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Howard Ike, DGA5

Matthias Möller

Angeregt durch die immer zahlreicher aufkommenden Indoormodelle mit Volumenrümpfen und echten Flügeln (anstelle von Brettern), entschied ich mich während der Weihnachtsfeiertage zum Nachbau eines Scale-Air-Racers. Nach einem Artikel in der FMT über den Selbstbau der P6 Mew Gull wurden flugs ein Hacker A10-Motor und einige andere Komponenten geordert. Der Nachbaumaßstab war bei allen Racern bislang 1:10 und so wurden einige von den „Paul Matt Drawings“ fotokopiertechnisch auf 1:10 „aufgeblasen“. Das hatte ich mir nicht so teuer vorgestellt, pro Vergrößerung sind schnell 10 Euro fällig. Zur Auswahl standen ein H1 Racer, doch den habe ich schon in groß und ein Modell mit Einziehfahrwerk wäre wohl nicht das Richtige gewesen; dann vielleicht eine Laird Turner Special, aber die gab es ja auch schon vom Tobias Gauss. Eine Laird Turner Super Solution, die war wiederum der Laird Turner Solution aus der FMT sehr ähnlich und da es etwas Extravagantes werden sollte, fiel die Wahl schlussendlich auf die Howard Ike, ein verdammt gutes, aber auch verflixt kleines Flugzeug. Da das Original schon sehr klein ist, fällt ein Modell im Maßstab 1:10 doch sehr schmächtig aus und hat, verglichen mit den anderen Racern im Maßstab 1:10, nur 60 cm Spannweite. Aber egal, das sollte mich erst mal nicht stören.


Die fertige IKE mit Edding-Bemalung: „Holder“ Inverted Speed Records

Zunächst habe ich mir aus hartem Styropor eine Helling für die Flügel zugeschnitten und verklebte diese mit der entsprechenden V-Form. Dann wurde die untere Flügelbeplankung exakt zugeschnitten und auf der Helling mitsamt den Rippen und den Holmstegen aus 5 mm Balsa platziert. Alles wurde sauber mit UHU POR verklebt und als letzte Maßnahme wurde die obere Beplankung aufgebracht. Wer schlau ist, macht vorher schon Löcher in die Rippen, um später mal ein Servokabel durchziehen zu können.

 
Holmstege und Rippen auf der Unterschale in der Helling, die Endleiste ist bereits angeschliffen.


Hier der fertig verklebte Flügel beim Trocknen.

Nach dem Aushärten wurde alles nochmals verschliffen, wobei ich die Endleiste möglichst dick (ca. 2 mm) gelassen habe; davon verspreche ich mir etwas mehr Robustheit und natürlich auch etwas bessere Flugeigenschaften. Ruckzuck kommt beim Transport mal´ne Macke dran und dann ist eine dickere Endleiste unempfindlicher. Danach wurden die Querruder wie beim vergrößerten Originalplan angezeichnet und zunächst nur rechts und links oben und danach erst auf der Unterseite ausgeschnitten. Den unteren Ausschnitt erweitert man dann um ca. 3 mm nach vorne und hinten. Mit einem entsprechenden Balsabearbeitungswerkzeug wird die einzige Rippe des Querruders und die obere Beplankung von unten keilförmig zugeschliffen; vorsichtig so lange schleifen, bis sich das Querruder leichtgängig bewegen lässt. Der Flügel wiegt so 24 g!


Das Depronflexscharnier und die Montageöffnung für das Querruderservo.

Als Querruderservos habe ich zwei JR 1041 mit je 5,6 g eingebaut. Sicherlich nicht die Leichtesten, hier kann man schnell noch ein paar Gramm sparen. Die Verlängerungen der Querruderservokabel habe ich aus 0,4 mm Kupferlackdraht gemacht, so ca. 6 bis 8 cm je Seite, um später den Empfänger im Rumpf erreichen zu können.

