Es wurde der Graupner-Artikel 615.8 (Bespannseide
für den Modellbau,
vormals Nr. 615 im Graupner-Sortiment) verwendet, Gewicht: 20 g/m²,
Größe: 200 cm x 90 cm.
Das Ganze funktioniert auch mit Polyamidgewebe (Perlon oder Nylon).
Diese Gewebe sind manchmal etwas problematisch, da es mühevoller
ist, sie nach dem Wässern straff zu ziehen. Außerdem lassen
sie sich nicht gut um Kanten herum ziehen und sie nehmen die Verdünnung
zum Feststreichen auf dem Klebelack manchmal nur widerwillig an. Polyamidgewebe
verwende ich bei größeren Modellen und bei solchen Modellen,
bei denen die Holzstruktur etwas größere Spannkräfte
aufnehmen kann
Ich bespanne meine Flugmodelle schon seit mehr als 50 Jahren mit Japanseide,
Polyamidgewebe oder Perlongewebe und habe damit nur die besten Erfahrungen
gemacht – Folie kommt mir nicht ins Haus.
Übrigens: Die bemannten Segelflugzeuge der Sperrholz-Ära wurden auf ähnliche
Art und Weise bespannt.
Vorteile der Seidenbespannung
Die Struktur des Modellaufbaus gewinnt außerordentlich an Festigkeit.
Wer auf maximale Torsionssteifigkeit Wert legt, kann die Bespannung auch
diagonal aufbringen, d. h. die Fäden der Bespannung verlaufen unter
45° zur Längsausdehnung des Bauteils (unter diesem Winkel verlaufen
die maximalen Torsionsspannungen).
Nachteil: Immenser Materialverbrauch.
Die Bespannung hat eine lange Lebensdauer (mein „Silentius 86“ ist
18 Jahre mit der ersten Bespannung geflogen – in den österreichischen
Alpen hat er vor drei Jahren sein Leben ausgehaucht).
Ob Sommer oder Winter, die Bespannung ist immer faltenfrei.
Lackieren ist kein Problem.
Wenn mit 2-K-Lack gearbeitet wurde, dann gibt es keine abgelösten
Folienecken durch Treibstoff- und Ölreste.
Die Flugeigenschaften verbessern sich. Vor allem das Abreißverhalten
und die Langsamflugeigenschaften profitieren von der Oberflächenrauhigkeit.
Dies gilt nicht für Hotliner, aber dabei handelt es sich sowieso
zumeist um Schalentiere.
Das Ausbessern von Schadstellen, Löchern oder Rissen ist kein Problem
bei unlackierten Bespannungen. Sind die Bauteile lackiert, dann kann
es sein, dass sich die Lackschicht löst oder kräuselt. Ich
repariere solche Beschädigungen, indem ich die schadhafte Stelle
herausschneide und erneut bespanne. Die Ränder werden dazu vor dem
Ausschneiden mit Klebelack behandelt.
Nachteile der Seidenbespannung
Die ganze Angelegenheit ist nichts für die Fraktion der „ARF-Modellflieger“,
da zu zeitaufwendig.
Ein Superfarbfinish, wie bei den fertigen ARF-Modellen, ist nur sehr
schwer zu realisieren.
Bezüglich der Gewichtsbilanz ist Folie mit Sicherheit unschlagbar.
Die bespannten Teile müssen nach jedem Spannlackanstrich in einer
sogenannten Helling eingespannt werden und dort nach dem letzten Anstrich
einige Zeit verbleiben, damit sich die Spannungen ausgleichen und das
Bauteil gerade bleibt.
Diese Helling gibt es nicht beim „freundlichen Modellbauhändler“,
sondern Selbstbau ist angesagt.
Zu den gravierendsten Nachteilen zählen die unerfreuliche Geruchsbelästigung
und der Umgang mit den gesundheitlich nicht unbedenklichen Produkten
Schleifgrund, Spannlack und Verdünnung während der Verarbeitung.
Daher der dringende Rat: Nur im Freien arbeiten oder in einem sehr gut
belüfteten Raum bei geöffnetem Fenster. Unter Umständen
ist es erforderlich, eine Atemmaske zu tragen und auf jeden Fall empfehlenswert,
vorher mit den übrigen Familienmitgliedern ein Stillhalteabkommen
zu schließen.
Aus all’ diesen Gründen rate ich der „Folien-Generation“:
Einfach weiterklicken und den Artikel ignorieren.
Arbeitsweise
- Die zu bespannenden Holzteile werden dort, wo sie mit der Bespannung
in Berührung kommen, 3x bis 5x mit Schleifgrund, z.B. Clou 300,
grundiert und nach dem Trocknen fein geschliffen. Nicht ständig
neues Schleifpapier verwenden, sondern mit dem Verwendeten weiterarbeiten.
- Dann werden die Kanten, beim Tragflügel also Nasenleiste, Endleiste,
Randbogen, Mittelstück und Rippenaußenkanten mit Klebelack
bestrichen. Hier bitte nicht zu sparsam sein, sondern eine durchgängige
Schicht auftragen, aber ohne Tropfnasenbildung.
Klebelack stellt man selbst her, indem man eine kleine Menge Spannlack
so lange mit UHU-hart eindickt, bis das Fließverhalten zwischen
Olivenöl und Honig liegt.


- Nach dem Trocknen sollten die Klebelackbereiche leicht glänzen.
Nun wird das Bespannmaterial trocken aufgelegt, so dass es für
beide Seiten des jeweiligen Bauteils reicht und an wenigen Stellen
mit Stecknadeln fixiert. Hier ist zu beachten, dass das Bespannmaterial
eine Vorzugsrichtung hat: Die Längsrichtung des Gewebes soll in
Längsrichtung des Bauteils verlaufen. Meist haben die Gewebe eine
deutlich sichtbar ausgeprägte Webkante. Dann wird das Gewebe auf
dem Bauteil mit einem Zerstäuber gewässert, die Stecknadeln
werden entfernt und das Gewebe vorsichtig nach allen Seiten, insbesondere
in der Längsausdehnung, straff gezogen, bis es allseits faltenfrei
aufliegt. Allzu nasse Stellen werden mit Küchenpapier etwas getrocknet.







- Nun wird die Bespannung an den mit Klebelack behandelten Stellen
mit reiner Spannlackverdünnung eingepinselt und mit einem Tuch
festgerieben. Jetzt lassen sich kleine und kleinste Fältchen noch
problemlos entfernen, indem man an diesen Stellen das Gewebe nachspannt.
Nach einer kurzen Trockenzeit sollte man die Klebelackstellen mit einem
Anstrich aus verdünntem Spannlack versehen, der dann wieder trockengerieben
wird. Dieser Spannlackanstrich sollte auch die Gewebeteile umfassen,
die anschließend abgeschnitten werden.


Wenn die Ränder trocken sind, kann man das überstehende Gewebe
mit einer scharfen Rasierklinge abschneiden.




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