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Deutsche Meisterschaft 2003 auf Rügen
Hangfliegen gehört unbestritten zu den spannendsten Beschäftigungen
im Modellflug. In freier Natur, meist vor grandioser Kulisse einen unmotorisierten
Flieger den Gewalten der Natur zu überlassen, zeugt von großem
Selbstvertrauen in die eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten. Neben
der reinen Freizeitbeschäftigung des Hangfliegens fristet die FAI-Wettbewerbsklasse
F3F eine Art Mauerblümchendasein.
Das ist eigentlich völlig unverständlich, da sehr viele Hangflieger
wettbewerbstaugliche Modelle ihr Eigen nennen. Doch mangelt es beispielsweise
an Unterstützung durch Vereine, die kein geeignetes Gelände
benennen können.
Der neue F3F-Contest-Tourmanager Dieter Perlick hat sich auf die Fahne
geschrieben, diese F3F-Wettbewerbsklasse zu neuem Leben zu erwecken.
Das RC-Network-Magazin hat mit ihm ein Interview geführt:
RC-N: Dieter, viele kennen Dich bereits als aktiven
Piloten in F3B und F3F. Für alle anderen bitten wir, Dich kurz vorzustellen.
Dieter Perlick: Ich bin 43 Jahre alt und fliege Wettbewerbe
seit über 20 Jahren. Meinen ersten F3F-Wettbewerb habe ich 1989
geflogen. Das war das erste Viking-Race in Dänemark. Weiterhin
fliege ich F3B und F3J.
RC-N: F3B, F3J sind bekannte Klassen im Modellsegelflug.
Was verbirgt sich hinter F3F?
Dieter Perlick: F3F ist eigentlich eine "alte" Wettbewerbsklasse.
Mit ähnlichem Regelwerk wurden schon in den 80er Jahren Wettbewerbe
in Deutschland geflogen. So zum Beispiel Deutsche Meisterschaften auf
der Wasserkuppe oder auf Sylt. Auch in anderen Ländern wurden
schon früher vergleichbare Wettbewerbe geflogen. International
bekannt wurde diese Klasse durch die "Viking Races", die
mittlerweile einen Kultstatus und den Ruf einer inoffiziellen Weltmeisterschaft
erlangt haben.
RC-N: Welche Aufgaben verbergen sich hinter der Funktion
des Tourmanagers?
Dieter Perlick: Als Tourmanager F3F besteht meine
Funktion darin, die einzelnen Wettbewerbe zu einer Tour zu bündeln,
neue Veranstalter zu gewinnen und das Ganze dann auch sportlich voranzubringen.
Das bedeutet insbesondere die Veranstalter zu überzeugen, dass
für internationale Wettbewerbe Mindeststandards anzustreben sind.
Dazu gehört eine solide Wettbewerbsdurchführung, genau wie
eine Homepage, auf der vorab die gemeldeten Teilnehmer veröffentlicht
werden, eine Vorstellung der Wettbewerbshänge und ein kurzer Bericht
nach dem Wettbewerb.

Deutsche Meisterschaft 2003 auf Rügen
RC-N: Und welches Ziel willst Du erreichen?
Dieter Perlick: Mein Ziel ist es, die Basis auch und
gerade in Deutschland zu verbreitern. Als Vorbild können hier
die Briten und in den letzten Jahren besonders die Franzosen dienen.
Dort gibt es eine ganze Reihe nationaler Wettbewerbe mit einer starken
Szene. In Frankreich boomt F3F derart, dass dort für die Teilnahme
an der französischen Meisterschaft vorher eine Qualifikation geflogen
werden muss. Aus diesem vergrößerten Wettbewerbspool möchte
ich dann die besten Wettbewerbe in der Eurotour zusammenfassen, um
hier wirklich den Spitzensport zu repräsentieren. Hier konnte
ich schon einen zusätzlichen englischen, einen französischen
und den einzigen größeren deutschen F3F-Wettbewerb für
die Tour gewinnen.
RC-N: Wie soll ein F3F-tauglicher Hang aussehen?
Dieter Perlick: Je steiler, desto besser, eine möglichst
gerade Hangkante die auf mindestens 90 m, besser 110 m frei von Hindernissen
(Bäume etc.) ist. Dieser Hang sollte, wenn möglich, wenig
thermikempfindlich sein und für den Wettbewerb ist natürlich
auch Wind erforderlich. Letzteres ist die größte Hürde
für einen F3F- Wettbewerb. Dies ist die Wettbewerbsklasse, die
am stärksten wetterabhängig ist. Eine vernünftige Landemöglichkeit
und auch Erreichbarkeit ohne stundenlange Fußwege sind selbstverständlich.
RC-N: Welche Aufgaben würden auf einen Verein
zukommen, wenn er einen F3F-Wettbewerb ausrichten möchte?
Dieter Perlick: Das wäre der Aufbau der Messstrecke,
die Übernahme der Wettbewerbsleitung und Frequenzüberwachung,
sowie der Auswertung. Bei kleinen Wettbewerben ist es üblich,
dass die Teilnehmer rotierend selber die Wenderichterposten übernehmen.
Bei größeren Wettbewerben wird dieses durch den Ausrichter übernommen.
Die Verpflegung der Teilnehmer muss nicht durch den Veranstalter erfolgen
und wird auch nicht erwartet. Üblicherweise sind die Piloten Selbstversorger,
da ja meistens alles, zu mindestens ein gewisses Stück, getragen
werden muss.

Französische Meisterschaft 2005 Menez Home
Bretagne
RC-N: Welche logistische Unterstützung bietet
Ihr für den ausrichtenden Verein an?
Dieter Perlick: Eine Auswertungssoftware gibt es beim
Dresdener Verein. Die Messanlage ist denkbar einfach. Zwei Peilringe/-Tore,
100 m Kabel, in der Mitte eine Hupe, an den Enden einen Taster und
Stoppuhren sind ausreichend. Man kann auch sehr viel mehr machen zum
Beispiel eine elektronische Zeitnahme, aber das ist nicht erforderlich.
RC-N: Kommen wir zur Flugaufgabe für die Wettbewerbsteilnehmer.
Wie sieht diese aus?
Dieter Perlick: Vereinfacht ausgedrückt geht
es darum, zehnmal möglichst schnell eine Strecke von 100 m abzufliegen.
Natürlich werden die Wenden in die Zeit mit eingerechnet. Der
Rekord liegt übrigens für die gesamte Strecke, die inklusive
Wenden 1100 m lang ist, bei 28 s. Das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit
von 140 km/h. Und das ohne Antrieb und an einem Hang.
RC-N: Für eine erhöhte Adrenalinausschüttung
ist also gesorgt, vor allem beim Flug in Bodennähe. Wo können
sich interessierte Vereine und Piloten näher informieren?
Dieter Perlick: Da bietet sich die Homepage von Contest-Modellsport an.
Unter F3F befindet sich die Rahmenausschreibung in
der die Bedingungen erläutert werden. Weitere Informationen findet
man in der offiziellen Seite von F3F.
RC-N: Dieter, wir danken Dir für das Gespräch
und wünschen Dir viel Erfolg bei Deiner Tätigkeit als Tourmanager.
Das Interview mit Dieter Perlick führte C. Eckert für RC-Network.de
per Mail.

Osterwettbewerb 2003 Hanstholm Osthang, Dänemark,
Werfer Klaus Kowalski
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