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RISER oder doch PHÖNIX?

Bernhard Erdt (carbonfreak)

Auch in den Zeiten von ARF-Modellen (Almost Ready to Fly) besitzt so mancher Modellflieger ein Modell, das er seit langem fliegt, immer wieder modifiziert und fast ständig dabei hat. Teilweise haben diese Modelle sehr interessante Lebensläufe. Um ein solches Modelle handelt es sich bei meinem RISER aus dem Hause SIG, von dem ich hier berichten möchte.

Ich bin erst sehr spät über meinen Sohn im April 2004 mit dem Modellflug in Berührung gekommen. Leidensfähige Modelle wie der Easyglider waren zu diesem Zeitpunkt weitgehend unbekannt. Unsere Modelle „Großer UHU“ und dann auch Graupners Silentius hatten fürchterlich unter uns zwei Fluganfängern zu leiden. Die Modelle wurden also aufgrund diverser Reparaturen nach ihren Erdungen immer schwerer und die armen SPEED-Motoren hatten immer mehr zu schleppen. Beide Modelle entsprachen auch nicht gerade der modernsten Modellauslegung. Es musste also mal etwas Neues her, am besten mit Querrudern und stabilem GfK-Rumpf. Ein ehemaliger Vereinskamerad bot mir einen fast fertigen Thermik-Sport an. Das wäre doch was! Nachdem der Kauf schnell geregelt war, bekam ich noch einige Flugzeugreste gratis dazu, der gute Mann brauchte dringend Platz. Welcher Fluganfänger sagt da nein?!

Daheim angekommen, hatte ich zunächst nur Augen für den Thermik-Sport. Gegen Abend wurden dann auch die Flugzeugreste vom Staub befreit und begutachtet. Ein schwerer Elektrosegler Airfish mit Jedelskifläche (nicht schon wieder!), dick mit giftgrüner Farbe angepinselt, wurde sofort ausgeschlachtet und entsorgt. Der Rest der Teile entpuppte sich, vom dicken Staub befreit, als bestens erhaltener Blue Phoenix, mit höchstens ein bis zwei geglückten Landungen! Toll, der Sohn hat auch gleich einen neuen Flieger bekommen! Der Blick in den bei mir immer griffbereiten Höllein-Katalog stellte dann später klar, dass es sich sogar um den etwas flotteren RISER von SIG handelt!

Als Antrieb war ein SPEED 600 7,2 V mit Graupner CAM 9x5 Zoll und Kontronik-Regler SUN 3000 an 8 Zellen Sanyo SCR 1700 eingebaut. Der erste kurze Probelauf im Keller war beeindruckend, mächtiger Schub bei gewiss 7000 U/min! Doch schon der zweite Testlauf endete abrupt! Den 30 A-Regler hatte das Zeitliche gesegnet! Das gute Stück ist immerhin auf 40 A Peak spezifiziert! Was war passiert? Ich beschloss, das Ganze ersteinmal theoretisch nachzuvollziehen, bevor weiteres Equipment geopfert würde.

Kurze Zeit zuvor hatte ich einen Artikel von Ludwig Retzbach (mittlerweile tausend Dank!) gelesen, wie man mit dem Innenwiderstand (bzw. Kurzschlussstrom), der spezifischen Drehzahl (Leerlaufdrehzahl) und dem Leerlaufstrom das Verhalten eines Motors an verschiedenen Akkus und Luftschrauben relativ genau vorab einschätzen kann. Die Motordaten stehen im Katalog, also auf! Das Ergebnis ließ aufhorchen! 8350 U/min., 32,8 A, 263 W Eingangsleistung, Wirkungsgrad 38,6% (160 W Verlustleistung)!!!
Das heißt, der Motor wäre gleich das nächste Opfer geworden! Bei Höllein wird zwar für das Modell ein 9x5 Zoll Propeller empfohlen, aber an einem SPEED 600 8,4 V und an nur 7 Zellen! Die Simulation bestätigt 7400 U/min., 18,9 A, 149 W Eingangsleistung; Wirkungsgrad 47,5% (78 W Verlustleistung), das hört sich schon viel beruhigender an! Offenbar hatte der Vorbesitzer versucht, die Antriebsleistung zu verbessern, denn der SPEED 600 8,4 V lag noch bei den Kleinteilen! In dieser Konfiguration wurde vier mal geflogen, bis mir aus einem ausrangierten Rolladenantrieb ein 7-poliger Boschmotor in 600er Baugröße in die Hände fiel. Die Simulation ergab 6250 U/min. an einer Aeronaut Cam Carbon 11x6; 15,5 A , 139 W Eingangsleistung, Wirkungsgrad 54,5%, sehr vielversprechend! Die Praxis bestätigte dann die wesentlich verbesserten Schubwerte, ich war begeistert. Diese Rechnerei lohnt sich wirklich!

