Vorwort
Vorweg sei mir der Hinweis gestattet, dass dieser
Magazin-Beitrag nicht immer ganz ernst genommen werden darf, denn leider
kommt mir hin und wieder die Sachlichkeit abhanden, man möge mir
verzeihen.
Ich möchte weiterhin voraus schicken, dass dieser
Magazinbeitrag keinesfalls freiwillig, sondern nur unter „Androhung
einer Zwangsmitgliedschaft“ im RCN-Verein entstanden ist.
Um dieser „Leibeigenschaft“ zu entgehen,
habe ich mich dann doch lieber den allgegenwärtigen Vereinsmächtigen
gebeugt und mich dem Schreiben gewidmet.
Meine schriftstellerischen Qualitäten halten
sich jedoch genauso in Grenzen wie meine modellbautechnischen. Analog
zum zugehörigen Forumsbeitrag – siehe unter http://rc-network.de/forum/showthread.php?t=64312 -
handelt es sich hier auch nur um den verzweifelten Versuch eines Magazin-Beitrages.
Diejenigen, die den Forumsbeitrag bereits intensiv,
voyeuristisch und schadenfroh verfolgt haben, werden hier kaum neue Erkenntnisse
entdecken - leider -, sondern lediglich eine Zusammenfassung der wichtigsten
Katastrophen.
Wie alles begann...
Seit Jahren fliege ich immer noch sehr gerne meinen
gutmütigen 2achs-Elektro-Segler.
Als Feierabendentspannung ist so ein Modell für
mich, einen Piloten gehobenen Alters, genau das Richtige.
Anfang letzten Jahres hatte ich diesen „High-Tech-Segler“ durch
Einbau eines Picolarios im Wert glatt mehr als verdoppelt, so dass er
eine weitere Saison herhalten musste. Ganz nebenbei erhielt ich durch
das neu erworbene kleine Wunderwerk der Technik die Bestätigung
dafür, was ich eigentlich schon immer befürchtet hatte: Bei
der weltweiten Verteilung der Thermik ist unser Modellflugplatz aus irgendeinem
unerfindlichen Grund schlichtweg vergessen worden!
Um nun nach diversen Jahrzehnten Modellflug dann doch
einmal flugtechnisch einen Schritt nach vorn zu machen, musste beinahe
unausweichlich etwas Neues her. Ursprünglich war da der Wunsch nach
einem 4 m-Segler wie der Alpina,
aber dann habe ich mich mit Rücksicht auf die Größe meines
Bastelkellers und mit der 5 kg-Grenze im Hinterkopf letztendlich für
den Big Excel von Simprop entschieden.
Tatsächlich also einen 3achs-Segler mit Wölbklappen!
Die weichen Knie habe ich bereits seit der Bestellung. Für das Hinauszögern
des Erstfluges arbeite ich seit langem an plausiblen Ausreden.
Mit knapp 2,90 m Spannweite gehört er sicher
noch nicht zu den Großmodellen, bietet aber dennoch eine gewisse
Erscheinung, die ein großräumiges Fliegen möglich machen
sollte.
Detaillierte Daten und natürlich auch Herstellerhinweise
zur Ausrüstung kann jeder dem Katalog oder dem Internetauftritt
von Simprop entnehmen.
Wie es dann weiterging
Wenige Wochen vor Weihnachten war es soweit, ein richtig
großes Paket wurde geliefert.
Darin ein Karton, 158 cm lang, 36 cm breit und 13
cm dick, mit buntem Bild darauf.

Ich hatte keine Probleme damit, meine Frau davon zu überzeugen,
dass der Karton natürlich unmöglich bis zur Bescherung einfach
in einer dunklen Ecke verschwinden konnte.
Nein, eine sofortige Überprüfung des Zustandes
des Kartoninhaltes war zur Wahrung von Regressansprüchen selbstverständlich
und somit unaufschiebbar. Also, auf mit der Kiste.
Darin befanden sich eine handvoll wichtiger Teile,
die man landläufig für so ein Flugmodell benötigt.
Ein GfK-Rumpf mit fertig eingeklebten Bowdenzugröhrchen
und komischen Löchern an einer Seite der Nase, zwei perfekt bebügelte
Tragflächen, aber mit Aufklebern, an denen sich die Geister scheiden,
zwei ebenso perfekt bebügelte V-Leitwerksflächen, ein paar
perfekt bearbeitete Holzteile (gefräst?, gelasert?, ich kenn mich
da nicht so aus) für den Rumpfausbau und ein paar Kleinteile für
die Anlenkungen.
Fast hätte ich es vergessen: Im Karton befand
sich auch noch ein riesiges Stück Papier mit lustigen Strichzeichnungen
eines halb durchgesägten Segelmodells, außerdem eine ganze
Reihe von Textzeilen und -spalten, die genau diesen Bericht hier eigentlich
völlig überflüssig machen. Zu allem Überfluss auch
noch eine Tabelle mit recht komplex anmutendem Zahlenmaterial für
die Klappenausschläge. Mal schauen, man hat mir gesagt, mein Sender
wüsste schon etwas damit anzufangen.



