zukunft mussten deshalb in einer gefrästen
Form gebaut werden.
Auf der Suche nach einem guten Hersteller stießen wir damals auf
Bernd Jäger, der die notwendigen Maschinen und auch das Knowhow
hatte, um den neuen Flieger herzustellen. Finanziert wurde das Projekt
von einer kleinen Gruppe, bestehend aus Pick, Stükerjürgen,
und Haag, die Konstruktion kam von mir.
Ich hatte damals über Jahre und in mehreren Stufen ein Modell entwickelt,
das recht erfolgreich war. Dem allen sollte nun die Krone aufgesetzt
werden.
Ich habe mich immer schon für die “Dago Red” begeistern
können. Eine P 51 Mustang, die durch verschiedene Modifikationen
zum Rennflugzeug entwickelt worden war und mehrmals die Nationals in
Reno gewonnen hatte. Außerdem wischte „Dago Red“ den
lange existierenden Geschwindigkeitsrekord der Me 209 vom Tisch.
Alle meine Modelle waren der Dago nachempfunden und so war es auch bei
diesem neuen Modell. Es war schon toll, was letztlich dabei herauskam,
ein Quantensprung im Modellbau. In der Form lackiert, alle Teile passten,
das Modell war schnell fertigzustellen und das Allerwichtigste: Ein Flieger
flog wie der andere, alle einmal gefundenen Parameter konnten auf den
nächsten Flieger übertragen werden. Dadurch erübrigte
sich das bisher langwierige Einfliegen des Modells und auch der unsichere
Moment des Erstfluges war Schnee von Gestern.
Mit dem I/R-Motor ausgerüstet, flogen wir mit der Dago jetzt ständig
um die 70 s, die Drehzahlen des Motors lagen bei 26.000 U/min und die
Geschwindigkeit des Modells auf der Geraden betrug über 300 km/h.
Leider gibt es keine Geschwindigkeitsangaben von den Vorläufermodellen,
da eine Radarpistole erst zum Zeitpunkt der Dago angeschafft wurde.
Weltmeisterschaft 1993 in Nötsch/ Österreich

Das Deutsche Team in Österreich: M. Pick, T. Lindemann, G. Bonengel
Babara Lindemann, R. Haag, B. Stükerjürgen, H. Merschbrock
Wie sich gleich zu Beginn der WM herausstellte, hatten die Österreicher
sich mit dem Hintergedanken um den Wettbewerb beworben, ihrem langjährigen
Spitzenpiloten Hano Prettner einen würdigen Abgang aus dem Wettbewerbsgeschehen
zu verschaffen. Hanno hatte gesundheitliche Probleme und es war leider
abzusehen, wann er zurücktreten musste. Ein löbliches Unternehmen,
wenn da nicht die weniger schönen Begleitumstände gewesen wären.
Die FAI hatte damals Kunstflug, Hubschrauber und Pylonrennen zu einer
Aero-Olympics zusammengefasst. Österreich musste den ganzen Block übernehmen
und so kam es, dass ausgerechnet die Pylonrennen ablehnende Nation Weltmeisterschaften
in eben dieser Klasse durchführen sollte. Man konnte gespannt sein,
wie smart die Herren diesen Spagat bewältigen würden.
Für die WM hatten sich Bruno Stükerjürgen, Thomas Lindemann
und meine Wenigkeit qualifiziert (jetzt durften wir!). Für Bruno
und mich war klar, wir würden die Dago fliegen. Lediglich Thomas
machte Probleme, er wollte unbedingt seine Heinkel zum Einsatz bringen.
Es war damals ein hartes Stück Arbeit, ihn von seinem antiquierten
Flieger abzubringen. Das schafften wir nur nach langem Hin und Her und
nach einem Leistungsvergleich. Thomas vertrat die Einstellung, dass alles
was er flog, in seinem eigenen Stall gewachsen sein musste. Schließlich
lenkte er doch noch ein und damit trat das deutsche Team bei der WM in
Nötsch mit einheitlichem Material an. Leider dann doch nicht in
allen Details. Den Pendeltank hatten wir Thommy nicht ausreden können.