Der zweite Flug beinhaltete jedoch eine heftige Funkstörung, keine Reaktion mehr, das Modell flog direkt in das etwa 600 m unter unserem Flugplatz liegende, urwüchsige Wäldchen mit Dornengestrüpp und mannshohen Brennnesseln (das gefürchtete Bermuda- Dreieck!). Die zweistündige Suche mit drei Personen musste dann wegen einsetzender Dunkelheit und kurzen Hosen abgebrochen werden.
Am nächsten Tag wurde die Suche mit langen Hosen bei 32°C im Schatten fortgesetzt und nach etwa zweieinhalb Stunden mit dem Fund des Fliegers belohnt! Bis auf einen geplatzten Kunststoffspinner und die eingerissene Folie am Seitenleitwerk war das Modell unversehrt!
Das am Abend noch 65 EUR Tierarztkosten für einen schwarzen Hund mit Hitzschlag fällig wurden, lassen wir in der Erfolgsbilanz mal unerwähnt!

Das Modell war schnell repariert, doch die Ursache für die Funkstörung blieb ein Rätsel. Diese ergebnislose Fehlersuche sollte natürlich nicht ohne Folgen bleiben...!
Wochen später hatte ich wieder nach Feierabend den schnell einsatzbereiten RISER eingepackt, um noch etwas vor Sonnenuntergang zu fliegen. Nach fünf Minuten entspanntem Thermikgleiten stellte ich plötzlich entsetzt fest, dass das Modell nicht mehr auf die Steuerung reagiert. Im Failsafe-Modus auf sanften Kreisflug getrimmt, stieg das Modell immer höher und trieb durch den Wind auch immer weiter weg! Irgendwann war es beim besten Willen nicht mehr zu erkennen. Ich bin dann mit dem Motorroller meines Sohns stundenlang sämtliche Feldwege im Umkreis von 5 km abgefahren, aber ohne Erfolg. Das penible Säubern des nagelneuen Zweirads hat mich dann noch mal eine ¾ Stunde gekostet...!

11 Wochen später, auf dem Infostand unseres Vereins beim lokalen Martinimarkt, sprach mich eine Mutter mit zwei kleinen Kindern an und erzählte mir, dass sie ein rot-gelbes Flugmodell im Wald gefunden hat, etwa 6 km vom Flugplatz entfernt – es war mein RISER!
Der Rumpf ist völlig mit Wasser voll gesogen, das Leitwerk geborsten, aber Motor, Empfänger und Servos sind drin, doch, besonders ärgerlich, der probeweise eingesetzte, nagelneue Kontronik- Regler Starbec 50-6-14 ist leider auch direkt am Fundort nach diversen Waldarbeiten nicht mehr auffindbar!
Die einteilige Fläche ist, oh Wunder, praktisch unversehrt! Nur zwei kleine Löcher mit nassen Balsastellen in der Größe einer Münze. Der Rumpf und das Leitwerk wurden direkt entsorgt, die Anlenkungen, der Motor, der Empfänger und die Servos gründlich gereinigt und geprüft.
Bei der Überprüfung des Schulze alpha-435-Empfängers fiel dann auf, dass das Antennenkabel exakt an der Stelle, wo es aus dem Rumpf austrat, einen Bruch aufwies! Somit war jetzt die Ursache für die Funkunterbrechungen gefunden. Offensichtlich war bei einer der zahlreichen Versionen von „auf die Antenne treten“ die Kupferseele gerissen! Seitdem wird immer zusätzlich mit Tesafilm neben dem Austritt gesichert, das ergibt eine bessere Zugentlastung! Der Empfänger (mit neuer Antenne!) und die Servos tun übrigens bis heute zuverlässig ihren Dienst.

