RC-Network.de
RSS Forum RSS 2.0      Startseite Startseite
 
 
FORUM MAGAZIN WIKI BLOGS LOUNGES KALENDER HANGFLUG RCNVV WERBUNG BÖRSE VEREIN  

Eine Aufstiegserlaubnis nach NfL I-59/06 (auch nach NfL I-76/08)

Dieter Wiegandt

oder: Tagebuch einer unfreiwilligen Rundreise durch das Verwaltungsrecht

Der folgende Bericht soll Vereinsvorstände, aber auch alle Interessierte informieren, wie man das Vorhaben „Vereinsgründung und Aufstiegserlaubnis für einen Modellflugplatz“ angehen kann bzw. was alles auf den Vereinsvorstand zukommen kann. Ich habe für meinen Verein das gesamte Verfahren federführend betreut und möchte meine Erfahrungen gerne weitergeben. In unserem Fall wurde die Aufstiegserlaubnis verwaltungsgerichtlich geprüft und für rechtmäßig erkannt. Das Urteil ist rechtskräftig.
Bei der Recherche zu diesem Bericht habe ich festgestellt, dass die NfL I-59/06 bereits modifiziert wurden. Die derzeit gültige Fassung ist die NfL I-76/08 vom 25.02.08. Ich habe beide Fassungen verglichen und nur geringfügige Änderungen festgestellt. Diese betreffen einmal die Aktualisierung von Paragrafen, auf die im Erlaubnisbescheid Bezug genommen wird. Weiterhin wurde bei den Auflagen des Musterbescheides im Bereich der Ziffer 7 eine Änderung vorgenommen, die der Einführung der 2,4GHz-Technik Rechnung trägt.
Bei der Ziffer 14 wurden Turbinenmodelle mit aufgenommen. Aus dieser Ziffer ergibt sich auch die Trennung von Turbinen und kolbenmotorgetriebenen Modellen während des Flugbetriebs. Für das Genehmigungsverfahren an sich und die Abstandstabellen konnte ich keine Änderungen feststellen.

Hier nun die Chronologie:

August 2005 - Der Einstieg
Ich hatte bereits im März vom Hörensagen erfahren, dass es bei mir in der Nähe (ca. 10 km entfernt) einen kleinen Platz geben sollte - eigentlich mehr eine kleine Wiese, - auf der sich einige Modellflieger tummeln.
 
Ein Kontakt zum Platzeigentümer kam aber zunächst nicht zustande. Über einen Dritten hatte ich inzwischen gehört, dass man eine Aufstiegserlaubnis beantragen wollte, aber nicht so richtig wusste, wie man das realisieren sollte.
Also habe ich selbst aktiv den Kontakt gesucht und schließlich auch gefunden.
Zusammen mit einem Kollegen habe ich dann den Platz aufgesucht und einen Termin mit dem Eigentümer vereinbart.
Dort angekommen, kam ich aus dem Staunen nicht heraus. Die "Wiese" entpuppte sich als kurzgemähter, ebener Platz von immerhin etwa 100 m Länge.

Das Gelände liegt nach meiner damaligen Schätzung ungefähr 800 - 1000 m vom nächsten Dorf entfernt. Allerdings, dieser Umstande bekam später noch erhebliche Bedeutung, in einer Entfernung von nur etwa 450 m befinden sich in einem kleinen Tal mehrere Häuser. Sie gehören postalisch zu einer mehrere Kilometer entfernten Ortschaft. Weiterhin, in anderer Richtung ungefähr 500 m entfernt, steht ein ehemaliger Aussiedlerhof. Der gesamte Bereich rund um das geplante Modellfluggelände ist landwirtschaftliche Nutzfläche. Die Zuwegung ist asphaltiert. Es bietet sich dem Betrachter eine wunderschöne Fernsicht.
Dann die nächste Überraschung: Das Gelände ist Eigentum eines Modellfliegers aus dem Ort. Erste Gespräche haben ergeben, dass FFH (Fauna-Flora-Habitat) dort kein Thema ist.
Außerdem soll eine Aufnahme des Geländes in den Flächennutzungsplan der Gemeinde bereits zustimmend in Angriff genommen sein(!)

Irgendwie hatte es sich bei den Modellfliegern dort herum gesprochen, dass ich über eine gewisse Erfahrung in solchen Genehmigungsdingen verfügte; man erwartete daher wohl meine Unterstützung, die ich natürlich auch gerne gewährt habe.