Später versetzte uns dieser Umstand einen herben Rückschlag.
Aber zurück zur Hassliebe der österreichischen Modellflugkommission
zum Pylonrennen. Schon beim ersten Training gab es Probleme mit den Organisatoren
und einzelne unschöne Momente. Ich verzichte darauf, diese hier
in allen Einzelheiten wiederzugeben.
Als Nächstes lernten wir, dass für die nächsten Tage Frühaufstehen
angesagt war. Da F3A und F3D auf dem gleichen Flugplatz stattfanden,
ließen die Veranstalter die F3D-Durchgänge in aller Herrgottsfrühe
stattfinden.
Ab 11 Uhr flogen dann die ausgeschlafenen kunstfliegenden Kollegen, während
wir seit 4 Uhr auf dem Flugplatz standen. Unser Vorschlag, die Startzeiten
mal zu wechseln, stieß auf strikte Ablehnung. Kein Mensch interessiere
sich für uns und wir dürften ja sowieso nur aufgrund der FAI-Bedingungen
fliegen. Der FAI-Vertreter deutscher Herkunft (genannt die „Qualle“)
sah dem ganzen unfairen Treiben zu, ohne auch nur den kleinsten Finger
für uns zu rühren. Auf Spesen reisen und sich einen schönen
Tag machen, das waren die wesentlichen Tätigkeiten dieses Herren.
Hinzu kam, das man den Rennkurs total abgeschottet hatte. Besucher und
Fans hatten keine Chance, in unsere Nähe zu kommen.
Sollten so alle WMs aussehen? Gott sei Dank nicht!
Für’s offizielle Training hatte man für alle Teilnehmer
gerade mal 5 Stunden angesetzt und dann ging’s auch schon am nächsten
Morgen in aller Frühe los. Etwas ungewohnt fanden wir uns mit den
amerikanischen Kollegen nach den ersten Durchgängen auf den vorderen
Plätzen. Eine nervliche Belastung, mit der wir am Ende einige Probleme
hatten. Heute würde man sagen, wir waren einfach nicht “cool” genug.
Noch nicht!
Kennzeichnend für die Situation war, dass mein Caller Günther,
im Übereifer, uns in einem Durchgang zwei Cuts einhandelte, was
eine Nullwertung ergab.
Thomas hatte im entscheidenden Flug einen Motorabsteller, der sich auf
den von ihm verwendeten Tank zurückführen ließ. Auch
die sonst so souverän fliegenden Amerikaner kamen nicht ungeschoren
davon. Dub Jett erwischte den 3er Pylon voll, genau in der gefährlichen
Höhe des im Käfig sitzenden Flaggenmanns. Die Einzelteile des
Modells flogen um diesen herum und wie durch ein Wunder bekam er nur
eine Schramme ab. Das war für den österreichischen Aeroclub
natürlich ein willkommener Anlass, über das böse Pylonrennen
in der lokalen Presse zu schimpfen.
Am letzten Tag flogen wir dann morgens in aller Frühe im Nebel.
Unsere Motoren mochten die feuchte Luft absolut nicht und liefen einfach
nicht mehr so, wie sie sollten, wodurch wir noch mal einige Plätze
einbüßten. Allerdings erging es unseren Konkurrenten auch
nicht viel besser, so dass wir in der Mannschaftswertung, hinter den
Amerikanern, unseren zweiten Platz halten konnten. Was danach kam, die “Siegerehrung” und
das gemeinsame Gourmetmenü, diese Schilderung erspare ich mir, es
war genauso wie die gesamte Veranstaltung, Schwamm drüber!
Pilot - Caller, das Team.
