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Erfahrungsbericht Vision-Sport von MiBo

Udo Fiebig, Fotos Eva Fiebig

Vision-Sport = "sportliche Erscheinung"

Nach meinen absolut positiven Erfahrungen mit der Xperience-Pro-X von MiBo war die Ankündigung des Vision-Sport bei www.RC-Network.de mal wieder Anlass, daheim um Freigabe für dieses mit 315 cm Spannweite noch recht handliche Kreuzleitwerk-F3J-Modell vorzusprechen. Kein Problem, das Fluggerät gefiel meiner Ehefrau, Co-Pilotin und besten Wettbewerbs-Assistentin auf Anhieb. Und schon ging der Auftrag telefonisch an MiBo raus (man spricht deutsch)!

Und was dann bereits einige Tage später mit GLS kam, war ein voluminöser, knallharter, doppelwandiger Wellpappkarton. Darin befanden sich sorgfältig verpackt, nochmals mit Schaumgummi umhüllt, geschützt gegen mögliches Verrutschen, die Einzelteile meines weiß/blauen Vision-Sport. Dieser Karton kommt bei mir nicht in die Kartonagen-Wiederverwertung, sondern wird für den nächsten Übersee-Modellflugurlaub aufgehoben.


Da im RC-Network-Forum bei neuen Modellen immer wieder nach den Leergewichten der einzelnen Komponenten gefragt wird, hier eine Aufstellung:

Bauteil g
Rumpf 335
Höhenleitwerk 51
Fläche Mittelteil 634
Fläche links 220
Fläche rechts 221
Kleinteile, Verbinder, Anlenkungen 105
Gesamt-Leergewicht 1566

Da eine deutsche Bauanleitung zum frühen Zeitpunkt der Lieferung meines Modells noch nicht verfügbar war, habe ich solch eine Anleitung während des Baus verfasst und Mibo zur Verfügung gestellt. Sie sollte in naher Zukunft auf der überarbeiteten Mibo-Homepage (http://www.mibomodeli.si/) zum Download bereitstehen.

Zweckmäßigerweise beginnt man den Aufbau des Modells mit den Tragflächen.
Da ich hier nicht die gesamte Bauanleitung wiederholen möchte, seien nur die wesentlichen Arbeiten skizziert:

  • Ruderhörner auf richtige Länge bringen,
  • Aussparungen für Gabelkopfdurchführungen bohren bzw. feilen,
  • Rudergestänge vorbereiten,
  • Servokabel einziehen,
  • Servos einbauen,
  • Rudergestänge vorjustieren,
  • Servokabel verlöten (auf zentrale 9polige-Sub-D-Buchse),
  • Servoabdeckungen vorbereiten (zuschneiden).


Als Servos kamen bei mir für die Wölbklappen Robbe/Futaba S3150, für die Querruder, auf Empfehlung von Mibo, die schnelleren neuen S3155 zum Einsatz. Eingebaut habe ich sie natürlich mit den wärmstens zu empfehlenden Servorahmen von Michael Frey (http://www.servorahmen.de).
 
Nach Abschluss der wichtigsten Arbeiten an den Flächen können wir uns dem Rumpf zuwenden.

Leider ist beim Vision-Sport kein verstellbarer Hochstarthaken vorgesehen, wie er bei der Xperience-Pro-X eingebaut ist. Da nach Einschätzung von Mibo sehr viele künftige Vision-Sport-Piloten das Modell elektrifizieren werden, ist diese Entscheidung gut nachvollziehbar.
Also muss der beiliegende Hochstarthaken unterhalb der Flächenauflage an einer fixen Rumpfposition montiert werden.

In der Bauanleitung ist ausführlich beschrieben, wie man dabei vorgehen sollte. Die Position wird auf Basis der gewählten Schwerpunkt-/EWD-Kombination gewählt. Ich habe bei mir den Einhängepunkt 7mm vor den Schwerpunkt gelegt. Damit steigt der Vision-Sport am Seil sofort ziemlich steil weg, aber dennoch ohne jegliche Tendenz zum Ausbrechen. Wer lieber mehr auf der sicheren Seite sein und nicht jeden Meter Höhe herausholen möchte, wählt die Lage des Hochstarthakens etwas weiter vorne.

Da ich mich für die reine Seglerversion entschieden habe, gab es beim Einbau von Servos, Empfänger und Empfängerakku absolut keine Platzprobleme.