August 2005 - Die Vereinsgründung
Nachdem wir uns gegenseitig etwas beschnuppert hatten, sind wir übereingekommen, einen Verein zu gründen. Grundsätzlich ist es ja möglich, auch als Einzelner ein Vorhaben, wie die Schaffung eines Modellfluggeländes, zu realisieren. Warum aber sollte man das nicht in der Gemeinschaft tun?
Es wird für jeden einfacher, wenn die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt sind. Außerdem ist man meiner Meinung nach als Verein besser in der Lage, ein solches Vorhaben zu realisieren. Es fand eine Gründungsversammlung statt, an der die derzeit sieben Aktiven teilnahmen. Ein 1. und 2. Vorsitzender sowie ein Schatzmeister wurden gewählt und ein Sitzungsprotokoll erstellt.
Das Protokoll wurde von den sieben Gründungsmitgliedern unterschrieben.
Das war´s. Unsere weiteren Planungen sahen damals vor, den Verein in das Vereinsregister beim zuständigen Amtsgericht eintragen zu lassen. Dann darf man, wenn das Amtsgericht die Satzung geprüft hat, das Kürzel e.V. im Vereinsnamen führen.
Ich wurde gebeten, einen Entwurf der Satzung zu fertigen. Als Vorstand hatte ich bereits einmal die Satzung eines anderen Vereins modifiziert und verfügte daher über etwas Erfahrung. Also nahm ich diese Satzung als Vorlage und schrieb sie auf die örtlichen Belange des neuen Vereins um. Den neuen Vereinskameraden wurde der Entwurf in einer Versammlung vorgestellt. Nachdem die Satzung per Abstimmung angenommen worden war, nahm ein weiteres Vereinsmitglied die Abwicklung beim Amtsgericht mit der Eintragung in das Vereinsregister vor.

In der Satzung ist enthalten, dass wir als Verein Mitglied in einem Dachverband sind. Gleichzeitig haben wir in der Satzung eine Mitgliedschaft in diesem Verband festgeschrieben.
Damit war u. a. sichergestellt, dass ein ausreichender Versicherungsschutz gewährleistet ist. Außerdem bedurften wir natürlich der Unterstützung hinsichtlich eines Platzgutachtens. Dies ist sehr einfach mit Hilfe eines Verband zu erhalten. Wir hatten uns für den DMFV entschieden.
Es gibt allerdings noch einen weiteren wichtigen Grund, die Mitgliedschaft in diesem Verband für alle verbindlich festzuschreiben: Im Rechtschutzfall fragt der DMFV nämlich an, wie viele Vereinsmitglieder bei ihm registriert sind. Ein völlig normaler Vorgang. Sollte die Nachfrage ergeben, dass beispielsweise nur 50 % der Mitglieder im DMFV registriert sind und der Rest anderweitig organisiert ist, dann würden vom DMFV auch nur 50% der anfallenden Kosten im Rechtschutzfall übernommen. Wie das andere Verbände handhaben entzieht sich meiner Kenntnis.
Abschließend habe ich den Verband über die Vereinsgründung informiert und um Aufnahme gebeten, der auch stattgegeben wurde.

September 2005 - Vorbereitende Maßnahmen für das Gutachten
Bei der DMFV-Geschäftsstelle hatte ich schriftlich um Unterstützung bei der Erstellung eines Gutachtens für den Platz ersucht. Der Bitte kam der Verband auch unbürokratisch nach. Grundsätzlich werden, bis auf eine geringe Eigenbeteiligung, die Kosten eines solchen Gutachtens vom Verband getragen. Wenn man bedenkt, welchen Aufwand ein Sachverständiger mit der Erstellung eines Gutachtens hat, halte ich diese Eigenbeteiligung für völlig angemessen. Man teilte mir den Namen des zuständigen Sachverständigen mit. In einem Telefongespräch wurde mir erklärt, welche Voraussetzungen für die Erstellung eines Gutachtens erforderlich sind.

