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Jürgen Schrader

Damals

Es muss ein ziemlich heißer Tag gewesen sein in jenem Juni 2005 oben auf der Gerlitzen. Lagu und die Jungs waren den ganzen Tag direkt am Pacheiner geflogen. Jetzt warteten sie entspannt auf das Abendessen. Danach sollte es weiter gehen.

 Ein bißchen Zagi quälen, wie jeden Abend, wenn der heiße Wind aus dem Tal abgekühlt war und für die „richtigen“ Modelle Sicht und Aufwind einfach nicht mehr ausreichten.

So dauerte es nicht lange und eine Menge kunstvoll verzierter Schaumstoffplatten wirbelte durch die Abendluft. Die Stimmung war heiter und entspannt. Doch dann geschah etwas Unerwartetes ...

(später konnte keiner mehr genau sagen, ob es an der Hitze des vergangenen Tages lag, oder ob hier bereits spezielle Getränke mit enthemmender Wirkung Einfluß hatten).


... jedenfalls – aus dem Pulk am Hang vor dem Pacheiner scherte plötzlich ein Zagi aus, schwang sich, begleitet von dem Ehrfurcht gebietenden Kreischen eines hochgezüchteten Brushlessmotors hoch in die Luft, stach zurück hinter den Hang zur leeren Terasse des Gasthofes und umrundete unter dem Gejohle der gerade nicht fliegenden Kollegen den Mast mit der Österreich-Fahne.

War ja klar, auf sowas kann nur einer kommen. Eine typische Lagu-Nummer. Der findet inzwischen Gefallen an der Sache und macht den Pacheiner zum Pylonkurs. Das ist natürlich eine Herausforderung für jeden gestandenen Pilot und so dauert es auch nicht lange, bis Klaus Meier sich einreiht und sie nun zu zweit um die rotweiße Fahne jagen.

Der Anflug zur Wende erfolgt dabei nicht immer ganz so präzise, wie es für ein Manöver auf begrenztem Raum notwendig wäre.
So bleibt es nicht aus, dass der Flug gelegentlich unsanft unterbrochen wird. Das tut der Freude aber keinen Abbruch, wozu fliegt man schließlich einen Zagi.

Allerdings könnte der Pacheiner Franz Einwände haben gegen diesen Umgang mit seinem Mobiliar. So beschließt man, am kommenden Abend die Möglichkeiten dieser innovativen Disziplin mit anderen Mitteln praxisnah weiter zu vertiefen.
  

Der Wahnsinn braucht Methode

Und was haben sie nicht alles versucht: Da wurden leere Flaschen von Bierbänken geflogen, Tordurchflüge geprobt und alles wie gehabt, erst lange nach Einbruch der Dämmerung. Den Hattrick hat dann Lagu am nächsten Morgen probiert. Er wollte seinen Zagi airracemäßig mit Volldampf durch die schwingende Kinderschaukel vor dem Pacheiner fliegen.

Über das Ergebnis schweigen wir uns an dieser Stelle besser aus, aber es sei verraten, dass es ziemlich spektakulär war und Alexis Sorbas (hast du jemals etwas so schön zusammenbrechen sehen?) seine helle Freude daran gehabt hatte.

Spätestens jetzt stand aber auch fest, im nächsten Jahr würde es hier einen Zagi-Nachtflugwettbewerb geben, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat.
Der AntiBadCapp-NightFlightCup war geboren.

Und zwar sollten die versammelten Badkappen, die sich diesmal nicht getraut hatten mitzumachen, zeigen, was wirklich in ihnen steckt. Damit auch alle unter gleichen Voraussetzungen antreten, wurden die Rahmenbedingungen schon mal grob abgesteckt.


Standardmodell für alle Beteiligten sollte ein 1m-Zagi von Peter Kienzle sein, angetrieben von einem Torcman, gespeist aus einem 3-zelligen Lipopack von Emcotech. Geflogen werden sollte natürlich erst nach Einbruch der Dunkelheit, und dafür braucht der Zagi eine ausreichende Beleuchtung.