Diese Komponenten habe ich eingebaut:

  • Empfänger:                Multiplex RX-7-SYNTH-IPD
  • Höhenruder-Servo:      Hitec HS85MG
  • Seitenruder-Servo:      Graupner C271
  • Empfänger-Akku:         4 Zellen GP2000

Die Empfängerantenne sollte auf möglichst kurzem Weg aus dem Rumpf heraus nach hinten geführt werden.

Für die Höhenruderanlenkung ist bereits ein CfK-Gestänge installiert, die Löthülse zum Servoanschluss kann mit Sekundenkleber verklebt werden. Die Anlenkung des Seitenruders erfolgt über eine GfK-Schubstange. Mit dem beigefügten (eloxierten!) Gestängeanschluss kann die Neutralstellung am Servo exakt eingestellt werden.

Die Steckung des Höhenruders (4 mm Kohle) ist absolut exakt und geht so stramm, dass auf eine zusätzliche Sicherung zunächst verzichtet werden kann. Für den Fall, dass diese Steckung nach dem hundertsten Auf- und Abbau doch Spiel bekommen sollte, habe ich mir bereits ein leicht nachrüstbares 'Pendel-Lock' von MPX auf Lager gelegt.


Beim Einstellen von Einstellwinkeldifferenz (beim Pendelruder problemlos) und Schwerpunkt gehen die Ansichten bekanntlich sehr weit auseinander. Kaum ein Hersteller liefert hier wirklich fundierte und exakte Informationen. Ich vermesse daher schon seit vielen Jahren alle meine neuen Modelle und berechne die erforderlichen Einstellwerte mit dem kostenlosen, sehr gute Werte liefernden Schwerpunkt-Programm von Rainer Stumpf (momentan Version 5.2). Download von http://www.rainers-modellflugseite.de/Schwerpunkt.html !!!

Damit ergaben sich für den Vision-Sport diese Einstellwerte:

Nach meinen bisherigen Testflügen (9,3 Stunden reine Flugzeit) bei unterschiedlichsten Bedingungen erreicht man mit +1,0° EWD und dem CG bei 94 mm die besten Allroundeigenschaften. Zur Erreichung dieses Schwerpunkts waren bei mir neben dem 4zelligen GP2000-Akku noch 120 g Blei erforderlich. Danach zeigte die Waage für das flugfertige Modell genau 2.100 g an.

Ausführlichere Einstellwerte finden sich in der Bauanleitung auf der Mibo-Homepage.

(Solange dort noch nicht verfügbar, kann diese PDF-Datei gerne per E-Mail bei mir angefordert werden: Eva-Udo-Fiebig@web.de)
 

Die Flugerprobung

Der Winter ist nun nicht gerade die ideale Jahreszeit für das Einfliegen und ausgiebige Testen eines neuen Modells. Im zu Ende gehenden, eher frühlingshaften Winter 2006/07 fanden sich aber immer mal wieder ein paar Tage mit recht guten Bedingungen auch für den Modellsegelflug.

Den Erstflug (nach kleinem Probehandstart) machte der Vision-Sport dann an Peters Gummiseil (Danke an User 'Stobi' für die Assistenz). Nahezu geschlossene Bewölkung, leicht diesig und nur ein Hauch von Luftströmung. Genau wie ein halbes Jahr zuvor die Xperience-Pro-X, zischte das neue Mibo-Modell kerzengerade in den Himmel. Ausklinken und …, der neue Vision flog absolut gerade und stabil seines Weges. Nun ja, eine Raste an der mc24 habe ich dann doch noch hoch getrimmt. Bei diesen ersten 'Trimmflügen' aus dem Gummiseil Ende Februar gab's dann allerdings keine weiteren umfassende Erkenntnisse. Die Querruderwirkung war sehr direkt, also habe ich hier zunächst mal 30 % Exponential gewählt, die ich übrigens auch heute noch fliege.
 