Im F3D besteht der Teilnehmer aus dem Piloten und dem Caller. Diese
bilden ein Team, wobei der beste Pilot mit einem schlechten Caller nie
den Erfolg haben wird, der seinem Können entspricht . Ein guter
Caller hat den Überblick über’s Rennen, während
der Pilot sich nur auf seine Fliegerei konzentriert. Pilot und Caller
sollten schon eine Weile miteinander Wettbewerbe fliegen und jeder sollte,
ohne viele Worte verlieren zu müssen, genau wissen, was in stressigen
Momenten zu tun ist.
Ein guter Caller gibt das Signal zum Umfliegen des 1er Pylons (Spitzpylon),
immer ein Augenzwinkern vor der Ampelanzeige, diese bestätigt nur
sein Signal. Eines der besten Teams, Chris Callow (Weltmeister 2003/2005)
und sein Vater, fliegen seit Jahren in dieser Konfiguration zusammen
und wer sie mal beobachtet hat, weiß, warum sie fast unschlagbar
sind.
Bei der WM in Nötsch fuhr beispielsweise vor dem Start das Fahrwerk
bei meinem Modell nicht aus. Jetzt bewies mein Caller Günther Format.
Auf meine Frage: “Was nun?”, zeigte ihm ein Blick in die
Runde, dass keiner der anderen Teilnehmer was von unserem Problem bemerkt
hatte. Der Motor wurde gestartet, das Modell wie beim normalen Start über
den Boden gehalten und ab ging’s ins Rennen.
Manche Piloten neigen dazu, wenn es mal nicht so funktioniert wie gewünscht,
den Fehler beim Caller zu suchen. Es gab und gibt Piloten, die einen
regen Verschleiß an Callern haben, da sie der Meinung sind, dass
es mit dem nächsten Caller besser gehen müsste. Fast immer
ein Irrtum! Das Geheimnis eines guten Teams heißt: HARMONIE!
Bernhard Onken
Einem Mann, der es verdient hat, möchte ich hier ein paar Zeilen
widmen.
Durch die gemeinsam von DMFV/DAeC veranstalteten Wettbewerbe bekamen
die Rennen einen Wettbewerbsleiter des DAeC, Bernhard Onken.
Was Besseres konnte dem Sport nicht passieren. Berhard leitete und leitet
noch immer die Wettbewerbe mit Routine und Umsicht, seine Entscheidungen
wurden zu meiner Zeit immer von allen ohne Wenn und Aber akzeptiert.
Wenn Bernhard den Beginn des Rennens auf 10 Uhr festlegte, dann gingen
um 10 Uhr die ersten Flieger in die Luft. Dabei ist er fern von jeglichem
Personenkult, tritt bescheiden und als absoluter Kumpel bei “seinen
Pylonpiloten” auf. Er ist von der Sorte Mensch, (und Funktionär)
von denen man sich mehr wünscht!
Mittlerweile tauchten neue Piloten auf, die sich mehr oder weniger erfolgreich
im Rennsport versuchten. Ein besonderer Fall ist Robert van den Bosch
aus den Niederlanden. Wenn man seine Anfänge mitbekommen hat, dann
war absolut nicht zu erkennen, dass er einmal einer der besten Pylonpiloten
der Welt sein würde.
Meistens waren seine Modelle und deren Einzelteile auf einer großen
Decke am Boden verteilt. Aber irgendwie brachte er, von uns belächelt,
ein Modell in die Luft und flog dann mal mehr oder mal weniger gut um
ein Ergebnis.

Robert van den Bosch
Auch Xaver Riesinger flog damals seine ersten Rennen, wobei er anfangs
nicht gleich vorne mitmischte. Aber er ließ erkennen, dass in ihm
einiges an Potenzial steckte. Gute Ergebnisse ließen nicht lange
auf sich warten, zumal er es verstand, sich mit seiner bescheidenden
Art Freunde zu schaffen. Schnell hatte ich einen guten Kontakt zu ihm
und man merkte, dass er den Informationsfluss voll umsetzte. Von mir
bekam er bald die Dago und damit hatte ich mir einen neuen Konkurrenten
ins Haus geholt. In den 90er Jahren, bis zu seinem Rücktritt, war
er immer bei der DM auf den vordersten Plätzen zu finden. Das letzte
Rennen bei Mach Aurora-Milano konnte er für sich entscheiden.