Die Fläche wegzuwerfen kam mir nicht in den Sinn, die war einfach noch zu gut erhalten,
aber was damit tun? Als ich kurze Zeit später über meinen mittlerweile arbeitslosen Graupner Ultra 930-6 (Plettenberg 290/30/6) „stolperte“, fiel mir ein Kommentar aus dem „Himmlischen“ Katalog ein: „Durch den einteiligen Flügelaufbau sind festigkeitsmäßig auch heiße „Wolf im Schafspelz“-Versionen mit z. B. Ultra 930 an mehr als 7 Zellen möglich!“.
Das wäre doch was, etwas in Richtung Hotliner! Den Bauplan des RISER hatte ich vorsichtshalber aufgehoben. Damit das Ganze Stabilität bekommt, wird großzügig mit Kohlefaser verstärkt! Kohlefaserrovings hatte ich mittlerweile mehr als genug, seit meine Firma einen großen, aber alten Lagerbestand verschrotten wollte, für den sie nach einem eingeschlafenen Projekt in der Medizintechnik keine Verwendung mehr hatte. Ich habe mich seinerzeit völlig selbstlos für die kostenlose Entsorgung angeboten... .

Die Auslegung des Rumpfs bedurfte kaum der Anpassung. Unter dem Flügel nur etwas breiter, damit die 8-10 Zellen (jawohl!) bequem zur Schwerpunkteinstellung zwischen den Spanten hindurch passen. Die Anzahl der Spanten wurde verdoppelt, dafür kam als Beplankung nur 1,5 mm Balsa und Dreikantleisten zum Einsatz, anschließend wurde das Ganze schön rund geschliffen. Wie kann man den Rumpf dieses Versuchsträgers mit Kohlefaser verstärken? Mit Sekundenkleber heftet man einen Strang CfK-Rovings am Motorspant fest und wickelt ihn im Winkel von etwa 23° zur Rumpfachse einmal bis zum Heck. Das Ende wird mit Sekundenkleber (Cyanacrylat dünnflüssig) fixiert und abgeschnitten. Die 23° sind der beste Kompromiss zwischen Torsions- und Längssteifigkeit, sagten mir Kollegen aus dem Bereich Maschinenbau, ich habe es einfach geglaubt, die haben mehr Ahnung davon als ein "ET" (Elektrotechniker). Damit der Strang nicht verrutscht, wird er ab und zu unten am Rumpf mit einem Tropfen Sekundenkleber (CA) fixiert. Neben den ersten Strang kommt ein zweiter, dritter usw.. Hört sich schlimm an, es geht aber mit der Zeit immer schneller, wenn man den Dreh raus hat, insbesondere, wenn man den Rumpf auf eine Achse mit Kurbel baut.
Irgendwann ist der Rumpf (zuerst im hinteren Bereich) lückenlos belegt, dann fixiert man entsprechend früher mit CA an der Unterseite. Ist der gesamte Rumpf bewickelt, wird das Ganze nochmal in der anderen Wickelrichtung, also im 46°-Winkel zu den ersten Bahnen belegt.
Ist auch dies geschafft, streicht man den Rumpf mit 24 h-Harz, z. B. von R & G. Wenn man auf einer Achse mit Kurbel gearbeitet hat, kann man den gesamten Rumpf noch mit Kräuselband (ja, das für die Geschenke!) überlappend schnüren, damit überschüssiges Herz herausquillt (Gewichtsersparnis ~ 100 g). Bei meinem Rumpf hatte ich das noch nicht gemacht. Da habe ich noch abwechselnd eine Bahn rechtsherum und eine Bahn linksherum gewickelt. Das sieht zwar extra schick aus, ist aber noch etwas schwerer. Wenn der Rumpf nach 1-2 Tagen ausgehärtet ist, zieht man das Kräuselband wieder ab und schleift die Rillen etwas glatt. Ein bisschen Klarlack freut danach das Auge!

Entdeckt man irgendwo noch eine Fehlstelle, mischt man etwas feingehacktes CfK mit Harz an und kleistert sie zu. In Summe hat man für wenig Geld einen edlen Rumpf, der mit der Hand nicht mehr einzudrücken ist (abhängig von der Wandstärke und wenn man nicht gerade Arnold Schwarzenegger heißt).

Die Leitwerke habe ich wieder nach Plan gebaut, aber nur mit 3x3 mm Leisten, die ich beidseitig mit 1 mm Balsa zu einem nach innen offen U-Profil ergänzt habe. In den Hohlraum wurden mit Harz getränkte Rovings gelegt und mit Tesafilm bis zum Aushärten fixiert. Erst danach habe ich die Diagonalen aus 5 mm Balsa eingeklebt, die Festigkeit bei dem geringen Gewicht ist verblüffend!