Kurz danach kam wieder mal ein verfrühter Frühlingstag; Zeit für die ersten Versuche an der 1,1 kW-Winde. Auch ohne den sonst recht hilfreichen Starthelfer geht der Vision-Sport auf Anhieb unter Volldampf wie ein Strich raus und steil in den Himmel. Keinerlei Tendenz zum Ausbrechen, da merkt man eindeutig das wesentliche Mehr an Richtungsstabilität gegenüber einem V-Leitwerk. Nur ein leichtes, akzeptierbares Durchbiegen der Flächen, dann aus dem Schuss heraus noch recht ordentlich Höhe dazu gewonnen. Das Modell 'lupft' leicht die linke Fläche, das muss der erste Kontakt mit Thermik sein. Davon träumt man in jedem Wettbewerb, raus aus dem Seil und gleich rein in den Bart. Also links eingekreist, tatsächlich steht er wie bestellt da, der Bart. Leicht die Wölbklappen gesetzt und erst einmal mit ein paar Kreisen Höhe gemacht. Bei geschätzten 250 m hat's dann aber gleich gejuckt; also Wölbklappen wieder auf neutral. Man muss ja schließlich sehen, ob die gewählte Schwerpunkt-/EWD-Kombination passt. Im 45°-Winkel angedrückt, der wird ja ganz schön schnell. Knüppel auf 'neutral' und der Vision-Sport fängt ab wie aus dem Bilderbuch, in einem schönen weiten Bogen. Eine eindeutige Bestätigung für die Qualität des Berechnungsprogramms von Michael Stumpf. Nach einigen weiteren Powerstarts steht für mich fest: Windentauglich ist er!

Kurze Zeit später, auf der Schwäbischen Alb haben sich die vorhandenen Schneereste in der Sonne aufgelöst, ging's zum ersten Test an meinen Lieblings-Westhang. Unten im Tal war's noch recht ruhig, hier oben auf 820 m bläst ein recht strammer Wind. Der Windmesser zeigt im Schnitt 45 km/h an. Es kommen Zweifel auf, ob da ein 2100 g-Modell noch vernünftig fliegbar ist. Egal, wir sind hier und jetzt muss es sein.
Beim Vortragen an die Hangkante das Modell gut festhalten. Aber ein Kollege erbarmt sich meiner und macht mir den Starthelfer. Ein kleiner Schubs, und schon ist der Vision-Sport draußen. Zunächst verharrt er fast vor der Kante, dann zwei Zacken Tiefe gegeben und die Wölbklappen ca. 1 mm nach oben gesetzt. Als habe jemand die Handbremse gelöst und Gas gegeben, marschiert er so getrimmt zügig los. Über die nächste, vordere Kante noch leicht gedrückt rausgeflogen, dann minimal gezogen und das Modell schießt förmlich nach oben. Das hätte ich wirklich nicht erwartet, der Vision-Sport lässt sich vor der Hangkante fast fliegen wie eine F3F-Maschine. Auch mir, als eigentlich eingefleischtem Thermikkurbler, macht solch eine Speedfliegerei am Hang durchaus Spaß. Das Modell selbst scheint auch begeistert zu sein, so zügig geht es durch die Rollen und Loops. Eine Speedwende nach der anderen, bis die Kollegen auch die Hangkante polieren wollen. Also lieber eine Etage höher ein munteres Kunstflugprogramm abspulen. Super, das ist ein halbes Jahr zuvor mit der Xperience-Pro-X doch wesentlich gemächlicher gegangen. Die anwesenden Kollegen sind auch sehr angetan von den Leistungen des Vision-Sport. Dann die ersten drängenden Aufforderungen zur Landung: "Aber bitte in die Hand!". Ich lasse mich nicht lange bitten, habe schließlich vor dem Hang genug Höhe gemacht für einen scharfen Gegenanflug hinter die Hangkante, drehe ein, fliege auf mich zu. Nicht weit vor mir per Butterfly dosiert gebremst und der Vision-Sport plumpst in die ausgestreckte, offene Hand. "Nein, bitte keine Ovationen, das macht nur der Flieger!" Zugegeben, es freut mich diebisch, dass das gleich beim ersten Hangflug so geklappt hat.

Da ich mehrfach auch in RC-Network um einen Vergleich zwischen den von mir geflogenen und getesteten Mibo-Modellen Xperience-Pro-X und Vision-Sport gebeten wurde, habe ich in einem besonderen Thread dazu bereits gepostet:

"Ich konnte mittlerweile tatsächlich etwas ausgiebiger den neuen Vision-Sport fliegen, und nun kann ich auch einigermaßen vergleichen. Natürlich ist das mein ganz persönlicher Eindruck, ein anderer Pilot gewichtet sicherlich etwas anders."