Achim Kaiser, auch heute noch einer der besten deutschen F3D-Piloten,
tauchte auf einmal ganz vorne in den Ergebnislisten auf. Er war damals
einer von den Piloten, die fast alles selbst machten. Vom Modell bis
zur Kerze.
Dazu flog er präzise und gekonnt. Er wäre einer der wenigen
Piloten, der auch heute noch bei Weltmeisterschaften erfolgreich mitfliegen
könnte. Aus Vernunftsgründen macht er von dieser Möglichkeit
keinen Gebrauch.
Weltmeisterschaften 1995 in Muncie/USA

Nach Muncie/Indianapolis reisten Rolf Haag, Thomas Lindemann und ich
mit den Callern Ernst Wiedemann, Martin Henschkowski und Xaver Riesiger.
Mit Xaver verband mich mittlerweile eine Freundschaft, die ihn nicht
lange überlegen ließ, als ich ihn fragte, ob er als mein Caller
mit zur WM in die USA fahren würde. In Muncie empfing uns heißes
Wetter mit Temperaturen über 40°C. Dazu lauter freundliche Amerikaner,
die sich bemühten, in jeder Hinsicht zu helfen.
Rund um die Uhr konnte geflogen werden und so nutzten wir die Zeit zum
Training und dazu, uns an die extremen Temperaturen zu gewöhnen.
Geflogen wurde auf einem Platz, der von der AMA extra nur für den
Modellflug gebaut worden ist. Da gibt es Fesselflugpisten, jede Menge
freies Gelände für alle nur möglichen Freiflugklassen
und für die Motorflieger zwei Startbahnen, die auch Sportflugzeugen
genügen würden.
Thomas landete knapp geschlagen auf dem dritten Platz, ich auf dem 6.
und Rolf Haag auf dem 8. Platz. Nachdem einer der amerikanischern Kollegen
schwächelte und einen riesen Patzer fabrizierte, war das deutsche
Team auf dem ersten Platz. Ich glaube, das war die Krönung unserer
Modellfliegerei. Ein Triumph, mit dem wir nie gerechnet hatten, vor allem
nicht in den USA, dem Heimatland des Pylonracings.
An diesem Tage wurde zum ersten Mal, und ich vermute zum einzigen Mal,
die deutsche Flagge zwei mal hochgezogen und zwei mal die deutsche Nationalhymne
gespielt.
Enttäuscht waren wir nur über die Reaktion unseres Verbandes.
Die war nämlich gleich Null, wohingegen der DAeC uns eine Ehrung
zuteil werden ließ.


Bilder, die nicht weiter kommentiert werden müssen
Dago Red zum Zweiten
Unser Modellproduzent Bernd Jäger ging in die Insolvenz und verschwand
mitsamt Formen von der Bildfläche. Irgendwie fanden wir den Herren,
aber er weigerte sich, unser Eigentum herauszurücken. Da sich aber
in der Auslegung der Modelle einiges getan hatte, beschloss ich, was
ganz Neues zu konstruieren. In Christian Wolf hatte ich einen vertrauenswürdigen
Hersteller gefunden, der bereits in den Startlöchern stand. Im Wesentlichen
unterschied sich das Modell hinsichtlich des Vorgängers im Tragflügelumriss.
Da habe ich bei den elektrischen Fliegern geschnuppert.

Die WM-Mannschaft 1997 in Sumperk/CSR. Das Bild zeigt den Unterschied
der alten zur neuen Dago. Thomas Lindemann und Martin Henschkowski flogen
noch die alte Dago, während ich schon das neue Modell flog.