Hierfür wurde inzwischen vom Kollegen Jürgen Hofmann ein Schaltmodul entwickelt, mit dem über den Sender vier Beleuchtungskreise unabhängig voneinander geschaltet werden können. Das Modul wird jetzt als Procontrol von der Firma Optronix vertrieben. Eine ausführliche Beschreibung wurde in der AUFWIND-Ausgabe 4/2006 veröffentlicht.

Die Piloten hatten jetzt ausreichend Zeit, sich mit dem Material vertraut zu machen und auf die anspruchsvollen Aufgaben vorzubereiten.


 

Der Tag X


Und dann war es endlich so weit: Gerlitzen 2006 – Die Mannschaft ist vollständig versammelt.

 Zur Verstärkung ist auch eingetroffen Christoph - Freude herrscht – Reiter, mit einem respektablen Kamerapark, um den Showdown für die Nachwelt festzuhalten, der (mittlerweile Ex)-Vizeweltmeister im F5D Elektropylon Dirk – (Ex)Vize - Belting samt Helfer Klaus Brettner als Grundpfeiler des Schiedsrichterteams, sowie RC-Network-Mitarbeiter Claus Eckert mit Pilot Markus von Freyberg, deren Vagabund (http://www.ultraleicht-flugzeuge.de) eine imposante Erscheinung über der Gerlitzen abgab. Last but not least auch der Autor dieser Zeilen, der die große Ehre hatte, das Schauspiel aus allernächster Nahe miterleben zu dürfen.


Und wie es sich für einen innovativen Wettbewerb von Weltgeltung gehört, erhielt das Reglement am Vorabend vor der Veranstaltung noch seinen Feinschliff.  Federführend dabei war der auch ansonsten omnipräsente Jörg Peter, alias Dr. Lagu. Als Berater stand das Schiedsrichterteam, bestehend aus den genannten F5D-Piloten Belting und Prettner und Hangflugafficionado Klaus - K-L-M – Meier, zur Verfügung.

Jeder Pilot sollte einzeln starten und auch einzeln bewertet werden. Die Wertung der Piloten sollte mit einer erklärenden Beschreibung des Modells beginnen, gefolgt von der Vorführung der Beleuchtung und - ganz wichtig - der Präsentation einer möglichst originellen Badkappe. Die meisten Punkte würden die Probanden jeweils für eine Klassifizierung der Kategorie "abartig" erhalten.

Dann die eigentlichen Flugaufgaben: Das Modell wird von einem Helfer gestartet. Erste Aufgabe ist der Rollenflug. Für bis zu 5 Rollen am Stück wird die maximale Punktzahl vergeben. Zweite Flugaufgabe ist der Blindflug. Das bedeutet, der Pilot hat die Beleuchtung abzuschalten. Schafft er es dann, 10 Sekunden weiter zu fliegen, erhält er die Maximalpunktzahl. Bei kürzeren Flugzeiten gibt's eben weniger Punkte.

Die letzte Aufgabe besteht aus einem Tordurchflug. Selbiges wird am Nachmittag des Wettbewerbs aus einem Geviert Dachlatten zusammengenagelt und hatte eine Höhe und Breite von ca. 2,70 m. Die nachtflugtaugliche Kennzeichnung erfolgte durch eine Weihnachtslichterkette.

Da mit Zwischenfällen und Unwägbarkeiten gerechnet wurde, sollte das ganze Programm jeweils in einer Rahmenzeit von 5 Minuten abgespult werden.


Um sicher zu gehen, dass es auch wirklich schön dunkel ist, wurde die Startzeit auf 22:30 Uhr festgelegt. Der Windgott hatte sich entschieden, seinen Teil zu dem anspruchsvollen Wettbewerb beizutragen und hatte zur Feier des Tages 5 seiner besten Windstärken abkommandiert. Nachdem das Modell des ersten Piloten vorgestellt und seine Kopfbedeckung unter schallendem Gelächter ausreichend gewürdigt worden war, konnte es los gehen.