Dies sind

  • Eine Karte im Maßstab 1:5000.Das Fluggelände sollte dabei möglichst mittig im Kartenausschnitt liegen, damit man die möglicherweise durch den Modellflug tangierte Bebauung erkennen kann.
  • Eine topografische Karte im Maßstab 1: 25000. Diese Karte zeigt die Lage des Fluggeländes im Gesamtumfeld, wobei die Abstände zu Ortschaften deutlich werden.
  • Für das Lärmgutachten werden 5 Modelle benötigt, die den Querschnitt der im Verein geflogenen Modelle darstellen sollen.

Bei der Beschaffung der Karte 1:5000 ergaben sich geringe Schwierigkeiten, weil im Bereich unserer Gemeinde eine Flächenneuordnung/Flurbereinigung stattgefunden hat. Dabei wurden Grundstücke zusammengelegt und Grenzen neu gezogen. Den Kartenausschnitt bekommt man grundsätzlich beim zuständigen Katasteramt. Wegen der Neuordnung hatte dieses Amt allerdings noch keine gültige Karte. Man verwies mich zu der Stelle, die bei der Neuordnung der Flächen federführend beteiligt war. Für eine Gebühr von knapp 14 Euro wollte man mir eine Kopie der Karte innerhalb von fünf Tagen zuschicken. Innerhalb der versprochenen Frist kam diese auch per Post bei mir an.

Die topografische Karte gibt es beim Katasteramt oder in Buchhandlungen als Faltplan. Aufgrund des größeren Maßstabes spielen Flächeneuordnungen hier keine Rolle.

Nachdem das Kartenmaterial besorgt und an den Sachverständigen übersandt war, wurde ein Termin vereinbart, der erfreulicherweise auf einen Mittwochnachmittag gelegt werden konnte. So war sichergestellt, dass eine ausreichende Zahl von Vereinsmitgliedern an den Messungen teilnehmen konnte, die einen Querschnitt der im Verein geflogenen Modelle repräsentieren sollten. Aus einem befreundeten Modellflugverein hatten wir außerdem noch einen Turbinenflieger eingeladen. Dieser sollte mit seinem Modell die Messung einer Turbine ermöglichen.

September 2005 - Die Messungen
Pünktlich zu dem vereinbarten Termin erschien der Sachverständige. Nachdem er sich zunächst vergewissert hatte, dass die Örtlichkeiten mit den Angaben in den Karten übereinstimmten, inspizierte er die vorgestellten Modelle. Dann protokollierte er die Werte von Luftdruck, Windgeschwindigkeit, Luftfeuchte und Temperatur.
Besonders Schlaue denken jetzt vielleicht, dass man für eine solche Überprüfung möglichst leise Modelle präsentieren sollte.
Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Sachverständigen - ich kenne bisher drei - mit der Materie Modellflug bestens vertraut sind, andernfalls wären es ja keine Sachverständigen!
Außerdem wurden nicht nur die Modelle gemessen (Emissionsmessung), vielmehr wurde auch in der nächsten Ortslage ermittelt, was dort an Geräuschimmissionen der Modelle ankommt.
(Nach den neuen Richtlinien braucht kein Lärmgutachten erstellt zu werden, es sei denn, es treten besondere Probleme bezüglich einer Lärmbelästigung auf.)
Insofern ist es nicht schlecht, entsprechend "laute" Modelle vorzustellen, um gegebenenfalls anhand des Sachverständigengutachtens nachweisen zu können, dass durch den Modellflugbetrieb keine Beeinträchtigungen zu erwarten sind.

Die erlaubten Maximalwerte der Geräuschimmission richten sich in Abhängigkeit der Einstufung des betreffenden Wohngebietes nach der 18. BImSchV. (18. Bundes-Immissions-Schutz-Verordnung).
In unserem Fall betrug der maximal zulässige Immissionspegel 55 dB/A für ein Mischgebiet, gemessen am nächstgelegenen Wohnhaus.

Aus den vorgestellten neun Modellen wählte der Sachverständige fünf Modelle aus, die vor Ort vermessen wurden. Außerdem legte er fest, welche Modelle im Flug gemessen werden sollten.
Die Wahl fiel entsprechend den im Verein verwandten Modellen auf einen Telemaster (Viertakter), einen kleinen Flitzer (6,5 cm³ - Resorohr) sowie eine 3 m Delro-Raven (160 cm³- Boxer). Allein an der Wahl der Modelle mag der Leser erkennen, dass eine objektive Auswahl getroffen wurde.