Hier der zusammenfassende Vergleich:

  Xperience-Pro-X Vision-Sport
Fluggewicht 2120g 2100 g
Spannweite 334 cm 315,5 cm
Flächeninhalt 65 dm² 63 dm²
Profil HN 354 HWQ 2,5/8 auf HQW 3,0/10

"Die Flächenbelastung des Xperience-Pro-X ist also geringer, im reinen Floaten bei schwachen Bedingungen ist er spürbar besser.
Das Geschwindigkeitsspektrum des Vision-Sport ist erkennbar breiter. Auch bei Windgeschwindigkeiten von ca. 50 km/h konnte am Hang zügig (ohne Ballastzugabe) geflogen werden. Trotzdem kann auch bei Null-Wind vom geübten Piloten in die Hand gelandet werden.
Der Vision-Sport ist aufgrund der kürzeren Spannweite wendiger als der Xperience-Pro-X, beim reinen Hangflug für mich ein Vorteil.
Mein vorläufiges, persönliches Fazit:
Für den Wettbewerbspiloten, der in erster Linie per Hochstart fliegt, dürfte der Xperience-Pro-X etwas besser geeignet sein. Mit Ballastzugabe sollten auch bei Windbedingungen höhere Geschwindigkeiten drin sein.
Für den Hobby-Piloten, der eher ein 'Allround'-Modell möchte und sowohl per Hochstart als auch am Hang fliegen möchte, rate ich eher zum agileren Vision-Sport."

Zum Abschluss noch eine kleine Foto-Galerie
(Danke an meine Eva, die auch bei den Hochstart-Fotos ganz cool am Auslöser blieb)
 


Stolzer Besitzer


Start am Hang
 

Winterflug


Winterflug 2


Sturmflug 2


Sturmflug 3


Sturmflug 4


Vorbeiflug


Achtung Handlandung


Windenstart von hinten


Windenstart von vorn


Butterfly


Punktlandung

 

Mein Fazit nach mittlerweile 10 Flugstunden

Auch mit dem Vision-Sport hat Mibo/Slowenien wieder eine absolut gelungene Konstruktion mit einem hervorragenden Preis-/Leistungsverhältnis auf den Markt gebracht.
Sehr gut geeignet für F3B-A-(Jedermann-) Wettbewerbe, oder auch ganz einfach zum genussvollen Spaßfliegen. Sicherlich ist er auch für 'richtige' F3J-Wettbewerbe geeignet mit den dabei üblichen, meiner Ansicht nach völlig 'abartigen' Stecklandungen. Selbst die würde/wird die stabile Konstruktion sicher aushalten.
Für optimales Thermikkreisen bei schwachen Bedingungen sind die als Zubehör erhältlichen 5°-CfK-Verbinder wärmstens zu empfehlen. Wer am Hang etwas schärfer fliegen möchte, kann bei MiBo gegebenenfalls auch passende 2,5°-Verbinder ordern.
Der Rumpfquerschnitt ist vorne kreisrund, um bei einer Elektrifizierung problemlos den beiliegenden GfK-Spant einbauen zu können. Für den dann vorgesehenen 3s-LiPo ist mehr als genug Platz vorhanden.
Auf diese permanente Elektrifizierung habe ich bewusst verzichtet. Stattdessen habe ich mich für den EMA (Elektrischen-Motor-Aufsatz) von Florian Schambeck entschieden. Ein Erfahrungsbericht hierzu beim Einsatz mit verschiedenen Modellen folgt hier in Kürze.

Technische Daten des Testmodells:

Vision-Sport Voll-GFK-F3J-Modell
Spannweite: 3.155 mm
Rumpflänge: 1.550 mm
Fluggewicht: 2.100 g
Profil: HQW 2.5/8 - HQW 2.5/9 - HQW 3.0/10
Flächeninhalt: 63,27 dm²
Flächenbelastung: ca. 33 g/dm²
Preis: 725,-- Euro (inkl. Verpackung/Versandkosten!)
(5 % Rabatt bei Barzahlung oder IBAN-Voraus-Überweisung)

Bezug direkt von
MiBo-Modeli, Logatec/Slowenien
Tel. 00386 - 17 59 01 02
(http://www.mibomodeli.si)

 

Stand: 08.05.2007