Ausgerechnet mit unseren Motoren bekamen wir kurz vor der WM in Sumperk
Probleme. Wir fuhren zur WM und hatten keinen zuverlässig laufenden
IR. Ravil, der mit im Team war, zuckte mit den Schultern und tat unschuldig.
Aber wie sich dann später herausstellte, hatte er den Auspuffschlitz
in der Zylinderbuchse vergrößert und anderes Kolbenmaterial
verwendet.
Mit Ravil hatten wir des öfteren schon Schwierigkeiten dieser Art
gehabt. Weil er was Neues probieren wollte, änderte er von heute
auf morgen etwas, ohne uns zu informieren. Anstatt zuerst einmal einen
Test zu fahren, produzierte er meistens gleich größere Stückzahlen
und wollte natürlich seinen Schrott auch noch bezahlt haben. Russische
Taktik!
Sein erster Integralmotor, den er mir zu Testzwecken gab, hatte eine
konstruktive Schwachstelle. Es stellte sich heraus, das er gleich 20
Stück gebaut hatte, ohne den Motor selbst vorher zu testen. Leider
gab es bei Ravil noch öfter solche typische Ausfälle, zwar
ein genialer Motorenbauer, aber leider fehlte ihm jegliches kaufmännisches
Denken. Da halfen auch alle Vorträge meinerseits nicht viel, er
hatte eben seinen russischen Dickschädel.
In den letzten Jahren meiner F3D-Fliegerei funktionierte es dann wieder.
Ravils Treiblinge waren wieder zuverlässig und gingen sehr gut.
Nur war mittlerweile schon sein geschäftlicher Untergang eingeleitet.
Die niederländischen Gebrüder Metkemeijer hatten die anfänglichen
Schwierigkeiten bei der Entwicklung eines Motors für das Pylonrennen überwunden
und präsentierten nun einen zuverlässigen Topmotor.
Eine andere Geschichte, über die ich hier berichten möchte,
soll den Sportgeist aufzeigen, den es Gott sei Dank immer wieder gibt.
Es hieß, für Sumperk hätte auch ein chinesisches Team
gemeldet. Es stellte sich dann heraus, dass eine Gruppe Modellflieger
aus Hong Kong angereist war. Deren Modelle entpuppten sich nach eingehender
Besichtigung als alles andere, nur nicht als optimal.
Da wir unseren Teamchef Rolf Haag entbehren konnten, stürzte er
sich in die Arbeit. Die Modelle wurden auseinander genommen, alles sauber
wieder zusammengebaut, die Motoren eingestellt und dann von Rolf eingeflogen.
Flogen die Geräte dann endlich so, wie sie sollten, durften die
Eigentümer mit ihnen starten.

Das Bild zeigt mich mit unseren Freunden aus Hong Kong
Mit Frank, sein richtiger Name ist Wong Wing Fai, verbindet
mich heute noch eine Freundschaft (rechts im Bild).
Von Sumperk gibt es nicht viel zu berichten. Wir belegten Plätze
unter den ersten zehn und landeten in der Teamwertung auf dem 3. Platz.
Leider passierte dann während des Rennens etwas ganz Trauriges.
Der langjährige Freund und Caller Dave Shadels, Jimmy Shinohara,
erlitt mitten auf dem Platz einen Herzinfarkt, von dem er sich nicht
erholte und vierzehn Tage später in Sumperk verstarb. Ob das so
sein musste, sei dahin gestellt. Die Ambulanz brauchte jedenfalls 30
Minuten bis zum Eintreffen auf dem Platz. Die Reaktion des Organisators
kann ich hier nur als kopflos bezeichnen, aber das hilft Jimmy jetzt
auch nicht mehr.
Die Drehzahlen der Motoren waren in der Zwischenzeit, frei nach dem
Moto mehr bringt mehr, weiter gestiegen. Gestartet wurde mit ca. 28.000
U/min, die durchschnittlichen Flugzeiten der guten Piloten gingen langsam
auf die 65 s zu.