Die im Nasenbereich teilbeplankte Fläche erhielt eine Verkastung zur Vervollständigung der D-Box. Die Kiefernholme wurden frei Hand mit dem „Aldi- Dremel“ und Tiefenanschlag etwa 1,5 mm tief zum Randbogen auslaufend ausgefräst und anschließend dieser Hohlraum mit harzgetränkten Rovings gefüllt. Zur Fixierung habe ich wieder Tesafilm genommen, das ergibt eine plane Oberfläche. Damit der Flieger agiler wird, habe ich Querruder aus der Fläche geschnitten, das Sägeblatt einer Pucksäge ist ideal dafür. Für die Verkastung der Ruder und Ruderausschnitte habe ich 1 mm Balsa genommen, aber in jede Klebenaht ein CfK-Roving eingelegt. Das Fach für die Servos ist ähnlich entstanden. Den Bereich von der Endleiste, an den Servos vorbei bis zum Querruderausschnitt, verstärkt ein separater Strang Rovings.
Fläche und Leitwerke wurden mit Folienresten bebügelt. Das alte RISER-Logo habe ich eingescannt, nachbearbeitet und mit dem Farblaserdrucker in der Firma farblich passend auf selbstklebende Folie gedruckt.

Baustufenfotos habe ich leider nicht gemacht.

Die Flugleistungen mit 8 Zellen RC 1700 sind schon recht ansehnlich (ca. 50° Steigwinkel), 8920 U/min. an einer Aeronaut Cam Carbon 9x5 MT 50, 32,6 A , 265 W Eingangsleistung, Wirkungsgrad 61%.
Die Festigkeit lässt extreme Manöver zu, natürlich nicht endlos senkrecht nach unten! Der RISER kann jetzt bei jedem Wind geflogen werden, er ist so ein „immer dabei“-Modell!

Im April habe ich einmal bei diesigem Wetter zu lange auf die Motorrestlaufzeit am Sender geschaut (ja, auch eine Zigarette angezündet...) und ... der RISER war in den Wolken verschwunden! Ich habe noch 10 Minuten lang mit einigen Kameraden den Himmel abgesucht, aber erfolglos, trotz hochgestellter Querruder!
Während ich (nach ca. zwei Stunden) beim Einpacken war, kam ein Mann auf den Platz gefahren und fragte, ob jemand ein Modellflugzeug vermisse! Der RISER war in die Krone eines Kirschbaums eingeschwebt, aber völlig unbeschädigt! Also bin ich mit kurzem Hemd, kurzer Hose und Sandalen raufgeklettert und habe ihn vorsichtig runtergelassen. Ich war zwar an Armen und Beinen zerkratzt, hatte aber meinen RISER mit dem neuen Synthesizer-Empfänger zurück!
Ich glaube, der RISER hätte doch PHÖNIX heißen sollen, er taucht immer wieder auf, eben wie ein Phönix aus der Asche!

Beim Vereinsfliegen mit Flohmarkt im Sommer 2007 verkaufte mir ein Kollege ein Kruse Intro Gear 700 2:1, das optimal zum Riser (jetzt mit 9 Zellen) passte:

4840 U/min. an einer Aeronaut Cam Carbon 16x8 MT 50,
38,3 A ,
348 W Eingangsleistung,
Wirkungsgrad 60% (mit Getriebe).

Jetzt ging es schon fast senkrecht nach oben!

Das immer selbstverständlicher werdende Brushless-Zeitalter machte aber auch vor dem RISER nicht halt. Er bekam einen preiswerten Robbe Roxxy 3556-09 Innenläufer mit passendem 45 A-Regler und das Getriebe wurde auf 2,4: 1 umgerüstet. Leider wurde schon bei der Simulation klar, dass diese Kombination mehr Zellen braucht, um richtig lebendig zu werden. Also wurden den anderen Modellen alle Akkus im 4/5 SubC-Format entzogen und LiXX-Zellen als Trost versprochen. Mit 12 Zellen (die passen gerade noch in den Rumpf) ergibt sich jetzt:

5550 U/min. an einer Aeronaut Cam Carbon 16x8 MT 50,
29,4 A,
361 W Eingangsleistung,
Wirkungsgrad 86,5% (mit Getriebe).

Jetzt geht’s richtig senkrecht nach oben (2,8 kg Standschub bei 1,7 kg Gewicht)! Es wären auch noch größere Luftschrauben bis 18x11 denkbar, aber das will ich den alten Zellen nicht mehr zumuten


Rumpf mit Roxxy 3556

Zusammenfassend kann ich nur sagen, so eng verbunden kann man mit einem ARF-Modell wohl nie werden. Es wächst sicher auch nicht in diesem Maß mit den eigenen konstruktiven, finanziellen und fliegerischen Fähigkeiten mit und man lernt gewiss auch nicht in diesem Umfang durch das Modell dazu! Ich kann nur jedem empfehlen, es auch einmal zu probieren!

 

Stand: 05.03.2008