Separat wurde eine Turbine vermessen, da auch eine Aufstiegserlaubnis für Turbinen angestrebt wurde.
Für jedes Modell wurde ein eigenes Messprotokoll angefertigt, in dem nicht nur die gemessenen Werte, sondern auch die Ausrüstung des Modells mit Motor, Auspuff und Luftschraube festgehalten wurde. Zusätzlich ist jedes Modell fotografisch dokumentiert worden.

Die Modelle wurden auf einem Gestell in 1 m Höhe befestigt und einzeln vermessen. Jeweils von vorne, hinten und von den Seiten, stets bei Vollgas. Die Messungen erfolgten in einem Abstand von 7 m. Aus den gemessenen Einzelwerten wird dann ein Mittelwert gebildet.

Dann erfolgten die Messungen des Sachverständige im Flugbetrieb.
Die etwa 1250 m entfernte Ortschaft wurde überhaupt nicht aufgesucht. Nach Aussage des Sachverständigen ist in einer so großen Entfernung ein Modellflugzeug nicht mehr messbar.
Vielmehr begab er sich zu dem ca. 650 m entfernten Aussiedlerhof und nahm dort seine Messungen vor. Zwischen ihm und dem Modellflugplatz bestand Funkkontakt, um auch Anweisungen für bestimmte Flugmanöver geben zu können. So wurden die Piloten z. B. einmal gebeten, bis an die Grenzen des beabsichtigten Sektors zu fliegen.
Wir flogen ganz normal mit den Modellen, also auch Aufwärtspassagen mit Vollgas in unserem beabsichtigten Sektor.

Im Ergebnis ist festzuhalten, dass keine Beeinträchtigungen festgestellt wurden, die gegen einen Modellflugbetrieb sprachen. Exemplarisch sei erwähnt, dass bei dem Aussiedlerhof im Schnitt Werte deutlich unter 50 dB/A gemessen wurden. Bei der Turbine, die alleine vorgeflogen wurde, ergaben sich am Aussiedlerhof Werte bis zu 50 dB/A.

Die eingangs meines Berichtes erwähnte Gruppierung von mehreren Häusern in ca. 450 m Entfernung wurde nicht zu einer Messung aufgesucht. Diese liegen in einem Tal, unser Modellflugplatz liegt auf einem Höhenrücken. Der Aussiedlerhof liegt zwar in ca. 650 m Entfernung, also etwas weiter weg als die besagten Häuser. Der Hof befindet sich jedoch in der Hanglage, also nahe dem Höhenrücken. Insofern waren hier höhere Werte trotz größerer Entfernung zu erwarten. Die Häusergruppe ist alleine durch ihre Lage im Tal besser gegen Immissionen abgeschirmt.
Nach den Messungen hat der Sachverständige uns dann folgende Grenzwerte und Betriebszeiten vorgeschlagen:

  • 84 dB/A für Modelle mit Verbrennungsmotoren; Messung in 7 m Entfernung
  • 100 dB/A für Turbinen
  • Flugzeiten von 09:00 bis 30 Minuten vor Sonnenuntergang
  • Mittagspause an Wochenenden und Feiertagen von 13:00 - 15:00 Uhr.

November 2005/Januar 2006 - Beantragung der Aufstiegserlaubnis (AE)/Abläufe.
Ich hatte für den Verein am 09.09.2005 den Antrag für die AE eingereicht. Die zuständige Behörde in Rheinland-Pfalz ist der Landesbetrieb Mobilität, Außenstelle Flughafen Hahn, in der Folge mit „Luftamt Hahn“ bezeichnet. Wir hatten bei der Bearbeitung unseres Antrages zunächst etwas Pech, da die zuständige Sachbearbeiterin für diese Angelegenheiten in Mutterschutz ging. Natürlich war eine Vertretung benannt. Mit ihr bestand mehrfach telefonischer Kontakt, ich erhielt jedoch den Eindruck, dass es in der Sache nicht weiterging.

Ich entschloss mich deshalb im Januar 2006, beim Amt vorbeizufahren und noch offene Fragen in einem persönlichen Gespräch zu klären. Seit Stellung des Antrages waren immerhin schon vier Monate vergangen.Überrascht konnte ich feststellen, dass die originär zuständige Sachbearbeiterin wieder aus ihrem Mutterschutz zurückgekehrt war, was für unsere Sache einen Glücksfall darstellte. Ich setzte mich mit ihr eine Stunde zusammen und konnte so einige noch offene Fragen klären.