Die Servos wurden vorpositioniert und die Stellen markiert, an denen später die Servoarme aus dem Flügel schauen. Die Schlitze habe ich vorsichtig mit dem Minidrill ausgeschliffen. Als Gestänge verwende ich 1,5 mm Kohlestäbe, die mit Schrumpfschlauch an die Servoarme und an die Ruderhörner angeschlossen werden. Das Ruderhorn ist auch wieder ein 1,5 mm Kohlestab, der in eine Bohrung in der einzigen Rippe des Querruders eingeklebt wird. Ist alles außerhalb des Flügels vorbereitet, schiebt man vorsichtig die Servos mit dem vorher vorbereiteten Gestänge voraus von hinten in den Flügel und positioniert zunächst nur das „Ruderhorn“. Dadurch ergibt sich eine exakte Position für das Servo, also Ruderhorn wieder raus, aufklappen, das Servo von hinten verkleben, dann das Horn verkleben, die Ruder auf Null stellen und schließlich alles aushärten lassen.


Position des Servos zum Markieren der Schlitze für die Servoarme.

Hier erkennt man gut das Ruderhorn aus 1,5 mm Kohle.

Der fertige Flügel wiegt mit zwei Servos nur 40 g. Der Kupferlackdraht ließ sich am besten mit dem Servokabel verlöten, indem man beide parallel nebeneinander legt und die Enden ordentlich verdrillt.

Als nächstes wurde der Bau des Rumpfes begonnen. Die Leitwerke und Spanten (minus 3 mm Beplankung) wurden genau nach Plan ausgeschnitten. Diese 3 mm sind die Mindestbeplankungsdicke. Ich entschied mich dafür, die Originalkontur zu nehmen, weil dies keinen zusätzlichen Zeichnungsaufwand und langes Überlegen bedeutete.

Hier sieht man, wie alle Halbspanten mit drei Deprongurten (3 x 10 mm) auf der Originalzeichnung verklebt werden.


Danach wurden die beiden Rumpfhälften zusammengeklebt.

Nun wurde rechts, links und unten mit einem 3 mm Streifen beplankt. Um die original Rumpfkontur zu bekommen, wurden die diagonalen Bereiche um maximal 3 mm herunter geschliffen, dabei wurden die 3 mm dicken Streifen gut angeschäftet und es wurden 6 mm Streifen aufgeklebt und mit der Rumpfkontour verschliffen:


Prinzipdarstellung des Rumpfbaus.

Nachteil: Vor dem Aufbringen von einem 6 mm Streifen muss das Rumpfskelett vorsichtig angeschliffen werden.
Vorteil: Keinerlei zeichnerische Vorüberlegung nötig. Jeder Querschnitt kann beliebig gestückelt werden.

Nachdem der Rumpf verschliffen war, wurde der Rumpfrücken aus fünf Platten aufgebracht, verschliffen und die Leitwerke eingesetzt. Die Ruder wurden zur Endleiste hin etwas verjüngt und an allen Kanten verrundet. Das hat den Vorteil, dass man zwei gegeneinander geklebte Tesafilmstreifen (3-5 mm Überlappung) als Scharniere benutzen kann. Man nimmt einen überlangen Streifen, Klebeseite nach oben und schneidet ihn in der Mitte durch. Nach dem Gegeneinanderkleben fädelt man genau diese Klebestelle von außen her zwischen die Ruderspalte und klebt dann das eine Ende auf die Oberseite des Leitwerks und das andere auf die Unterseite des Ruders. Beim nächsten Tesastreifen nimmt man die Unterseite des Leitwerks und die Oberseite des Ruders. So ergibt sich ein Scharnier, das an das frühere Annähen von Rudern erinnert und auch ähnlich funktioniert.

Jetzt wird noch eine Öffnung für das Cockpit angebracht und eine leichte, dünne Windschutzscheibe zugeschnitten. Danach sieht alles schon ein bisschen nach Racer aus.


Tesafilmscharniere für Seiten- und Höhenruder.

Der Spant Nr 1 (Motorspant) wird durch ein 5 mm Balsa-Stirnholz (mit 1 mm Balsa abgesperrt) verstärkt. Dabei wird hier schon auf Sturz und Zug geachtet und dann entsprechend verklebt. Die Motorposition wird angezeichnet und der Motor angeschraubt. Da es sich um Stirnholz handelt, sind die Schraubenlöcher im Balsa bereits sehr fest, werden aber mittels einer Stecknadel noch mit Epoxydharztropfen gehärtet.


