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Spitfire Mk IX

Jürgen Schrader

So erfrischend anders

Der Markt quillt förmlich über an kleinen Elektromodellen bis 1 m Spannweite. Kein Wunder, denn sie bieten viel Flugspaß für relativ wenig Geld, sind in kurzer Zeit zu bauen und machen einfach nur Spaß.
In diese Klasse gehört auch die kleine Spitfire von Modellbau Bichler. Aber dennoch ist sie anders. Erheblich anders als die meisten Modelle in diesem Segment.

Vor allem aber ist sie eines: nicht aus Depron! Was dem Modellflieger hier aus der perfekten Folienverpackung so rot entgegen strahlt, ist ein kleines, niedliches, schnelles GfK-Modell.
Dankenswerter Weise hat es sich Martin Bichler nicht nehmen lassen, die Spitfire neben der tristen Tarnversion auch in drei Racingversionen in rot, gelb und blau aufzulegen.

Das Modell besteht aus gerade mal vier Teilen. Der Bausatz wird ergänzt durch einen etwas dick geratenen Tiefziehteilesatz, einen Dekorbogen mit Hoheitsabzeichen sowie eine knappe aber bebilderte Bauanleitung.

Nichts für Anfänger also. Sowohl bautechnisch als auch fliegerisch kommen hier vor allem die erfahreneren Piloten auf ihre Kosten. Doch der Reihe nach.

Früher waren derart kleine Scalemodelle (hier im Maßstab 1:14) auf Grund einer hohen Flächenbelastung gepaart mit schwachen Elektroantrieben eher als kritisch einzustufen. Mittlerweile hat sich das Thema Flächenbelastung und Antriebsleistung dank Lipo und Brushless sehr zu Gunsten der Modellpiloten entwickelt, so dass ich mir, zumindest an dieser Stelle, keinerlei Kopfzerbrechen machen musste. Der 1800er 3S lag schon bereit und wartete bereits gespannt darauf, seine Energie an einen Kontronik Maxi-Dancer abgeben zu dürfen.
 

Bauen

Aber erst das Bauen, dann das Vergnügen. Wobei für manche ja Bauen auch schon ein Vergnügen ist. Vor allem dann, wenn der Hersteller einem schon einen guten Teil davon abgenommen hat. Rumpf, Flächen und Leitwerke sind eigentlich so gut wie flugfertig, warten eigentlich nur noch darauf, miteinander verbunden zu werden und auf den Einbau der Servos. So fiese und Arbeiten wie das Austrennen der Ruder, verkleben und lackieren der Kabinenhaube sind bereits erledigt. Auch der Schlitz für das Höhenleitwerk ist bereits geschnitten, so dass man sich wegen der EWD ebenfalls keine Gedanken machen muss.
Bei so viel sorgfältiger Vorarbeit wunderte es mich dann, dass ein paar kleine aber entscheidende Dingen nicht ebenfalls schon erledigt waren, zumal sie dem Hersteller nahezu keinen Aufwand oder größere Zusatzkosten verursacht hätten. Lage und Größe der Querruderschächte müssen erst ermittelt und diese dann ausgeschnitten werden. Wenigstens eine dezente Markierung ließe sich doch in der Form anbringen. Auch Größe und Position der Spanten für den Innenausbau ließen sich ohne Probleme vorab ermitteln, fräsen und als Sperrholzteile dem Kasten beilegen. Ich bin ja so faul ...
Darauf angesprochen, hat Martin Bichler die Idee gleich aufgegriffen und mit dem tschechischen Hersteller gesprochen. Kurze Zeit später teilte er mit, dass ab sofort für die Modelle ein Frästeilesatz als Zubehör angeboten wird. Produktpflege nennt man das und wird heute nur noch von wenigen in dieser direkten Form betrieben.

Nachdem diese erste Hürde genommen war, wartete bereits die zweite Hürde auf mich: Wie und wo soll ich meine Komponenten unterbringen, damit der Schwerpunkt stimmt? Gut, für die meisten Teile ist der Platz mehr oder weniger vorgegeben bzw. diese sind für die Lage des Schwerpunktes von geringerer Bedeutung. Aber so ein Akku will ja auch sicher untergebracht werden und bietet danach unter Umständen keine Möglichkeiten mehr für eine Verschiebung.
Es wurden also erst mal Motor, Höhenruderservo und Empfänger eingebaut. Mit angeschraubter Fläche und lose eingelegtem Antriebsakku zeigte sich dann schnell, dass mehr Gewicht nach vorne muss. Kein Problem, denn da ist für einen schmalen Lipo ausreichend Platz, und zur Sicherheit hatte ich ihn auf einer verschiebbaren Rutsche fixiert. Dumm nur, dass vorne mehr Gewicht benötigt wird, als mir mit den geplanten Komponenten zur Verfügung stand. Nach einigem Überlegen blieb leider doch nur Blei als Lösung übrig. Stolze 50 Gramm waren nötig, um den Schwerpunkt nach Vorgabe einzustellen. Trotzdem liegt das Abfluggewicht bei angenehmen 685 Gramm. Der Kontronik entwickelt mit einer 10 x 6 Luftschraube einen beachtlichen Zug, so dass ich beim Erstflug einzig Bammel davor habe, dass der Schwerpunkt immer noch zu weit hinten liegt, der HR-Ausschlag eventuell zu groß gewählt wurde und es beim Durchziehen einen Strömungsabriss gibt.