 
 

Entscheidung bei 5 bft

Aber der Wind zeigte sogleich seine tückische Seite. Pilot und Helfer mussten sich mehrfach auf den Weg machen, um das Modell aus den Wiesen zu bergen. Dem nächsten Piloten erging es nicht besser. Trotz einer filmreifen Knüppelakrobatik wurde sein Zagi weiter und weiter von der Startstelle weggetrieben.  Wie immer in solchen Situationen waren selbst die lautesten Zurufe aus den Reihen der begeisterten Zuschauer zu absolut nichts nütze. Das Modell verschwand am Ende hinter einer Kuppe und die Suche blieb - zumindest an diesem Abend - ohne Erfolg und die Bergung musste auf den Folgetag verschoben werden.

Nach diesen Missgeschicken waren die nächsten Piloten doch etwas besser auf die Verhältnisse vorbereitet. Zumindest erlebten von nun an alle Zagis (bzw. das, was hinterher noch von ihnen übrig war) das Ende der Durchgänge in den Händen ihrer Piloten.


Die Vielfalt der gestellten Aufgaben in Verbindung mit dem Wind und den individuellen Einlagen der Piloten machten jeden einzelnen Flug so spannend, dass sämtliche Zuschauer trotz eisiger Kälte bis zuletzt mit den Piloten ausharrten und diese unermüdlich anfeuerten. Besonders hervorzuheben ist hier Mirko Kauselmann mit seinem X-Wing-Zagi, der eine wirklich herausragende Performance mit einem perfekt abgestimmten Modell geboten hat und sich damit zurecht den ersten Platz erfliegen konnte.


 

Ehre wem Ehre gebührt

Wie alles an diesem Abend, war auch die Siegerehrung von einer besonderen Art. Es sind ja durch die Teilnahme an diesem Wettbewerb aus den ehemaligen Badkappen echte Helden geworden. Richtige Männer also.  Und wie anders könnte man das stilvoller besiegeln als durch einen Ritterschlag mit der Außenfläche eines kampferprobten GfK-Modells.

Natürlich haben sich auch die Sponsoren nicht lumpen lassen und neben den Trophäen für die drei Sieger etliche sehr brauchbare Sachpreise gestiftet. Hier war alles vertreten, von Servos über Auenläufer-Motoren bis hin zum XXL Lipo-Pack.


Und als wäre das alles noch nicht genug gewesen, wurde zum krönenden Abschluss noch ein Chor intoniert. Einer rief: Alle Mann aufstehen, wir singen jetzt ein Lied! Ein anderer: Welches? Der Dritte (wohl angesichts der komplett in die gelben Shirts der Lagu-Foundation gewandeten Anwesenden): Hoch auf dem gelben Wagen. Und was richtige Helden sind, die fackeln da nicht lange. Dank einiger Teilnehmer, die in ihrer Jugend noch hinreichend mit deutschem Liedgut penetriert worden sind, konnten sämtliche Strophen auswendig abgesungen werden. Da blieb kein Auge trocken, ich schwör.

Noch bis in die frühen Morgenstunden wurden sämtliche Vorkommnisse und Ereignisse des zurückliegenden Tages erörtert, von denen alle Anwesenden spürbar überwältigt waren. Von allen Seiten hörte man jetzt auch Lobeshymnen auf den spinnerten Lagu, der nicht nur eine große Klappe und ... hm ... ausgefallene Ideen hat, sondern ganz offenbar auch in der Lage ist, diese bis zuletzt konsequent zu verfolgen und Wirklichkeit werden zu lassen.

Tatsache ist auch, dass die Beteiligten, kaum da sie die Ereignisse halbwegs verdaut hatten, schon auf den Juni 2007 schielten. Es wird gemunkelt, dass es dann etwas mit Raktetentreibsätzen geben soll.

 

Stand: 31.05.2007