Zwei Jahre nach Sumperk folgten die Weltmeisterschaften in Schweden
und später dann noch die in Australien. Dies war meine letzte WM.
So ganz langsam ging die Luft und die Lust aus. Die F3D-Fliegerei erforderte
einen immer größeren Einsatz von Material und verursacht damit
immense Kosten. Ähnlich wie in anderen Sportarten, brauchten wir
einen finanzkräftigen Sponsor, der ist aber weit und breit nicht
zu entdecken.
Auf nach Down Under
Trotz der 22stündigen Flugreise nach Bundaberg war Australien noch
mal eine Reise wert. Xaver Riesinger, Martin Henschkowski und ich waren
die Teilnehmer. Dass die Australier von den seinerzeit importierten Sträflingen
abstammen, konnten die Organisatoren nicht leugnen. Da es eine lange
und kostspielige Reise war, waren wir mit einem Minimum an Personen unterwegs.
So war ich Pilot, Caller und Teamchef in einer Person, deshalb forderten
die Aussis gleich mal die dreifache Startgebühr von mir. Erst massive
Drohungen konnten David Axon auf den Weg der Vernunft zurück bringen.
Toll war der Flugplatz, ein in den Busch hinein geschlagenes Viereck,
ca. 800 mal 800 Meter groß, mittendrin eine Betonplatte zum Starten.
Geflogen werden konnte nach allen Seiten, egal woher der Wind kam. Probleme,
d.h. größere Suchaktionen gab's, wenn ein Modell diesen Bereich
verließ und im Busch landete. Zuschauende Kängurus gab`s gratis
dazu. Leider wurden wir hier im letzten Moment in der Mannschaftswertung
von den Franzosen auf den zweiten Platz verwiesen. Xaver und ich waren
immer noch mit den R/I-Motoren unterwegs, doch so langsam mussten wir
einsehen, dass die MBs besser waren.

Chris Callow, der Weltmeister aus Down Under
Dago Red Innovation
Christian Wolf hatte viele Modelle in den Formen gebaut, und diese wurden
dadurch nicht besser. Wir einigten uns dahingehend, wenn schon etwas
neu gemacht werden musste, es auch ein neues Modell sein sollte.
Die Dago bekam eine größere Streckung, unter dem Rumpf wurde
Platz für eine größeres Resorohr geschaffen und auch
sonst wurden noch einige wichtige Details verbessert.

Nach der Saison 2003 war dann endgültig Schluss.
Nach über 30jähriger Jagd nach Geschwindigkeit, war ich an
einem Punkt angekommen, wo es innerlich bei mir nicht mehr weiter ging.
Wenn die Kollegen sich nach dem Motorcheck über 30.000 Umdrehungen
freuten, dann fing ich an, das Gejaule mehr und mehr zu hassen. Ich stellte
mir immer öfter die Frage, ob dieses ins Extreme gehende Leistungsdenken
sein muss, um Spaß an der Modellfliegerei zu haben. Dazu kam, das
nur wenige in der Lage waren, die notwendige Technik zum Fliegen eines
F3D-Modells zu beherrschen. Newcomer haben beim heutigen Stand in dieser
Wettbewerbsklasse keine Chance.
Mein Abschied wurde von den Kollegen mit unterschiedlichen Reaktionen
aufgenommen. Ich weiß, es ist nicht immer alles so gelaufen, wie
es hätte laufen sollen. Nicht nur von meiner Seite, sondern auch
von der Seite meiner Gegner, die ich jetzt auf einmal hatte. Aber wie
das nun mal der Lauf der Zeit mit sich bringt, stellten sich mit zunehmenden
Abstand zum damaligen Streit wieder Ruhe und Gelassenheit ein. In diesem
Sinne...Tschüss!

Wenn du weißt, wer du bist, kannst du sein
wie du willst.
Wenn du nicht weißt, wo du bist, dann musst du sehen,
wo du bleibst.
Ersterscheinung beim DMFV

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