Ich habe auch festgestellt, dass das Amt online Zugriff auf Kartenmaterial hat, auf dem zum Beispiel Biotope vermerkt sind. Etwas außerhalb unseres Sektors war ein solches eingezeichnet. Die Karte sagte allerdings nichts darüber aus, um welche Art von Biotop es sich handelt. Ich versprach, die Sache zu klären. Doch in der Gemeinde kannte niemand ein solches Biotop. Mein 1. Vorsitzender konnte sich allerdings erinnern, dass es an der vermeintlichen Stelle mal eine Quelle gegeben haben soll. Diese sei aber inzwischen versiegt, dort befinde sich nur mehr ein Steinhaufen. Wir fuhren gemeinsam dort hin, wo ich die Angaben bestätigt fand. Zur Dokumentation habe ich ein Foto gefertigt und das Luftamt über das Ergebnis informiert. In dieser Hinsicht war das Kartenmaterial also nicht mehr aktuell.

Neben unserem Flugplatz liegt auch ein ausgewiesener NATURSCHUTZPARK, kein Naturschutzgebiet. Mit dem Begriff konnte ich zunächst nichts anfangen. Man erklärte mir das sinngemäß so:
„Naturschutzpark“ ist eine Bezeichnung für ein Gelände, innerhalb dessen bestimmte Aktivitäten (z. B. Modellflug) verboten bzw. nur mit Ausnahmeerlaubnis zulässig sind. Das Positive war, dass uns dieser Naturschutzpark nicht betraf, weil unser Flugsektor anderweitig verläuft. Wer sich also als Vorstand mit Erlaubnissen beschäftigen darf, sollte sich mit den Begriffen FFH-Gebiet, Naturschutzgebiet, Naturschutzpark vertraut machen.
Als Ergebnis des Gesprächs beim Luftamt konnte festgehalten werden, dass uns eine AE im März erteilt werden sollte.

Februar 2006 - Das Votum des Gemeinderates.
Die Sache lag zwischenzeitlich dem zuständigen Gemeinderat zur Anhörung vor. In unserem Bundesland ist die Rechtslage so, dass die "betroffene" Gemeinde(n) angehört werden und eine Stellungnahme abgeben darf. Ein negativer Bescheid aus dieser Richtung führt aber nicht automatisch zu einer Ablehnung einer AE. Die gegebenenfalls geäußerten Bedenken werden vom Luftamt geprüft.

Der Gemeinderat hatte seine Stellungnahme aber vertagt. Man wollte erst noch die zuständige Jagdgenossenschaft (= die betroffenen Jäger) hören. Seitens des Luftamtes war der Gemeinde eine Frist bis zum 12.02.06 für ihre Stellungnahme gesetzt worden. Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, dass man zu dieser Frist noch eine gewisse Karenzzeit hinzurechnen muss, falls die Anfrage aus plausiblen Gründen nicht fristgerecht beantwortet werden kann. Was für den Betroffenen, in diesem Fall meinen Verein, den Termin für die in Aussicht gestellte Erlaubnis leider nochmals nach hinten verschob.

In einer weiteren Sitzung hat dann der Gemeinderat dem Vorhaben Modellflugplatz endlich zugestimmt, nachdem auch die zuständige Jagdgenossenschaft keine Bedenken hatte. So wurde mir das zunächst übermittelt. Nachdem ich das überprüft hatte, musste ich feststellen, dass diese Information falsch war. Meine Erkenntnis hieraus war, dass man Infos durch Dritte besser selbst nachprüft.