Nicht enthalten waren - leider - passende Steckverbindungen
für den Anschluss der Tragflächenservos.
Die Löcher vorne im Rumpf werden übrigens
herstellerseitig benötigt, um den Spant in korrekter Position einzuharzen.
Sie sind also kein Grund, das Päckchen zurückzusenden.





Jetzt hieß es allerdings erst einmal Karton
zu und die Lichter am Tannenbaum abwarten.
Rumpf-Ausbau
Aber dann, dann ging es Anfang Januar voller Elan
los, mit Feuereifer habe ich ganz verhalten mit den Bauaktivitäten
begonnen, um dann im Verlauf der folgenden Wochen wieder stark nachzulassen.
Aber irgendwie ist der Big Excel auf wundersame Weise doch irgendwann
fertig geworden.
Ein Hinweis in der Bauanleitung erklärt, dass
sich diese eher an erfahrene Modellbauer wendet. Aber ich finde, dass
alle wichtigen Dinge gut beschrieben sind.
Ein blutiger Anfänger wird höchstens generelle
modellbautechnische Erklärungen vermissen, beispielsweise ob man
eine Tube Sekundenkleber rechts oder links herum öffnet.
Als Erstes waren die Holzteile für Servobrett
und Akkurutsche zusammenzubauen.
Da die innere Rumpfkontur keinem CNC-gefrästen
Verlauf folgt, waren kleine Anpassungsarbeiten am Hilfsspant erforderlich,
die aber kein Problem darstellten, selbst für mich mit meinen zwei
linken Händen nicht.


Man sollte sich beim Einbau dieser Holzteile unbedingt
an die vorgegebene Reihenfolge halten, denn nur so bekommt man allesamt
zerstörungs- und faltenfrei in den Rumpf.

Die Sub-C-Zellen meines gewählten NiMH-Akkus
sind nicht rund, sondern merkwürdigerweise leicht eckig (die waren
zum Versand scheinbar etwas stramm verpackt...). Daher habe ich als seitliche
Begrenzung auf der Akkurutsche nicht die beiliegenden Dreiecksleisten,
sondern kleine Kunststoffwinkelleisten verwendet. So liegt auch dieser
Akkutyp unverrutschbar fest.
Etwas Ähnliches wird man vermutlich bei LiPo-Zellen
vornehmen müssen.
Wieso eine Rutsche allerdings so heißt, wenn
das darauf gelagerte Objekt im Flug ausgerechnet nicht rutschen soll,
entzieht sich meiner kümmerlichen Kenntnis.


Danach konnte ich mich schon an das Absägen der
Nase machen, der Rumpf-Nase natürlich.
Das erforderte etwas Überwindung. Aber nach
einer längeren meditativen Vorbereitung gelang mir auch das. Die
Chirurgen unter uns werden sich hier eventuell etwas leichter tun.
Dabei habe ich mich genau an die Anleitung gehalten
und beim Sägen den Rumpf mitgedreht, so dass die Schnittstelle immer
oben unter Beobachtung stand.
Modellbauer mit akrobatischen Ambitionen können
das nach eigenem Ermessen natürlich auch mit einer Klettertour um
den Rumpf herum erledigen.
Diesen Rat der Anleitung befolgend, konnte somit nichts
schief gehen. Die Tür vom Bastelraum hatte ich vorsichtshalber sorgfältig
zugeschlossen und Murphy damit erfolgreich ausgesperrt.

Die Ängstlichen können die Spantverklebung
noch etwas nachharzen, dann hält er bestimmt besser und es sieht
vielleicht auch schöner aus als das werksmäßige Gekleckse.
Die Bohrungen im Spant passten ohne Nacharbeit für
den empfohlenen Motor, also den Magic-Drive 50-28 von Simprop oder den
baugleichen B50-9L von Hacker, beide jeweils mit 6,7:1-Getriebe.
Für andere Layouts der Befestigungsbohrungen
bietet der Spant wegen seiner vorhandenen Kühlluftöffnungen
nicht beliebig viel Spielraum, gegebenenfalls muss ein Neuer in Eigenregie
hergestellt werden.

Um den Einkauf des Motorstellers (und der übrigen
Komponenten) abzusichern, hatte ich übrigens der Familie für
dieses Jahr die neuen Schuhe gestrichen und neben anderen schönen
Dingen einen Jazz-Steller gewählt. Das getaktete BEC und die souverän
kühlen Teillasteigenschaften waren einfach zu verlockend.


Nachdem der Rumpf am vorderen Ende (nennt man das
nicht eigentlich Anfang?) ein wenig von seiner ursprünglichen Länge
eingebüßt hatte, wartete auch schon das Leitwerk auf seine
Fertigstellung...

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