Montage des Hacker A 10 unter der Motorabdeckung.

Nun kann man den Ausschnitt für den Flügel anbringen. Ich habe das so gemacht, dass sich eine EWD von ca. 0° ergibt (Augenmaß). Das sollte mit dem NACA 0016 funktionieren. Darauf achten, dass alles schon winklig ist. Danach wird der Ausschnitt unter dem Flügel wieder mit Depron aufgefüllt.

Nun braucht das Modell noch ein Fahrwerk: Die Räder habe ich aus vier Lagen 1,5 mm Balsa geschnitten und im Minidrill die Felgen gedrechselt. Das geht leichter als man denkt. Außen wurde mit der Halbrundfeile der Sitz für den O-Ring vorbereitet, der sich dann mit Gefühl aufziehen lässt. Die Nabe wird nachträglich nach der Rundlaufkontrolle mit Sekundenkleber eingeklebt. Das Schwerste an den Rädern sind die O-Ringe. Die Radverkleidungen werden aus zwei Lagen 5 mm Balsa und zwei Außenlagen 6 mm Depron angefertigt. Zwischen diesen Lagen wird eine W-förmige Platte aus 1 mm Sperrholz geklebt, die später die Radachse aufnimmt. Alles schön verschleifen, die Bohrungen für die V-Stiele einbringen und mit diesen verkleben. Diese Übergänge habe ich mit extrem angedicktem und weiß eingefärbtem Epoxidharz (Konsistenz/Dichte nach Aushärtung wie Balsa) verstärkt.


Das selbstgebaute Balsarad und die Einzelteile der Radverkleidung.


Das fertige Fahrwerksbein wiegt nur 6 g!

Jetzt wird das Fahrwerk an Rumpf und Fläche ausgerichtet und verklebt. Bei diesem Arbeitsgang werden auch alle Flügelstreben angebracht. Aus Gewichtsgründen habe ich nur eine obere und eine untere Flügelabstrebung aus 1,5 mm Kohle vorgesehen. Das ergibt eine sehr feste Einheit. Genauso gut könnte man die Flügelverspannung mit einem dünnen Faden machen und jeweils drei untere und zwei obere Verspannungen herstellen, das wäre dann full-scale.

Zu guter Letzt habe ich noch den guten alten Edding geschwungen, um dem Modell etwas mehr Realismus einzuhauchen. Alles ist von Hand und ohne Schablonen gezeichnet. Das war mit ein Argument für die Howard Ike, denn das „damned good airplane number five“ ist original schon weiß und man braucht es nicht auch noch zu lackieren. Die Blechstöße, Hutzen und Zahlen kann man prima mit schwarzen Permanentmarkern aufmalen und bei dieser geringen Größe zählt bei 2-3 m Abstand sowieso nur noch der Gesamteindruck. Wer will, kann auch noch die vielen Rippen- und Spantenandeutungen aufzeichnen und damit alles noch realistischer gestalten. Na wer weiß, vielleicht später mal.

Gewichte:  
Modell mit Hacker A10 und 2x JR 1041 110gr
2 Servos (HR & SR) plus Anlenkungen (geschätzt) 15gr
Empfänger (geschätzt) 5gr
Regler (geschätzt) 10gr
Akku (geschätzt) 15gr

Daraus wird dann ein Gesamtgewicht von nur 155 g resultieren.


Die fast fertige Ike. Mit Motor, Latte (APC ca. 10 g) und zwei Querruderservos kommt sie auf 110 g.

Die restlichen Komponenten sind bestellt und eine genaue Aussage über das Gesamtgewicht kann erst nach deren Einbau gemacht werden. Der Bau des Modells hat mir jedenfalls über die Weihnachtsfeiertage schon sehr viel Spaß gemacht und ich kann den Erstflug gar nicht erwarten. Aber vielleicht animiert dieser Baubericht ja den Einen oder Anderen etwas Ähnliches auf die Beine zu stellen. Wenn dies auch das erste Modell in Depron für mich war, so war es bestimmt nicht das Letzte.

 

Stand: 05.01.2008