Wie konnte es dazu kommen?
Da das Verfahren nicht so schnell vorankam, wie wir uns das vorgestellt hatten, war der 1. Vorsitzende (er wohnt im Ort) initiativ geworden und hatte sich direkt an den Bürgermeister gewandt. Mit dem Ergebnis, dass man die ganze Sache nochmals im Gemeinderat besprechen wollte. Übermittelt wurde jedoch, dass der Gemeinderat keine Einwände hätte.
Zu dieser erneuten Sitzung wurden der 1. Vorsitzende und ich, als Verantwortlicher, für den Tageordnungspunkt Genehmigungsverfahren eingeladen. Dieser Teil der Sitzung war nicht öffentlich.
Vorwegnehmend: Es war positiv, dass wir anwesend waren.
Etwa 90 Minuten konnten wir dem Rat Rede und Antwort stehen. Ich verstand danach auch die Position des Gemeinderates. Warum?
Dieser erhielt vom Luftamt unseren Antrag auf AE, beigefügt war das Gutachten. Dieses umfasste mit allen Datenblättern 11 Seiten. Mit meinem Anschreiben (Antrag mit Begründung) waren das 13 Seiten. Als modellfliegerische Laien haben die Gemeinderatsmitglieder nur gedacht: Was kommt da bloß auf uns zu?
Für den Gemeinderat war es zunächst noch unklar, wo die Fahrzeuge der Modellflieger im Bereich des Flugplatzes abgestellt werden sollten. Bedenken hatten die Ratsmitglieder, dass die Zuwegung, die nur für landwirtschaftlichen Verkehr freigegeben war, beeinträchtigt werden könnte. Das Gebiet um den Flugplatz wird großflächig landwirtschaftlich genutzt. Landwirte benutzen die Wege, um mit ihren großen Arbeitsmaschinen die Felder erreichen zu können. Der Parkstreifen vor dem Flugplatz ist jedoch nur ein schmaler Streifen, so dass hier abgestellte Fahrzeuge den landwirtschaftlichen Verkehr behindern könnten, so die Sorge der Ratsmitglieder. Der Parkstreifen selbst ist zum Teil noch Eigentum der Gemeinde.

Wir haben das letztlich so gelöst, indem wir einen ordentlichen Vertrag über die Nutzung als Parkfläche geschlossen haben. Gleichzeitig verpflichteten wir uns zur Pflege dieses Bereichs; es handelt sich um eine Grasfläche mit Bäumen.
Insgesamt konnten wir die anfänglichen Bedenken zerstreuen und es kam zu einer Entscheidung für unser Vorhaben.

An dieser Stelle möchte ich meinen Dank an die verständnisvollen und Argumenten gegenüber offenen Mitglieder des Gemeinderates übermitteln. Gleiches gilt für den Vorsitzenden der örtlichen Jagdgenossenschaft. Das bekannte, gängige Vorurteil, dass Modellflieger und Jäger nicht zusammenfinden können, hat sich nicht bestätigt. Ich kenne in unserer Gegend noch einen Verein, dessen Platz Eigentum des zuständigen Jägers ist. Auch hier trifft dieses Vorurteil nicht zu.

Nach der Sitzung entschlossen wir uns, Einrichtungen der Gemeinde im Rahmen unserer Möglichkeiten zu unterstützen, um uns auch als Verein im Ort zu verwurzeln. Wir konnten zwischenzeitlich dem Kindergarten bereits eine Geldspende zukommen lassen.

Mein Fazit in diesen Punkten:
Wir hatten am Anfang den Fehler gemacht, dem Gemeinderat nicht direkt anzubieten, ihm Rede und Antwort zu stehen.
Ich kann nur jedem empfehlen, vor einer Vereinsgründung den Kontakt zu den örtlichen Verantwortlichen zu suchen. Da lässt sich möglicherweise im Vorfeld schon Einiges ausräumen, was später häufig nur Schwierigkeiten bereitet.

Februar 2006 - Erste Probleme tauchen auf.
Wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten. Ich bekam eine Mail der zuständigen Sachbearbeiterin vom Luftamt. Ihr war aufgefallen, dass im Bereich um das Modellfluggelände noch einige Häuser in den Karten verzeichnet waren, bei denen der Sachverständige nicht gemessen hatte. Warum er dies nicht getan hatte, habe ich bereits bei der Darstellung der Messung erläutert. Ich bat die Sachbearbeiterin per Mail, ihrerseits die Frage unmittelbar mit dem Gutachter zu klären. Etwas verwundert erhielt ich als Antwort, ich möge doch diese Dinge selbst mit dem Gutachter klären, da dies nicht Aufgabe der Genehmigungsbehörde sei. Um die Sache nicht noch weiter zu verzögern, nahm ich also telefonischen Kontakt zum Sachverständigen auf. Dieser versprach mir, sich die Angelegenheit umgehend erneut anzusehen.