 

Na denn mal los

Ein sonniger Julitag, eine schöne große Wiese mit viel Platz drumherum und ein neues Modell zum Erstflug. So liebe ich das. Da wir es ja hier nicht mit einem Wiesenschleicher zu tun haben sondern eher mit einem rassigen Pylonmodell, hab' ich trotzdem leichte Bedenken. Zu gut weiß ich, wie nahe hier Freud' und Leid beieinander liegen. Aber egal. Ich vertraue dem Händler und dem Plan, dass der Schwerpunkt richtig angegeben ist, und ich vertraue mir, dass ich alles richtig eingestellt habe. Gas nach vorne und ab damit.

Kein Durchsacker, kein Ausbrechen, kein Strömungsabriss. Das Fliegerchen zieht brav in den blauen Himmel und folgt weitgehend den Befehlen, die ich ihm von unten erteile. Das heißt, es folgt ihnen sogar ganz genau, nur habe ich noch leichte Schwierigkeiten, mich auf die Ruderreaktionen und die doch recht flotte Gangart einzustellen. Also erst mal Höhe machen und ein bisschen mit Schleppgas rumgurken, um den Adrenalinspiegel zu senken. Dann mal ein paar härtere Manöver, engere Kurven, Abreißverhalten am Höhenruder testen, Langsamflugverhalten checken, das Übliche halt.
Alles in allem keine bösen Überraschungen. Ein bisschen trimmen, ein paar Ruderausschläge, die später zu korrigieren sind, der Rest ist reine Nervensache. Yippiiieee! Mit dem Flieger werde ich sicher noch eine Menge Freude haben.


 

Geht doch nichts über Details

Leider war ich den Sommer über mit vielen anderen Dingen beschäftigt und habe so nur einige wenige Übungsflüge mit der Spitfire machen können. Der erste Eindruck hat sich dabei aber durchaus bestätigt. Sie fliegt auf Wunsch sehr schnell und dabei immer vorhersehbar. Man kann ihr richtig Feuer unterm Arsch machen, aber man kann sie auch mit Viertelgas gemütlich durch die Wiesen fliegen und sich am herrlichen Flugbild erfreuen.
Natürlich ist diese Spitfire kein Anfängermodell, aber jedem, der schon mal ein Pylonmodell oder meinetwegen auch eine schnelle Schaumwaffel geflogen hat, wird sie sicher eine willkommene Bereicherung sein.

Was so ein Modell gegenüber einem reinen Pylon-Zweckmodell auszeichnet, ist natürlich die Vorbildähnlichkeit, die durch entsprechende Zutaten und ein wenig Dekor deutlich gesteigert werden kann. Mit den beiliegenden Abziehbildern der Warbirdversion ist das, zumindest bei meinem rot lackierten Modell, zwar nur bedingt möglich, aber die Wirkung bleibt trotzdem nicht aus.

Die Auspuffkrümmer aus dem beiliegenden Tiefziehsatz sind eine willkommene Bereicherung. Die übrigen Teile haben da leider nur einen begrenzten Wert, vor allem deshalb, weil das Material derart dick ist, dass es sich kaum in der gewünschten Weise ausschneiden lässt. Die Krönung wäre dann noch eine Pilotenfigur, die man mit etwas Glück bereits fertig lackiert im Handel findet.

Da ist es schon fast unverzeihlich, dass ich bis jetzt zu geizig war, in einen passenden Spinner zu investieren. Aber wer weiß, der Winter ist lang, und die nächste Saison kommt bestimmt. Das Modell ist es jedenfalls Wert, ihm ein bisschen Aufmerksamkeit zu schenken und wird einem dafür ungleich länger Freude bereiten als jedes fertig-aus-der-Schachtel Depronmodell.

Zum Schluss noch ein paar technische Daten:
 

Spitfire Mk IX  
Maßstab: 1:14
Spannweite: 0,80 m
Länge: 0,65 m
Abfluggewicht: 685 g
Antrieb: Kontronik Maxi Dancer mit Aeronaut Klapp 10 x 6
Standstrom: bei Vollgas und geladenem Akku 25 A
Bezugsquelle: www.modellbau-bichler.de
Preis: 149,00 EUR

 

Stand: 20.09.2007