Erschwerend kam hinzu, dass ein Anwohner einen Rechtsanwalt eingeschaltet hatte, der eine vierseitige Beschwerde verfasst und Messungen durch einen gerichtlich bestellten und vereidigten Sachverständigen gefordert hatte. Gleichzeitig hatte er Beschwerde geführt, in der Vergangenheit hätten Überflüge im Bereich der Bebauung stattgefunden. Eine Nachfrage beim 1. Vorsitzenden hatte ergeben, dass ihm solches aus dem Jahr 2004 zu Ohren gekommen sei. Dies war aber dem Verein nicht anzulasten, er bestand zu diesem Zeitpunkt nämlich noch nicht.
Klar war dennoch, dass dies das Verfahren erheblich verzögern würde. Inzwischen standen mir die übrigen Vereinsmitglieder auf den Füssen, denen der zeitliche Verzug nicht mehr vermittelbar war. Ich nahm daraufhin erneut Kontakt mit der Genehmigungsbehörde auf und erhielt dann das folgende Angebot:

Um die Beschwerde auszuräumen, sollte die Lärmbelastung beim Beschwerdeführer gemessen werden. Vorher gäbe es keine Aufstiegserlaubnis.

Das habe ich nicht hingenommen. Daraufhin hat man mir eine vorläufige AE angeboten, bis man vor Ort gemessen hätte. Zum damaligen Zeitpunkt war uns unklar, wer die Messungen überhaupt vornimmt. In den zwischenzeitlich maßgeblichen NfL stand nur"zuständige Behörde".

Alternativ wurde angeboten:
Reduzierung des Flugsektors auf 300 m und Reduzierung des Lärmpegels.
Dies war für uns so nicht akzeptabel. Wir hatten die Messungen des Sachverständigen. Auf diese wollten wir Bezug nehmen und hielten es auch für unser Recht.

Oder, weitere Alternative:
Reduzierung des Geräuschpegels auf 83 dB/(A) bei gleichzeitigem Aufstieg von zwei kolbengetriebenen Modellen. Einhalten der Pausen an Sonn- und Feiertagen von 13:00 bis 15:00 Uhr. Flugbetrieb abends bis 20:00 Uhr, max. bis Sonnenuntergang. Der Sachverständige hatte 84 dB/(A) empfohlen.
Dies sollte alles unter dem Aspekt der Vorläufigkeit erfolgen.

Die Behörde verlangte allerdings letztlich doch eine Messung bei dem Beschwerdeführer. Das Argument des Sachverständigen, dass aufgrund der Geländestruktur keine relevanten Immissionen ankommen könnten, wurde nicht akzeptiert.

Weitere Probleme:
Der Anwalt der mittlerweile zahlenmäßig angewachsenen Beschwerdeführer zog alle Register. Er machte eigene Überprüfungen vor Ort und stellte fest, dass bereits ein Zaun errichtet worden war - Baurecht. Wir hatten uns ergänzend mit der zuständigen Jagdgenossenschaft abgestimmt. Der Zaun besteht aus dem üblichen Wildschutzdraht, der des Öfteren im Außenbereich benutzt wird. Eine Öffnung im Zaun ermöglicht das Betreten des Platzes und damit auch die Nutzung durch Wild. Dies war dem Jagdausübungsberechtigten schon wichtig.

Weiterhin wies der Anwalt darauf hin, dass es Planungen gibt, einen ca. 15 km entfernten Flugplatz (ehemalige Airbase) wieder zu beleben und dass unser Modellflugplatz im Bereich der Einflugschneise liegen würde. Dies war nach unserem Kenntnisstand schlicht eine bloße Behauptung, mehr nicht.

Der Bürgermeister einer etliche Kilometer entfernten Gemeinde schrieb, dass die Jagd eingeschränkt würde. Hierzu muss man anmerken, dass das Modellfluggelände an einer Kreisgrenze liegt, der beabsichtigte Modellflugsektor aber diesen zweiten Landkreis nicht tangiert.
Wir hatten somit die absurde Situation, dass „unsere“ betroffene Jägerschaft keine Einwände gegen den Modellflugbetrieb hatte, die angrenzende, in dem anderen Kreisgebiet liegende aber gegen das Vorhaben war.

Weiterhin wurde eine Gefahr für Bienen und Kleintiere gesehen, der Tourismus wäre auch betroffen….., die Reihe ließ sich beliebig fortsetzen. In der Summe betrachtet alles nur Vermutungen und Behauptungen, die aber letztlich die Konsequenz hatten, dass wir beim Beschwerdeführer messen mussten. Nur so ließ sich unserer Ansicht nach belegen, dass die Beschwerden hinsichtlich der Immissionen grundlos waren.

März 2006 - Einschränkung des Flugsektors?
Vom Luftamt wurde angekündigt, dass man lediglich bereit wäre, einen Sektor von 300 m zu genehmigen. Dies sollte sich aus den NfL ergeben. Da mir zum damaligen Zeitpunkt die Textfassung vorlag, konnte ich das selbst überprüfen. Richtig war, dass das Büro Sorge, das die Referenzmessungen, Berechnungen und die Abstandstabellen vorgenommen und erstellt hatte, auf einen Flugsektorradius von 300 m Bezug genommen hatte. Ein Radius von 500 m war nach den Richtlinien ohne weiteres möglich:
Zitat: „Der Hindernis- und gefährdungsfrei benutzbare Flugraum soll dabei mindestens den Umfang eines Halbkreises mit folgendem Radius um den Fluggeländebezugspunkt aufweisen:.....“

Dies erforderte wiederum mehrere Telefonate. Man wollte von dieser Position zunächst nicht abrücken. Für diesen Fall kündigte ich Rechtsmittel an. Später ergab sich die Möglichkeit der Rücksprache mit dem Referatsleiter. Ich erhielt Gelegenheit, meine Begründung darzulegen. Mir wurde zugesagt, die Angelegenheit im Hinblick auf einen Sektor von 500 m zu prüfen.

Erneutes Telefonat mit der Genehmigungsbehörde.
Nach wie vor wollte man uns nur einen Sektor von 300 m genehmigen. Die AE wäre schon geschrieben.
Man hatte bundesweit bei den Luftämtern recherchiert. Unser damaliger Nachteil war, dass wir wohl der erste Verein waren, der eine AE nach den neuen Richtlinien erhalten sollte. Auf Behördenseite gab es also noch gar keine diesbezüglichen Erfahrungen. Die zuständige Sachbearbeiterin wollte auch mit dem Büro Sorge telefoniert haben. Dort soll man sich auf den 300 m Radius als Referenzwert für die Tabellen zurückgezogen haben Die Genehmigungsbehörde wollte nun eigene Sachverständige für Lärmmessungen kontaktieren. Dies bedeutet eine weitere Verzögerung, wobei diese Absprache mit dem Luftamt einvernehmlich erfolgt war. Es war nachvollziehbar, dass eine weitere Meinung eingeholt werden sollte. Dann trotzdem:

12.04.06 - Die Aufstiegserlaubnis.
An diesem Tag erhielt ich mit der Post einen größeren Briefumschlag, darin die AE.
Die Aufstiegserlaubnis auf Basis der NfL umfasste mit allen Genehmigungen und Auflagen 10 Seiten. Sie wurde unbefristet erteilt, aber, wie allgemein üblich unter dem Vorbehalt des jederzeitigen Widerrufs bei gravierenden Verstößen gegen die Auflagen. Natürlich war die Freude trotz eines Kostenbescheides in Höhe von 562 € groß.
Man hatte uns den Sektor von 500 m genehmigt, ebenso waren Segler in der AE erfasst worden. Flugbetrieb mit turbinengetriebenen Modellen wurde ebenfalls zugelassen, wobei diese Modelle nicht gleichzeitig mit kolbengetriebenen Modellen fliegen dürfen.
Die erkennbar einzige Einschränkung war die Anzahl der gleichzeitig fliegenden Modelle. Der Sachverständige hatte den gleichzeitigen Betrieb von drei kolbengetriebenen Modellen vorgesehen, die AE schränkte uns auf zwei Modelle ein. Dies war mir aber vorher angekündigt worden. Der Grund liegt in den maximalen Dezibelwerten bei Flugbetrieb. Die Tabellen der NfL ermöglichen es, einen höheren Dezibelwert bei kolbengetriebenen Modellen zu genehmigen, wenn die Zahl der gleichzeitig fliegenden Modelle beschränkt wird.
Diese Einschränkung war hinnehmbar und stellt de facto bezüglich der Platznutzung keine große Behinderung dar.

Stand: 01.05.2008